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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp

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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp
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Noch mehr Sirenen.

Ich ging weiter ins Wasser hinein, aber Ares war schnell. Seine Schwertspitze zerfetzte meinen Ärmel und kratzte über meinen Unterarm.

Eine Polizistenstimme sagte ins Megafon: »Lasst die Gewehre sinken. Legt sie auf den Boden. Sofort.«

Gewehre?

Ich schaute Ares’ Waffe an. Sie schien zu flackern, manchmal sah sie aus wie ein Gewehr, manchmal wie ein zweihändiges Schwert. Ich wusste nicht, was die Menschen in meinen Händen sahen, war aber ziemlich sicher, dass es mich ihnen nicht sympathisch machte.

Ares drehte sich um und starrte die Zuschauer wütend an und das verschaffte mir eine Atempause. Jetzt standen fünf Streifenwagen dort und hinter ihnen knieten die Polizisten und richteten ihre Pistolen auf uns.

»Das ist eine Privatangelegenheit«, schrie Ares. »Verschwindet.«

Er bewegte die Hand und eine rote Flammenwand rollte auf die Streifenwagen zu. Die Polizisten hatten kaum die Zeit, in Deckung zu gehen, als ihre Fahrzeuge auch schon explodierten. Die Menge hinter ihnen lief schreiend auseinander.

Ares brüllte vor Lachen. »Na, kleiner Held. Und jetzt kommst du auf den Grill.«

Er schlug zu. Ich lenkte seine Klinge ab. Ich kam dicht genug an ihn heran, um zu schlagen, ich versuchte ihn durch eine Finte zu täuschen, aber mein Schlag wurde abgewehrt. Die Wellen trafen mich in den Rücken. Ares stand bis zu den Oberschenkeln im Wasser und kam hinter mir her.

Ich spürte den Rhythmus der See, die Wellen wurden höher mit der Flut und plötzlich kam mir eine Idee. Kleine Wellen, dachte ich. Das Wasser hinter mir schien sich zurückzuziehen. Ich hielt die Flut durch meine Willenskraft zurück, aber dabei staute sich Spannung auf wie Kohlensäure hinter einem Korken.

Ares kam mit zuversichtlichem Grinsen auf mich zu. Ich ließ die Klinge sinken, als sei ich zu erschöpft, um weiterzumachen. Moment noch, bat ich das Meer. Der Druck warf mich fast um. Ares hob sein Schwert. Ich ließ der Flut ihren Lauf, sprang los und wurde auf einer Welle über Ares hinweggeschleudert.

Eine fast zwei Meter hohe Wasserwand traf ihn voll im Gesicht und er spuckte fluchend Seetang. Wasser spritzte, ich landete hinter ihm und tat so, als zielte ich auf seinen Kopf, wie ich das schon einmal getan hatte. Er drehte sich rechtzeitig um, um sein Schwert zu heben, aber diesmal war er verwirrt und sah nicht voraus, was ich vorhatte. Ich änderte meine Richtung, zielte seitwärts, bohrte mein Schwert ins Wasser und traf mit der Spitze in die Ferse des Gottes.

Das darauf folgende Gebrüll ließ Hades’ Erdbeben wie eine Kleinigkeit aussehen. Die See wurde zurückgeschleudert und hinterließ einen über fünfzehn Meter breiten feuchten Kreis im Sand.

Ichor, das goldene Blut der Götter, floss aus einem Loch im Stiefel des Kriegsgottes. Sein Gesichtsausdruck zeigte weit mehr als Hass. Er enthielt Schmerz, Schock und die absolute Weigerung zu glauben, dass er verwundet worden war.

Er kam auf mich zugehumpelt und murmelte altgriechische Verwünschungen.

Etwas hielt ihn auf.

Eine Wolke schien sich vor die Sonne zu schieben, aber es war noch schlimmer. Das Licht wurde schwächer. Geräusche und Farben verschwanden. Etwas Kaltes, Drückendes wehte über den Strand, ließ die Zeit langsamer werden, drückte die Temperatur auf den Gefrierpunkt und gab mir das Gefühl, das Leben sei hoffnungslos, ein Kampf sinnlos.

Die Dunkelheit hob sich.

Ares machte ein verdutztes Gesicht.

Hinter uns brannten Streifenwagen. Die Zuschauermenge war geflohen. Annabeth und Grover standen schockiert am Strand und sahen zu, wie das Wasser wieder um Ares’ Füße spülte und wie sein glühend goldener Ichor sich in der Flut auflöste.

Ares ließ sein Schwert sinken.

»Du hast dir einen Feind gemacht, Göttersohn«, sagte er. »Du hast dein Schicksal besiegelt. Wann immer du im Kampf dein Schwert erheben wirst, wann immer du auf Erfolg hoffen wirst, wirst du meinen Fluch spüren. Hüte dich, Perseus Jackson. Hüte dich.«

Sein Körper fing an zu glühen.

»Percy!«, schrie Annabeth. »Nicht hinsehen.«

Ich wandte mich ab, als der Gott Ares seine wahre unsterbliche Gestalt annahm. Irgendwie wusste ich, dass ich zu Asche zerfallen würde, wenn ich hinschaute.

Das Licht erlosch.

Ich schaute mich um. Ares war verschwunden. Die Flut zog sich zurück und gab Hades’ bronzenen Helm der Finsternis frei. Ich hob ihn auf und ging zu meinen Freunden.

Doch ehe ich sie erreicht hatte, hörte ich das Flattern lederner Schwingen. Drei Großmütter mit gemeinen Gesichtern, Spitzenhäubchen und flammenden Peitschen glitten vom Himmel und landeten vor mir.

Die mittlere Furie, die früher einmal Mrs Dodds gewesen war, trat vor. Ihre Krallen waren ausgefahren, aber diesmal wirkte sie nicht bedrohlich. Eher sah sie enttäuscht aus, als habe sie mich zum Abendessen verschlingen wollen und nun erkannt, dass sie sich damit arge Verdauungsstörungen einhandeln würde.

»Wir haben alles gesehen«, zischte sie. »Also … du warst es wirklich nicht?«

Ich warf ihr den Helm zu, den sie überrascht auffing.

»Bringt das zu Herrn Hades«, sagte ich. »Sagt ihm die Wahrheit. Sagt ihm, er soll den Krieg abblasen.«

Sie zögerte, dann fuhr ihre gespaltene Zunge über ihre grünen, ledernen Lippen. »Leb wohl, Percy Jackson. Werde zu einem wahren Helden. Denn wirst du das nicht und fällst du mir jemals wieder in die Krallen …«

Sie kicherte gackernd; offenbar gefiel ihr diese Vorstellung. Dann erhoben sie und ihre Schwestern sich mit ihren Fledermausflügeln, flatterten in den raucherfüllten Himmel auf und waren verschwunden.

Ich ging zu Grover und Annabeth, die mich verblüfft anstarrten.

»Percy«, sagte Grover. »Das war so unglaublich …«

»Beängstigend«, sagte Annabeth.

»Cool«, sagte Grover.

Ich fühlte mich überhaupt nicht beängstigend. Ich fühlte mich auf keinen Fall cool. Ich war erschöpft, gerädert und hatte keinen Hauch von Energie mehr.

»Habt ihr das gefühlt … was immer es gewesen sein mag?«, fragte ich.

Beide nickten besorgt.

»Das waren bestimmt die Furien«, sagte Grover.

Aber ich war mir nicht sicher. Irgendetwas hatte Ares daran gehindert, mich umzubringen, und was immer es gewesen war, es musste sehr viel stärker sein als die Furien.

Ich sah Annabeth an und merkte, dass wir dasselbe dachten. Ich wusste jetzt, was sich in der Grube befand, was vom Eingang zum Tartarus aus zu uns gesprochen hatte.

Ich ließ mir von Grover meinen Rucksack geben und schaute hinein. Der Herrscherblitz war noch immer da. Ein so kleiner Gegenstand – und er hätte fast den Dritten Weltkrieg ausgelöst.

»Wir müssen zurück nach New York«, sagte ich. »Wir müssen heute Abend dort sein.«

»Das ist unmöglich«, sagte Annabeth. »Falls wir nicht …«

»Fliegen«, fügte ich hinzu.

Sie starrte mich an. »Fliegen, in einem Flugzeug, etwas, das du auf jeden Fall lassen solltest, damit Zeus dich nicht vom Himmel fegt, dazu mit einer Waffe, die vernichtender ist als eine Atombombe?«

»Ja«, sagte ich. »So ungefähr. Los geht’s.«

Ich rechne ab

Es ist witzig, wie Menschen alles umdeuten und ihrer eigenen Version der Wirklichkeit anpassen. Das hatte Chiron mir ja schon gesagt. Aber wie immer ging mir erst viel später auf, wie weise seine Worte gewesen waren.

Den örtlichen Nachrichten zufolge hatte ein verrückter Kidnapper, der mit einem Gewehr auf einen Streifenwagen gefeuert hatte, eine Explosion am Strand von Santa Monica ausgelöst. Er hatte aus Versehen eine Gasleitung getroffen, die während des Erdbebens geborsten war.

Dieser verrückte Kidnapper (auch bekannt als Ares) war just der, der mich und zwei andere Jugendliche aus New York entführt und in einer zehn Tage langen Odyssee des Schreckens quer durchs Land geschleppt hatte.

Der arme kleine Percy Jackson war eben doch kein Krimineller von Weltrang. Er hatte das Gefecht im Bus verursacht, weil er versucht hatte, seinem Entführer zu entkommen (und es gab jetzt auch Zeugen, die beschwören konnten, den Mann in der Lederkluft im Bus gesehen zu haben – »Wieso fällt mir das bloß jetzt erst ein?«). Der Verrückte war auch für die Explosion im Brückenbogen von St. Louis verantwortlich. Schließlich hätte kein Kind das schaffen können. Eine besorgte Zeugin in Denver hatte gesehen, wie der Mann vor ihrem Imbiss die Entführungsopfer bedroht hatte, sie hatte einen Kollegen ein Foto machen lassen und die Polizei informiert. Und in Los Angeles hatte der tapfere Percy Jackson (langsam mochte ich den Jungen wirklich) seinem Entführer endlich ein Gewehr abgenommen und ihm am Strand eine Schießerei geliefert. Die Polizei war gerade noch rechtzeitig eingetroffen. Aber durch eine aufsehenerregende Explosion waren fünf Streifenwagen in Flammen aufgegangen und der Entführer war entkommen. Tote waren nicht zu beklagen. Percy Jackson und seine beiden Freunde befanden sich in der sicheren Obhut der Polizei.

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