Die wunderbaren, aber wahrhaftigen Abenteuer des Kapitäns Corcoran
- Автор: Assollant Alfred
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Die wunderbaren, aber wahrhaftigen Abenteuer des Kapitäns Corcoran». Краткое содержание книги:
Les aventures merveilleux mais authentiques du Capitaine Corcoran
Deutsch von Bernhard Thieme.
Der Originaltext ist leicht gekürzt.
Der Engländer verzog keine Miene.
„Mit diesem Brief“, fuhr Corcoran fort, „könnte ich Sie pfählen lassen und wie einen Hund zu den Abfällen werfen, doch ich werde Ihnen die Begnadigung anbieten…, zu einer Bedingung selbstverständlich.“
„Ich hoffe“, sagte Doubleface, wobei er sich verbeugte, „daß diese Bedingung eines Gentlemans nicht unwürdig ist.“
„Ich weiß nicht“, entgegnete der Maharadscha, „was eines Gentlemans, wie Sie es sind, unwürdig ist oder nicht; aber hier ist meine Bedingung. Sie werden mir das Original der Instruktionen Lord Braddocks an Sie aushändigen oder, falls dieses Original nicht mehr existiert, eine getreue Kopie davon ausstellen, die Sie durch eine eidesstattliche Erklärung und Ihre Unterschrift beglaubigen.“
„Das heißt, daß Sie mir unter der Bedingung das Leben schenken, daß ich meine Regierung bloßstelle. Ich weigere mich auf das entschiedenste.“
„Wie Sie wollen. Es ist Ihre Entscheidung. Sugriva, laß den Galgen vorbereiten.“
Sugriva rannte eilig aus dem Saal.
„Und nun zu uns beiden, verehrter Baber“, sagte Corcoran, an den Hindu gewandt. „Wie du siehst, handelt es sich hier um ernste Sachen. Sei aufrichtig, wenn du willst, daß ich dich laufenlasse.“
„Herr“, sagte Baber und warf sich zu Boden, „die Aufrichtigkeit ist meine Haupttugend.“
„Das läßt ja auf hervorragende Nebentugenden schließen“, bemerkte Corcoran, „aber vor allem sollst du wissen, was der Engländer, dein Komplize, gegen dich vorbereitet hat, wenn es dir gelungen wäre, mich zu ermorden.“
Und er las ihm die Passage aus Doublefaces Brief laut vor, in der sich dieser bereit erklärte, auch Baber aus dem Weg zu räumen, falls das nötig sei, wenn der Maharadscha ermordet worden wäre.
Diese Stelle brachte das Faß zum Überlaufen. Die Augen des Hindus wurden zu Schlitzen.
„Du siehst, wie umsichtig dieser Gentleman mit dir verfährt“, meinte Corcoran. „Sprich jetzt.“
„Herr, unerschöpfliches Licht des Ewigen!“ schrie Baber außer sich. „Leuchtendes Abbild Indras, dieser Mann hat mich versucht. Auf seinen Rat hin habe ich dreißig meiner alten Kumpane aus früheren Zeiten um mich versammelt, die vor der ungewissen Gerechtigkeit der Menschen in die Wälder und Einöden fliehen mußten. In zwölf Tagen wollten wir in den Palast eindringen. Unter dem Vorwand, Manöver abzuhalten, hätte sich ein englisches Armeekorps unter dem Kommando von Generalmajor Barclay fünfzehn Meilen von der Grenze entfernt aufgehalten und wäre sofort nach Bekanntgabe Eures Todes einmarschiert. Mehrere Zemindars, die sich durch einen Geheimvertrag mit den Engländern verbunden hatten, haben nur darauf gewartet, in Bhagavapur einzufallen und sich Sitas, Eures Sohnes und Eures Schatzes zu bemächtigen. Ihr wißt alles. Ich bitte Euch nur, mir eine Gnade zu gewähren, Maharadscha. Bevor ihr mich hängt, laßt diesen Engländer hängen.“
„Du verabscheust ihn also?“ fragte Corcoran.
„Gebt Befehl, daß man mich losbindet, und erlaubt mir, ihn mit meinen eigenen Händen zu erwürgen!“ schrie Baber.
„Das ist eine Idee“, sagte Quaterquem.
„Und sogar eine gute“, meinte der Maharadscha lachend. „Aber mir ist eine noch bessere eingefallen. Doubleface, Sie können doch mit dem Säbel umgehen?“
„Ja“, erwiderte der Engländer finster, „und wenn ich frei und bewaffnet wäre…“
„Ja, ja, ich weiß“, meinte Corcoran, noch immer lachend. „Sie gehören zu den Leuten, denen man nachts lieber nicht allein im Wald begegnet. Na gut, wir werden morgen sehen, was Sie gegenüber Baber im Kampf wert sind. Die Bedingungen sind nicht völlig gleich, denn kräftemäßig scheinen Sie mir diesem armen Teufel überlegen zu sein; doch ich werde dafür Sorge tragen, daß die Chancen gleich verteilt sind. Der Kampf darf nicht länger als eine Stunde dauern. Sollte einer von euch getötet werden, so begnadige ich den Überlebenden. Wenn niemand getötet werden sollte, hängt ihr beide. Und nun, meine lieben Freunde, geht schlafen, wenn ihr könnt. Sugriva, du haftest mir mit deinem Kopf für diese beiden Halunken.“
Sugriva erhob sich, legte die Hände in Form des Daches an die Lippen und führte seine Gefangenen hinaus.
„Jetzt, mein Freund, sind wir allein“, sagte Corcoran zu Quaterquem. „Ganz Indien ist schlafen gegangen oder wird gleich schlafen gehen. Ich habe mit den Verrätern und Spionen abgerechnet, reden wir offen.“
12.
Unerwartete Offenbarung
„Es verlangt mich ebenfalls danach, mit dir allein zu sprechen“, sagte Quaterquem. „Was hast du denn den Engländern angetan, daß ihnen schon die Galle hochkommt, wenn nur dein Name fällt? Überall, wo ich gewesen bin, behandeln dich ihre Zeitungen wie einen Abkömmling von Cartouche und Mandrin. Ihre Spione überwachen deine Aktionen, ihre Soldaten marschieren gegen dich. Als ich heute morgen über Bombay hinwegflog, entdeckte ich gewaltige Vorbereitungen. Die Kanonen zählten einige hundert, die Wagen jeder Art gingen in die Tausende, und, was noch viel bezeichnender ist, die Armee, die man gegen dich ins Feld schickt, besteht – bis auf sieben Sikh- und Gurkharegimenter – nur aus europäischen Truppen, das heißt aus der Elite der britischen Indienarmee. Ich habe ganz sicher keine leidenschaftlichen Gefühle für dieses Volk, doch unter Nachbarn sollte man sich lieber vertragen.“
„Sicher“, sagte Corcoran, „aber ich will dir erklären, weshalb die Engländer einen derartigen Haß auf mich haben. Du weißt, oder jedenfalls sollst du wissen, daß ich in dieses Reich kam wie Saul, der Sohn von Kis, der auf der Suche nach den entlaufenen Eselinnen war und dabei ein ganzes Königreich fand. Meine Eselinnen, das war das Gurukaramta, dessen Existenz von Wilson vermutet wurde und auf das Colebrooke hinwies, das allerdings bis dato von zwanzig englischen Orientalisten vergeblich gesucht worden war. Unterwegs habe ich Holkar getroffen, seine Tochter und sein Reich gerettet. Bis hierher ist das nicht weiter ungewöhnlich gewesen; aber es gibt ein Geheimnis, das ich noch niemandem anvertraut habe, ein schreckliches, ein furchtbares Geheimnis, das mir das Leben kosten oder den schönsten Thron Asiens bescheren kann. Der sterbende Holkar hat es mir anvertraut, als er mich schwören ließ, seinen Tod zu rächen.
Zu der Zeit, als Bonaparte seinen ägyptischen Feldzug unternahm, überlegte er auch, wie er Indien erobern könne. Ja, Indien war eigentlich das Ziel des ägyptischen Abenteuers. Zu diesem Zweck verband er sich mit Tipu Sahib, dem Sultan von Maisur. Dieser glaubte, daß Frankreich ihm gegen die Engländer helfen würde, was seinen Fall einleitete. Die Engländer, von ihren Spionen bestens auf dem laufenden gehalten, belagerten ihn in Bangalore, seiner Hauptstadt. Er fiel dort während des Sturmes auf die Stadt.
Tipu Sahib, obwohl Moslem, war ein freidenkerischer Geist, der alle Religionen in den Dienst seiner Politik stellte. Er brachte das Kunststück fertig, eine gewaltige Geheimgesellschaft zu gründen, die sich über ganz Hindustan ausdehnte und die die Vertreibung der Engländer als ihre heiligste Pflicht ansah. Sein Tod vereitelte eine allgemeine Erhebung. Für einige Jahre schien die Vereinigung, deren belebender Geist er gewesen war, in Vergessenheit geraten zu sein. Doch einer seiner getreuen Diener enthüllte Holkars Vater das Geheimnis. Von da an wurde Holkars Vater von den Indern als Nachfolger Tipu Sahibs angesehen.
Die stets mißtrauischen Engländer erfuhren von seinen Plänen und griffen ihn an, bevor er sich, wie ursprünglich geplant, mit dem berühmten Ranjit Singh verbünden konnte, der von Nordwesten aus die Engländer attackieren sollte, während er selbst das Zentrum und den Süden Indiens in den Aufstand führen wollte. Das große Unglück dieses armen Landes sind die verschiedenen Kasten und Religionen, die sich gegenseitig bekriegen und es den Engländern erleichtern, stets Verräter zu finden. Holkars Vater wurde verraten und besiegt und mit zweien seiner Söhne getötet. Ranjit Singh erhielt zehn Millionen Rupien, um neutral zu bleiben. Aber die aufgebrachten Hindus wollten keinen anderen Fürsten anerkennen als den jungen Holkar, den gleichnamigen dritten Sohn des Gefallenen, und die mit diesem ersten Erfolg zufriedenen Engländer wagten nicht, ihre Interessen mit aller Macht durchzusetzen. In Europa war Krieg, und man brauchte das englische Fußvolk dort dringender. Man nahm Holkar die Hälfte seines Reiches, fünfzig Millionen Rupien und gab ihm Colonel Barclay als ständigen Aufpasser. Barclay hat sich übrigens im Sepoyaufstand hervorgetan und wurde zum Generalmajor befördert.“