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Ein todsicherer Job

Электронная книга - «Ein todsicherer Job». Краткое содержание книги:

Zum Brüllen komisch und absolut hinreißend – eine liebenswerte Komödie der besonderen Art.

Charlie Ashers Welt ist perfekt, bis seine Frau Rachel bei der Geburt ihres ersten Kindes stirbt. Über Nacht ist Charlie nicht nur Vater, sondern auch Witwer. Und darüber scheint er den Verstand zu verlieren – anders kann er sich das Wesen in Minzgrün nicht erklären, das ihm immer wieder erscheint. Dann fallen auch noch wildfremde Menschen tot vor ihm um, und es stellt sich heraus, dass Charlie von ganz oben eine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hat: Seelen einzufangen und sicher ins Jenseits zu befördern. Ein todsicherer Job, aber trotzdem nichts für Charlie …
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Charlie seufzte schwer. »Genau darüber muss ich mir Gedanken machen.«

»Wie dem auch sei«, sagte Lily. »In der Arschsache lasse ich nicht mit mir handeln.«

Charlie gab sich Mühe, feierlich zu nicken, fing aber wieder an zu schnauben. Lily warf ihm die Gelben Seiten von San Francisco an den Kopf.

DIE MORRIGAN

»Diese Seele riecht nach Schinken«, sagte Nemain und rümpfte ihre Nase vor dem Fleischbrocken, der auf ihrer langen Klaue steckte.

»Ich will auch was davon haben«, sagte Babd. »Gib her!« Sieschlug nach dem Fleisch und spießte dabei ein faustgroßes Stück auf.

Die drei befanden sich in einem vergessenen Kellergeschoss unterhalb von Chinatown und räkelten sich auf den verkohlten Bohlen des großen Brandes von 1906. Bei Macha manifestierte sich langsam der Perlenkopfschmuck ihrer Frauengestalt. Sie betrachtete den Schädel eines kleinen Tieres im Licht ihrer Kerze, die sie aus dem Fett toter Babys gegossen hatte. (Macha war schon immer kunsthandwerklich begabt gewesen, und die beiden anderen neideten ihr dieses Talent.) »Ich verstehe nicht, wieso die Seele in diesem Fleisch sitzt und nicht in einem Menschen.«

»Schmeckt auch nach Schinken, glaube ich«, sagte Nemain und spuckte beim Sprechen rot leuchtende Seelenfetzen aus. »Macha, kannst du dich noch an Schinken erinnern? Mögen wir so was?«

Babd kaute ihr Fleisch und wischte die Klauen am Brustgefieder ab. »Ich glaube, Schinken ist was Neues«, sagte sie. »Wie Handys.«

»Schinken ist nichts Neues«, widersprach Macha, »das ist geräuchertes Schweinefleisch.«

»Nein!«, erwiderte Babd entgeistert.

»Wohl«, sagte Macha.

»Kein Menschenfleisch? Wie soll denn da eine Seele drin sein?«

»Herzlichen Dank«, meinte Macha, »genau das versuche ich gerade zu sagen.«

»Ich habe beschlossen, dass wir Schinken mögen«, sagte Nemain.

»Da stimmt was nicht«, sagte Macha. »Es sollte nicht so einfach sein.«

»Einfach?«, fragte Babd. »Einfach? Es hat hunderte, nein tausende Jahre gedauert, bis wir so weit waren. Wie viele tausend Jahre, Nemain?« Babd sah ihre giftige Schwester an.

»Viele«, sagte Nemain.

»Viele«, sagte Babd. »Viele tausend Jahre. Das kann man doch nicht einfach nennen.«

»Die Seelen kommen zu uns, ohne Körper, ohne Seelendiebe. Das ist doch irgendwie zu einfach.«

»Mir gefällt’s«, sagte Nemain.

Sie schwiegen eine Weile. Nemain lutschte an der leuchtenden Seele herum, Babd putzte sich, und Macha betrachtete den Tierschädel, wendete ihn in ihren Klauen.

»Ich glaube, es ist ein Murmeltier«, sagte Macha.

»Kann man aus Murmeltieren Schinken machen?«, fragte Nemain.

»Keine Ahnung«, sagte Macha.

»Ich erinnere mich nicht an Murmeltiere«, sagte Nemain.

Babd seufzte schwer. »Es läuft so gut. Denkt ihr beiden eigentlich manchmal daran, wie es wird, wenn wir für immer im Oben sind und die Finsternis regiert und das alles… ihr wisst schon… was dann?«

»Wie meinst du das: Was dann?«, fragte Macha. »Wir werden die Herrschaft über alle Seelen haben und den Tod bringen, wie es uns gefällt, bis wir der Menschheit alles Licht genommen haben.«

»Ja, ich weiß«, sagte Babd. »Aber was dann? Ich meine, das mit der Herrschaft und so weiter ist ja alles ganz hübsch, aber muss Orcus dann eigentlich auch noch da sein, so schnaubend und grunzend?«

Macha legte den kleinen Schädel weg und richtete sich auf. »Was soll das hier werden?«

Nemain lächelte mit makellosen Zähnen, nur die Eckzähne waren etwas lang. »Sie verzehrt sich nach diesem dürren Seelendieb mit seinem Degen.«

»Frischfleisch?« Macha traute ihren Ohren nicht. Diese waren erst seit ein paar Tagen wieder sichtbar, nachdem sie die ersten geschenkten Seelen in die Klauen bekommen hatte. Die Ohren waren schon eine Weile nicht getestet worden. »Magst du Frischfleisch?«

»Mögen ist etwas übertrieben«, sagte Babd. »Ich finde ihn nur interessant.«

»Interessant insofern, als du mit seinen Eingeweiden gern ein interessantes Muster in den Staub malen würdest?«, fragte Macha.

»Also… nein, ich bin nicht so begabt wie du.«

Macha sah Nemain an, die grinste und mit den Schultern zuckte. »Wahrscheinlich könnten wir versuchen, Orcus zu töten, wenn die Finsternis regiert«, sagte Nemain.

»Langsam habe ich genug von seinen Predigten, und er wird unerträglich werden, wenn der Luminatus nicht erscheint.« Macha zuckte mit den Schultern. »Klar, wieso nicht?«

DER KAISER

Der Kaiser von San Francisco war in Sorge. Er spürte, dass mit seiner Stadt etwas nicht stimmte, hatte aber keine Ahnung, was er dagegen unternehmen sollte. Er wollte die Leute nicht unnötig beunruhigen, aber sie sollten der möglichen Gefahr auch nicht gänzlich unvorbereitet ausgesetzt sein. Er war überzeugt davon, dass ein gütiger und gerechter Herrscher sein Volk nicht mit Furcht gängeln sollte, und bis er den Beweis hatte, dass tatsächlich Gefahr drohte, wäre es kriminell, vorschnell zu handeln.

»Manchmal«, sagte er zu Lazarus, dem standhaften Golden Retriever, »muss man seinen ganzen Mut zusammennehmen, stillhalten und abwarten. Wie viel Menschheit ward vergeudet, weil man Hast für Fortschritt hielt? Wie viel?«

Aber er hatte so manches gesehen – manch Seltsames. Eines späten Abends sah er in Chinatown einen Drachen aus Nebel, der sich durch die Straßen schlängelte. Dann, eines frühen Morgens, bemerkte er unten an der Boudin Bakery am Ghirardelli Square eine nackte, ölverschmierte Frau, die aus einem Gully kroch, einen Kaffeebecher aus dem Müll fischte und wieder im Gully verschwand, als eben eine Motorradstreife um die Ecke kam. Er wusste, dass er solche Sachen sah, weil er sensibler war als andere Menschen und weil er auf der Straße lebte und selbst noch die leiseste Veränderung wahrnahm, vor allem aber, weil er endgültig nicht mehr alle Nadeln an der Tanne hatte. Nichts von alledem jedoch befreite ihn von der Verantwortung für seine Untertanen, und es konnte ihm auch niemand weismachen, dass das, was er da sah, nicht irgendwie bedrohlich war.

Vor allem das Eichhörnchen im Reifrock machte dem Kaiser zu schaffen, auch wenn er nicht sagen konnte, wieso eigentlich. Er mochte Eichhörnchen, führte seine Männer sogar oft genug zum Golden Gate Park, um sie dort zu jagen, aber ein Eichhörnchen, das aufrecht lief, den Müll hinter dem Empanada Emporium durchwühlte und dabei ein rosafarbenes Ballkleid aus dem achtzehnten Jahrhundert trug, war – nun – befremdlich. Er war sicher, dass Bummer, der in seiner übergroßen Manteltasche schlief, ihm darin zustimmen würde. (Da Bummer im Grunde seines Herzens ein Schoßhund war, erwies er sich in der Koexistenz mit den Nagetieren als nicht eben aufgeklärt, vor allem nicht, wenn der Nager wie am Hofe Ludwig XVI. gekleidet war.)

»Ohne überkritisch sein zu wollen«, sagte Kaiser, »aber wären nicht Schuhe eine sinnvolle Ergänzung zu diesem Ensemble? Was meinst du, Lazarus?«

Lazarus, der normalerweise allen Nichtkeks-Kreaturen – ob groß, ob klein – gegenüber tolerant war, knurrte das Eichhörnchen an, das Hühnerbeine zu haben schien, die unter seinem Rock herausragten, was – nun ja – schon seltsam war.

Knurrend wurde Bummer wach, wand sich und kam aus seinem wollenen Schlafgemach hervor wie Grendel aus seinem Bau. Augenblicklich erlitt er einen cholerischen Bellanfall, als wollte er sagen: Ihr da, falls ihr es noch nicht gemerkt haben solltet – da drüben durchwühlt ein Eichhörnchen im Ballkleid den Müll, und ihr zwei sitzt nur da wie zwei Zementlöwen vor der Bücherei! Kaum war die Botschaft hinausgebellt, da war er auch schon unterwegs, ein flauschiges Eichhörnchensuchgeschoss, einzig und allein versessen auf die Vernichtung alles Nagenden.

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