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Wann tranken die Türken ihren Kaffee vor Wien?: Weltgeschichte - alles, was man wissen muss

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1137

GOTIK    Nur selten kommt es in der Architektur vor, dass etwas wirklich vollkommen Neues entsteht und noch dazu wie hier aus einem Guss: Weg von dem Aufschichten von Steinen in der Horizontale, dafür das Aufstreben in die Vertikale. Abt Suger (1084–1151), ein vielseitiger Mann, verwirklichte den neuen »gotischen« Stil zuerst im Chorneubau von St. Denis nördlich von Paris, dessen Abt er war. St. Denis war nicht irgendein Kloster. Es ist die Grablege fast aller französischen Könige. Baubeginn war 1137, Chorweihe am 11. Juni 1144.

Die Gotik ist ein ausgesprochen städtischer Stil, man findet ihn anfangs ausschließlich in den Bischofskirchen der aufstrebenden Städte. Die vorhergehende Romanik findet man dagegen überall, auch in zum Teil »abgelegenen« ländlichen Gegenden mit ihren gleichwohl bedeutenden Klöstern.

Die Kathedralen lösten die Klöster als Leitarchitektur ab; die Kathedralschulen bestimmten fortan das geistige Leben. Es gab eine regelrechte Bildungsexplosion.

Übrigens: Die Bezeichnung »gotischer Stil« stammt nicht aus dem Mittelalter, sondern aus der Renaissance. Der florentinische Kunstschriftsteller Vasari (1511–1574) hielt ihn angesichts des Antiken-Ideals seiner Epoche für barbarisch, und im Geschichtsbewusstsein seiner Zeit waren die Goten Barbaren. Die ersten gotischen Bauten auf deutschem Boden entstanden in Magdeburg (1209), Trier (Liebfrauenkirche, 1230) und Marburg (Elisabethkirche, 1235). Baubeginn des Chors des Kölner Doms war 1248.

DIE ÄLTESTE »UNIVERSITÄT«: BOLOGNA    Die Rechtsschule in Bologna war um 1070/80 nach der Auffindung einer kompletten Digesten-Handschrift ins Leben gerufen worden. Die Digesten sind das Corpus iuris civiles, die Rechtssammlung des oströmischen Kaisers Justinian aus der Spätantike. Auf dieser Littera Florentina, einem Pergamentkodex von 907 Blättern Umfang, beruht im Wesentlichen unsere Kenntnis des Römischen Rechts und darauf aufbauend unser heutiges Rechtssystem. Studenten aus ganz Europa kamen nach Bologna, das durch Kaiser Friedrich Barbarossa das Scholarenprivileg erhalten hatte. Dies war die erste Universitätsgründung in Europa.

ab 1157

HANSE    Seit der Zeit um 950 pendelten die ersten Kaufleute als Wanderhändler in Karawanen zwischen den Städten. Ganz zu Beginn waren diese »Hansen« einfach Fahrgemeinschaften, zu denen man sich für die Reise zusammenschloss, dann auch Schutzgemeinschaften vor Ort. Hansa war ein ansonsten untergegangenes, althochdeutsches Wort für »Bund, (Krieger-)Schar«. Als Beginn der Kaufmannshanse gilt der Erwerb des Stalhofes am Nordufer der Themse durch kölnische Kaufleute. Hauptexportgut der Kölner nach London war zunächst Wein. Die Kölner erhielten 1157 vom englischen König Heinrich II. Privilegien und Schutzbriefe, um Handel treiben zu dürfen. In den späteren Hochzeiten der Hanse waren im Stalhof auch andere, etwa sächsische, livische oder preußische Kaufleute vertreten. Das Porträt des Danziger Kaufmanns Georg Giese in seinem Kontor von 1532 durch Hans Holbein ist der Inbegriff eines solchen »Hanseaten«.

Aus diesen Kaufmannshansen entwickelte sich die Städtehanse. Bis in die Zeit um 1250 standen die Kaufleute zumindest formal unter dem Schutz des Kaisers. Als dieser nach dem faktischen Ende des staufischen Kaisertums nicht mehr gegeben war, begannen die Städte, die Sicherung der Handelswege und Privilegien selbst zu organisieren. Daraus entwickelte sich eine dauerhafte Zusammenarbeit, die beispielsweise durch einen Vertrag zwischen Hamburg und Lübeck 1241 zu einem sogenannten Städtebund wurde. Dem folgte der Wendische Städtebund (Lübeck, Kiel, Wismar, Rostock, Stralsund), eine Keimzelle der Städtehanse, die 1294 in Lübeck gegründet wurde. Lübeck blieb auch das Zentrum der Hanse während ihrer Blütezeit bis etwa 1400. Von London bis Nowgorod entwickelte sich eine regelrechte Handelsgroßmacht, die über ihre ökonomischen Interessen auch politischen Einfluss nahm.

ca. 1225

SACHSENSPIEGEL    Um einer sich abzeichnenden Rechtszersplitterung entgegenzuwirken, fasste der sächsische Ministeriale Eike von Repgow um 1225 das bis dahin nur mündlich überlieferte Gewohnheitsrecht der Sachsen in einer Art Handbuch zusammen. Es handelte sich also nicht um kodifiziertes Recht, sondern war als Orientierungshilfe für die vielen Laienrichter und Schöffen gedacht. Einen akademisch ausgebildeten Richterstand gab es damals nicht. Deswegen ist der Sachsenspiegel auch auf Deutsch abgefasst – und eines der frühesten deutschen Sprachdenkmäler. Die Sprache ist knapp und klar: »Wer ouch erst zu der mulen (Mühle) kumt, der sal erst malen« lautet der wohl bekannteste Satz. Der Sachsenspiegel behandelt alle Rechtsgebiete vom Privatrecht (Familie, Erbschaft, Nachbarschaft, Kauf) über das Strafrecht bis zum Lehensrecht (das damalige »Verfassungsrecht«) und das Königswahlrecht: »Die Dudischen (Deutschen) sollen durch Recht den König kiesen (wählen). Wenn er geweiht wird von den Bischöfen, die dazu gesetzt sind und auf den Stuhl von Aken (Aachen) kommt, so hat er königlichen Namen. Wenn ihn der babis (Papst) weiht, so hat er kaiserlichen Namen.«

MONGOLEN IN CHINA UND EUROPA

um 1206

DSCHINGIS KHAN    Nach einem romanhaft abenteuerlichen Leben einigte der Clanführersohn Temüdschin seit 1190 mit geschickter Diplomatie die mongolischen Nomadensippen. Durch eine Art Heeresreform ersetzte er die bisherige Struktur von Stammes- oder Clanverbänden samt ihrer adligen – intriganten – Führungsschicht durch einen auf militärische Disziplin gegründeten Absolutismus. Im Grunde schuf er dadurch erst das »Volk« der Mongolen. Im Alter von etwa 45 Jahren – 1206, mitten in der Zeit der staufisch-welfischen Thronwirren – wurde er zum Großkhan der Mongolen mit dem Titel »Ozeangleicher Herrscher«, mongolisch Dschingis Khan, gewählt.

Dschingis Khan, sein Sohn Ödogei und seine Enkel Kublai Khan und Batu Khan schufen innerhalb von 30 Jahren das flächenmäßig mit Abstand größte und bevölkerungsreichste Weltreich. Zunächst unterwarf Dschingis benachbarte Steppenvölker, insbesondere die turksprachigen Tataren. 1215 eroberte er Peking. Gegen die Mongolen hatten die chinesischen Abwehrwälle also nicht standgehalten. In Peking war damit der Boden für die baldige Ablösung der dort herrschenden Chin-Dynastie durch die mongolische Yüan-Dynastie mit Ödogei und Kublai auf dem Himmelsthron 1234 bereitet. Um 1260 wurde die Mongolenresidenz aus der Steppenhauptstadt Karakorum südlich des Baikalsees nach Peking verlegt. An der Westeroberung der Mongolen nahm Dschingis Khan nicht teil. Sie begann erst nach seinem Tod 1227 unter seinem Enkel Batu Khan.

1234–1368

KUBLAI KHAN    Der Dschingis-Sohn Ödogei wurde 1229 Großkhan der Mongolen. Zwischen 1231 und 1234 führte er erneut eine mongolische Armee nach Peking und war seitdem auch Kaiser von China, jedenfalls im Norden. Sein Sohn und Nachfolger Kublai Khan, der von 1260 bis 1294 regierte, überwältigte dann die noch im Süden regierenden Sung und vereinigte auf diese Weise ganz China. Dies gilt den Chinesen als wichtiges Ereignis in ihrer Geschichte, und sie sehen Kublai als bedeutenden Herrscher. Kublai selbst sah sich eher als chinesischen Kaiser denn als mongolischen Großkhan. Wie sein Großvater Dschingis Khan zeichnete er sich durch religiöse Toleranz und Aufgeschlossenheit für »Wissenschaften« und Gelehrsamkeit gleich welchen Ursprungs aus. In China konvertierten die Mongolen von ihrem angestammten Schamanismus zum buddhistisch-tibetischen Lamaismus. Kublai fand, die buddhistischen Priester mit ihren pompösen Liturgien besäßen mehr Zauberkraft als alle anderen Schamanen und Priester.

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