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Das Schwert des Königs

Электронная книга - «Das Schwert des Königs». Краткое содержание книги:

Sturmklinge heißt das gottgegebene Königsschwert, von Zwergenhand geschaffen. Und nach den überlieferten Gesetzen darf nur der Besitzer der heiligen Waffe Anspruch auf den seit Zwergengedenken unbesetzten Thron des unterirdischen Reiches Thorbardin erheben. Als Sturmklinge gestohlen wird, bricht der junge Zwerg Stanach Hammerfels auf, die unersetzliche Waffe wiederzufinden. Tod und Verderben lauern am Rand seines Weges auf ihn, und nicht nur der Frieden im Zwergenreich hängt am Erfolg von Stanachs gefährlicher Mission...
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»Ja, ich schaffe es.«

Obwohl der Elf nickte, sah Stanach den Zweifel in seinen Augen. »Ich bleibe direkt hinter dir. Kern sagt, du solltest aufpassen, daß deine Hand nicht naß wird.«

Finn ging als erster ins Wasser, wobei er seinen Langbogen über den Kopf hielt. Der Rauch, der den Fluß herauftrieb, machte ihn unsichtbar, bevor er sehr weit gewatet war.

Stanach hielt seine verbundene Hand in die Luft, vertraute darauf, daß seine gutgeölte Lederscheide das Schwert auf seinem Rücken schützen würde, und folgte Finn in den Fluß.

Als das eisige Wasser ihn erfaßte, gewaltsam an seinen Knien zerrte und ihm dann um die Brust wirbelte, schnappte Stanach nach Luft. Die Kälte tat seinen Knochen und Muskeln weh und betäubte seine Füße, als ob sie nicht in dicken Stiefeln steckten.

Als nächste wateten Tyorl und Kelida hinein. Nach Finns Vorbild hob das Mädchen Sturmklinge, das sie in ihren Mantel gewickelt hatte, hoch über den Kopf, um besser das Gleichgewicht zu halten und damit das Schwert trocken blieb. Kern sicherte die Durchquerung des Flusses seitlich und war auf dem Sprung, falls jemand in dem schneller werdenden Strom Hilfe benötigte. Lehr hielt sich nahe bei Kelida. Wenn sie es brauchte, reichte er ihr stützend die Hand. Einmal schlang er ihr den Arm um die Taille und zog sie eng an sich, als die Strömung an ihren Füßen riß.

Lehr lachte laut, als er Kelida wieder abstellte. Dem Waldläufer machte es eindeutig nichts aus, daß ihm ein hübsches Mädchen in triefnasser Lederkleidung am Hals hing. Tyorl wirkte, als wenn es ihm viel ausmachte. Überrascht stellte er fest, daß er überlegte, ob die Breitseite seines Schwerts dem unverschämten jungen Waldläufer wohl ein paar Manieren beibringen konnte. Dann zog Tyorl an Stanach vorbei, der bereitwillig etwas zurückfiel.

Lavim hatte keinen bestimmten Platz in der Reihe. Indem er sich dem Unvermeidlichen fügte, sprang er in den eisigen Fluß und pflügte mit der Begeisterung eines Fisches – aber ohne dessen Grazie – durch das Wasser.

Als Stanach endlich auf das steinige Ostufer trat, war er benommen vor Kälte, fühlte sich scheußlich und war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Er drehte sich in die Richtung um, aus der er gekommen war. Wie der Atem eines Geistes verschleierte der dunkle, wabernde Rauch das jenseitige Ufer. Kelida legte ihm die Hände auf die Schultern. »Geht es dir gut?«

»Ja«, sagte Stanach, obwohl er sich nicht sicher war. Nach der Überquerung des Flusses war ihm sehr kalt geworden.

Finn zeigte mit dem Daumen auf die niedrigen Hügel. Kern bildete rechts die Vorhut, und Tyorl bestand darauf, daß Lehr ihn links begleitete. Lavim schüttelte sich wie ein nasser Hund, eilte vor und ließ die beiden Waldläufer rasch hinter sich.

Der aufdringliche Geruch des brennenden Waldes folgte ihnen ins Hügelland. Das Gelände auf der Ostseite des Flusses war steinig und stieg an. Niedriges Gestrüpp kauerte sich in flächendeckendem Dickicht zusammen. Nach Osten erstreckten sich Hügel, dann hohe Berge. Kelida, die in Gedanken versunken war, paßte ihr Tempo dem Stanachs an. Jedesmal, wenn sie sich umsahen, erblickten sie den leuchtend roten Schein des Feuers am Himmel.

»Guyll Fyr«, flüsterte Stanach, als er stehenblieb und zusah, wie das Feuer nur eine Meile von der Flußhöhle entfernt einen Busch erfaßte. Trotz des beißenden Windes und der kalten Luft der frühen Morgenstunden lief ihm der Schweiß über die blassen Wangen, glitzerte an den Rändern seines Schnurrbarts und auf seinem dicken, schwarzen Bart. Als Kelida sah, daß er eine Rast brauchte, hielt sie mit ihm an.

Stumm probierte sie seine Worte aus. Dann sah sie auf und versuchte es laut: »Guill Feuer?«

Stanach lächelte schief. »Beinahe. Buschbrand.« Der Zwerg zeigte nach Süden am Waldrand entlang. »Das Unterholz ist verkohlt, aber in den Baumwipfeln brennt es noch. Wenn der Wind umspringt, kommt es über den Fluß.«

»Das ist ein Buschbrand?«

Stanach suchte die Dunkelheit vor ihnen ab. Kernbal wartete am Fuß einer Bergkette. »Nein«, sagte er, als er wieder losging. »Guyll Fyr wird es erst, wenn es in etwa dreißig Meilen die Ebene der Toten erreicht.«

Wenn der Wind richtig steht, dachte er finster, wird es morgen soweit sein.

Mehr sagte er nicht, weder über das Feuer noch über etwas anderes. Er mußte sich jetzt aufs Laufen konzentrieren. Kelida ging kurz vor ihm und hatte die Augen auf den dunklen Boden geheftet. So fand sie das Geröll auf dem Pfad und die Löcher und Mulden im Steinboden immer rechtzeitig genug, um nach seinem Arm zu greifen, bevor er stolperte.

Seine rechte Hand hing wie ein Stück Eisen gefühllos und schwer herunter. Stanach erinnerte sich an das Feuer, das erst Stunden zuvor gnadenlos in dieser Hand gebrannt hatte. Jetzt spürte er die Schmerzen nicht mehr. In seiner Brust wurde es kalt, sein Magen krampfte sich zusammen.

Er fragte sich, wie lange Kernbals Salben wohl wirken würden.

Tyorl hockte auf dem Berg und suchte am Himmel nach Anzeichen der Morgendämmerung. Die verblassenden Sterne verrieten ihm, daß der Horizont heller werden sollte, doch Feuerschein erleuchtete den Himmel, seit die Flammen den Wald erfaßt hatten und rasch nach Süden und Osten vordrangen. Sie übertönten jeden Anklang der frühen Dämmerung.

Hatte das Feuer den Fluß schon überquert? Tyorl glaubte es nicht. Er stand auf und streckte seine schmerzenden Glieder. Wann hatte er zuletzt geschlafen? Wann würde er wieder schlafen dürfen?

Finn, dessen scharfe Augen den Boden am Fuß des Hügels absuchten, stieß Tyorl an. Kern lief den Abhang hinunter, um Stanach und Kelida zu helfen. »Der Zwerg braucht bald eine Pause. Und so wie er aussieht, wird das schon unten am Hügel sein.«

»Wir können hier keine Rast machen. Das Feuer könnte über den Fluß kommen.«

Finn schnaubte. »Es wird über den Fluß kommen.«

Einen Augenblick standen sie schweigend da. Tyorl suchte den Westen ab, während er sich fragte, ob die anderen dreißig Waldläufer den Flammen entkommen waren. Er blickte zu Finn und sah dieselbe Frage im wettergegerbten Gesicht des Waldläufers. Und die Antwort in seinen Augen.

Sie konnten nicht entkommen sein. Sechs Meilen weiter nördlich war der Fluß ein wildes, tückisches Gewässer, das nicht zu überqueren war. Das Feuer mußte ungefähr am Lager von Finns Gruppe ausgebrochen sein. Was war passiert?

Ihr Götter, betete Tyorl, was er nicht oft tat, schenkt ein paar von ihnen das Leben, wenn Ihr schon nicht alle leben lassen könnt!

Kerrit. Bartt. Der alte Gart. Die Namen und die Gesichter der dreißig Menschen und Elfen, die so viele Jahre seine Freunde gewesen waren, schienen sich im Rauch zu formen. Tyorl erschauerte. So schnell konnten sie sterben, seine Freunde, so leicht, wie der Wind den Rauch verteilt.

Finn umrundete die Spitze des Hügels und kehrte wieder zurück. »Ich wüßte gern, wo der Kender hingelaufen ist.«

»Geht mir zweifellos aus dem Weg«, sagte Tyorl.

Finn grunzte. »Kommt er zurück?«

»Er ist ein Nachtschwärmer, aber er kommt immer zurück. Um so schlimmer für mich.«

»So?« Finn betrachtete den Elf nachdenklich. »Ich dachte, ihr wäret Freunde. Habt ihr Ärger miteinander?«

»Eins schließt das andere nicht aus«, sagte Tyorl müde.

Die Monde waren längst untergegangen. Sie konnten keine Schatten mehr werfen. Und trotzdem sah Tyorl plötzlich einen riesigen Schatten von Gefahr und Verhängnis.

Finn stieß einen Fluch aus. Wie als Echo kam Lehrs Entsetzensschrei von unten, als dieser seinem Bruder eine Warnung zurief.

Wie ein Stück Mitternacht schoß mit dem Kriegsruf einer Todesfee ein schwarzer Drache vom Himmel.

Der Augenblick, in dem der Drachenschrei ertönte, war wie ein Moment, der aus jeglicher Zeit herausfiel. Kelida schlug das Herz bis zum Hals. Ihr war schlecht vor Angst. Bis ins Mark erstarrt vor kalter Furcht, sah sie bewegungslos zu, wie die Flügel der Kreatur an ihren glitzernden, ebenholzschwarzen Seiten zurückschlugen und das Wesen mit hochgerecktem Kopf den Boden berührte. Mit beängstigender Geschwindigkeit schossen die Vorderbeine des Drachen vor, als ob sie nach etwas griffen. Nach ihr!

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