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Kalle Blomquist [с иллюстрациями]

Электронная книга - «Kalle Blomquist [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:

Liebe junge Detektive!
Aufgepaßt: Dieses Buch enthält die gesammelten Erfahrungen des großen Meisterdetektivs Kalle Blomquist. Vollzählig. Das ist von unschätzbarem Wert für Euch. Denn ob Ihr nun auf der Suche nach einem verborgenen Schatz seid oder einen exakten Plan ausarbeiten müßt, wie man einen langgesuchten Juwelendieb endlich zur Strecke bringen kann, oder blitzschnell entscheiden müßt, wenn der eigene Blutsbruder plötzlich gekidnappt wird, egal also in welch verzwickte Situation Ihr kommt, Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv, wird Euch den richtigen Tip geben.
Und wer weiß, vielleicht spricht man dann eines Tages von Euch als dem großen Meisterdetektiv …

VERLAG FRIEDRICH OETINGER
HAMBURG

Deutsch von Cäcilie Heinig und Karl Kurt Peters
Bilder von Volker Heydorn
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Als letzter Posten stand auf halbem Weg zur Ruine eine altertümliche Villa, fast versteckt hinter einer üppigen Hecke aus Hagedorn, Fliederbüschen und Kirschbäumen. Ein wackliger Zaun umgab das kleine Idyll. Gleich hinter der Villa zweigte ein Pfad vom Fahrweg ab und lief durch den Wald zur Schloßruine hinauf.

Anders hatte beschlossen, hier die Rückkehr der Roten abzuwarten. Er lehnte sich mit dem Rücken bequem an den Zaun.

»Nicht weit von öder Burg …« sagte Kalle und warf sich neben Anders ins Gras. »Kommt ganz darauf an, wie man es ansieht. Wenn wir den Abstand von hier zum Südpol als Vergleich nehmen, können wir den Großmummrich in der Gegend von Jönköping verstecken und doch behaupten, es sei nicht weit von öder Burg.«

»Vollkommen richtig«, stimmte Eva-Lotte zu. »Wir haben nie behauptet, daß das Elsternnest sich durchaus am Rand der Schloßruine befinden müsse. Aber die Roten sind viel zu vernagelt, um das zu begreifen.«

»Eigentlich müßten sie uns auf bloßen Knien danken«, sagte Anders erbittert. »Es hätte nahegelegen, den Großmummrich in der Gegend von Jönköping zu verstecken. Aber wir haben ihn freundlicherweise ganz in der Nähe – bei Eklunds Villa – versteckt. Das ist doch wirklich anständig.«

»Klar sind wir anständig.« Eva-Lotte lachte zufrieden. Und dann sagte sie etwas völlig Unerwartetes: »Seht mal, da drinnen auf der Verandatreppe sitzt ein kleiner Knirps.«

Wirklich, da saß ein Knirps auf der Verandatreppe. Mehr war nicht nötig, um Eva-Lotte ein Weilchen den Großmummrich vergessen zu lassen. Die berühmte Eva-Lotte die ein so tapferer Krieger war, hatte eben einen Augenblick weiblicher Schwäche.

Es hatte noch nie etwas geholfen, wenn der Anführer ihr klarzumachen versuchte, daß für so etwas im Krieg der Rosen kein Platz war. Anders und Kalle waren immer wieder erstaunt über Eva-Lottes Veränderung, sowie sie in die Nähe kleiner Kinder kam. Für Anders und Kalle waren Kleinkinder nur beschwerlich, naß und rotznäsig. Aber auf Eva-Lotte wirkten sie, als wären es alles kleine entzückende Lichtelfen. Kam sie in den Zau-berkreis einer dieser Elfen, so veränderte sich ihr jungenhafter kleiner Amazonenkörper, und sie benahm sich in einer Weise, die nach Anders’ Meinung völlig unbeherrscht war. Sie stieß wunderliche weiche Laute aus, die Kalle und Anders einfach auf die Nerven gingen. Die lebendige, übermütige Eva-Lotte, Ritter der Weißen Rose, war wie fortgeblasen. Es fehlte nur noch, daß die Roten sie einmal in einer solchen Stunde der Schwäche überraschten – der Fleck auf dem Wappenschild der Weißen Rose konnte so schnell nicht weggewaschen werden, meinten Kalle und Anders.

Der Kleine auf der Verandatreppe hatte wohl bemerkt, daß vor seinem Zaun etwas Ungewöhnliches geschah, denn er trottete jetzt langsam zur Gartenpforte. Er blieb stehen, als er Eva-Lotte sah. »Hej«, sagte er etwas schüchtern.

Eva-Lotte stand am Zaun und hatte das im Gesicht, was Anders und Kalle Idiotenlachen nannten. »Hej«, sagte sie. »Wie heißt du?«

Der Kleine sah sie mit ruhigen, dunklen blauen Augen an und schien für das Idiotenlachen nicht sonderlich empfänglich.

»Rasmus heiß’ ich«, antwortete er und malte mit dem großen Zeh im Sand des Gartenweges. Dann kam er näher. Er steckte ein kleines, stumpfes, sommersprossiges Naschen durch die Latten im Zaun und sah Kalle und Anders, die draußen im Gras sa-

ßen. Sein ruhiges Gesicht wurde von einem breiten, entzückten Grinsen gespalten. »Hej«, sagte er. »Ich heiße Rasmus!«

»Ja, haben wir gehört«, erwiderte Kalle gnädig.

»Wie alt bist du?« fragte Eva-Lotte.

»Fünf Jahre«, antwortete Rasmus. »Aber nächstes Jahr, da werde ich sechs. Wie alt wirst du denn nächstes Jahr?«

Eva-Lotte lachte. »Nächstes Jahr werde ich eine alte Tante«, sagte sie. »Was machst du übrigens hier? Wohnst du bei Eklunds?«

»Das gerade nicht«, antwortete Rasmus. »Ich wohne bei meinem Vater.«

»Wohnt er in Eklunds Villa?«

»Klar macht er das«, sagte Rasmus energisch. »Ich könnte doch sonst nicht hier bei ihm wohnen. Das verstehst du doch wohl!«

»Das ist reinste und feinste Logik, Eva-Lotte«, kicherte Anders.

»Heißt sie Eva-Lotte?« fragte Rasmus und zeigte mit dem großen Zeh auf Eva-Lotte.

»Ja, sie heißt Eva-Lotte«, sagte Eva-Lotte. »Und sie findet dich prima!«

Da die Roten noch nicht in Sicht waren, kletterte sie über den Zaun und näherte sich dem reizenden Kleinen in Eklunds Garten. Es konnte Rasmus nicht entgehen, daß zumindest einer da war, der an ihm interessiert war, und er beschloß, als Gegenleistung artig zu sein. Nun kam es nur noch darauf an, einen passenden Gesprächsstoff zu finden.

»Mein Vater macht Bleche«, begann er nach kurzer Überlegung.

»Bleche macht er?« fragte Eva-Lotte. »Ist er Schmied?«

»Nein, Schmied ist er nicht«, sagte Rasmus. »Er ist ein Professor, der Bleche macht.«

»Wunderbar«, sagte Eva-Lotte. »Dann kann er vielleicht für meinen Vater Bleche machen. Der ist Bäcker, verstehst du, und der kann eine Menge Bleche brauchen.«

»Ich werde meinen Vater bitten, daß er ein Blech für deinen Vater macht«, versicherte Rasmus freundlich und legte seine Hand in Eva-Lottes.

»Ach, Eva-Lotte, laß doch bloß den Bengel sausen«, sagte Anders. »Die Roten können jeden Moment kommen.«

»Immer ruhig«, beschwichtigte ihn Eva-Lotte. »Ich werde die erste sein, die ihnen auf den Kopf klopft.«

Rasmus starrte Eva-Lotte voller Bewunderung an.

»Wem wirst du als erste auf den Kopf klopfen?« fragte er.

Und Eva-Lotte erzählte. Vom ehrenvollen Krieg zwischen den Roten und den Weißen Rosen. Von wilden Verfolgungsjag-den durch Straßen und über Zäune. Von gefahrvollen Aufträgen, heimlichen Befehlen und spannendem Schleichen in dunklen Nächten. Von dem verehrten Großmummrich, und daß nun bald die Roten auftauchen würden, wild wie die Hornissen, und welch einen großartigen Kampf es dann geben würde.

Das verstand Rasmus gut. Endlich, endlich verstand er den eigentlichen Sinn des Lebens! Eine Weiße Rose mußte man sein! Etwas Herrlicheres konnte es nicht geben. Tief unten in seiner fünfjährigen Seele wurde in dieser Stunde der Wunsch geboren, so sein zu dürfen wie diese Eva-Lotte und Anders und der andere – wie hieß er doch …? Kalle! Genauso stark und groß zu sein, den Roten auf den Kopf zu klopfen, Haarsträuben zu bekommen, auf dunklen Wegen zu schleichen – und all das andere noch. Mit Augen, die voll waren von all seinen Wünschen, sah er begeistert zu Eva-Lotte auf und fragte beschwörend:

»Eva-Lotte, darf ich auch eine Weiße Rose werden?«

Eva-Lotte gab seiner sommersprossigen Nase spielerisch einen leichten Stups. »Nein, Rasmus«, sagte sie. »Dafür bist du noch zu klein!«

Da wurde Rasmus böse. Eine heilige Wut packte ihn, als er die verhaßten Worte »Dafür bist du noch zu klein« hörte. Immer und immer und immer wieder bekam man sie zu hören!

Wütend starrte er Eva-Lotte an.

»Dann finde ich, daß du blöd bist«, sagte er.

Als er das festgestellt hatte, überließ er sie ihrem Schicksal.

Jetzt wollte er zu diesen Jungen gehen und dort fragen, ob er nicht eine Weiße Rose werden dürfe. Sie standen am Zaun und sahen interessiert zum Schuppen hinüber.

»Du, Rasmus«, fragte der, der Kalle hieß, »wem gehört denn das Motorrad da?«

»Vater natürlich«, sagte Rasmus.

»Donner!« murmelte Kalle. »Ein Professor, der Motorrad fährt! Wie sieht das wohl aus? Ich denke, sein Bart wird sich in den Rädern verwickeln.«

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