Paganinis Fluch
- Автор: Кеплер Ларс
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Переводчик: Paul Berf
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Paganinis Fluch». Краткое содержание книги:
Robert will gehen, seine Frau mitnehmen, eine Szene verhindern, aber sie tritt zu Axel.
»Gib zu, dass du dir den Fehler nur ausgedacht hast«, sagt sie.
»Es ist kein Fehler, es geht nur um den Stimmstock, der …«
»Und wann hast du das letzte Mal gespielt? Vor dreißig, vierzig Jahren? Du warst damals doch nur ein Kind. Ich finde, du solltest dich entschuldigen.«
»Lass es gut sein«, sagt Robert.
»Entschuldige dich.«
»Okay, Entschuldigung«, sagt Axel und merkt, dass er rot wird.
»Dafür, dass du gelogen hast«, fährt sie fort. »Dafür, dass du gelogen hast, weil du Robert nicht das Lob gönnst, das seine neue Geige verdient hat.«
»Dafür entschuldige ich mich.«
Axel stellt seine Musik wieder an und dreht sie ziemlich laut. Anfangs klingt es, als würde auf zwei ungestimmten Gitarren geklimpert und ein Sänger mit schwacher Stimme nach dem richtigen Ton suchen: »Goodbye love, goodbye love …«
Anette murmelt etwas über Axels fehlendes Talent, und Robert befiehlt ihr aufzuhören und zieht sie aus dem Raum. Axel stellt die Musik noch etwas lauter, und das Schlagzeug und der Bass bringen die in sich gekehrte Musik auf den richtigen Kurs: »Didn’t know what time it was, the lights were low ohoh. I leaned back on my radio oh oh.«
Axel schließt die Augen und spürt sie in der Dunkelheit brennen. Er ist bereits sehr müde. Manchmal schläft er eine halbe Stunde, manchmal macht er selbst mit Beverly neben sich kein Auge zu. Dann hüllt er sich in eine Decke, setzt sich auf die verglaste Veranda und blickt im feuchten Licht des Morgengrauens auf die Bäume des schönen Gartens hinaus. Axel Riessen ahnt natürlich, was der Grund für seine Probleme ist. Er schließt die Augen und kehrt in Gedanken zu jenen Tagen zurück, die sein Leben veränderten.
Spende Boerse
54
Das Quiz
Penelope und Björn sehen sich mit müden, ernsten Augen an. Durch die geschlossene Tür hören sie Ossian Wallenberg wie Zarah Leander »Wenn der weiße Flieder wieder blüht« singen, während er die Möbel umstellt.
»Wir könnten ihn überwältigen«, flüstert Penelope.
»Vielleicht.«
»Wir müssen es versuchen.«
»Und dann, was machen wir dann? Sollen wir ihn etwa foltern, um an den PIN zu kommen?«
»Ich denke, wenn sich die Machtverhältnisse geändert haben, wird er ihn uns geben«, erwidert Penelope.
»Und wenn er das nicht tut?«
Als sie zum Fenster geht und versucht, die Haken zu lösen, taumelt sie vor Erschöpfung. Ihre Finger sind wund und schwach. Sie bleibt stehen und betrachtet ihre Hände im Tageslicht, sieht den Schmutz unter den eingerissenen Fingernägeln, die Finger, grau von Erde und Lehm, bedeckt von geronnenem Blut aus verschiedenen Wunden.
»Hier hilft uns keiner, wir müssen weiter«, sagt sie. »Wenn wir am Ufer entlanglaufen, dann …«
Sie verstummt und sieht Björn an, der in seinem blauen Lederjackett zusammengesunken auf der Bettkante sitzt.
»Schön«, sagt er leise. »Tu das.«
»Ich lasse dich hier nicht zurück.«
»Aber ich kann nicht mehr, Penny«, sagt er, ohne sie anzusehen. »Meine Füße, ich werde nicht laufen können, ich kann vielleicht eine halbe Stunde gehen, aber die Wunden bluten immer noch.«
»Ich helfe dir.«
»Vielleicht gibt es auf dieser Insel keine anderen Telefone, wir wissen es nicht, wir haben keine Ahnung.«
»Ich mache nicht mit bei seinem ekelhaften …«
»Penny, wir … wir müssen mit der Polizei sprechen, wir müssen sein Handy benutzen.«
Breit grinsend öffnet Ossian Wallenberg die Tür. Er ist mit einem leopardenfellgemusterten Jackett und einem leopardenfellgemusterten Lendenschurz bekleidet. Mit grazilen Bewegungen geleitet er sie zu der riesigen Couch. Die Vorhänge sind zugezogen, und er hat die Möbel an die Wände geschoben, sodass er sich frei im Raum bewegen kann. Ossian tritt in das Licht der beiden Stehlampen, bleibt stehen und dreht sich um.
»Liebe Freitagsfreunde, wenn man gut unterhalten wird, vergeht die Zeit wie im Flug«, sagt er und zwinkert mit einem Auge. »Wieder einmal ist es Zeit für unser Quiz, und wir begrüßen ganz herzlich die Prominenten des heutigen Abends. Einen verdreckten Kommunisten und seine minderjährige Liebhaberin. Ein wahrhaft ungleiches Paar, wenn Sie mich fragen. Ein hässliches Entlein und ein junger Mann mit einem wohlproportionierten Torso.«
Ossian Wallenberg lacht und lässt vor der eingebildeten Kamera die Muskeln spielen.
»Nun kommt schon!«, ruft Ossian und joggt auf der Stelle. »Die Wände hoch! Sind alle zum Abstimmen bereit? Ich präsentiere euch … ›Sag die Wahrheit‹! Ossian Wallenberg fordert heraus – das hässliche Entlein und den schönen Jüngling!«
Ossian legt eine leere Weinflasche auf den Fußboden und lässt sie kreiseln. Sie dreht sich einige Runden, kommt dann zum Stillstand, und der Flaschenhals zeigt auf Björn.
»Der Schönling!«, ruft Ossian lächelnd. »Der Schönling darf als Erster ran an die Buletten! Hier kommt die Frage. Sind Sie bereit für die Wahrheit und nichts als die Wahrheit?«
»Absolut«, seufzt Björn.
Ein Schweißtropfen fällt von Ossians Nasenspitze, als er den Umschlag öffnet und laut vorliest:
»An wen denken Sie, wenn Sie mit dem hässlichen Entlein schlafen?«
»Sehr witzig«, murmelt Penelope.
»Bekomme ich das Telefon, wenn ich antworte?«, erkundigt sich Björn gefasst.
Ossian spitzt den Mund wie ein Kind und schüttelt den Kopf.
»Nein, aber wenn Ihnen das Publikum Ihre Antwort glaubt, bekommen Sie die erste Zahl des PINs.«
»Und wenn ich mich für Konsequenz entscheide?«
»Dann treten Sie gegen mich an, und das Publikum hat die Wahl«, sagt Ossian. »Aber die Zeit vergeht, tick, tack, tick, tack. Fünf, vier, drei, zwei …«
Penelope betrachtet Björn im hellen Licht der Lampen, sein schmutziges Gesicht, die Bartstoppeln und die strähnigen Haare. Seine Nasenlöcher sind schwarz von getrocknetem Blut und seine Augen müde und rot unterlaufen.
»Wenn wir Sex haben, denke ich an Penelope«, antwortet Björn leise.
Ossian buht, verzieht das Gesicht zu einer angeekelten Miene und joggt ins Licht.
»Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sollte es sein«, schreit er, »aber davon sind wir noch meilenweit entfernt. Kein Mensch im Publikum glaubt, dass Sie an dieses hässliche Entlein denken, wenn Sie mit ihr schlafen. Das macht eins, zwei, drei Minuspunkte für unseren Schönling.«
Erneut lässt er die Flasche kreiseln, die praktisch sofort stehen bleibt und diesmal auf Penelope zeigt.
»Oh, oh, oh«, ruft Ossian. »Eine Spezialfrage! Und was heißt das? Richtig! Konsequenz! Hier gibt’s nicht mal eine Pommes mit Majo auf die Hand. Los geht’s, los! Ich öffne die Luke und höre mal, was das Flusspferd flüstert.«
Ossian nimmt ein kleines Flusspferd aus dunklem, lackiertem Holz vom Tisch, hält es sich ans Ohr, lauscht und nickt.
»Du meinst die Schabracke?«, fragt er und lauscht erneut. »Ich verstehe, Herr Flusspferd. Ja. Vielen Dank.«
Ossian stellt das Flusspferd behutsam ab und wendet sich mit einem Lächeln Penelope zu.
»Die Schabracke tritt gegen Ossian an! Und die Disziplin ist Striptease! Bringen Sie das Publikum mehr in Wallung als ich, bekommen Sie alle Zahlen des PINs – wenn nicht, muss der Schönling Sie möglichst fest in den Arsch treten.«
Ossian hüpft zur Stereoanlage und drückt auf einen Knopf, woraufhin »Teach me Tiger« ertönt.
»Dieses Spiel habe ich mal gegen den Sänger Loa Falkman verloren«, wispert Ossian betont laut, während er im Rhythmus der Musik die Hüften schwingt.
Penelope steht von der Couch auf, tritt einen Schritt vor und bleibt dann in ihren Gummistiefeln, der Nadelstreifenanzughose und dem großen Strickpullover stehen.
»Du willst, dass ich mich ausziehe?«, sagt sie. »Darum geht es hier? Mich nackt zu sehen?«