Feind in Sicht: Kommandant Bolithos Zweikampf im Atlantik
- Автор: Кент Александер
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-548-20006-0
- Переводчик: Barton Frank
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Feind in Sicht: Kommandant Bolithos Zweikampf im Atlantik». Краткое содержание книги:
Indessen saß Pelham-Martin ganz gelassen und in völligem Schweigen da. Als Bolithos Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt hatten, bemerkte er, daß Farquhars Gesicht müde und überanstrengt aussah und daß seine Lippen zu einer schmalen Linie zusammengepreßt waren. Als er Bolithos Blick bemerkte, gab er nur ein knappes Zeichen mit der Schulter.
Dann kam Fitzmaurice, und ehe er sich noch für seine Verspätung entschuldigen konnte, sagte Pelham-Martin kurz:»Kapitän Farquhar brachte sehr ernste Nachrichten. «Er schaute den jungen Kapitän an und setzte bedeutungsvoll hinzu: Sie wiederholen es am besten mit Ihren eigenen Worten.»
Farquhar schwankte vor Müdigkeit, aber seine Stimme war so frisch und unpersönlich wie je.»Vor vier Nächten patroullierte ich nordwestlich von Tortuga, als Kanonendonner in östlicher Richtung gemeldet wurde. Beim ersten Tageslicht entdeckte ich zwei Fregatten, die im heftigen Kampf miteinander lagen. Die eine war spanisch, die andere die französische Thetis, mit vierzig Kanonen. «Er wußte, daß alle an seinen Lippen hingen, zeigte aber weder Gemütsbewegung noch Stolz.»Ich bemerkte bald, daß die spanische Fregatte jene war, die ich in Caracas gesehen hatte und die als Begleitung für das alljährliche Schatzschiff bestimmt war. Sie sah schlimm aus und war fast völlig entmastet. «Er seufzte plötzlich, und dieser Ton wirkte bei einem sonst so beherrschten Mann ungewohnt menschlich.»Ich rief meine Leute auf Gefechtsstationen und griff die Thetis unverzüglich an. Wir kämpften fast eine Stunde, und ich verlor dabei zehn Leute, aber der Gegner muß die fünffache Zahl eingebüßt haben. «Sein Ton wurde etwas härter.»Darauf brach der Franzose das Gefecht ab, und ich beeilte mich, die Überlebenden des spanischen Schiffes zu retten.»
Fitzmaurice fragte:»Sie ließen die Thetis entkommen?»
Farquhar sah ihn kalt an.»Ich hielt die Informationen, die der Spanier mir geben konnte, für wertvoller als eine Prise oder — «, fügte er hinzu — ,»als das Prisengeld.»
Als Bolitho sich das erste Mal vernehmen ließ, wandte sich Far-quhar in der Annahme, daß noch jemand seine Handlungsweise kritisieren wolle, brüsk um.
Bolitho sagte aber nur:»Das war gute Arbeit. «Sie war auch gut für Farquhar gewesen, denn indem er das feindliche Schiff aufgespürt und angegriffen hatte, hatte er sich von seiner befohlenen Position entfernt. Dadurch hatte ihn die zu ihm entsandte Korvette nicht finden und zu seinem Untergang führen können.
Nach einer Weile fügte Bolitho hinzu:»Haben Sie etwas Wichtiges bei dem Spanier gefunden?»
Farquhar schien erleichtert.»Es war nur noch ein Offizier am Leben. Er erzählte mir, daß seine Fregatte das Schatzschiff San Leandro begleitet und Caracas vor sechs Tagen mit Ziel Teneriffa verlassen hatte. Auf der Höhe von Tortuga stürzten sich vier Linienschiffe und die Fregatte Thetis auf sie. Allem Anschein nach hatten die Dons[3] sich kräftig zur Wehr gesetzt, aber ohne eine Chance. Die San Leandro strich die Flagge, und ein Prisenkommando ging zu ihr an Bord. Die spanische Fregatte konnte es angesichts ihrer Schäden weder verhindern, noch konnte sie den Verband verfolgen, und während das Geschwader mit seiner Prise davonsegelte, drehte die Thetis bei und erwartete den kommenden Morgen, um ihr den Fangschuß zu versetzen. Den Rest kennen Sie, meine Herren.»
Das Schweigen in der Kajüte, das diesen Ausführungen folgte, war bedrückt und voller Spannung, da jeder der Anwesenden erst einmal über das Gehörte nachdachte.
Farquhar sagte abschließend:»Obwohl ich den Spanier in Schlepp nahm, konnte ich ihn nicht retten. Er schnitt im aufkommenden Seegang unter und versank mitsamt den meisten Leuten, die das Gefecht überlebt hatten.»
Mulder kam quer durch die Kajüte herüber und fragte, an den großen Tisch gelehnt:»Was haben Sie noch aus dem spanischen Leutnant herausbekommen?»
Farquhar zuckte die Achseln.»Mein Schiffsarzt mußte ihm den rechten Fuß amputieren, und bis jetzt befindet er sich noch in sehr schlechter Verfassung. Ich glaube, er nimmt den Verlust der San Leondro schwerer als den seines Fußes. Aber er hat noch einiges gesagt, von dem ich nicht weiß, ob es wichtig ist. Unmittelbar nach der Besetzung des Schatzschiffes wurde an dessen Großmast eine seltsame Flagge gehißt: gelb mit einem schwarzen Adler drauf.»
Kapitän Fitzmaurice, der bisher verdrießlich auf den Fußboden gestarrt hatte, fuhr ruckartig hoch.»Das war doch die Flagge, die über Las Mercedes wehte! Meine Leute vom Landungskorps haben sie gesehen, als sie die Gefangenen befreiten. «Er starrte in Bolithos ernstes Gesicht.»Es ist die Standarte des dortigen Gouverneurs.»
Pelham-Martins Hände hoben sich etwas von den Armlehnen und fielen gleich wieder kraftlos zurück. Er sagte stockend:»Was steckt hinter all dem? Eine neue Falle, ein weiterer Trick, um uns auf eine falsche Spur zu locken? Es kann viel bedeuten — oder gar nichts.»
Fitzmaurice blickte an ihm vorbei und kniff die Augen zusammen, da er sich sehr konzentrierte.»Wenn Lequiller das Schatzschiff gekapert hat, müßte das doch seiner Sache schaden. Die Dons werden dadurch weniger geneigt sein, die Fronten zu wechseln, wie sie es in der Vergangenheit mehrmals getan haben.»
Pelham-Martins Stimme klang gequält.» Wenn es Lequiller war!»
«Daran ist nicht zu zweifeln, Sir. «Farquhar beobachtete ihn ausdruckslos.»Der spanische Leutnant hat das führende Schiff ganz deutlich gesehen. Einen Dreidecker mit der Flagge des Vizeadmirals im Vortopp.»
Der Kommodore sank tiefer in seinen Stuhl.»Alles, was wir zu unternehmen versuchten, jede unserer Bewegungen wurde von Lequiller vorausgesehen.»
Farquhar blickte erstaunt auf.»Aber wenigstens haben wir es jetzt nur noch mit der Hälfte seines Geschwaders zu tun, Sir.»
Fitzmaurice unterbrach brüsk:»Aber zwei Schiffe sind bei Las Mercedes entkommen.»
«Wenn ich nur mehr Schiffe hätte!«Pelham-Martin schien gar nicht zuzuhören.»Sir Manley Cavendish wußte genau, wem ich gegenüberstand, und doch gab er mir nur eine bescheidene Streitmacht, um damit fertigzuwerden.»
Farquhar wandte sich an Bolitho.»Was meinen Sie, Sir?»
Bolitho antwortete nicht sofort. Während die anderen redeten und Pelham-Martin sein Gewissen nach Gründen und Entschuldigungen erforschte, hatte er versucht, irgendeinen Hinweis zur Lösung des Rätsels zu entdecken, denn als solches erschien ihm das Verhalten des Franzosen von Anfang an.
Er fragte:»Was wissen Sie über den Gouverneur von Las Mercedes?»
Mulder machte eine vage Handbewegung.»Er heißt Don Jose Perez. Angeblich hat er seinen Posten in der Karibik zur Strafe und nicht als Auszeichnung bekommen. Er stammt aus einer reichen
Adelsfamilie und soll den spanischen Hof gegen sich aufgebracht haben, weil er die Steuern für seine Ländereien anderweitig verbraucht hatte. Las Mercedes muß ein Gefängnis für solch einen Mann gewesen sein; nach den zwanzig Jahren, die er dort verbracht hat, dächte ich.»
Bolitho fiel ihm ins Wort:»Zwanzig Jahre?«Er begann, in der Kajüte auf und ab zu gehen, von den anderen erstaunt beobachtet.»Ich fange an zu begreifen. Lequiller diente hier schon während der Amerikanischen Revolution und benutzte Las Mercedes mehrmals als zeitweilige Basis. Er mußte alles über Perez' Vergangenheit wissen, mag sein Vertrauen erworben und gemeinsam mit ihm Zukunftspläne geschmiedet haben. «Er hielt inne und sah die Versammelten nacheinander an.»Ich glaube, ich weiß jetzt, was Le-quiller im Schilde führt und wie seine Befehle lauteten, als er unsere Blockade durchbrach.»
Fitzmaurice sagte:»Ein Angriff auf die spanische Flotte?»
3
Spitzname für die Spanier