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Электронная книга - «Die Vermessung der Welt». Краткое содержание книги:

Mit hintergründigem Humor schildert Daniel Kehlmann das Leben zweier Genies: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß. Er beschreibt ihre Sehnsüchte und Schwächen, ihre Gratwanderung zwischen Lächerlichkeit und Größe, Scheitern und Erfolg. Ein philosophischer Abenteuerroman von seltener Phantasie, Kraft und Brillanz.
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Herablassung. Eugen mußte lachen. Als ob er sich unter

Wilden ansiedeln würde! Von seinem Vater kein Wort.

Nachts konnte er vor Heimweh und Einsamkeit nicht

schlafen. Er nahm das erste Dampfschiff, auf dem eine

Passage frei war.

Es gab nur wenige Reisende an Bord, Dampfer fuhren

erst seit kutzem über den Ozean, und den meisten war es noch zu neu. Der Himmel war niedrig und bewölkt, Eugens Pfeife ging aus, er wollte sie wieder anzünden, aber der Wind war zu stark. Der Kapitän, der erfahren hatte, daß Eugen etwas von Mathematik verstand, lud ihn in die

Steuerkabine ein.

Ob er sich auch für Navigation interessiere?

Nicht im geringsten, antwortete Eugen.

Früher, sagte der Kapitän, wäre so starke Bewölkung

ein Problem gewesen, aber heute navigiere man ohne

Sterne, man habe jetzt genaue Uhren. Mit einem Harrison-Chronometer komme jeder Laie um die Erdkugel. Also sei, fragte Eugen, die Zeit det großen Navigatoren

vorüber? Kein Blight mehr, kein Humboldt?

Der Kapitän überlegte. Eugen wunderte sich, warum

die Leute immer so lange brauchten, um zu antworten. Es

war doch keine schwere Frage! Sie sei vorbei, antwortete

der Kapitän schließlich, und werde nie wiederkehren. In der Nacht, als Eugen mehr der Aufregung als des

Motorenlärms und außerdem des Schnarchens seines

irischen Kabinengenossen wegen nicht schlafen konnte,

setzte ein veritabler Sturm ein: Wellen schlugen mit ungeheurer Kraft gegen den Stahlrumpf, die Motoren heulten, und als Eugen an Deck taumelte, traf ihn die Gischt

mit solcher Wucht, daß er fast über Bord gegangen wäre.

Triefend naß flüchtete er sich in die Kabine zurück. Der

Ire unterbrach sein Gebet.

Er habe eine große Familie, sagte er in dürftigem Französisch, er sei für sie verantwortlich, er dürfe nicht sterben. Sein Vater sei hartherzig gewesen und habe nicht

lieben können, seine Mutter sei früh gestorben, nun hole

Gott auch ihn.

Seine Mutter lebe noch, sagte Eugen, und sein Vater

habe vieles geliebt, bloß nicht ihn. Und er glaube nicht,

daß Gott ihn schon bei sich haben wolle.

Am nächsten Morgen war der Ozean ruhig wie ein

See. Der Kapitän beugte sich murmelnd über seine Karten, blickte durch den Sextanten und konsultierte die

Harrison-Uhr. Sie seien weitab vom Kurs, nun müßten

sie neuen Brennstoff aufladen.

Darum legten sie in Teneriffa an. Das Licht war gleißend hell, ein Papagei beobachtete sie neugierig vom Balkon eines gerade erst errichteten Zollhauses. Eugen ging

an Land. Männer schrien Befehle, Kisten wurden verladen, spärlich bekleidete Frauen trippelten mit zierlichen

Schritten auf und ab. Ein Bettler bat um Almosen, aber

Eugen hatte nichts mehr. Ein Käfig öffnete sich, und eine

Horde schreiender kleiner Affen stob wie eine Explosion

in alle Richtungen davon. Eugen ließ den Hafen hinter

sich und ging auf den Umriß des Kegelberges zu. Er fragte sich, wie es wäre, auf dem Gipfel zu sein. Man müßte

weit sehen. Die Luft wäre sehr klar.

Am Wegrand war ein Gedenkstein. Ein Relief zeigte

den Berg und daneben einen Mann mit Schal, Gehrock

und Zylinder. Die Aufschrift verstand Eugen, mit Ausnahme des Namens, nicht. Er setzte sich auf einen Felsbrocken, blies Rauchwölkchen in die Luft und betrachtete das Bild auf dem Stein. Ein Einheimischer mit Poncho

und Wollmütze blieb stehen, zeigte darauf, rief etwas auf

Spanisch, zeigte auf den Boden, in die Höhe, wieder auf

den Boden. Ein Tausendfüßler mit ungewohnt langen

Fühlern kletterte Eugens Hosenbein hinauf. Er blickte

sich um. So viele neue Pflanzen. Er fragte sich, wie sie alle heißen mochten. Andererseits – wen interessierte es!

Es waren bloß Namen.

Er kam zu einem ummauerten Garten, dessen Pforte

offen stand. Orchideen klammerten sich an Baumstämme, das Zwitschern Hunderter Vögel durchdrang

die Luft. In der Nähe der offenbar neu gebauten Mauer

stand ein sehr dicker Baum. Seine Rinde war narbig und

rauh, weit oben fächerte sich der Stamm in einen Busch

von Ästen auf. Zögernd trat Eugen in seinen Schatten,

lehnte sich an den Stamm und schloß die Augen. Als er

sie wieder Öffnete, stand ein Mann mit einer Harke vor

ihm und begann zu schimpfen. Eugen lächelte beschwichtigend. Der Baum sei wohl sehr alt? Der Gärtner

stampfte mit dem Fuß auf den Boden und zeigte auf den

Ausgang. Eugen bat um Entschuldigung, er habe ausgeruht, er habe für einen Moment geglaubt, ein anderer zu

sein oder niemand, es sei ein solch angenehmer Ort. Der

Gärtner hob drohend seine Harke, Eugen ging schnell

davon.

Der Dampfer legte früh am Morgen ab, nach wenigen

Stunden waren die Inseln außer Sichtweite. Tagelang lag

der Ozean so ruhig da, daß es Eugen schien, sie bewegten

sich nicht. Aber immer wieder zogen sie an Segelschiffen

mit geblähten Takelagen, zweimal an anderen Dampfern

vorbei. In einer Nacht glaubte Eugen ein Flackern in der

Ferne zu sehen, aber der Kapitän riet ihm, nicht darauf zu

achten, das Meer schicke Trugbilder, manchmal scheine

es zu träumen wie ein Mensch.

Dann kamen stärkere Wellen, ein zerzauster Vogel

tauchte aus dem Nebel auf, schrie mißlaunig und verschwand wieder. Der Ire fragte Eugen, ob sie sich zusammentun wollten, ein Geschäft aufmachen, eine kleine

Firma.

Warum nicht, sagte Eugen.

Er habe auch eine Schwester, sagte der Ire, sie sei unversorgt, schön sei sie nicht, aber sie könne kochen. Kochen, sagte Eugen, gut.

Er stopfte den letzten Tabak in seine Pfeife, ging zum

Bug und stand dort so lange mit vom Wind tränenden

Augen, bis etwas sich im Abenddunst abzeichnete,

durchscheinend zunächst und noch nicht ganz wirklich,

aber dann immer deutlicher, und der Kapitän lachend

antwortete, nein, diesmal sei es keine Chimäre und auch

kein Wetterleuchten, das sei Amerika.

Zentaur 2006-02-27

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Главный герой
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