Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Die Habenichtse - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die Habenichtse

Электронная книга - «Die Habenichtse». Краткое содержание книги:

Isabelle und Jakob treffen sich am 11. September 2001 nach Jahren auf einer Party in Berlin wieder. Sie verlieben sich, heiraten und bekommen die Chance, nach London zu ziehen, wo Jakob Schicksal? Zufall? eine Stelle in einer Anwaltskanzlei antritt, die eigentlich für einen Kollegen vorgesehen war, der bei den Anschlägen auf das World Trade Center umgekommen ist. Isabelle arbeitet von dort aus weiter für ihre Berliner Grafikagentur und genießt, in den spannungsreichen Wochen vor Ausbruch des Kriegs im Irak, ihr Londoner Leben.
Die beiden haben alles, was ein junges, erfolgreiches Paar braucht und stehen doch mit leeren Händen da. Sehnsüchtig und ratlos sehen sie zu, wie ihr Leben aus den Fugen gerät. Jakob ist fasziniert von seinem Chef, Isabelle von Jim, dem Dealer. Die untergründigen Ströme von Liebe und Gewalt werden spürbar, und das Nachbarskind Sara wird ihr Opfer.
1 ... 55 56 57 58 59 60 61 62 63 ... 71
Перейти на страницу:

— Die Landschaft dort ist im Frühling wunderbar, so anmutig und freundlich, daß ich mir ausgemalt habe, wie es wäre, jedes Frühjahr an der Bergstraße zu verbringen, man würde wohl jedes Jahr von neuem staunen, wie ein Mensch nur staunen kann. Das ist überhaupt das beste, Staunen über jede Art von Schönheit, auch wenn sie flüchtig, auch wenn sie käuflich ist. Ich habe es ernsthaft in Erwägung gezogen. Es gab ein kleines Haus, eine kleine Villa, in der ich als Mieter willkommen gewesen wäre.

— Und Ihr Lebensgefährte?

— Er war ganz einverstanden, unbefangener als ich, versteht sich. Dann ist er allerdings verunglückt. Ich hatte nie damit gerechnet, von uns beiden übrigzubleiben.

Bentham schwieg eine Weile. — Übrigbleiben scheint meine besondere Spezialität zu sein. Wenn man jemanden liebt, dann glaubt man mit all der Zutraulichkeit dieser Liebe an einen gemeinsamen Tod.

— Außer meiner Mutter habe ich nie jemanden verloren, sagte Jakob.

— Das reicht auch, denke ich, in Ihrem Alter? Es ist übrigens nicht so sehr der Schmerz, der zerstörerisch ist. Eher die Blindheit, die er mit sich bringt, der Wunsch, die Augen nicht zu öffnen, nichts zu sehen, was einen vom Bild des Geliebten entfernen könnte, und es dauert lange, bis man begreift, was zur Vergangenheit dazugehört, daß sie sich weder berühren noch verändern läßt, egal wie gewaltsam man sich in ihre Nähe drängt. Daß man alles verliert, wenn man nicht hinnimmt, was vergangen ist, aus dieser unbarmherzigen Distanz, die einen vor allem deshalb quält, weil sie die eigene Distanz zu den Dingen ist.

— Und zu denen, die lebendig sind?

Bentham lachte. — Sie meinen, das sei doch wichtiger? Da haben Sie recht. Aber jemand wie ich ist mit einer abwesenden Geographie aufgewachsen, mit einem Zuhause, das als Foto, als Adresse, als Name existierte, aber unerreichbar blieb. Ich kannte die Biegung des Treppengeländers in unserem Frankfurter Haus auswendig, nicht aus der Erinnerung, sondern von den Fotos, ebenso die Kommode, die im ersten Stock stand, darüber ein Spiegel. Für mich war das immer das Bild der Wohlproportioniertheit, einer sinnvollen Anordnung. In England gab es für mich nichts dergleichen. Man muß erst lernen, daß man zurückkommt und etwas Neues findet, das ist der Sinn der Zwiesprache mit den Toten, mit dem, was man verloren hat.

Jakob suchte die junge Frau und das Kind mit den Augen. Sie standen am anderen Ufer, der Junge hatte einen Stock gefunden und beugte sich, während seine Mutter ihn fest an der Hand hielt, so weit als möglich nach vorne.

— Ich kann mir nicht vorstellen, hier für immer zu leben, sagte Jakob unruhig. Dabei würde ich es gerne. Ich bin gerne hier.

— Warum sollten Sie auch hierbleiben?

— Es kommt mir so absurd vor, sich davon bestimmen zu lassen, wo man geboren ist.

Bentham lachte. — Aber man sucht es sich ja nur selten aus. Immerhin sucht man sich überhaupt manches aus. Er stand auf. — Hören Sie, jetzt gehen wir noch ein Stück, ich werde Sie mit dem Fazit meiner endlosen Rede wenigstens verschonen. Gibt es wahrscheinlich auch nicht, das Fazit, meine ich. Außerdem, offen gestanden, liebe ich diesen Park zwar, und schauen Sie nur, da stehen die beiden noch immer und warten auf die Ankunft ihres Schiffleins. Aber ein Whisky, das wäre jetzt gut, es ist so eine nette Gewohnheit.

Sie gingen Richtung Südosten, überquerten die Devonshire Street, Bentham einen halben Schritt voran, und Jakob schwieg, bis sie das Pub erreichten, wo ein alter Kellner Bentham mit einem knappen Kopfnicken begrüßte und zwei Whisky an den Tisch brachte.

— Maude wäre nicht erbaut, sagte Bentham. Nicht wegen des einen Whiskys, sondern weil sie weiß, daß ein zweiter folgen wird. Nett von Ihnen, daß Sie ein so geduldiger Begleiter sind. Und ich habe nicht einmal gefragt, wie es Ihnen und Ihrer Frau geht.

— Es geht uns gut, sagte Jakob, zögerte. Er lächelte. — Es geht mir wirklich gut. Bentham saß zufrieden, ein bißchen abwesend da, das Glas in der Hand. Ich bin glücklich, wollte Jakob sagen, aber der Satz war wie ein Holzpüppchen, das man behutsam aufstellte und das sich doch nur einen Augenblick hielt, bevor es umkippte. Nicht schlimm, dachte Jakob, man kann es im Gleichgewicht halten, muß nur ganz leicht nachhelfen, mit einem Finger. — Aber es ist verwirrend. Ich meine, die Vorstellung, daß sich das Leben wirklich verändert.

— Sie meinen, verändert, und man weiß doch nicht was und wie?

Aber Jakob fühlte, daß er auf unsicheres Terrain geriet, und verstummte. Mit einem Finger ganz leicht über Benthams Hand oder Gesicht streicheln, die schweren Lider und die Brauen, damit er sich später besser an sein Gesicht erinnerte, das war es, was er wollte. Es war Begehren und doch wieder nicht, nicht das, was er für Isabelle empfand, wenn er ihr Gesicht liebkoste, obwohl es ihm jetzt vorkam, als wäre auch dann jede Berührung ein Hilfsmittel des Auges. Er trank und spürte, wie der Alkohol wirkte, wie die Gedanken ihr Gewicht veränderten, so daß sie ihn in ihrer Klarheit nur verwunderten, ohne ihm weh zu tun. Daß er jemand war, der weder nahm noch gab, seine Anteilnahme echt, die Teilnahme aber bloß vorgetäuscht war. Er würde die Hand nicht ausstrecken, die altersfleckige Haut zu berühren; er spürte, daß Bentham von ihm nichts erwartete, und war traurig, ohne sich aufzuraffen, es zu ändern. Sein Glas war leer, er war zwar unbesorgt, aber er wußte, daß er später erschrecken würde.

— Es macht die Leute durchaus angenehm, wenn sie bloß zugucken, Bentham winkte dem Kellner, der die Gläser füllte. — Außer für diejenigen, die sie lieben, fügte Bentham hinzu und trank.

— Was machen Sie, wenn Sie für ein paar Tage nicht ins Büro kommen? fragte Jakob.

Bentham sah ihn überrascht an. Jakob spürte, daß er rot wurde.

— Und jetzt werden Sie rot, das ist nett. Fragen Sie nur. Ich gehe in ein kleines Hotel, nicht immer dasselbe, aber meistens. Ein kleines Hotel, das man zwielichtig nennen würde, wenn es nicht so überaus zivilisiert und gepflegt wäre, mit guten Zimmern und einem guten Service. Eine gewisse Anzahl junger Männer geht dort ein und aus, um sich etwas Geld zu verdienen. Ich habe nichts dagegen, für Liebesdienste zu zahlen — das ist eine Frage des Alters, und die jungen Männer, die dort Zutritt haben, sind, nun, handverlesen, Studenten meistens, gebildet, wohlerzogen. Nicht fürchterlich jung zudem, eben jung. Man sieht sich in der Lobby, verabredet sich eventuell zum Abendessen oder in die Oper und beendet den Abend auf die eine oder andere Weise. Eine sehr sinnvolle Einrichtung. Sie sind dafür zu jung, oder zu alt, wie man es nimmt. Sonst sollte ich es Ihnen vielleicht empfehlen.

— Ich bin ja verheiratet, antwortete Jakob töricht.

— Man soll in diesen Dingen gewissenhaft sein, Sie haben ganz recht, allerdings auch nicht allzu streng. Übrigens verbringe ich dort oft ein paar Tage, um der Leere meines Hauses zu entgehen. Die Gegenstände, an denen sich die Vergangenheit ablesen läßt — man erträgt sie nicht immer. Zwei Männer betraten das Pub, grüßten Bentham, blieben an der Theke stehen.

1 ... 55 56 57 58 59 60 61 62 63 ... 71
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)