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DAS TAL DER PHARAONEN. Auf den Spuren der altägyptischen Könige

Электронная книга - «DAS TAL DER PHARAONEN. Auf den Spuren der altägyptischen Könige». Краткое содержание книги:

Kurzbeschreibung
Vandenberg erzählt die Geschichte zweier Männer, die verschiedener nicht sein konnten: Der eine Franzose, wagemutig, ein Draufgänger; der andere Deutscher, feinsinnig und schüchtern ═ Auguste Mariette und Heinrich Brugsch. Ihr Ziel war dasselbe: die Wiederentdeckung des Alten Ägypten und seiner verschollenen Kultur. Sie begegneten sich im legendären Tal der Könige, der größten archäologischen Schatzkammer der Welt.Nach den persönlichen Aufzeichnungen der beiden Forscher schrieb Vandenberg einen spannungsgeladenen Hintergrundbericht zur Ägyptologie.
Über den Autor
Philipp Vandenberg, 1941 in Breslau geboren, landete gleich mit seinem ersten Buch einen Erfolg: Der Fluch der Pharaonen (1973) wurde ein Weltbestseller. Es folgten zahlreiche spannende Sachbücher und Thriller, die oft einen archäologischen Hintergrund haben. Vandenbergs Bücher wurden bisher in 31 Sprachen übersetzt, darunter, neben allen Weltsprachen, ins Türkische, Bulgarische, Mazedonische und Rumänische. Der Autor lebt abwechselnd in Baiernrain und im Folterturm von Deutschlands längster Burganlage in Burghausen.
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»Ja, wirklich«, meinte Morgan und fand lobende Worte über die Tüchtigkeit des Wächters. Brugsch musterte das Haus, wiegte den Kopf hin und her, und mit einem spöttischen Lächeln trat er ganz nahe an Achmed heran. »Du hast ein schönes Haus gebaut, Achmed, aber der Platz am Hang ist einer der schlechtesten in ganz Kurna.« Achmed hob verlegen die Schultern. Brugsch bohrte weiter: »Kein Fellache baut sein Haus an den Hang, wenn in der Ebene noch Platz ist. Wer schleppt schon freiwillig das Wasser den Hang hinauf.« Achmed sagte nichts. »Es sei denn«, fuhr der Deutsche fort, »der Bauplatz böte irgendwelche Vorteile.« »Man hat eine schöne Aussicht«, sagte Achmed treuherzig.

Brugsch lachte: »Es könnte natürlich auch sein, daß man so ein Haus nur deshalb an dieser Stelle errichtet, weil schon ein fertiges Kellergeschoß vorhanden ist, ein kunstvoll gebautes Grab zum Beispiel. ..«

Da hob der Alte die Arme zum Himmeclass="underline" »Allah ist mein Zeuge. Erst während der Bauarbeiten habe ich gemerkt, daß sich unter dem Haus ein Grab befindet, und als ich es öffnete, war es leer, bei Allah!«

»Dann wollen wir uns dieses Grab doch einmal näher ansehen«, meinte Brugsch; aber Achmed fiel vor ihm auf die Knie, jammerte, man möge ihm diese Schmach ersparen, er würde sie nicht überleben, und seine drei Frauen und zwölf Kinder stünden dann ohne Ernährer da. Bei seiner rechten Hand schwor Achmed, daß dies der letzte Coup gewesen sei, nie mehr im Leben werde er eine Ausgrabung geheimhalten. Er würde sie auch zu jener Stelle führen, an der vor vier Wochen eine wunderbare Entdeckung gemacht wurde, ganz Kurna sei daran beteiligt; aber man möge ihn nicht anklagen.

Jacques de Morgan und Heinrich Brugsch sahen sich wortlos an. Schließlich meinte der Franzose: »Was ist das für ein Fund, von dem alle Leute reden?« Oberaufseher Achmed Abd er-Rassul machte ein Geständnis: »Monsieur, Sie können mich schlagen, aber da ist noch ein Grab . . .«

Der Direktor stutzte: »Ist es ein Pharaonengrab?« »Nein«, antwortete Achmed, »ich glaube, es handelt sich um ein Mumienversteck von Edelleuten oder Beamten, vielleicht sind es auch Priester. Aber das Grab ist zu groß, es sind einfach zu viele Mumien. Wir hätten es nie allein ausräumen können.«

»Wo?« fragte Brugsch.

Abd er-Rassul deutete auf ein kleines schwarzes Zelt, wie es die Ziegenhirten als Schutz vor der Sonne aufspannten. Es stand abseits auf einem Felsvorsprung von Der al-Bahari und fiel nicht weiter auf, denn man sah viele solcher Zelte m der Gegend. Oben angelangt, kappte Achmed das Seil, über das die Leinwand gezogen war. Das Zelt sank in sich zusammen und gab den Blick frei auf einen gemauerten unterirdischen Zugang. Der Oberaufseher ging voraus, die beiden Forscher hinterher. Im Innern entzündete er eine Kerze. Ein hoher, schmaler Gang öffnete sich mit einemmal zu einem großen Raum.

Brugsch hatte viel gesehen in seinem Leben, aber dieser Anblick verschlug ihm die Sprache: Aufgereiht wie in einer Klinik lagen da die Mumien von 153 Priestern, einige in pompösen Sarkophagen, andere in schlicht gezimmerten Holzsärgen, die meisten nur in ihrer Mumienverkleidung. Der Professor rang nach Luft.

Zurück im Sonnenlicht, sagte Brugsch zu Morgan: »Kein Zweifel, auch hier haben wir es mit einem nachträglich angelegten Mumienversteck zu tun. Aus Angst vor Grabräubern wurden die toten Priester hier zusammengetragen und, offenbar einbruchsicher, ein zweites Mal bestattet. Es würde mich nicht wundern, wenn auch die übrigen Pharaonen, die bisher noch verschollen sind, in einem solchen Versteck auftauchten.«

»Gut, Monsieur«, sagte Jacques de Morgan, »ich erteile Ihnen hiermit die Konzession, im Tal der Könige nach einem weiteren Pharaonenversteck zu suchen. Ich stelle Ihnen eine komplette Ausgräber-Mannschaft. Wenn Sie wollen, können Sie morgen anfangen . . .«

Brugsch brachte keinen Ton hervor, er bekam feuchte Augen und blickte hinauf zur Felsenspitze von Der el-Bahari, hinter der sich das Tal der Könige auftat. Und ohne auf den Franzosen einen Blick zu werfen, sagte er leise: »Nee, nee, lassen Sie mal, Herr Direktor. Es war der Traum meines Lebens, im Tal zu graben und das unberührte Grab eines Pharao zu entdecken; aber es war mir nicht vergönnt. So etwas muß ein Junger machen. Wissen Sie, mit der Entdeckung allein ist es nicht getan, genauso wichtig ist die wissenschaftliche Aufarbeitung, und die kann ein ganzes Leben dauern.« »Sie sind sehr gewissenhaft«, sagte Morgan, »als Ausgräber vielleicht zu gewissenhaft.«

»Ich weiß«, antwortete Brugsch, »das habe ich immer an

Mariette bewundert, er kannte keine Skrupel. Bei ihm stand stets die Entdeckung im Vordergrund, die Ausbeute und nicht der Nutzen. Im Vergleich zu ihm war ich immer nur der kleine Schreibstubengelehrte.«

»Ein großer Gelehrter!« korrigierte Morgan. »Einer der größten Altertumsforscher überhaupt!«

»Nee, lassen Sie mal, Monsieur!« lächelte Brugsch. »Ich kann doch froh sein, wenn sich in hundert Jahren noch einer an den alten Brugsch erinnert.«

Während sie so redeten, hatten die beiden den Weg zu einem Felsentempel der Hatschepsut genommen, wo Edouard Naville grub.

»Nanu«, sagte Brugsch, »ist das nicht der junge Carter, den Petrie mitgebracht hat?«

Naville kam den beiden entgegen, und der Deutsche erzählte, daß auch er hier schon gegraben habe, zusammen mit Mariette, nur - Schienen hätte er damals noch nicht zur Verfügung gehabt. In Der el-Bahari wie im Tal der Könige waren jetzt Geleise gelegt, und Loren transportierten den Schutt von den Ausgrabungsstätten. Das erleichterte die Arbeit ungemein und sparte gleichzeitig Arbeitskräfte. »Wo ist Flinders Petrie?« erkundigte sich Brugsch. Naville sah Jacques de Morgan an. Der war etwas verlegen: »Wir hatten gestern abend eine Auseinandersetzung. Er sagte, er wolle sich nicht herumkommandieren lassen, nicht von der Altertümerverwaltung und nicht vom Egypt Exploration Fund. Er wolle dort graben, wo er es für richtig halte, und das sei zur Zeit in Amarna. Als ich ihm erklärte, die Direktionen in London und Kairo hätten sich darauf geeinigt, die Forschungen in Theben voranzutreiben, meinte er, dann sollten auch die Direktoren die Schaufel in die Hand nehmen. Heute morgen ist Petrie mit beiden Assistenten abgereist, den jungen Carter hat er dagelassen.« Brugsch Pascha nickte: »Petrie hat recht. Akten und Schreibtische sind der Tod jeder Altertumswissenschaft.« Und als er Morgans betroffenes Gesicht bemerkte, fügte er hinzu: »Aber deshalb hätte er ja nicht gleich die Flucht ergreifen müssen.«

Es war Heinrich Brugschs letzte Ägypten-Reise. Er verbrachte den Sommer mit seiner Frau Antonie im Jagdhaus eines Jugendfreundes im Harz. Er merkte wohl, daß es mit ihm zu Ende ging, sprach vom Tod und vom Glanz der Abendsonne, die ihn mit allem, was er Schweres im Leben zu ertragen hatte, versöhne. Die Sonne, so meinte er, gebe ihm den verlorenen Mut zurück, die fast gebrochene Kraft aufs neue für die Wahrheit einzusetzen. Bis zuletzt arbeitete er wie ein Besessener, übersetzte alte Inschriften und kommentierte seine Forschungsergebnisse. Sein Lexikon der Hieroglyphen und der demotischen Sprache umfaßte nicht weniger als 3146 Seiten. Eine Inschriften-Sammlung mit astronomischen, geographischen und mythologischen Texten zählte 1578 Seiten. 1420 Seiten wies sein geographisches Lehrbuch des Alten Ägypten auf - nur drei von einer Fülle von Werken. Professor Heinrich Brugsch Pascha starb am 9. September 1894 in Berlin. In Paris fand das erste internationale Autorennen statt, in New York bestritten Frauen ein SechsTage-Rennen, in St. Petersburg starb Zar Alexander III., in Berlin wurde Fürst Hohenlohe zum deutschen Reichskanzler gewählt, da blieb für Brugschs Tod nur eine kleine Zeitungsnotiz.

Mit Heinrich Brugsch verlor die Ägyptologie einen ihrer Größten. Obwohl er keinen einzigen Tempel entdeckt, kein einziges Pharaonengrab ausgegraben und keinem einzigen Papyrus seinen Namen gegeben hat, leistete er seiner Wissenschaft unschätzbare Dienste. Brugsch ist selbst ein Stück Ägyptologie, ein Mann der ersten Stunde, der letzte der Pioniergeneration.

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