Der siebente Sohn [Seventh Son - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Alvin Macher #1
- Год: 1988
- Язык: немецкий
- Год: Bastei-L
- ISBN: 3-404-20115-9
- Переводчик: Ralph Tegtmeier
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Der siebente Sohn [Seventh Son - de]». Краткое содержание книги:
»Mit anderen Worten, er erwartet von dir, daß deine Lehren einen Sinn ergeben.«
»Er ist nicht willens, die Vorstellung hinzunehmen, daß manche Dinge Geheimnisse bleiben, die nur der Geist Gottes verstehen kann. Mehrdeutigkeit läßt ihn frech werden, und Paradoxien entfachen seine offene Rebellion.«
»Ein schreckliches Kind.«
»Das schlimmste, das ich je gesehen habe«, sagte Thrower.
Die Augen des Besuchers blitzten. Thrower spürte ein Stechen in seinem Herzen.
»Ich habe es versucht«, sagte er. »Ich habe versucht, ihn dazu zu bringen, dem Herrn zu dienen. Doch der Einfluß seines Vaters…«
»Nur ein schwacher Mann gibt der Kraft anderer die Schuld für sein eigenes Versagen«, meinte der Besucher.
»Noch habe ich nicht versagt!» warf Thrower ein. »Ihr habt mir gesagt, daß ich den Jungen hätte, bis er vierzehn…«
»Ich habe dir gesagt, daß ich den Jungen habe, bis er vierzehn ist. Du hast ihn nur, solange er hier lebt.«
»Ich habe nichts davon gehört, daß die Millers fortziehen würden. Sie haben gerade ihren Mühlstein gesetzt, im Frühling wollen sie mit dem Mahlen anfangen, sie würden doch nicht gehen, ohne…«
Der Besucher erhob sich vom Altar. »Stell dir folgenden Fall vor, Reverend Thrower. Rein hypothetisch. Nehmen wir einmal an, du wärst im selben Raum mit dem schlimmsten Feind all dessen, wofür ich stehe. Nehmen wir an, daß er krank wäre und hilflos im Bett läge. Wenn er genesen sollte, würde man ihn deinem Zugriff entziehen und er würde also damit fortfahren, alles zu vernichten, was du und ich auf dieser Welt lieben. Stürbe er aber, so wäre unsere große Sache in Sicherheit. Nehmen wir ferner an, daß jemand ein Messer in deine Hand legte und dich bäte, eine schwierige Operation an dem Jungen zu vollziehen. Und nehmen wir auch an, daß du dabei ausglittest, nur ein winziges Stück, so daß dein Messer eine große Arterie durchtrennte. Und nehmen wir an, daß sein Lebenssaft so schnell ausströmen würde, daß er schon wenige Augenblicke später stürbe, sofern du nur ein wenig zögertest. Gesetzt diesen Fall, Reverend Thrower, was wäre dann deine Pflicht?«
Thrower war entsetzt. All sein Leben lang hatte er darauf hingearbeitet, zu lehren, zu überzeugen und zu ermahnen. Niemals jedoch, eine solch blutige Tat zu vollziehen, wie sie der Besucher ihm nahegelegt hatte. »Ich bin für derlei Dinge nicht geeignet«, erwiderte er.
»Bist du für das Reich Gottes geeignet?» fragte der Besucher.
»Aber der Herr sagte: Du sollst nicht töten.«
»Ach ja? Hat er das zu Joshua gesagt, als er ihn ins verheißene Land sandte? Ist es das, was er zu Saul sagte, als er ihn gegen die Amalekiter ausschickte?«
Thrower dachte an diese dunklen Passagen im Alten Testament und erzitterte vor Furcht bei dem Gedanken, selbst an solchen Dingen teilhaben zu sollen.
Doch der Besucher gab nicht nach. »Der Hohepriester Samuel befahl König Saul, alle Amalekiter zu töten, jeden Mann und jede Frau, jedes Kind. Doch Saul hatte nicht den Mut dazu. Er rettete den König der Amalekiter und brachte ihn lebend zurück. Und wie hat der Herr dieses Verbrechen des Ungehorsams bestraft?«
»Er hat David an seiner Statt zum König auserwählt«, murmelte Thrower.
Der Besucher stand nun dicht vor Thrower, seine Augen verbrannten ihn schier mit ihrem Feuer. »Und was hat Samuel, der Hohepriester, der sanfte Diener Gottes, getan?«
»Er hat Agag den König der Amalekiter herbeibringen lassen.«
Der Besucher ließ nicht nach. »Und was hat Samuel getan?«
»Er hat ihn getötet«, flüsterte Thrower.
»Wie beschreibt die Schrift das, was er tat?» brüllte der Besucher. Die Wände der Kirche bebten, das Glas der Fenster klirrte.
Thrower weinte vor Furcht, doch er sprach die Worte aus, die der Besucher von ihm hören wollte: »Samuel schlug Agag in Stücke… in Gegenwart des Herrn.«
Das einzige Geräusch in der Kirche war Thrower eigener, abgehackter Atmen, während er versuchte, seines hysterischen Weinens Herr zu werden. Der Besucher lächelte ihn an, die Augen voller Liebe und Vergebung. Dann war er verschwunden.
Thrower sank vor dem Altar auf die Knie und betete. »O Vater, ich würde für Dich sterben, aber bitte mich nicht, zu töten. Laß diesen Kelch an mir vorübergehen, ich bin zu schwach, ich bin unwürdig, lege diese Last nicht auf meine Schultern.«
Seine Tränen fielen auf den Altar. Er vernahm ein zischendes Geräusch und sprang erschrocken von dem Altar fort. Seine Tränen glitten wie Wasser auf einem Röstblech über die Altaroberfläche, bis sie schließlich verzehrt wurden.
Der Herr hat mich abgewiesen. Ich habe geschworen, Ihm zu dienen, wie immer Er es verlangte, und nun, da Er mir befiehlt, so stark zu sein wie die großen Propheten früherer Zeit, entdecke ich, daß ich nur ein zerborstenes Gefäß in den Händen des Herrn bin. Ich kann das Schicksal nicht aufnehmen, das Er in mich hineingießen wollte.
Die Kirchentür öffnete sich und ließ einen Schwall eiskalter Luft hinein, die dem Geistlichen einen Schauer durch den Körper jagte. Er hob den Blick, fürchtend, daß es ein Engel sei, der ausgeschickt wurde, um ihn zu strafen.
Doch es war kein Engel, sondern Brustwehr-Gottes Weaver.
»Ich wollte Euer Gebet nicht unterbrechen«, sagte Brustwehr.
»Kommt herein«, erwiderte Thrower. »Schließt die Tür. Was kann ich für Euch tun?«
»Nicht für mich«, erwiderte Brustwehr.
»Kommt hierher. Nehmt Platz. Sagt es mir.«
Thrower hoffte, es möge ein Zeichen Gottes sein, daß Brustwehr soeben gekommen war. Ein Mitglied der Gemeinde, gekommen, um ihm zu helfen, sofort nachdem er gebetet hatte — gewiß wollte der Herr ihn wissen lassen, daß er doch noch angenommen worden sei.
»Es geht um den Bruder meiner Frau«, sagte Brustwehr. »Um den Jungen, Alvin Junior.«
Thrower spürte, wie ihn ein Beben der Angst durchfuhr. »Ich kenne ihn. Was ist mit ihm?«
»Ihr wißt, daß sein Bein zertrümmert wurde.«
»Ich habe davon gehört.«
»Ihr habt ihn nicht zufällig aufgesucht und gesehen, bevor er heilte?«
»Man hat mich im Glauben gelassen, daß ich in diesem Hause nicht willkommen sei.«
»Nun, dann will ich es Euch sagen, es war außerordentlich schlimm. Ein ganzer Hautabschnitt abgerissen. Gebrochene Knochen. Doch zwei Tage später war es schon wieder verheilt. War nicht einmal eine Narbe zu sehen. Drei Tage später ging er bereits wieder umher.«
»Dann muß es weniger schlimm gewesen sein, als Ihr dachtet.«
»Ich sage Euch doch, daß das Bein gebrochen war und daß die Wunde wirklich schlimm gewesen ist. Die ganze Familie hat geglaubt, daß der Junge sterben würde. Sie haben mich nach Nägeln für einen Sarg gefragt. Und in ihrer Trauer sahen sie so schlecht aus, daß ich schon damit rechnete, daß wir die Ma und den Pa des Jungen auch noch beerdigen müßten.«
»Dann kann er nicht so vollends genesen sein, wie Ihr es darstellt.«
»Nun, das Bein ist auch nicht vollends genesen, und deshalb komme ich zu Euch. Ihr wißt, daß ich nicht an solche Dinge glaube, aber ich sage Euch eins, die haben das Bein des Jungen verhext, damit es irgendwie wieder heilt. Elly behauptet, der Junge habe die Hexerei selbst ausgeführt. Ein paar Tage lang ging er sogar auf dem Bein, sogar ohne Schiene, doch der Schmerz hat nie nachgelassen, und nun sagt er, daß sein Knochen eine kranke Stelle habe. Er hat auch Fieber.«
»Es gibt für alles eine vollkommen natürliche Erklärung«, erwiderte Thrower.
»Nun, wie dem auch sei, ich sehe die Sache jedenfalls so: Der Junge hat mit seiner Zauberei den Teufel zu sich eingeladen, und nun frißt der Teufel ihn von innen auf. Und da Ihr doch ein geweihter Geistlicher Gottes seid, dachte ich, daß Ihr diesen Teufel vielleicht im Namen des Herrn Jesus Christus austreiben könntet.«