Der Herr der Finsternis
- Автор: Лукьяненко Сергей Васильевич
- Год: 2008
- Язык: немецкий
- Год: Beltz & Gelberg
- ISBN: 978-3-407-81043-4
- Переводчик: Christiane Pohlmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Der Herr der Finsternis». Краткое содержание книги:
Ich zündete die Zeichnung an und legte sie auf den ganzen Kram in der Ecke. Anschließend öffnete ich das Fenster und der Wind fachte das Feuer an. Kurt hatte auch als Freiflieger noch gut gezeichnet, wahrscheinlich hatte er die Menschen nicht mal verfälscht. Er hatte sie einfach unter einem anderen Blickwinkel gesehen. Da hatte der alte Freiflieger ja recht. Entscheidend ist, aus welcher Blickrichtung du die Dinge betrachtest, dann stellst du dich automatisch auf die für dich richtige Seite.
Als wir zu der Plattform oben an der Spitze zurückgelangten, stieg aus den unteren Stockwerken des Turms bereits Rauch auf. Len verstaute die Flaschen mit dem Schwarzen Feuer sorgfältig in einer Tasche. Eine nahm ich ihm jedoch ab.
»Was soll das?«, fragte er mit gerunzelter Stirn.
»Er hat das verdient«, antwortete ich, ohne zu präzisieren, wer.
Len widersprach mir nicht, knöpfte die Tasche zu und erhob sich in die Luft.
Der Kater schaute mich finster an. »Warum hast du mich vorhin so angefahren?«
»Weil du genau gewusst hast, wovon der Freiflieger redet«, antwortete ich knapp.
Der Kater seufzte und es klang fast wie bei einem Menschen. Dann flog er Len nach.
Ich blieb noch kurz an der offenen Luke stehen. »Ich werde nicht zögern«, sagte ich schließlich, bevor ich die Flasche durch die Öffnung warf. »Ich bin stärker.«
Der Turm stand sofort in Flammen. Kaum hatte ich die Flügel ausgebreitet, trug mich die heiße Luft schon nach oben.
Zu Hause legte ich mich in die Badewanne. Ich füllte sie bis zum Rand, gab Schaumbad hinzu und ließ mich zwanzig Minuten aufweichen. Der Rauchgeruch war mir in die Haare gekrochen und meine Schultern taten mir vom vielen Fliegen weh.
Das heiße Wasser vertrieb meine Müdigkeit zwar nicht, verwandelte sie jedoch in eine angenehme Schlaffheit. Schließlich drehte ich das kalte Wasser auf und duschte mich so lange ab, bis ich bibbernd aus der Wanne sprang. Jetzt ging’s mir wieder gut. Ich rubbelte mich mit einem dünnen, viel zu weichen Handtuch ab, zog mir Shorts und ein T-Shirt an und ging nach unten. Len saß am Tisch, ebenfalls frisch gebadet und zufrieden, während der Kater es sich im Sessel bequem gemacht hatte und sich putzte.
Anscheinend hatten wir uns alle ziemlich dreckig gefühlt.
»Willst du Suppe, Danka?«, rief mir Len entgegen, kaum dass er mich auf der Treppe erblickte. Er spielte jetzt wieder den Junior, genau wie damals, als wir uns kennengelernt hatten.
»Ja«, antwortete ich lächelnd. »Und vermutlich werde ich sogar um einen Nachschlag bitten.«
»Wollen wir nicht erst alles durchsprechen?«, schlug der Kater mit finsterer Miene vor, aber Len und ich schüttelten den Kopf.
»Habt ihr euch etwa gegen mich verschworen?«, schnaubte der Kater und machte sich über sein gebratenes Fleisch her. Suppe mochte er nicht.
Wir aßen ziemlich schnell. Lens Tasche stand in einer Ecke des Zimmers, hin und wieder blickten wir alle automatisch zu ihr rüber.
»Könnten wir jetzt zur Sache kommen?«, meinte der Kater noch einmal.
»Okay«, sagte ich und schob den Teller weg.
Gegen die Entschlossenheit des Katers wären wir sowieso nicht angekommen.
»Wir sind kurz davor, uns zu streiten, oder, Danka?«, fragte er und packte damit den Stier bei den Hörnern.
»Hmm«, gab ich zu, wobei ich sogar eine gewisse Genugtuung empfand.
»Das ist nicht gut!«, verkündete der Kater hitzig. »Wo wir doch schon so viel erreicht haben! Du hast das Wahre Schwert, wir haben das Schwarze Feuer, wir können endlich die entscheidende Schlacht zwischen Gut und Böse in Gang setzen. Wir haben alle Aussichten auf Erfolg! Aber nur, wenn wir zusammenhalten…«
»Kater!«, fiel ich ihm ins Wort. »Dann erklär mir doch mal, warum sich dieser Freiflieger, als er noch ein Mensch war, nicht dazu durchgerungen hat, die Stadt anzuzünden und die entscheidende Schlacht einzuleiten?«
»Wie kommst du denn auf diesen Unsinn?«, fragte der Kater. »Selbst wenn er aus einer anderen Welt gekommen ist und anfangs aufseiten des Lichts gekämpft hat…«
»Lüg mich nicht an!«, rief ich.
»Anscheinend hat es ihm an Entschlossenheit gemangelt«, räumte der Kater nach kurzem Zögern ein. »Er war allzu romantisch veranlagt und zu naiv obendrein. Er hat geglaubt, man könne für das Gute nur kämpfen, wenn man ehrlich bleibt. Als ihm aufging, was von ihm verlangt wurde, hat er sich der Verzweiflung überlassen. Schließlich ist er… zu den Freifliegern übergewechselt.«
»Und wenn er recht hatte? Die Freiflieger haben die Stadt nicht angezündet – aber du schlägst uns genau das vor.«
Der Kater sagte kein Wort. Klar, ich hatte nicht die Absicht, zu den Freifliegern überzutreten. Aber noch war es nicht zu spät, die dritte Tür zurück in meine Welt zu suchen. Noch hatte ich nichts angerichtet, das mir den Weg zurück für immer versperrt hätte…
Jemand klopfte leise an die Tür. Len, offenbar froh darüber, stürzte hin, um zu öffnen. Der Sonnenkater gab sich alle Mühe, meinem Blick auszuweichen.
Es war Gert, der uns besuchte. Schweigend, als spüre er die Anspannung, die in der Luft hing, verwuschelte er Len das Haar und kam zu uns an den Tisch.
Mir wurde gleich leichter zumute. Jetzt wusste ich nämlich, was ich tun musste.
»Willkommen zu Hause, Jungs«, begrüßte uns Gert, während er sich setzte. Zu den »Jungs« zählte er anscheinend auch den Kater.
»Guten Abend, Gert.« Es fiel mir immer noch schwer, einen Erwachsenen – noch dazu einen älteren Mann – einfach zu duzen.
»Ich habe schon gehört, was auf dem Platz vorgefallen ist«, sagte Gert und kam ohne Umschweife zur Sache. »Danka, Len, stimmt das? Mit dem Schwarzen Feuer?«
Ich sah zum Kater hinüber.
Der schaute weiter angestrengt woandershin. »Das Reden überlasse ich dir«, brummte er finster. »Also, nur zu…«
Daraufhin fing ich an, alles zu erzählen. Von unserem Aufbruch mit der Karawane bis hin zu dem sterbenden Freiflieger im Runden Turm. Nur Lens Entführung handelte ich in knappen Worten ab und im Zusammenhang mit Garet unterschlug ich einiges…
Len brachte Tee, einfach weil sich das gehörte. Aber als ich mit meinem Bericht zum Ende kam, war der Tee kalt geworden. Schweigend wartete ich darauf, was Gert sagen würde.
Er wandte sich an Len und legte ihm die Hand auf die Schulter. »Du musst jetzt tapfer sein, mein Junge«, sagte er zu meiner Überraschung.
Ich wartete weiter. Gert musterte mich und wollte wissen: »Du machst das doch selbst, oder? Len darf auf keinen Fall die Stadt anzünden…«
»Wovon redest du überhaupt?« Gerts ruhige Worte hauten mich total um. »Das ist doch wohl nicht dein Ernst?«
Genau in dem Moment begriff ich aber auch: Doch, das war sein Ernst. Gert teilte die Auffassung unseres Katers. Damit war mir endgültig der Boden unter den Füßen weggezogen. Jetzt blieb nur noch der freie Fall, tiefer und immer tiefer.
»Lasst uns überlegen, wie wir es anstellen.« Gert sprach leise, aber entschlossen. »Wir müssen es so machen, dass euch einerseits niemand verdächtigt… der Angriff aber andererseits auch echt wirkt.«
»Und wir wollen nur Häuser in Brand setzen, in denen niemand wohnt.« Der Kater blickte Gert fragend an. »Clubs, Lager, Werkstätten…«
»Das wäre verdächtig«, sagte Gert. »Besser, ihr werft die Flaschen aus großer Höhe ab, wobei ihr euch über den Wolken haltet. Überlasst alles Weitere dem Wind und dem Schicksal. Ihr könnt auch an jeder Flasche ein langes Band befestigen, das würde den Fall abbremsen und die Streuung vergrößern. Außerdem könnte Danka dann landen, noch bevor die Flaschen aufschlagen. Dann geht er sofort nach Hause. Ich werde ebenfalls hier sein. Um ihm ein Alibi zu geben…«
Gert legte das alles so nüchtern dar, als würde er jede Woche seine Stadt anzünden.