Pelagia und der schwarze Moench
- Автор: Акунин Борис Чхартишвили
- Серия: Schwester Pelagia #2
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Goldmann Verlag
- ISBN: 3-442-45500-6
- Переводчик: Dorothea Trottenberg
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Pelagia und der schwarze Moench». Краткое содержание книги:
Es ist auch möglich, dass einer der Eremiten aus der Einsiedelei der Schuldige ist. Warum und weshalb – darüber will ich nicht einmal Vermutungen anstellen, weil ich bislang fast nichts über das Leben der heiligen Mönche weiß. Allerdings drehen sich alle diese verworrenen Ereignisse auf die eine oder andere Weise um die Einsiedelei. Das heißt, man muss auch diese Idee prüfen. Ich war heute auf der Nachbarinsel (ja, ja – zürnen Sie mir nicht), und der Abt Israil hat mir ein Rätsel aufgegeben, dessen Sinn mir nicht klar ist. Ich werde noch einmal dahin fahren müssen.
Nun noch zwei ganz andere Möglichkeiten, die nichts mit der Kirche zu tun haben.
Doktor Donat Sawwitsch Korowin, Inhaber und Leiter der Heilanstalt, ist ein bemerkenswerter Typ. Dieser philanthropische Millionär ist höchst ungewöhnlich und neigt zu allerlei Spielereien und Experimenten mit lebendigen Menschen. Von ihm könnte man durchaus erwarten, dass er zu Forschungszwecken ein solches Täuschungsmanöver anstellt: sagen wir, um die Wirkung mysteriöser Ereignisse auf unterschiedliche Temperamente zu untersuchen oder etwas in der Art. Danach würde er im »Heidelberger Jahrbuch für Psychiatrie« oder sonst wo einen Aufsatz dazu veröffentlichen, um seinen Ruf als Koryphäe zu untermauern – der meiner ungebildeten Ansicht nach nicht allzu verdient ist (zwar behandelt er seine Patienten in einem fort, aber irgendwie werden sie trotzdem nicht gesund).
Und schließlich könnte auch jemand von Korowins Patienten »Wassilisk« spielen. Diese sind ausnahmslos ganz extraordinäre Menschen, die sich frei bewegen. Insgesamt sind es achtundzwanzig Patienten (mit Alexej Stepanowitsch und Matwej Benzionowitsch dreißig), und ich habe erst einige von ihnen gesehen. Man müsste sie genauer unter die Lupe nehmen, nur weiß ich nicht, wie ich das anstellen soll. Mit Donat Sawwitsch liege ich im Streit, den ich allerdings selbst angezettelt habe. Doch das ist nicht das Problem – es wäre nicht schwer, mich wieder mit ihm zu versöhnen. Aber solange ich noch die Spuren der Begegnung mit dem schwarzen Mönch im Gesicht trage, trete ich Korowin besser nicht unter die Augen. Für ihn bin ich eine ganz gewöhnliche, hübsche Frau (verständlich, bei dem hiesigen Fischmangel), aber mit der Schönheit ist es nicht mehr weit her, wenn das halbe Gesicht verquollen ist. Männer sind nun einmal so, dass sie mit einer hässlichen Frau nicht einmal reden wollen.
Ich sehe direkt vor mir, wie an dieser Stelle ein ironisches Lächeln auf Ihr Gesicht tritt. Ich werde mich nicht verstellen, Sie durchschauen mich ja ohnehin. Ja, mir ist der Gedanke unangenehm, dass Donat Sawwitsch Polina Andrejewna Lissizyna, die er auf eine ganz besondere Weise angesehen und mit Komplimenten überhäuft hat, in diesem Zustand sehen könnte. Ich bekenne es, ich bin schwach und eitel.
Nun schreibe ich noch die letzten Zeilen, und dann gehe ich.
Es ist eine mondhelle Nacht – gerade richtig. In solchen Nächten erscheint Wassilisk bei der Landzunge. Mein Plan ist ganz einfach: Ich verstecke mich am Ufer und versuche, dem Betrüger auf die Schliche zu kommen.
Wenn mein Spaziergang vergebens ist, werde ich mich ab morgen um den Abt und die Nachbarinsel kümmern.
Wenn aber der Spaziergang mit dem oben erwähnten Unglück enden sollte, so vertraue ich darauf dass mein Schreiben Eure Eminenz erreicht.