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Ganz Deutschland lacht!. 50 deutsche Jahre im Spiegel ihrer Witze

Электронная книга - «Ganz Deutschland lacht!. 50 deutsche Jahre im Spiegel ihrer Witze». Краткое содержание книги:

Wann haben Sie zuletzt gelacht? Über was können wir in Deutschland überhaupt noch lachen? Und worüber wurde einmal in Deutschland gelacht? Welche Witze wurden weitergegeben und wie reagiert der deutsche Witz auf Zeitströmungen?
Fragen über Fragen - Antworten und viele Beispiele finden sich in diesem Doppelband der erfolgreichen Witzebücher >Ganz Deutschland lacht< und >Kennen Sie den ...?<.
Peter Jamin, geboren 1951, arbeitet als Schriftsteller, Journalist und Filmemacher in Düsseldorf.
Michael Lentz (1926-2001) war Professor an der Kunsthochschule für Medien in Köln.
Chris Howland, geboren 1928 in London, kam als Soldat nach Deutschland und startete seine Karriere beim BFN in Hamburg. Bekannt wurde er als Humorist, Sänger und Schauspieler. Dieter Thoma, geboren 1927, Journalist, Kabarettist und freier Schriftsteller, war lange Jahre Chefredakteur und Moderator verschiedener Sendungen beim WDR.
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Wir können froh sein, dass unser Geld schon erfunden war, bevor unsere heutige Wirtschaftsgesellschaft etabliert wurde. In unserer Zeit würde wahrscheinlich kaum noch jemand glauben, dass es wirklich stimmt, was da auf dem kleinen Stück Papier gedruckt steht. Wenn wir uns nicht so daran gewöhnt hätten.

Was tun Sie, wenn Ihnen jemand 1000 Mark schenkt? —

Nachzählen.

Der Versuch mit der »Volksaktie« Telekom enttäuschte die Käufer, die der Werbung geglaubt hatten und dachten, sie würden schon da-durch reich, dass möglichst viele mitmachen. Dadurch und durch den Absturz auch anderer Aktien sind sehr viele sehr viel ärmer geworden.

Nach der letzten Steuererklärung schrieb mir das Finanzamt: »Wir vermissen die Gewinne aus spekulativen Aktiengeschäften.«

Da habe ich zurückgeschrieben: »Ich auch!«

Ein Schweizer fragt leise in der Bank: »Kann ich hier Geld anlegen?«

»Wie viel?«, fragt der Bankbeamte. »Zwei Millionen Franken.«

Sagt der Bankbeamte: »Sie können ruhig lauter reden, Armut ist keine Schande!«

»Vati, was ist Mammon?« »Mammon ist das Geld anderer Leute.«

Der Witz lässt nichts aus, Heiliges nicht und Schmutziges, und kaum ein menschliches Laster. Aber er hält auch Trost bereit, das Lachen darüber gibt Entwarnung, entspannt, macht das Witzeln unangreifbar, erzeugt eine Art menschliche Verbundenheit. Ein Beispiel ungebrochener Geschäftstüchtigkeit:

Ein Schotte hat mit einer selbst gebastelten Destillier-Anlage Whisky gebraut und fragt einen Freund, ob der mal probieren will.

Der reagiert erschrocken. »Das kannst du nicht machen«, warnt er, »als Amateur kann dir da Methylalkohol reingeraten, davon wird man blind! Schütte das Zeug bloß weg!«

Als sie sich eine Woche später wieder begegnen, fragt er nach:

»Was hast du denn mit deinem Whisky gemacht?«

»Verkauft«, antwortet der andere.

»Um Gottes willen, an wen denn?«

»An einen Blinden.«

In meiner Jugend gab es einen berühmten Wetterpropheten. Gefragt, wie er so oft die richtigen Voraussagen machen konnte, gestand er im Alter: »Ich habe immer das Gegenteil dessen behauptet, was die Fachleute gesagt haben!« Mindestens für die Börse trifft das immer noch zu.

Was ist die Börse? Du kaufst dir eine Henne und einen Hahn. Die machen Eier. Aus diesen Eiern schlüpfen wieder Hennen und Hähne. Die machen alle auch Eier. Nach sechs Wochen hast du fünfzig Hennen und Hähne, nach vier Monaten vierhundert. Wenn ein Jahr vorbei ist, besitzt du über tausend Hennen und Hähne. Und immer neue Eier.

Und dann kommt eine Überschwemmung. Alle Hennen und Hähne ertrinken. — Das ist Börse. Enten hättest du nehmen sollen!

Noch etwas vom Federvieh: Brauchen wir Werbung?

Natürlich. Sehen Sie, wenn ein Huhn ein Ei legt, gackert es lauthals. Wenn eine Gans ein Ei legt, hält sie den Schnabel. Was ist die Folge? — Alle Menschen essen Hühnereier!

Da angeblich zwanzig Prozent der Bevölkerung ausreichen, um die Wirtschaft in Gang zu halten, müssen wir unsere Hoffnung auf die achtzig Prozent setzen, die dann kaum Geld, aber dafür viel Zeit haben Witze zu erzählen, und zu lachen kostet ja nichts.

Ein Taubstummer legt am Bankschalter ein Kondom und einen Tannenzweig hin.

Der Kassierer fragt verwundert den Filialleiter: »Was will der Mann wohl?«

»Das ist doch ganz klar«, erwidert der, »einen Überziehungskredit bis Weihnachten.«

»Auch eine stillstehende Uhr hat doch täglich zweimal richtig die Zeit gezeigt und darf nach Jahren auf eine lange Reihe von Erfolgen zurückblicken«, bemerkte einst die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach.

Ein Handwerker beschwert sich, dass er so früh habe sterben müssen.

Sagt Petrus: »Aus Ihren Rechnungen ergeben sich so viele Arbeitsstunden, dass Sie mindestens achtzig Jahre alt sein müssen.«

In der Wirtschaft muss man zwar regelmäßig Bilanz ziehen, aber der Versuch, vorauszublicken, ist viel aufregender. »Nichts ist so schwierig wie Prognosen«, sagte mal ein Wirtschaftler. »Vor allem dann, wenn sie die Zukunft betreffen.«

Was steht uns bevor? Die Welt sei eine Pulverfabrik, in der das Rauchen nicht verboten ist, meinte Friedrich Dürrenmatt.

Unser Leben verändert sich radikal. Wir stecken mitten in einer technologischen Veränderung, wie es sie noch nie gegeben hat. Immer weniger Menschen müssen immer mehr tun, damit immer mehr Menschen immer weniger zu tun brauchen. Und immer mehr Mitbürger begreifen kaum noch, was sich da wandelt und entwickelt.

Die »feindliche Übernahme« der Firma Mannesmann in Düsseldorf hat viele Bürger mehr erschreckt, als die Verfechter der grenzenlosen Marktwirtschaft wahrhaben wollen. Da wurde Mannesmann einfach weggekauft und heißt seitdem »Vodafone«.

Wer kann sich danach noch sicher fühlen, morgen so zu heißen wie heute? Was würden wir sagen, wenn Volkswagen morgen »Juhu« hieße. Oder so ähnlich.

Den angeblich unfreiwilligen Witz finden wir auch hier:

In einer bayerischen Firma wird ein Angestellter verabschiedet. Der Chef hält eine Rede und sagt: »Und wieder müssen wir uns heute von einem verdienten Mitarbeiter verabschieden. Leider geschieht das nicht jeden Tag!«

Doch Mobilität war nicht immer etwas Positives. Sesshaft zu sein galt früher als die größere Tugend. Unsere Sprache verrät es noch: Mobilität vom lateinischen mobil, ist auch Mob! Die nicht Sesshaf-ten, die Mobilen waren Mob, unzuverlässig.

Damit war nicht das Auto gemeint, mit dem man heute zurück zur Natur fährt. Noch Kaiser Wilhelm II. war der Ansicht: »Das Auto hat keine Zukunft, ich setze aufs Pferd.«

Inzwischen sind vor allem die Manager mobil.

Der neue Chef berichtet: »Ich habe in jedem Betrieb hervorragende Mitarbeiter getroffen, engagiert, verlässlich und fleißig. Und immer auch zwei totale Arschlöcher: Meinen Vorgänger und meinen Nachfolger!«

Der Chef ist eine wichtige Figur im Witz. Wie ein Abteilungsleiter erzählt: »Wir haben in unserer Firma den perfekten Meinungsaustausch. Ich gehe morgens mit meiner Meinung ins Büro des Chefs und komme mit seiner wieder heraus.«

»Sie wollen mehr Geld haben?«, fragt der Chef. »Wissen Sie denn eigentlich, wie wenig Sie arbeiten? Ich rechne es Ihnen mal vor: Das Jahr hat 365 Tage, wie Sie hoffentlich wissen. Davon schlafen Sie täglich acht Stunden, das macht allein 122 Tage. Bleiben also noch 243 Tage. Sie haben dann täglich acht Stunden frei, das sind noch einmal 122 Tage. Da bleiben noch 121. Das Jahr hat 52 Sonntage, an denen Sie nichts tun, damit kommen wir auf einen Rest von 69 Tagen. Samstags arbeiten Sie nur halbtags, da müssen wir die Hälfte, 26 Tage, rechnen, die frei sind. Nun sind wir bei 43 Tagen. Wir haben täglich eine Stunde Mittagspause, Sie speisen demnach rund 16 Tage. Was ist übrig?27 Tage. 14 Tage sind Sie im Urlaub, es errechnet sich also noch ein Rest von 13 Tagen. Von denen müssen Sie noch durchschnittlich zwölf Feiertage abziehen. Es verbleibt ein Tag. Und das ist der 1. Mai! Und dafür wollen Sie mehr Geld haben?«

Wie man sich in den Erzählungen von Maus und Elefant immer mit der Maus identifiziert, verliert im Witz alles seine Größe, wird klein, kann ausgelacht werden, hat nichts Bedrohliches mehr. Das gilt für alle Witze über Berufe, Ärzte, Lehrer, Tenöre, Beamte.

Der Abteilungsleiter erklärt einem neuen Mitarbeiter: »Der Chef macht manchmal Witze. Lautes Lachen hält er für plumpe Vertraulichkeit, stilles Lächeln für Arroganz und völliges Ernstbleiben für ein Zeichen von Dummheit. Also richten Sie sich danach!«

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