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Ein Totenhemd für einen Erzbischof

Электронная книга - «Ein Totenhemd für einen Erzbischof». Краткое содержание книги:

Anno Domini 664: Wighard von Canterbury, der künftige Erzbischof, fällt in Rom einem Raubmord zum Opfer. Ronan, ein irischer Mönch, gerät in Verdacht, beteuert aber seine Unschuld. Der Fall droht, einen Krieg zwischen Angelsachsen und Iren auszulösen. Um das Schlimmste zu verhindern, wird die unbestechliche Schwester Fidelma mit den Ermittlungen betraut.
Bei ihren Nachforschungen stößt Schwester Fidelma auf das zwielichtige Vorleben des ermordeten Würdenträgers ...
Die Originalausgabe erschien 1995 unter dem Titel Shroud for the Archbishop.
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Fidelma hatte bereits gemerkt, daß sie Cornelius’ Trägern tatsächlich in die gleiche Gegend gefolgt waren wie wenige Stunden zuvor Puttocs lec-ticula. In der Dunkelheit wirkte das Elendsviertel noch unheimlicher.

Fidelma rümpfte angewidert die Nase, als sie die fauligen Abwässer roch. Es war eine düstere und bedrohliche Gegend mit baufälligen Häusern. Hunde und Katzen streunten durch die Straßen und durchwühlten die Abfälle nach Essensresten.

Cornelius’ lecticula stand vor einem alten Lagerhaus, hinter dem ein grobgezimmerter Holzsteg in den Fluß ragte. Die Träger hatten die Sänfte abgesetzt. Offenbar war auch ihnen diese Gegend nicht ganz geheuer, denn ihre Hände ruhten auf den Messern, die sie an ihren Gürteln trugen.

Es dauerte eine Weile, bis Fidelma, Eadulf und Licinius zu ihrem Ärger bemerkten, daß Cornelius die Sänfte bereits verlassen hatte.

«Er muß ins Lagerhaus gegangen sein», flüsterte Eadulf.

«Aber seine Träger scheinen auf ihn zu warten», bemerkte Licinius.

Wieder ertappte Fidelma sich dabei, wie sie auf ihrer Lippe kaute. «Offenbar findet das Treffen im Lagerhaus statt.» Sie faßte einen raschen Entschluß. «Licinius, Ihr geht zur Vordertür und wartet dort. Werden die Träger Euch Schwierigkeiten machen?»

Licinius schüttelte den Kopf. «Meine Uniform wird ihnen Respekt einflößen.»

«Sehr gut. Wenn Ihr mich nach Hilfe rufen hört, kommt Ihr sofort. Und falls die Träger versuchen, Euch zurückzuhalten, macht Ihr von der Waffe Gebrauch. Eadulf, Ihr begleitet mich.»

«Wohin?» fragte Eadulf verwirrt.

«Zur Rückseite des Lagerhauses. Am Flußufer gibt es einen Holzsteg. Seht Ihr ihn? Er ist im Mondlicht gerade noch zu erkennen. Wir werden versuchen, von dort aus ins Lagerhaus einzudringen. Ich will unbedingt in Erfahrung bringen, was Cornelius dort zu suchen hat.»

Fidelma eilte, gefolgt von Eadulf, zum Fluß hinunter. Licinius, der den beiden nachsah, staunte, wie bereitwillig Eadulf den Anweisungen einer Frau gehorchte. Dann zog er sein gladius und schlenderte auf die lecticula zu.

Als die Träger ihn kommen sahen, zuckten sie erschrocken zusammen. Einer von ihnen hatte für den Rückweg bereits eine Laterne angezündet. Beim Anblick seiner Uniform atmeten sie erleichtert auf. Offenbar waren sie sich keiner Schuld bewußt.

Unterdessen schlichen Fidelma und Eadulf vorsichtig zum Steg. Schon aus einiger Entfernung vernahmen sie aufgebrachte Männerstimmen. Dankbar für das Rauschen des Wassers, das laut gegen die hölzernen Pfosten schlug und ihre Schritte übertönte, näherten sie sich über die Planken des Stegs der Hintertür.

Zu ihrer Überraschung war sie bloß angelehnt. Von drinnen war ein heftiger Wortwechsel in einer fremden Sprache zu hören. Mit einem fragenden Blick wandte sie sich an Eadulf, der ihr durch ein Achselzucken zu verstehen gab, daß auch er diese Sprache nicht kannte.

Vorsichtig schob Fidelma die Tür ein Stückchen weiter auf. Dahinter lag ein großer, fast leerer Raum.

In einer Ecke saßen drei Männer an einem Tisch, auf dem eine zischende Lampe einen schwachen Schein verbreitete. Eine amphora, offenbar mit Wein gefüllt, und einige Tongefäße standen daneben. Cornelius nippte ungeduldig an dem Gefäß in seiner Hand. Die anderen beiden Männer tranken nichts. Trotz des trüben, flackernden Lichts hatte Fidelma auf Anhieb das Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben.

Dennoch brauchte sie einen Augenblick, bis sie die beiden Araber an ihren wallenden Gewändern und dunklen Gesichtszügen erkannte.

Die Sprache, in der sie miteinander stritten, war also Arabisch, das Cornelius anscheinend fließend beherrschte.

Plötzlich legte einer der Araber einen in ein Tuch gewickelten Gegenstand auf den Tisch und forderte Cornelius mit einer einladenden Geste auf, ihn näher zu betrachten. Der griechische Chirurgus folgte seiner Aufforderung. Fidelma stellte fest, daß es ein Buch war. Cornelius griff nach dem Sack, den er an seinen Stuhl gelehnt hatte, und zog einen Kelch heraus.

Fidelma lächelte finster.

Es lag auf der Hand, daß hier ein Tauschhandel stattfand. Allmählich fügten sich die Mosaikstein-chen zu einem Bild zusammen.

Während Cornelius das Buch prüfte, untersuchte einer der Araber den Kelch.

Eadulf, der hinter Fidelma stand, stöhnte erschrocken auf, als sie plötzlich die Tür aufschob und das Lagerhaus betrat.

«Keine Bewegung!» rief sie.

Blinzelnd stolperte Eadulf hinter ihr in den großen Raum und schaute sich um.

Cornelius von Alexandria erstarrte. Als ihm klar wurde, daß er entdeckt worden war, erbleichte er vor Entsetzen.

«Tauba!» rief einer der Araber, sprang auf und griff nach dem großen, krummen Messer, das er am Gürtel trug.

«Keine Bewegung!» wiederholte Fidelma. «Das Haus ist umstellt. Licinius!»

Von der Vorderseite des Lagerhauses war Licinius’ Antwort zu vernehmen.

Die beiden Araber wechselten einen raschen Blick. Wie auf ein Zeichen stieß einer von ihnen die Lampe vom Tisch, während der andere nach dem Sack griff. Fidelma hörte, wie der Tisch umfiel. Im Lagerhaus herrschte jetzt völlige Dunkelheit. Ein fahles Licht schien herein, als die Vordertür aufging. Kurz darauf schrie Furius Licinius vor Schmerzen auf.

«Eadulf, ein Licht! Schnell, beeilt Euch!»

Ein Feuerstein wurde angeschlagen, und im nächsten Moment hielt Eadulf eine brennende Kerze in der Hand.

Die Araber waren verschwunden, aber Cornelius saß noch immer mit hängenden Schultern auf seinem Platz und umklammerte das Buch mit beiden Händen. Der Tisch war tatsächlich umgefallen, von dem Sack fehlte allerdings jede Spur.

Fidelma nahm dem zitternden Cornelius das Buch ab. Wie erwartet handelte es sich um ein altes, medizinisches Traktat.

«Schaut nach, ob Licinius verletzt ist, Eadulf», sagte Fidelma und stellte den Tisch wieder auf.

Eadulf warf einen fragenden Blick auf Cornelius.

«Von Cornelius habe ich nichts zu befürchten», versicherte sie ihm. «Aber es könnte sein, daß der junge Licinius in Schwierigkeiten geraten ist.»

Eadulf eilte hinaus. Sie hörte ihn mit den beiden Trägern sprechen, die offenbar keine Ahnung hatten, was vorgefallen war. Schweigend betrachtete sie den auf seinem Stuhl völlig in sich zusammengesunkenen Chirurgus aus Alexandria. Eadulf befahl den Trägern, draußen zu warten.

«Er kann nicht schwer verletzt sein. Die Träger sagen, er sei den beiden Flüchtigen nachgelaufen», berichtete Eadulf, als er kurz darauf ins Lagerhaus zurückkehrte.

«Nun, Cornelius von Alexandria», sagte Fidelma mit betont ruhiger Stimme, «ich denke, Ihr seid uns eine Erklärung schuldig.»

Seufzend ließ der Chirurgus das Kinn noch tiefer auf seine Brust sacken.

Wenig später kam Licinius herein.

«Sie sind wie vom Erdboden verschluckt», sagte er ärgerlich.

«Seid Ihr verletzt?»

«Nein. Bei ihrer Flucht haben sie mir die Tür gegen den Kopf gestoßen und mich fast umgerannt. Wenn dieser Mann nicht redet, werden wir sie wahrscheinlich nicht mehr einfangen können.»

Er richtete die Spitze seines gladius auf den Griechen.

«Das ist nicht nötig, tesserarius», murmelte Cornelius. «Ich habe keine Ahnung, wo sie sich aufhalten. Das ist die reine Wahrheit. Ihr müßt mir glauben!»

«Warum sollten wir das?» fragte Furius Licinius und traktierte ihn wieder mit seinem Schwert.

«Beim Heiligen Kreuz, es ist die Wahrheit, auch wenn ich es nicht beweisen kann. Sie haben mir jedesmal einen anderen Treffpunkt genannt. Ich habe keine Ahnung, woher sie kommen.»

Fidelma sah, daß der Mann nicht log. Er war viel zu bestürzt, weil er ertappt worden war. Sein üblicher Hochmut war wie weggeblasen.

Eadulf hob die Lampe auf, bemerkte, daß nicht alles Öl ausgelaufen war und entzündete sie mit Hilfe seiner Kerze.

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