Admiral Bolithos Erbe: Ein Handstreich in der Biskaya
- Автор: Кент Александер
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-550-06375-X
- Переводчик: Kurtz Klaus D.
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Admiral Bolithos Erbe: Ein Handstreich in der Biskaya». Краткое содержание книги:
Noch ein paar hastig geflüsterte Abschiedsworte, dann stieß das Boot wieder ab und strebte so schnell es konnte der offenen See zu.
Browne stand stockstill und lauschte dem Wind, dem Gurgeln der kleinen Wellen auf dem festen Sand. Mit gezogenem Säbel kam Searle zurück.
«Alles klar, Oliver?«Im Dunkeln leuchteten seine Zähne hell.»Sie wissen den Weg.»
Dann sah Browne den Felsen über sich aufragen: wie ein Kamelhöcker. Genauso hatte er ausgesehen, als er hier mit Bolitho stand.
Searle hatte die Männer des Stoßtrupps selbst ausgewählt, zwei fähige Kanoniere und vier der schlimmsten Galgenvögel, die Browne je vor Augen gekommen waren. Nach Searles Worten waren sie aus mehr als einem Kerker entsprungen, und Browne glaubte ihm das unbesehen.
Neben einem Riedgrashügel pausierten sie, bis Browne leise sagte:»Hier vorn beginnt der Fußweg.»
Seine Ruhe überraschte ihn selber. Er hatte gefürchtet, daß ihn Mut und Entschlossenheit verlassen würden, wenn das Schiff und die vertrauten Gesichter erst hinter ihm zurückblieben.
Aber er hätte sich nicht sorgen müssen.
Searle flüsterte:»Moubray, du kletterst dort hinauf und bleibst als Nachhut bei Nicholl Garner.»
Die restlichen Seeleute und die beiden Kanoniere stapften den Pfad hinauf und schnauften wie Grubenpferde unter der Last ihrer Pulversäcke und Waffen.
Es ging steiler bergan, als Browne in Erinnerung hatte. Oben ließen sie sich erst einmal ins nasse Gras fallen, um wieder zu Atem zu kommen und sich zu orientieren.
«Seht ihr diesen hellen Fleck dort?«fragte Browne leise.»Das ist die Festungsmauer. Falls keine neuen Gefangenen eingeliefert wurden, sollte die Wachmannschaft ziemlich nachlässig sein. Unser Ziel liegt rechts davon. Hundert Schritte und dann um einen runden Hügel.»
Der Kanonier namens Jones hob warnend die Hand.»Was ist das?«Er lauschte.
Alle erstarrten, bis Browne flüsterte:»Das sind Pferde. Eine Nachtpatrouille der Kürassiere, von denen ich Ihnen erzählt habe. Sie bleiben auf der Straße.»
Zum Glück verschmolzen die dumpfen, langsamen Hufschläge bald mit den anderen Geräuschen der Nacht.
Searle erhob sich.»Weiter!«Mit seinem Säbel gab er die Richtung an.»Und daß mir keiner stolpert! Wessen Waffe unabsichtlich losgeht, dem schlage ich persönlich den Kopf ab!»
Browne merkte, daß er noch lächeln konnte. Searle war erst zwanzig, aber er hatte die bullige Selbstsicherheit eines alten Kämpen.
Sie brauchten länger als erwartet, und Browne fürchtete allmählich, daß sie zu weit nach rechts abgekommen waren.
Zu seiner großen Erleichterung hörte er jedoch Nicholl, der ihnen vorausging, bald angestrengt flüstern:»Da ist sie, Sir! Recht voraus!»
Sie warfen sich alle zu Boden, während Browne und Searle die schwach erkennbaren Umrisse der Kirche studierten.
«Das Portal ist auf der anderen Seite, nach der Straße zu.»
Browne zwang sich, bewußt an die nächsten Minuten zu denken. Vielleicht waren sie alles, was ihm noch vom Leben blieb. Was erwartete er denn? Die Sache war notwendig, aber für ihn und die anderen bedeutete sie den fast sicheren Tod. Er lächelte in sich hinein. Wenigstens bekam sein Vater vielleicht doch noch eine bessere Meinung von ihm.
Er sah die anderen an.»Fertig?»
Alle nickten, manche bleckten die Zähne wie Hunde an der Leine.
Eng an die Kirchenmauern gedrückt, schlichen sie um das Gebäude herum zur anderen Seite. Alles blieb so still, als seien sie die einzigen Menschen auf der Welt. Nur die Seebrise strich flüsternd durchs Gras, und ab und zu quietschte einer ihrer Schuhe.
Ein Mann schrie erstickt auf, als ein Vogel dicht vor seinen Füßen aufflatterte und krächzend in der Dunkelheit verschwand.
«Verdammter Mist!«fluchte Searle.
«Ruhe!«Browne preßte sich an die Mauer und erwartete, einen fragenden Anruf oder einen Schuß zu hören.
Als nichts geschah, drückte er sich entschlossen von der Wand ab und spähte an dem viereckigen normannischen Kirchturm empor, dessen Silhouette sich schwach vom Himmel abhob. Aus einem schmalen Fensterschlitz weiter oben fiel ein Lichtschimmer.
Mit Mühe zwang er seine rasenden Gedanken zur Ruhe und versuchte, sich zu erinnern, was er über diese optischen Telegraphen erfahren hatte. In England wurden sie in der Regel von vier bis fünf Männern betrieben: einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei bis drei Seeleuten. Da dieser hier in der Nachbarschaft der Festung stand, war es wahrscheinlich, daß zumindest einige Männer der Turmbesatzung die Nacht dort verbrachten. In diesem Fall.
Browne schlich zu Searle und flüsterte:»Probieren wir die Tür.»
Der Kanonier namens Jones packte den schweren Eisenring, der als Klinke diente, und drehte ihn vorsichtig. Er quietschte, aber die Tür gab nicht nach.
«Verschlossen, Sir.»
Searle winkte einen zweiten Mann heran.»Moubray, mach den Wurfanker klar!»
Browne hielt den Atem an, als der Wurfanker nach oben flog, von der Mauer abprallte und wieder zwischen ihnen aufschlug.
Doch beim zweiten Versuch fanden seine Flunken Halt, und Browne sah einen Mann an der Leine nach oben verschwinden — so schnell, als hätte die alte Kirche ihn bei lebendigem Leibe verschluckt.
Gepreßt sagte Searle:»Tüchtiger Mann. Saß als Sträfling in Li-me House, bis die Werber ihn zu fassen kriegten.»
Wieder quietschte der Türring, und diesmal schwang die Tür auf. Im Spalt stand der Seemann und grinste breit.
«Kommt rein, hier drin ist's wärmer!»
«Nicht so laut, verdammt noch mal!«Searle spähte ins dunkle Turminnere.
«Keine Sorge, Sir. Hier ist niemand mehr. «Der Seemann schob die Blende einer Laterne hoch und hielt sie so, daß ihr Schein auf eine steinerne Wendeltreppe fiel. Auf den Stufen lag ein uniformierter Körper so verrenkt, wie er hingestürzt war; weit offene, starre Augen reflektierten das Licht.
Browne mußte schlucken. Dem Mann war die Kehle durchschnitten worden, sein Blut hatte die Wände bespritzt.
Ruhig berichtete der Seemann:»Er saß allein hier. War nicht schwerer, als einem blinden Kind die Geldbörse zu klauen.»
Searle steckte seinen Säbel in die Scheide.»Das kannst du ja beurteilen, Cooper. «Er wandte sich der Treppe zu.»Harding und Jones, macht eure Sprengladungen klar. «Dann blickte er zu Browne zurück und grinste mit schmalen Lippen.»Und wir gehen uns die Maschine ansehen, ja?»
Bolitho fuhr aus dem Schlaf hoch und packte die Armlehnen von Inchs komfortabler Chaiselongue, wo er seit Beginn der Nacht unruhig geschlummert hatte und immer wieder aufgewacht war.
Sofort fiel ihm auf, daß die Schiffsbewegungen heftiger waren und das Wasser am Rumpf lauter ablief, weil sich Odin stärker überlegte.
Bis auf den Schein einer einzelnen, halb abgeblendeten Laterne lag die Achterkajüte im Dunkeln, so daß die See vor den salzverkrusteten Fenstern drohend nahe und gierig wirkte.
Die Tür ging auf und gab Alldays Silhouette frei.
«Was ist los?«Also konnte auch Allday nicht schlafen.
«Der Wind hat gedreht, Sir.»
«Und aufgefrischt?»
«Ja. Er kommt jetzt aus Nordost. «Das klang bedrückt.
Bolitho dachte über die neue Lage nach. Mit einem Wechsel der Windrichtung hatte er gerechnet, aber daß der Wind bis Nordost herumgehen würde, war undenkbar gewesen. Für ihre heimliche Annäherung blieben ihnen nur noch einige wenige Stunden, und bei dieser Windrichtung konnten sie praktisch nur kriechen. Das bedeutete möglicherweise einen Angriff bei vollem Tageslicht dann aber wurde jedes feindliche Schiff im Umkreis vieler Meilen rechtzeitig alarmiert und konnte zum Gegenangriff übergehen.
«Meine Kleider!«Bolitho erhob sich und spürte das Deck unter seinen Füßen bocken, als spotte die See seiner Pläne.
«Ozzard kommt gleich«, sagte Allday.»Ich habe ihm schon Bescheid gesagt, als ich hörte, wie Sie sich herumwarfen. Diese Chaiselongue ist kein Platz zum Schlafen.»
Bolitho wartete, bis Allday die Blenden der Laterne etwas angehoben hatte. Das ganze Schiff war verdunkelt, selbst das Kombüsenfeuer gelöscht. Es hätte das Maß voll gemacht, wenn ausgerechnet aus dem Admiralsquartier der verräterische Lichtschein gekommen wäre.