Die Quaddies von Cay Habitat [Falling Free - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Barrayar (de) #2
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-07965-5
- Переводчик: Michael Morgental
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Quaddies von Cay Habitat [Falling Free - de]». Краткое содержание книги:
»Vielleicht sind sie bloß nicht sehr gut organisiert«, meinte Silver, »und rücken jede Minute an.«
Madame Minchenko seufzte. »Das ist nur allzu wahrscheinlich.« Sie betrachte Silver und schürzte die Lippen. »Und was solltest du in diesem Fall tun?«
»Ich habe eine Waffe.« Silver berührte ihre Laserlötpistole, die auf der Konsole vor dem Pilotensitz lag, in dem sie sich räkelte. »Aber ich würde lieber auf keinen mehr schießen. Nicht, wenn ich es vermeiden kann.«
»Auf keinen mehr?« Madame Minchenkos Stimme klang um eine Nuance respektvoller.
Auf Leute zu schießen war eine so dumme Sache. Warum waren alle — jeder! — so beeindruckt? fragte sich Silver irritiert. Man sollte meinen, sie hätte etwas wirklich Großes getan, wie zum Beispiel eine neue Behandlungsmethode für die schwarze Stengelfäule entdeckt. Sie preßte ihre Lippen aufeinander.
Dann öffnete sie den Mund und beugte sich vor, um auf den Monitor zu starren. »Oh, oh. Hier kommt ein Bodenwagen.« »Sicher nicht unsere Jungs«, sagte Madame Minchenko mit einem gewissen Unbehagen. »Ich frage mich, ob etwas schiefgegangen ist.«
»Es ist nicht Ihr Landrover.« Silver fummelte an den Knöpfen für die Bildauflösung herum. Das schräg einfallende Sonnenlicht ergoß sich auf den Staub und verwandelte ihn in einen rotglühenden Rauchschleier. »Ich glaube … es ist ein Bodenwagen des Galac-Tech-Sicherheitsdienstes.« »Ach du lieber Himmel.« Madame Minchenko setzte sich aufrecht hin. »Was jetzt?« »Wir öffnen jedenfalls die Luken nicht. Unter keinen Umständen.«
Nach ein paar Minuten hielt der Bodenwagen etwa fünfzig Meter vor dem Shuttle an. Aus seinem Dach stieg eine Antenne auf und schwenkte sich ihnen gebieterisch zu. Silver schaltete den Kommunikator ein — es irritierte sie, daß sie ihre unteren Arme nicht voll einsetzen konnte — und rief vom Computer ein Menü der Kommunikatorkanäle auf. Das Shuttle schien Zugang zu einer Unmenge Kanäle zu haben. 9999 war der Audiokanal der Sicherheitsabteilung. Sie stellte den Kommunikator darauf ein.
»… bei Gott! He, Sie da drinnen — antworten Sie!«
»Ja, was wünschen Sie?«, sagte Silver.
Nach einer Pause der Überraschung: »Warum haben Sie nicht geantwortet?«
»Ich wußte nicht, daß Sie mich sprechen wollten«, antwortete Silver ganz logisch.
»Ja, nun — dieses Frachtshuttle ist Eigentum von Galac-Tech.«
»Ich ebenfalls. Also, was gibt’s?« »Hä …? Hören Sie, Lady, hier ist Sergeant Fors vom Galac-Tech-Sicherheitsdienst. Sie müssen aussteigen und uns dieses Shuttle übergeben.«
Eine Stimme im Hintergrund, die nicht ausreichend gedämpft wurde, fragte: »He, Bern — glaubst du, wir kriegen hierfür den Zehnprozent-Bonus für die Wiederbeschaffung von gestohlenem Eigentum?«
»Träum ruhig weiter«, knurrte eine andere Stimme. »Niemand wird uns eine Viertelmillion geben.« Madame Minchenko hob die Hand und lehnte sich vor, um zitternd einzuwerfen: »Junger Mann, hier spricht Ivy Minchenko. Mein Mann, Dr. Minchenko, hat dieses Raumfahrzeug beschlagnahmt, um auf einen dringenden medizinischen Notfall zu reagieren. Das ist nicht nur sein Recht, es ist seine gesetzlich vorgeschriebene Pflicht — und Sie sind nach den Vorschriften von Galac-Tech gehalten, ihm zu helfen, nicht ihn zu behindern.«
Darauf kam ein etwas verblüfftes Knurren: »Ich bin gehalten, dieses Shuttle zurückzubringen. Das sind meine Befehle. Niemand hat mir etwas von einem medizinischen Notfall gesagt.«
»Nun gut, dann sage ich es Ihnen jetzt.«
Wieder die Stimme aus dem Hintergrund: »… es sind nur ein paar Frauen. Los!«
Der Sergeant: »Werden Sie die Luke öffnen, Lady?«
Silver antwortete nicht. Madame Minchenko hob fragend die Augenbrauen, und Silver schüttelte stumm den Kopf. Madame Minchenko seufzte und nickte.
Der Sergeant wiederholte seine Forderungen, seine Stimme klang gereizt — nach Silvers Empfinden war er kurz davor, ordinär zu werden. Nach einer Minute oder zwei brach er ab. Nach ein paar weiteren Minuten gingen die Türen des Bodenwagens auf und die drei Männer kletterten heraus. Sie trugen Atemmasken, stapften herüber und starrten auf die Luken des Shuttles hoch über ihren Köpfen. Sie kehrten zum Bodenwagen zurück, stiegen ein — das Fahrzeug fuhr einen Bogen. Fuhr es weg? Silver hoffte es, wider alle Hoffnung. Nein, es kam wieder und parkte wieder, unter der vorderen Luke des Shuttles. Zwei der Männer wühlten hinten im Wagen nach Werkzeugen, dann stiegen sie auf das Dach ihres Fahrzeugs. »Sie haben so eine Art Schneidewerkzeuge«, sagte Silver erschrocken. »Sie versuchen anscheinend, das Shuttle aufzuschneiden.«
Schläge hallten durch das Shuttle.
Madame Minchenko nickte in Richtung der Laserlötpistole. »Ist es Zeit dafür?«, fragte sie furchtsam.
Silver schüttelte unglücklich den Kopf. »Nein. Nicht schon wieder. Außerdem kann ich auch nicht zulassen, daß sie das Schiff beschädigen — es muß raumfähig bleiben oder wir kommen nicht mehr nach Hause.«
Sie hatte Ti beobachtet … Sie holte tief Luft und griff nach der Shuttle-Steuerung. Es war hoffnungslos schwierig, die Fußpedale zu erreichen, sie würde ohne sie auskommen müssen. Rechtes Triebwerk aktivieren, linkes Triebwerk aktivieren — ein Summen lief durch das Schiff. Bremsen — da waren sie, sicher. Sie zog den Hebel sanft auf die Stellung ›Freigabe‹. Nichts geschah.
Dann taumelte das Shuttle vorwärts. Erschrocken über die plötzliche Bewegung, stieß Silver den Bremshebel wieder zurück und das Schiff kam schwankend zum Stehen. Sie suchte hektisch auf den Außenmonitoren. Wo …?
Die Steuerbordtragfläche des Shuttles war über das Dach des Bodenwagens dahingefegt und hatte es nur um einen halben Meter verfehlt. Silver erkannte mit einem schuldbewußten Schaudern, daß sie die Höhe der Tragfläche hätte überprüfen sollen, bevor sie das Shuttle in Bewegung setzte. Sie hätte den Flügel abreißen können, mit gräßlichen Konsequenzen für sie alle.
Die Sicherheitsleute waren nirgendwo zu sehen — nein, da lagen sie, über den trockenen Seegrund verstreut. Einer erhob sich aus dem Sand und hinkte zurück zum Bodenwagen. Was jetzt? Wenn sie parkte, oder selbst wenn sie in eine gewisse Entfernung rollte und dann parkte, dann würden sie es nur wieder versuchen. Es konnte nicht viele weitere Versuche geben, bevor sie schlauer wurden und die Reifen des Shuttles zerschossen oder es auf andere Weise unbeweglich machten. Eine gefährlich instabile Sackgasse. Silver saugte an ihrer Unterlippe. Dann lehnte sie sich unbeholfen nach vorn, in einem Sitz, der nicht für Quaddies entworfen worden war, ließ die Bremsen teilweise los und schaltete das Backbordtriebwerk ein. Das Shuttle zitterte ein paar Meter weiter vorwärts, schlitternd und stöhnend. Der Monitor zeigte, wie hinter ihnen der Bodenwagen halb von orangefarbenem Staub verdeckt wurde, den der Auspuff des Shuttletriebwerks hochwirbelte. Das Bild des Bodenwagens zitterte in der Hitze der Abgase.
Sie stellte die Bremsen so fest, wie es nur ging, und gab dem Backbordtriebwerk noch mehr Saft. Sein Surren wurde zu einem Winseln — sie wagte es nicht, es bis zum Jaulen hochzufahren, das Ti bei der Landung hervorgerufen hatte. Wer wußte, was dann geschehen würde? Das Plastikverdeck des Bodenwagens zerbrach in einem Krakelee sternförmiger Sprünge und sackte zusammen. Falls Leo recht gehabt hatte mit seiner Beschreibung des Treibstoffs, den sie hier unten für ihre Fahrzeuge benutzten, dann müßte eigentlich dieses Kohlenwasserstoff-Zeugs in jener Sekunde …
Ein gelber Feuerball verschlang den Bodenwagen. Er leuchtete einen Moment lang heller als die untergehende Sonne. Trümmer flogen in alle Richtungen davon, vollführten phantastische Bögen und Sprünge unter dem Einfluß der Schwerkraft. Ein Blick auf ihre Monitore zeigte Silver, daß die Sicherheitsleute jetzt alle in die andere Richtung davonrannten.