Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1969
- Язык: немецкий
- Год: Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:
Das majestätische Bild des unberührten Waldes — gigantische Bäume, deren Stämme wie riesige Säulen emporstiegen, die undurchdringliche Kuppel der Zweige und Blätter, das dichte Unterholz, wunderlich verflochten mit dem fahlen Gras — all das nahmen die Männer kaum wahr. Sogar Wtorow griff kein einziges Mal nach der Kamera, er hatte sie völlig vergessen.
Angestrengt blickten sie nach vorn und versuchten, wenigstens die Andeutung einer Spur zu finden, eine Kleinigkeit, die bewiese, daß vor ihnen ein Kettenfahrzeug den gleichen Weg gefahren wäre. Aber sie entdeckten nichts.
Allmählich wurden sich alle darüber einig, daß sie den falschen Weg gewählt hatten. Und hätte Melnikow ihnen nicht einen bestimmten Rat erteilt, den alle drei als Befehl auffaßten, wären sie wahrscheinlich umgekehrt.
Dabei wären sie überzeugt gewesen, richtig und vernünftig zu handeln, obwohl gerade die Umkehr sie und ihre Genossen vom Raumschiff dazu verurteilt hätte, nie etwas über das Schicksal der beiden Vermißten zu erfahren, die sie doch retten wollten.
Der Zufall hatte sie auf eine gerade und breite Schneise geführt, auf der ihr Geländewagen schnell vorwärts kam, und er verschaffte ihnen auch die Möglichkeit, sehr bald die schreckliche Wahrheit zu erfahren.
Doch das wußten sie noch nicht und konnten es auch noch nicht wissen.
Wäre jemand von der Besatzung der „SSSR-KS 3“ während des Gewitters über den Wald geflogen, hätte sich ihm ein seltsames und für einen Erdenbürger völlig unerklärliches Bild geboten.
Bei einem ersten flüchtigen Blick aus der Vogelperspektive konnte man meinen, der Wald des fremden Planeten unterscheide sich nicht von dem der Erde. Abgesehen natürlich von seiner Farbe und gigantischen Höhe. Dem aufmerksamen Beobachter jedoch konnten mehrere wesentliche Besonderheiten nicht entgehen. Vor allem fiel auf, daß die Bäume des Waldes einander völlig glichen, etwas, was auf der Erde nie vorkommt, weiter reichten alle Baumkronen bis zu ein und derselben Höhe, als wären sie mit der Schere eines Riesengärtners beschnitten, und Zweige und Blätter wurden nicht, wie auf der Erde, von oben nach unten dichter und kräftiger, sondern von unten nach oben. Das Laub war besonders auffällig. Jedes Blatt erreichte, zu einem Rohr zusammengerollt, eine Länge von mehreren Metern. Der heftige Wind konnte den Blättern fast gar nichts anhaben, sie bewegten sich kaum. Bei näherem Hinsehen konnte man auch die Ursache dafür erkennen. Jedes Blatt war nicht nur durch einen, sondern durch zwei Stiele, die an seinen gegenüberliegenden Enden saßen, mit dem Zweig verbunden, was ihnen mehr Halt gab. Auch waren Stiele und Blätter oft mehrere Zentimeter dick.
In dem dichten Dach des Waldmassivs gab es kein einziges „Fenster“, durch das der Blick hätte ins Innere fallen können.
Das undurchdringliche Astgewölbe entzog alles den neugierigen Augen.
Wie ein riesiger gepflasterter Platz von orangeroter Farbe, fast regungslos und gleichsam in ewiger Ruhe erstarrt, sah der Wald der Venus von oben aus.
Sobald aber ein düsteres Gewitter aufzog, änderte sich das Bild. Je näher es kam, desto lebhafter wurde es. Die aufgerollten Blätter entfalteten sich, zuerst langsam, dann immer schneller, um den nahenden Regen abzufangen. Man konnte glauben, sie kämpften miteinander und versuchten, sich gegenseitig möglichst viel freien Raum zu nehmen. Jedes Blatt schien sich über seine Nachbarn legen zu wollen, die wiederum den gleichen Wunsch hegten.
Rasch veränderte sich so das Aussehen des Waldes. In nichts erinnerte er noch an den Wald der Erde. Eine glatte, glänzende Fläche breitete sich nach allen Seiten und glich von oben einem bunten Parkettfußboden.
Das farbenprächtige Feuerwerk aber, das Balandin und Belopolski vor kurzem im Wald beobachtet hatten, war aus der Vogelperspektive gar nicht zu sehen. Die Blätter, die sich in ihrer ganzen Breite entrollt hatten, verbargen es unter sich.
Wälzte sich nun eine mächtige Regenwand auf den Wald zu, neschah etwas geradezu Unfaßbares.
Die „SSSR-KS 3“ hatte nur mit knapper Not dem Ansturm der Wassermassen standgehalten, auch die Tragflächen von Melnikows Flugzeug waren seinerzeit unter dem Wasserdruck wie Pappflügel abgebrochen. Aber die Blätter der Venusbäume, ein weicher, pflanzlicher Stoff also, widerstanden mühelos dem schrecklichen Angriff. Binnen Sekunden entschwand das orangerote „Parkett“ den Blicken. An seiner Statt tobte ein brodelndes Meer, das sich über schäumende Kaskaden zu den Ufern des Flusses und des Waldsees ergoß.
Die Wassermassen prallten also an der Waldkuppel ab, sie durchschlugen sie nicht und konnten die Wurzeln der Bäume nicht netzen; diese nährten sich entweder von der Feuchtigkeit, die die Blätter aufnahmen, oder vom Grundwasser.
So erklärte sich auch der Umstand, daß der Boden in den Waldschneisen trocken blieb.
Als erster kam Belopolski wieder zu sich.
Er schlug die Augen auf, sah aber nichts. Ringsum herrschte Düsternis. Minutenlang blieb er liegen, ohne sich zu rühren.
Krampfhaft versuchte er sich zu erinnern, wo er sich befand und was ihm widerfahren war. Da kam ihm zum Bewußtsein, daß ein anderer auf ihm lag, und er nahm scharfen Ozonduft und Brandgeruch wahr.
Seinen rechten Arm konnte er bewegen; fast mechanisch langte er nach dem vertrauten Hebel des Luftschlauches und legte ihn herum.
Der Sauerstoffstrahl brachte sogleich Klarheit in seine Gedanken. Tief atmete er das belebende Gas ein und schloß den Hahn wieder.
Behutsam kroch er unter Balandin hervor, der offenbar immer noch ohnmächtig war: Er wurde nun hellwach. Deutlich stand ihm wieder vor Augen, wie das Gewitter angefangen, die Feuersäule sich aufgerichtet und auf ihren Wagen gestürzt hatte. Besorgt befühlte er im Dunkeln die Instrumententafel.
Er drehte den Hauptschalter — welch eine Freude! Die Lampen, die Akkumulatoren und das Leitungsnetz waren nicht beschädigt! Helles Licht erstrahlte in der Kabine.
Ein Blick auf das Funkgerät genügte, um zu wissen, was mit ihm geschehen war. Empfänger und Sender, die in ein und demselben Gehäuse steckten, hatten sich in eine formlose Masse ausgeglühten und teilweise geschmolzenen Metalls verwandelt.
Kein Zweifel — in die Antenne, die sie einzuziehen vergaßen, hatte der Blitz eingeschlagen.
Eine unverzeihliche Fahrlässigkeit! dachte Belopolski. — Ein Wunder, daß wir überhaupt noch leben!
Im selben Augenblick wurde ihm klar, daß er das vorläufig nur von sich sagen konnte; sein Begleiter lag regungslos am Boden und gab kein Lebenszeichen von sich.
Balandin hatte näher am Funkgerät gesessen und war deswegen vielleicht stärker getroffen worden. Rasch, aber vorsichtig drehte Belopolski den Professor auf den Rücken.
Das Gesicht totenbleich, die Augen eingefallen, die Lippen blau angelaufen — war er etwa tot? …
Funken konnte Belopolski nicht mehr. Er hatte keine Möglichkeit, mit dem Raumschiff zu sprechen und den Rat des Arztes zu erbitten. Ein Sprechfunkgerät hatte er nicht mitgenommen.
Belopolski tat das erste beste, das ihm in den Sinn kam. Er knöpfte Balandins Kragen auf, schob dem Genossen den Schlauch des Sauerstoffbehälters zwischen die Lippen und drehte den Hahn weit auf. Dann holte er eine Flasche aus dem Sanitätskasten und flößte Balandin etwas Alkohol ein.
Diese einfache Maßnahme wurde von Erfolg gekrönt. Die bläuliche Färbung der Lippen verlor sich, und es röteten sich die Wangen des Ohnmächtigen, weil das Blut wieder in Bewegung kam. Nach bangen Minuten schlug er die Augen auf und stöhnte.
„Haben Sie Schmerzen?“
„Der Kopf … und die Beine.“ Belopolski warf einen Blick auf die Beine des Professors und erschauerte. Bis zu den Knien war die Hose der Kombination völlig verbrannt. Man erkannte die versengten Unterschenkel, die über und über mit Brandblasen bedeckt waren.
Belopolski gab sich Mühe, sein Entsetzen zu verbergen, und sagte so ruhig wie möglich: „Ich werde Sie sogleich verbinden.