Paganinis Fluch
- Автор: Кеплер Ларс
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Переводчик: Paul Berf
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Paganinis Fluch». Краткое содержание книги:
»Das bin ja ich!«
»Sie?«
»Ja«, bestätigt er lachend, sodass seine kindlichen Schneidezähne sichtbar werden.
»Aber …«
»Wir haben uns in Frankfurt getroffen«, fährt er mit einem zufriedenen Lächeln fort. »Haben uns ein wunderbares Konzert … Ich weiß nicht mehr, was sie gespielt haben, Beethoven, glaube ich …«
Joona versucht, dieses unerwartete Geständnis zu verarbeiten, und räuspert sich kurz.
»Sie sind sich vollkommen sicher?«
»Ja«, antwortet Salman.
»Dann hätten wir das Rätsel also gelöst«, bemerkt Saga in einem Tonfall, der nicht einmal andeutungsweise ihre Enttäuschung verrät.
»Ich sollte mich vielleicht beim Staatsschutz bewerben«, scherzt Salman.
»Worum ging es bei diesem Treffen?«, sagt Joona. »Darf man das fragen?«
»Aber sicher«, antwortet Salman lachend und sieht Joona an. »Das Foto ist im Frühjahr 2008 entstanden, wir haben eine Lieferung von Munition in den Sudan besprochen. Agathe al-Haji verhandelte für die dortige Regierung. Die Region musste nach dem Friedensabkommen 2005 stabilisiert werden. Die Verhandlungen waren ziemlich weit gediehen, aber angesichts dessen, was im Frühjahr 2009 passiert ist, war dann doch alles für die Katz. Wir waren erschüttert, nun ja, Sie verstehen … Danach haben wir natürlich keinen Kontakt mehr zum Sudan gehabt.«
Joona sieht Saga an, weil er keine Ahnung hat, was im Frühjahr 2009 geschehen ist. Ihr Gesicht ist vollkommen neutral, und er beschließt, nicht zu fragen.
»Wir oft haben Sie sich getroffen?«, erkundigt sich Joona.
»Nur dieses eine Mal«, antwortet Salman. »So gesehen mag man es ein wenig verwunderlich finden, dass der Direktor der Kontrollbehörde eine Einladung zu einem Glas Champagner annimmt.«
»Finden Sie?«, fragt Saga.
»Es gab doch nichts zu feiern … aber vielleicht hatte er ja einfach Durst«, erwidert Salman.
Spende Boerse
50
Das Versteck
Penelope und Björn wissen nicht, wie lange sie sich schon still in der tiefen Felsspalte versteckt halten. Bis zur zweiten Nacht haben sie zusammengekauert im Schatten unter dem Stamm einer umgeknickten Kiefer gesessen.
Sie hatten nicht mehr die Kraft, weiterzufliehen, ihre Körper waren völlig erschöpft, sie haben abwechselnd geschlafen und Wache gehalten.
Ihr Verfolger hatte jeden ihrer Schritte vorhergesehen, doch nun ist das Gefühl seiner unmittelbaren Nähe verschwunden, er ist lange seltsam still geblieben. Diese magnetische Wahrnehmung im Rücken, diese schauderhafte Ahnung, dass jemand dicht hinter ihnen lief, war bereits verschwunden, als sie die Straße verlassen hatten, die zu den Siedlungen führte, als sie die spontane Entscheidung trafen, sich in den Wald zu schlagen, sich von Menschen und Festland zu entfernen.
Penelope weiß nicht, ob es ihr gelungen ist, auf dem Anrufbeantworter ihrer Mutter eine Nachricht zu hinterlassen.
Aber schon bald müsste trotz allem jemand Björns Boot finden, denkt sie. Und dann wird die Polizei nach uns suchen.
Sie müssen sich nur verstecken, damit ihr Verfolger sie nicht findet.
Die runden Felsen sind mit grünem Moos bewachsen, aber in der Spalte ist der Stein nackt und an manchen Stellen sickert klares Wasser heraus.
Sie haben Wasser aufgeleckt und sich erneut im Schatten versteckt. Es ist ein sehr heißer Tag gewesen, sie haben ganz still gesessen und gekeucht, aber gegen Abend, als die heiße Sonne hinter den Bäumen verschwunden war, sind sie wieder eingeschlafen.
In Penelopes Gehirn vermischen sich Träume und schlummernde Erinnerungen. Sie hört Viola auf ihrer winzigen Geige mit den kleinen Aufklebern, die den Fingersatz markieren, »Morgen kommt der Weihnachtsmann« spielen und sieht, wie ihre Schwester sich mit rosa Lidschatten schminkt und vor dem Spiegel die Wangen einzieht.
Als Penelope erwacht, ringt sie heftig nach Luft.
Björn hat die Arme um seine Knie geschlungen und zittert.
Als die dritte Nacht verblasst, halten sie es nicht länger aus, sie sind so hungrig und schwach, dass sie ihr Versteck verlassen und weitergehen müssen.
Es ist fast Morgen, als Björn und Penelope das Ufer erreichen. Rote Sonnenstrahlen werden als glühende Streifen an den Rändern der langen Wolkenschleier aufgefangen. Das Wasser liegt in der Dämmerung ruhig und glatt. Zwei Höckerschwäne treiben nebeneinander auf dem Wasser. Ruhig gleiten sie mit langsam paddelnden Füßen hinaus.
Björn streckt die Hand aus, um Penelope zum Wasser zu führen. Plötzlich geben seine Beine vor Müdigkeit nach, er taumelt, rutscht aus, stützt sich mit der Hand auf einen Stein und rappelt sich wieder auf. Penelope stiert ins Leere, während sie ihre Schuhe auszieht, sie miteinander verknotet und sich um den Hals hängt.
»Komm«, flüstert Björn. »Wir schwimmen, denk nicht nach, tu es einfach.«
Penelope will ihn bitten zu warten, weil sie nicht weiß, ob ihre Kräfte ausreichen werden, aber er ist schon auf dem Weg ins Meer. Sie schaudert und blickt zu der Insel auf der anderen Seite des Wassers hinüber, die noch weiter draußen in den Stockholmer Schären liegt.
Sie watet hinter ihm hinaus und spürt, wie sich das kühle Wasser um Waden und Hüften schließt. Der Grund ist steinig und glatt, und das Wasser wird unter ihr rasch tiefer. Ihr bleibt keine Zeit für Zweifel, sie gleitet einfach hinein.
Mit schmerzenden Armen und schweren Kleidern schwimmt sie auf das andere Ufer zu. Björn ist schon weit vor ihr.
Es ist anstrengend, jeder Schwimmzug erscheint ihr schier unerträglich, ihre Muskeln wollen sich einfach nur ausruhen.
Die Insel Kymmendö liegt vor ihnen wie ein sandiger Wall. Sie tritt mit ihren müden Beinen, kämpft weiter und hält sich über Wasser. Plötzlich wird sie von den ersten Sonnenstrahlen über den Bäumen geblendet, sie stechen ihr in den Augen, und sie hört auf zu schwimmen. Es ist kein Krampf, aber ihre Arme können nicht mehr, geben einfach auf. Es geht nur um ein paar Sekunden, aber die nassen Kleider ziehen sie unter die Oberfläche, noch ehe die Arme ihr wieder gehorchen. Als sie hochkommt und nach Luft schnappt, hat sie große Angst, Adrenalin wird durch ihren Körper gepumpt, sie atmet schnell und hat die Orientierung verloren, sieht um sich herum nur Meer. Verzweifelt tritt sie Wasser und dreht sich im Kreis, verbietet sich selbst, zu schreien, und entdeckt schließlich Björns auf und ab wippenden Kopf kurz über der Wasseroberfläche, in fünfzig Meter Entfernung. Penelope schwimmt weiter, weiß aber nicht, ob sie es bis zu der anderen Insel schaffen wird.
Die Schuhe um ihren Hals behindern ihre Schwimmzüge, und sie versucht, sie loszuwerden, aber sie verhaken sich in ihrem Kruzifix. Dann reißt die dünne Kette, und das Kruzifix verschwindet mit den Schuhen im Wasser.
Sie schwimmt weiter, spürt die harten Schläge ihres Herzens, nimmt vage wahr, dass Björn weit vor ihr an Land krabbelt.
Wasser spritzt ihr in die Augen, dann sieht sie Björn am Ufer stehen. Er hält Ausschau nach ihr, obwohl er sich lieber verstecken sollte. Ihr Verfolger könnte sich in diesem Moment an Ornös nördlichem Ufer aufhalten, er könnte irgendwo hinter ihnen stehen und das Gelände mit einem Fernglas absuchen.
Penelopes Bewegungen werden langsamer und schwächer, sie spürt die Schwere und Trägheit in den Beinen, als sich die Milchsäure in den Muskeln der Oberschenkel ausbreitet. Das Schwimmen fällt ihr immer schwerer, das letzte Stück erscheint unüberbrückbar. Björns Augen sind ängstlich, er watet ins Wasser zurück, ihr entgegen, als sie sich dem Ufer nähert. Sie will schon aufgeben, macht aber doch noch ein paar Schwimmzüge und noch ein paar und spürt endlich unter sich den Grund. Björn ist im Wasser, greift nach ihrer Hand, zieht sie an sich und schleift sie auf den steinigen Sandstrand hinauf.
»Wir müssen uns verstecken«, keucht sie.
Er hilft ihr zwischen die Fichten, sie spürt ihre Beine und Füße nicht mehr und friert so sehr, dass sie am ganzen Leib zittert. Sie bewegen sich tiefer in den Wald hinein und bleiben erst stehen, als sie das Meer nicht mehr sehen. Erschöpft sinken sie ins Moos und Blaubeergestrüpp und umarmen sich, während ihre Atemzüge ruhiger werden.