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Poker um die Zukunft

Электронная книга - «Poker um die Zukunft». Краткое содержание книги:

Der erste Glücksspielautomat erzählt Lansing eine schmutzige Geschichte. Dann spuckt er zwei Schlüssel aus und versetzt dem Professor einen Tritt...
Der zweite Glücksspielautomat wirft Goldmünzen aus, wie sie Lansing noch nie gesehen hat...
Der dritte Glücksspielautomat nimmt schließlich Lansings Geld an -und transportiert ihn in eine andere Welt...
...aber hier fängt das Glücksspiel erst an! Jetzt gilt es für Lansing und die anderen Leidensgenossen, die er dort trifft - einen Brigadegeneral, einen selbstgefälligen Pastor, eine Ingenieurin, eine Dichterin und den Roboter Jürgens - , Rätsel zu lösen, die unlösbar scheinen. Und doch hängt vom Gelingen dieser Aufgabe ihr Überleben ab - und nicht nur ihr eigenes...
Titel der Originalausgabe »Special Deliverance« Copyright © 1982 by Clifford D. Simak Aus dem Amerikanischen von Ulrich Kiesow Umschlagillustration Bob Fowke
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»Ich gehöre zu den Leuten, die dazu verdammt sind, immer alle Aspekte einer Frage zu sehen. Als Diplomat gehörte das ja auch zu meinem Aufgabenbereich. Ich halte es für notwendig, ehrlich gegen sich selbst zu sein. Ich will mir nichts vormachen.« »Sie haben demnach keine feste Überzeugung?« »Absolut keine. Für mich ist alles genauso rätselhaft wie am ersten Tag.«

»Was wissen Sie über das Land, das zwischen dem Lager und der Stadt liegt? Was wissen Sie über die Badlands?« »Das Land zwischen hier und der Stadt ist rauh und hügelig«, antwortete Correy. »So weit wir es durchforscht haben jedenfalls.

Meistens dicht bewaldet, aber das Wandern ist nicht mühselig. Über die Badlands weiß ich nichts; wir sind nicht dort gewesen. Sie müssen östlich von hier liegen.«

»Sind Sie denn zufrieden damit, immer hierbleiben zu müssen? Wollen Sie nicht wissen, was außerhalb des Tales liegt?« »Zufrieden bin ich nicht«, erwiderte Correy. »Aber mir bleibt nichts anderes übrig. Ein paar von uns sind nach Norden gezogen, zum Chaos. Sind Sie auch so weit gekommen?« »Ja, ich habe dort einen guten Freund verloren.« »Der Norden ist von Chaos abgeriegelt«, sagte Correy. »Es gibt keine Möglichkeit, es zu überwinden. Ich weiß nicht, was Chaos ist, aber es blockiert den Weg. Jenseits des Turmes erstreckt sich die Wüste über Hunderte von Kilometern. Der Süden ist auch nicht sehr vielversprechend, habe ich mir sagen lassen. Und Sie wollen also zur Stadt zurück, weil Sie hoffen, dort etwas zu finden, das Sie beim erstenmal übersehen haben?« »Ich will nicht irgend etwas finden«, erwiderte Lansing, »ich will Mary finden. Ich muß sie finden. Wir beide sind die einzigen, die von unserer Gruppe übriggeblieben sind. Die anderen vier haben wir verloren.« »Und Ihre beiden Begleiter?«

»Sie waren nicht von Anfang an dabei. Sie gehören zu einer anderen Gruppe. Wir haben sie im Gasthaus angetroffen.«

»Es scheinen nette Leute zu sein«, sagte Correy. »Da kommen sie ja.«

Lansing blickte auf und sah, daß Jorgenson und Melissa um den Kreis herum auf ihn zu kamen. Jorgenson hockte sich vor ihm auf den Boden, Melissa blieb stehen. »Melissa und ich möchten Ihnen etwas mitteilen«, begann Jorgenson. »Es tut uns leid, aber wir werden Sie nicht weiter begleiten. Wir haben uns zum Hierbleiben entschlossen.«

29

Daß Jorgenson und Melissa nicht mehr bei ihm waren, machte Lansing nichts aus. Jetzt kam er leichter und schneller voran. Seit seinem Aufbruch hatte er schon ein gutes Stück Weg hinter sich gebracht, mehr jedenfalls, als er mit den beiden im Schlepptau geschafft hätte. Überdies fand er alle beide nicht sonderlich sympathisch. Melissa war eine dumme Gans, Jorgenson auch nicht gerade ein liebenswürdiger Zeitgenosse. Wenn er den Abschied bedauert hatte, dann wegen Correy. Obwohl er nur ein paar Stunden mit ihm verbracht hatte, mochte er den Mann. Lansing hatte ihm etwas mehr als die Hälfte des ihm verbliebenen Geldes gegeben. Correy hatte die Spende dankbar angenommen und ihm nicht nur persönlich, sondern im Namen der ganzen Lagergemeinschaft gedankt. »Ich werde diesen unverhofften Reichtum gut verwalten und nur für gemeinschaftliche Interessen verwenden«, hatte er gesagt. »Ich weiß, daß alle hier Ihnen danken würden, wenn sie von der großzügigen Gabe wüßten.«

»Keine Ursache«, hatte Lansing erwidert. »Außerdem kommen Mary und ich ja vielleicht zurück.« »Ich werde Ihnen einen Platz am Feuer freihalten«, hatte Correy ihm versichert. »Aber ich hoffe aufrichtig, daß Sie nicht zurückkommen müssen. Das Leben hier ist nicht sehr verlockend. Vielleicht finden Sie ja einen Weg nach draußen. Einigen muß das doch gelingen. Ich wünsche Ihnen von Herzen, daß Sie es schaffen.«

Lansing hatte die Hoffnung, einen Weg aus seiner jetzigen Situation zu finden, schon vor langer Zeit aufgegeben, und wenn Correy nicht davon gesprochen hätte, daß noch Hoffnung bestehe, würde er wohl nicht mehr an ein Verlassen dieser Welt gedacht haben. Er mußte Mary finden, denn nur gemeinsam mit ihr konnte er dem entgegentreten, was das Schicksal für ihn bereithielt.

Nun mußte er wieder an diese vage Möglichkeit denken, während er durch den Wald stapfte. Correy, das wußte er, hatte sich optimistischer geäußert, als es seiner Überzeugung entsprach. Aber die Frage blieb bestehen - gab es doch noch eine Hoffnung? Der Verstand sagte ihm, daß sie gering war, und er schalt sich, überhaupt einen Gedanken an sie zu verschwenden. Aber während er wanderte, stellte er fest, daß sich tief in seinem Innersten ein schwacher Hoffnungsschimmer zu regen begann.

Die Reise war verhältnismäßig einfach. Die Berge waren zwar steil, dafür die Wälder licht. Probleme mit dem Trinkwasser gab es nicht, denn Lansing traf immer wieder auf kleine Bäche und Rinnsale, die sich die Hügel hinabschlängelten. Als die Nacht hereinbrach, stieß er auf einen Ausläufer der Badlands. Aber das war nicht die farbenprächtige Alptraumlandschaft, die die Reisegesellschaft auf dem Hinweg durchquert hatte. Es waren kleine Badlands, unvollendete Badlands. Hier hatten die urzeitlichen Wassermassen ihre Arbeit nicht zu Ende geführt. Der Regen hatte aufgehört, die Erosion war aufgehalten worden, bevor sich richtige Badlands entwickeln konnten. Es gab ein paar tiefe Schluchten, ein paar phantastische Felsformationen, aber sie waren unvollständig. Sie wirkten so, als habe ein Bildhauer Hammer und Meißel frustriert oder angewidert fortgeworfen, bevor er seine Arbeit vollendet hatte. »Morgen«, sagte Lansing laut, »werde ich es bis zur Stadt schaffen.«

Er erreichte sie am nächsten Tag, kurz nachdem die Sonne den höchsten Punkt überschritten hatte. Er stand auf einem der Berge, die die Stadt umgaben, und sah sie unter sich liegen. Dort unten, dachte er, mochte Mary auf ihn warten. Und als er es dachte, merkte er, wie er zitterte.

Er eilte den Berg hinab und fand eine Straße, die ins Zentrum führte. Der Anblick der Stadt war ihm vertraut - die roten, verwitterten Fassaden, die Steinbrocken, die die Straßen blockierten, die Staubschicht, die über allem lag. Auf dem Platz hielt er an und blickte nach allen Seiten, um sich zu orientieren. Als er sich über die Himmelsrichtung klar war, wußte er auch, wo er sich befand. Ihm gegenüber erhob sich die beschädigte Fassade des sogenannten Verwaltungsgebäudes, dessen einer Turm unverändert in die Höhe ragte, und die Straße hinab, im Winkel, würde er den Eingang zu der Maschine finden.

Er rief nach Mary, erhielt aber keine Antwort. Er rief noch ein paarmal, aber dann begann das Echo seiner Stimme ihm Grauen einzuflößen, und er verstummte.

Er ging über den Platz zum Verwaltungsgebäude und stieg die breite Treppe zur Eingangshalle hinauf, in der sie einst kampiert hatten. Seine Schritte erzeugten dröhnende Echos, die ihn ein wenig an Stimmen erinnerten, die mürrisch nach ihm riefen. Er schlich durch die Halle und traf überall auf Spuren ihres ersten Aufenthalts: auf eine oder zwei leere Konservendosen, eine leere Keksschachtel und einen Krug, den einer von ihnen vergessen hatte. Er wollte in den Keller gehen, um nach den Türen zu sehen, aber er fürchtete sich davor. Er versuchte es einigemal, konnte sich aber nicht überwinden. Wovor hatte er Angst, fragte er sich - war es die Angst, daß er eine Tür, vielleicht die der Apfelblütenwelt, geöffnet antreffen würde? Nein, dachte er, das würde Mary nicht tun. Jetzt jedenfalls noch nicht. Vielleicht später, wenn sie alle Hoffnung verloren hatte, ihn jemals wiederzufinden, wenn sie diese Hoffnung verloren hatte und alle anderen auch. Nein, jetzt noch nicht! Es war auch gut möglich, daß überhaupt keiner mehr diese Tür öffnen konnte. Der General hatte den Schraubenschlüssel an sich genommen und vermutlich irgendwo versteckt. Keine der Türen sollte je wieder geöffnet werden, hatte er gesagt. Während Lansing still und reglos in der Eingangshalle stand, schien es ihm, als höre er das damalige Gespräch noch einmal. Er vernahm deutlich die Stimmen der anderen, versuchte, seine Ohren dagegen zu verschließen, aber gegen die Stimmen in seinem Kopf konnte er nichts ausrichten.

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