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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Am andern Tage erschien Herr Morel ganz ruhig, er hielt sich wie gewöhnlich in seinemBüro auf, kam wie gewöhnlich zum Frühstück herab; nur ließ er nach dem Mittagsessen seine Tochter neben sich sitzen, nahm den Kopf des Kindes in seinen Arm und hielt ihn lange an seineBrust. Am Abend sagte Julie zu ihrer Mutter, sie habe, obgleich ihr Vater scheinbar ruhig gewesen, doch sein Herz heftig schlagen gefühlt. Die zwei nächsten Tage gingen ungefähr auf dieselbe Weise hin.

Die ganze Nacht vom 4. auf den 5. horchte Frau Morel, ihr Ohr fester an das Täfelwerk haltend; bis 3 Uhr morgens hörte sie ihren Gatten in großer Aufregung im Zimmer umhergehen; erst nach drei Uhr warf er sich auf seinBett. Die Frauenbrachten die Nachtbeisammen zu. Seit dem vorhergehenden Abend erwarteten sie Maximilian. Um acht Uhr trat Herr Morel in ihr Zimmer; er war ruhig, aber die Aufregung der Nacht zeigte sich auf seinembleichen, verstörten Gesichte. Die Frauen wagten es nicht, ihn zu fragen, ober gut geschlafen habe. Morel war freundlicher gegen seine Frau und väterlicher gegen seine Tochter, als er es je gewesen; er konnte nicht satt werden, das arme Kind anzuschauen und zu küssen.

Julie wollte ihrem Vater folgen, als er sich entfernte; er stieß sie jedoch sanft zurück und sagte:»Bleibbei deiner Mutter.

Julie drang in ihn, doch er sprach: Ich will es.

Siebliebstumm und unbeweglich auf ihrem Platze stehen.

Eine Minute nachher öffnete sich die Tür, und sie fühlte zwei Arme, die sie umschlangen, und einen Mund, der sich auf ihre Stirn preßte. Sie schlug die Augen auf und stieß einen Freudenschrei aus.

Maximilian! MeinBruder! rief sie.

Bei diesem Rufe lief Frau Morel herbei und warf sich in die Arme ihres Sohnes.

Mutter! sprach der junge Mann und schaute dabei abwechselnd Frau Morel und ihre Tochter an, was gibt es denn? Was geht denn vor? EuerBrief hat mich erschreckt, und ich eile herbei!

Julie, sagte Frau Morel, ihrem Sohne ein Zeichen machend, benachrichtige deinen Vater, daß Maximilian angekommen ist.

Julie eilte hinaus, aber auf der ersten Stufe der Treppebegegnete sie einem Manne, der einenBrief in der Hand hielt.

Sind Sie nicht Fräulein Julie Morel? fragte dieser Mann mit stark italienischerBetonung.

Ja, Herr, stammelte Julie; doch was wollen Sie? Ich kenne Sie nicht.

Lesen Sie diesenBrief, antwortete der Mann und reichte ihr dasBillett. Julie zögerte.

Es handelt sich um die Wohlfahrt Ihres Vaters.

Das Mädchen entriß dasBillett seinen Händen, öffnete es rasch und las:

«Begeben Sie sich sogleich in die Allées de Meillan; treten Sie in das Haus Nr. 15; verlangen Sie von dem Hausverwalter den Schüssel des Zimmers im fünften Stocke; gehen Sie in dieses Zimmer; nehmen Sie von der Ecke des Kamins eine rote seideneBörse, undbringen Sie dieseBörse Ihrem Vater. Es ist von großemBelang, daß er sie vor elf Uhr erhält. Sie haben mirblinden Gehorsam versprochen; ich erinnere Sie an dieses Versprechen.

Simbad der Seefahrer.

Julie stieß einen Freudenschrei aus, schlug die Augen auf und suchte den Mann, der ihr dasBillett zugestellt hatte, um ihn zubefragen, aber er war verschwunden. Sie schaute dann wieder auf dasBillett, um es zum zweiten Male zu lesen, undbemerkte, daß es eine Nachschrift hatte. Julie las:

«Es ist wichtig, daß Sie diese Sendung in Person und allein erfüllen; kämen Sie inBegleitung, oder erschiene eine andere Person an Ihrer Stelle, so würde der Hausverwalter antworten, er wisse nicht, was man wolle.«

Diese Nachricht mäßigte Julies Freudebedeutend. Hatte sie nichts zubefürchten? War es nicht eine Falle, die man ihr stellte? Julie zögerte; siebeschloß, um Rat zu fragen, nahm aber seltsamerweise ihre Zuflucht weder zu ihrer Mutter noch zu ihremBruder, sondern zu Emanuel. Sie ging hinab, erzählte ihm, was ihr vor drei Monatenbegegnet sei, und welches Versprechen sie dem Engländer gegeben habe, und zeigte denBrief.

Sie müssen den Gang machen, Fräulein, sagte Emanuel.

Ich muß ihn machen?

Ja, ichbegleite Sie.

Haben Sie denn nicht gelesen, daß ich allein sein soll?

Sie werden auch allein sein; ich erwarte Sie an der Ecke der Rue du Musée, und wenn Sie so lange ausbleiben, daß es mir Unruhebereitet, so suche ich Sie auf, und ich stehe Ihnen dafür, wehe denen, von denen Sie mir sagen werden, Sie haben sich über sie zubeklagen! Also, Emanuel, versetzte zögernd das junge Mädchen, es ist Ihre Ansicht, daß ich dieser Aufforderung Folge leisten soll?

Ja. Sagte Ihnen derBote nicht, es handle sich um die Wohlfahrt Ihres Vaters?

Aber, Emanuel, welche Gefahr läuft er denn? fragte Julie.

Emanuel zögerte einen Augenblick, doch das Verlangen, sie mit einem einzigen Schlage und ohne Verzug zubestimmen, gewann die Oberhand, und er sagte: Hören Sie! Nicht wahr, um elf Uhr soll Ihr Vater gegen 300 000 Frankenbezahlen? Nun, er hat keine 15 000 in der Kasse. Wenn also Ihr Vaterbis heute vor elf Uhr nicht jemand gefunden hat, der ihm zu Hilfe kommt, so ist er um Mittag genötigt, sich zahlungsunfähig zu erklären.

Ah! kommen Sie, rief Julie und zog den jungen Mann mit sich fort.

Mittlerweile hatte Frau Morel ihrem Sohne alles auseinandergesetzt. Der junge Mann wußte wohl, daß wiederholte Unglücksfälle dem Wohlstand des Hauses schwere Wunden geschlagen hatten, hatte aber keine Vorstellung von dem vollen Umfang der Gefahr. Erbliebwie vernichtet; dann eilte er plötzlich aus dem Zimmer und stieg rasch die Treppe hinauf, denn er glaubte, sein Vater sei in seinem Kabinett, aber er klopfte vergebens. Als er vor der Tür des Kabinetts stand, hörte er die untere Wohnung sich öffnen; er wandte sich um und sah seinen Vater. Dieser stieß einen Schrei der Überraschung aus, als er Maximilian erblickte: erbliebunbeweglich auf der Stelle und preßte mit dem linken Arme einen Gegenstand, den er unter seinem Oberrock verborgen hielt. Maximilian stieg rasch die Treppe hinabund warf sich seinem Vater um den Hals; aber plötzlich wich er zurück und ließ nur seine linke Hand auf MorelsBrust ruhen.

Vater, sagte er, bleich wie der Tod, warum haben Sie ein paar Pistolen unter Ihrem Oberrock?

Oh! dasbefürchtete ich, versetzte Morel. Vater! Vater! Im Namen des Himmels, rief der junge Mann, wozu diese Waffen?

Maximilian, antwortete Morel, seinen Sohn starr anschauend, dubist ein Mann, dubist ein Ehrenmann; komm, und ich werde es dir sagen!

Und mit sicherem Schritte stieg Morel in sein Kabinett hinauf, während ihm sein Sohn wankend folgte. Morel öffnete die Tür und schloß sie wieder hinter seinem Sohne; dann durchschritt er das Vorzimmer, näherte sich demBüro, legte seine Pistolen auf die Ecke des Tisches undbezeichnete Maximilian mit der Fingerspitze ein offenesBuch. In diesemBuche war der Stand der Dinge genau eingetragen. Morel hatte in einer halben Stunde 287 500 Franken zubezahlen undbesaß im ganzen nur 15 227 Franken. Der junge Mann las und war einen Augenblick völlig niedergeschmettert. Morel sprach kein Wort; was hätte er zu dem unerbittlichen Urteile der Zahlen noch hinzufügen können?

Und Sie haben alles getan, um diesem Unglück zubegegnen, mein Vater? fragte der junge Mann. — Ja.

Sie haben alle Ihre Quellen erschöpft? — Alle.

Und in einer halben Stunde ist unser Name entehrt? fügte der Sohn mit düsterem Tone hinzu.

Blut wäscht die Schande ab, sprach Morel.

Sie haben recht, Vater, ich verstehe Sie. Dann seine Hand nach den Pistolen ausstreckend, fuhr Maximilian fort: Eine für Sie, eine für mich.

Morel hielt seine Hand zurück.

Und deine Mutter… deine Schwester… wer wird sie ernähren?

Ein Schauder durchlief den Leibdes jungen Mannes.

Vater, sagte er, bedenken Sie, daß Sie mich leben heißen?

Ja, ich sage es dir, denn es ist deine Pflicht; du hast einen starken, ruhigen Geist, Maximilian… Maximilian, dubist kein gewöhnlicher Mensch; ichbefehle dir nichts, ich schreibe dir nichts vor, ich sage dir nur: Untersuche die Lage der Dinge, als obdu ein Fremder wärst, und urteile dann selbst!

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