16 Uhr 50 ab Paddington
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2008
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «16 Uhr 50 ab Paddington». Краткое содержание книги:
Im November 1957, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, erschien Agatha Christies berühmter Roman 4.50 From Paddington. Ursprünglich hatte sie den Roman 4.54 From Paddington genannt – mit diesem Titel wurde der Roman in den USA veröffentlicht. Lösung des Rätsels: Ein befreundeter Archäologe riet ihr, als Abfahrtszeit von Paddington 4.50 zu wählen, da kein tatsächlich verkehrender Zug zu dieser Zeit den Bahnhof Paddington verließ. Agatha Christie nahm die Anregung auf, die Änderung erreichte aber den amerikanischen Verlag nicht mehr rechtzeitig vor Drucklegung. So ist es für die US-Ausgaben – bis heute! – bei 4.54 From Paddington geblieben. Die deutsche Ausgabe des Romans erschien als «16 Uhr 50 ab Paddington» im Jahr 1960 beim Scherz Verlag.
Der Roman ist ein interessanter Fall für die schrullige Meisterdetektivin Miss Marple aus St. Mary Mead, die jedoch bereits das gesegnete Alter von 89 Jahren erreicht hatte. Agatha Christie stellte ihr deshalb bei der Aufklärung des mysteriösen Verbrechens die junge Lucy Eyelesbarrow zur Seite. Von dieser neuen Partnerschaft waren die meisten Kritiker im Übrigen sehr angetan.
1962 verfilmte MGM den Stoff mit Margaret Rutherford. Der Film war an den Kinokassen ein Erfolg, nicht aber in den Augen der Autorin, die sich mit der sehr freien Bearbeitung ihrer Vorlage nicht anfreunden konnte. Auch die Wahl der Hauptdarstellerin gefiel ihr nicht. Margaret Rutherford entsprach so gar nicht ihrer Vorstellung der zierlichen, zerbrechlichen Miss Marple.
Eine weitere Verfilmung, diesmal mit Joan Hickson, produzierte die BBC 1988. Der Drehbuchautor T. R. Bowen hielt sich dabei sehr an die literarische Vorlage. Agatha Christie hätte an dieser Adaption mit der von ihr sehr geschätzten Joan Hickson sicherlich ihre Freude gehabt.
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
4.50 FROM PADDINGTON
© 1957 Agatha Christie Limited,
a Chorion Company.
All rights reserved.
16 Uhr 50 ab Paddington
© 2000 Scherz Verlag, Bern, München, Wien
für die Neuausgabe in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach
Copyright © 2008 Hachette Collections
Er lehnte sich zurück und seufzte. Die Sekretärin hatte Recht. Er fühlte sich den Dingen noch nicht gewachsen, aber er hatte ins Büro kommen wollen. Wollte wissen, wie sich die Dinge entwickelt hatten. Schließlich stand alles auf Messers Schneide. Das alles – er sah sich um – die exquisite Büroeinrichtung, die matt schimmernde Täfelung, die luxuriösen modernen Stühle, das alles sprach von Wohlstand, und das sollte es auch. An diesem Punkt hatte Alfred immer falsch gelegen. Wenn man wohlhabend aussah, glaubten die Leute, man sei auch wohlhabend. Bislang hatte sich seine tatsächliche finanzielle Lage nicht herumgesprochen. Trotzdem ließ sich der Zusammenbruch nicht mehr lange hinauszögern. Wenn doch bloß sein Vater gestorben wäre und nicht Alfred, wie es sicher, ganz bestimmt sogar gedacht gewesen war. Aber seinem Vater bekam Arsen anscheinend blendend! Ja, wenn der dem Gift erlegen wäre, dann wäre er über den Berg gewesen.
Trotzdem, das Wichtigste war, sich keine Sorgen anmerken zu lassen. Den wohlhabenden Schein zu wahren. Nicht wie der arme alte Alfred, der immer schäbig und unfähig gewirkt hatte, eben genau so, wie er auch gewesen war. Ein Schmalspurspekulant, der nie den großen Wurf gewagt hatte. Hier ein Gekungel mit suspekten Partnern, da ein Kuhhandel – aber nie hatte ihm die Anklage etwas nachweisen können, stets war er mit einem blauen Auge davongekommen. Und was hatte er davon gehabt? Kurze Phasen des Wohlstands, und dann wieder zurück zur schäbigen Unfähigkeit. Alfred hatte einfach der Weitblick gefehlt. Nein, summa summarum war er kein großer Verlust. Harold hatte seinen Bruder nie übermäßig gemocht, und wenn er aus dem Weg war, schwoll der Geldsegen des alten Knickers, der irgendwann in Harolds Richtung fließen musste, beträchtlich an. Er musste nicht mehr durch fünf, sondern nur noch durch vier geteilt werden. Sehr viel besser.
Harolds Miene hellte sich auf. Er erhob sich, nahm Hut und Mantel vom Haken und verließ das Büro. Die ersten Tage lieber langsam angehen lassen. Er fühlte sich noch immer angegriffen. Sein Wagen wartete unten, und schon bald fädelte er sich durch den Londoner Verkehr nach Hause.
Sein Diener Darwin öffnete ihm.
«Madam ist soeben eingetroffen, Sir», sagte er.
Harold starrte ihn einen Augenblick lang an. Alice! Grundgütiger, kam Alice heute nach Hause? Das hatte er vollständig vergessen. Gut, dass Darwin ihn gewarnt hatte. Es hätte keinen guten Eindruck gemacht, wenn er oben überrascht gewesen wäre, sie anzutreffen. Obwohl es andererseits auch keine große Rolle spielte. Weder Alice noch er machten sich Illusionen, was die Gefühle für den anderen anging. Vielleicht mochte Alice ihn – er wusste es nicht.
Insgesamt war sie eine große Enttäuschung für ihn gewesen. Er hatte sie natürlich nie geliebt, aber für eine so unscheinbare Frau war sie doch ganz angenehm im Umgang. Und ihre Familie und ihre Verbindungen hatten sich fraglos als nützlich erwiesen. Vielleicht nicht ganz so nützlich, wie möglich gewesen wäre, denn bei ihrer Heirat hatte er noch die Stellung hypothetischer Kinder in Betracht gezogen. Seine Jungen hätten gute Beziehungen gehabt. Aber es waren weder Jungen noch Mädchen gekommen, und Alice und ihm war nur das gemeinsame Altern geblieben, ohne dass sie sich viel zu sagen hatten und ohne dass sie sich in Gesellschaft des anderen besonders wohl fühlten.
Sie verbrachte viel Zeit bei ihren Verwandten und reiste im Winter meistens an die Riviera. Ihr gefiel es, und er hatte nichts dagegen.
Er begab sich nach oben in den Salon und begrüßte sie förmlich.
«Da bist du ja wieder, meine Liebe. Es tut mir Leid, dass ich dich nicht abholen konnte, aber ich bin in der City aufgehalten worden. Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte. Wie war es in Saint-Rapha’l?»
Alice erzählte ihm, wie es in Saint-Rapha’l gewesen war. Sie war eine schmale Frau mit rotblonden Haaren, einer geschwungenen Nase und schwimmenden nussbraunen Augen. Sie sprach mit einer kultivierten, monotonen und etwas wehleidigen Stimme. Die Rückreise war angenehm verlaufen, der Kanal etwas stürmisch gewesen. Wie üblich waren die Zollformalitäten in Dover nervenaufreibend.
«Du hättest fliegen sollen», sagte Harold, was er immer sagte. «So viel einfacher.»
«Das glaube ich wohl, aber ich sitze nicht gern im Flugzeug. Ich mag es einfach nicht. Es macht mich nervös.»
«Es spart viel Zeit», sagte Harald.
Lady Alice Crackenthorpe antwortete nicht. Möglicherweise stellte sich in ihrem Leben weniger die Frage, wie sie Zeit sparen als wie sie sie nutzen konnte. Höflich erkundigte sie sich nach dem Befinden ihres Mannes.
«Emmas Telegramm hat mich beunruhigt», sagte sie. «Ihr wart also alle krank?»
«Ja, ja», sagte Harald.
«Ich habe kürzlich erst in der Zeitung gelesen, dass in einem Hotel gleich vierzig Menschen auf einmal an einer Lebensmittelvergiftung erkrankt sind», sagte Alice. «Ich glaube ja, dass diese Kühlschränke daran schuld sind. Die Leute bewahren das Essen zu lange darin auf.»
«Schon möglich», sagte Harald. Sollte er das Arsen erwähnen oder nicht? Als er Alice ansah, brachte er es nicht über sich. Er hatte den Eindruck, dass in Alices Welt kein Raum für Arsenvergiftungen war. Davon las man in der Zeitung. Einem selbst oder der eigenen Familie passierte so etwas nicht. In der Familie Crackenthorpe war es jedoch passiert…
Er ging auf sein Zimmer und legte sich ein paar Stunden aufs Ohr, bevor er sich zum Abendessen umzog. Beim Essen, unter vier Augen mit seiner Frau, bewegte sich das Gespräch im Großen und Ganzen in denselben Bahnen. Höflich kaschiertes Desinteresse. Man sprach über Bekannte und Freunde in Rapha’l.
«Auf dem Dielentischchen liegt ein Päckchen für dich», sagte Alice.
«Ja? Habe ich gar nicht gesehen.»
«Jemand hat mir etwas ganz Ungewöhnliches von einer ermordeten Frau erzählt, die in einer Scheune oder so gefunden worden ist. Sie sagte, das sei in Rutherford Hall gewesen. Ich nehme an, es muss sich dabei um ein anderes Rutherford Hall handeln.»
«Nein», sagte Harold, «nein, sie hat Recht. Das war tatsächlich in unserer Scheune.»
«Also wirklich, Harold! Eine ermordete Frau in der Scheune von Rutherford Hall – und das erwähnst du mit keinem Wort?»
«Ach, ich bin einfach noch nicht dazu gekommen», sagte Harold, «außerdem war es eine ziemlich unerfreuliche Angelegenheit. Nicht dass sie etwas mit uns zu tun gehabt hätte, aber die Presse lief überall herum, wir mussten uns mit der Polizei abgeben und so weiter.»
«Wie unangenehm», sagte Alice. «Hat man den Täter gefasst?», fragte sie mit flüchtigem Interesse.
«Bisher nicht», sagte Harold.
«Was für eine Frau war es denn?»
«Das weiß niemand. Anscheinend Französin.»
«Ach, Französin,» sagte Alice, und vom Schichtunterschied abgesehen, klang sie wie Inspector Brown. «Wie lästig für euch», fand auch sie.
Sie gingen aus dem Esszimmer in das kleine Arbeitszimmer, in dem sie meistens saßen, wenn sie allein waren. Harold fühlte sich recht erschöpft. «Ich werde früh ins Bett gehen», sagte er sich.
Er nahm das Päckchen vom Dielentisch, das seine Frau erwähnt hatte. Es war ein kleines, sorgfältig versiegeltes Päckchen. Harold setzte sich in seinen angestammten Sessel am Kamin und riss es auf.
Zum Vorschein kam eine kleine Tablettenschachtel mit der Aufschrift «Abends zwei Tabletten». Daneben lag ein Zettel mit dem Briefkopf des Apothekers von Brackhampton. «Auf Anordnung von Dr. Quimper» stand darauf.