Der Prinz und der Söldner [The Vor Game - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-07274-X
- Переводчик: Michael Morgenthal
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der Prinz und der Söldner [The Vor Game - de]». Краткое содержание книги:
»Wie?«, sagte Elena. »Du hast uns die Verantwortung für die Dendarii übergeben. Baz war schon einmal desertiert. Nie wieder.«
Es ist alles meine Schuld, stimmt, dachte Miles. Großartig.
Elena wandte sich Gregor zu, dessen Gesicht einen seltsam zurückhaltenden Ausdruck angenommen hatte, während er ihren Vorwürfen lauschte, daß Miles die Dendarii im Stich gelassen habe.
»Du hast noch nicht gesagt, was du überhaupt hier tust, außer in Fettnäpfchen zu treten. Sollte das eine Art geheimer diplomatischer Mission sein?«
»Erklär du es«, sagte Miles zu Gregor und bemühte sich, nicht mit den Zähnen zu knirschen. Erzähl ihr von dem Balkon, los.
Gregor zuckte die Achseln, seine Augen wichen Elenas ruhigem Blick aus, »Wie Baz bin ich desertiert. Wie Baz habe ich gefunden, daß es nicht die Verbesserung brachte, die ich mir erhofft hatte.«
»Du kannst dir vorstellen, warum Gregor unbedingt so schnell wie möglich nach Hause gebracht werden muß«, warf Miles ein. »Daheim denkt man, er sei vermißt. Vielleicht sogar entführt.« Miles berichtete Elena kurzgefaßt, wie er und Gregor einander zufällig in der Haftabteilung der Konsortium-Station begegnet waren.
»Gott!« Elena verzog die Lippen. »Ich sehe ein, daß du ihn unbedingt irgendwie loswerden mußt. Wenn ihm in deiner Begleitung irgend etwas zustieße, dann würden fünfzehn verschiedene Gruppierungen schreien: ›Verräterische Verschwörung!‹«
»Dieser Gedanke ist mir auch schon gekommen, ja«, knurrte Miles.
»Die zentristische Koalitionsregierung deines Vaters würde als erstes fallen«, fuhr Elena fort. »Die militärische Rechte würde sich hinter Graf Vorinnis zusammenscharen, nehme ich an, und sich zum Kampf mit den antizentralistischen Liberalen aufstellen. Die Frankophonen würden Vorville wollen, die Russischsprachigen Vortugalow — oder ist der schon gestorben?«
»Die rechtsextremen isolationistischen Spinner mit ihrem Schlachtruf ›Sprengt das Wurmloch!‹ würden Graf Vortifrani in Front bringen gegen die progalaktische Anti-Vor-Gruppe, die eine geschriebene Verfassung haben will«, warf Miles niedergeschlagen ein. »Und ich meine ›Front‹ hier wortwörtlich.«
»Graf Vortifrani macht mir Angst.« Elena zitterte. »Ich habe ihn sprechen hören.«
»Es ist die ölige Art, mit der er den Schaum von seinen Lippen wischt«, sagte Miles. »Die Aktivisten der griechischen Minderheit würden die Gelegenheit ergreifen und die Sezession probieren …«
»Hört auf damit!«, sagte Gregor, der die Stirn auf die Hände gestützt hatte, hinter der Barriere seiner Arme hervor.
»Ich dachte, das sei deine Aufgabe«, sagte Elena schroff. Als er den Kopf hob und sie seinen düsteren Blick sah, wurde sie etwas sanfter, und ihr Mund zuckte nach oben. »Zu schade, daß ich dir keine Aufgabe in der Flotte anbieten kann. Wir können immer Offiziere mit guter Formalausbildung gebrauchen, um die übrigen zu drillen, wenn nichts anderes zu tun ist.«
»Söldner?«, sagte Gregor. »Das wäre ein Gedanke…«
»Oh, sicher. Eine Menge unserer Leute sind ehemalige reguläre Militärs. Einige sogar mit korrekter Entlassung.«
Eine Phantasievorstellung ließ Gregors Augen kurzzeitig vergnügt aufleuchten. Er blickte an seinem grauweißen Jackenärmel hinunter.
»Ach, wenn du doch hier nur den Befehl hättest, Miles.«
»Nein!«, rief Miles mit belegter Stimme.
Das Licht in Gregors Augen erlosch. »Es war nur ein Scherz.«
»Das ist nicht komisch.« Miles atmete vorsichtig und betete darum, daß es Gregor nicht einfallen würde, einen Befehl daraus zu machen …
»Jedenfalls werden wir jetzt versuchen, zum Konsul von Barrayar auf der Station von Vervain zu gelangen. Ich hoffe, es gibt das Konsulat noch. Ich habe schon seit Tagen keine Nachrichten mehr gehört — was ist bei den Vervani los?«
»Soweit ich weiß, alles wie sonst, außer daß sie mißtrauischer geworden sind«, sagte Elena. »Vervain steckt seine Ressourcen in Schiffe, nicht in Stationen …«
»Das ist sinnvoll, wenn man mehr als ein Wurmloch bewachen muß«, räumte Miles ein.
»Aber dann werden die Vervani in den Aslundern potentielle Angreifer sehen. Es gibt eine Gruppe in Aslund, die tatsächlich auf einen Erstschlag drängt, bevor die neue Vervani-Flotte in Dienst gestellt wird. Glücklicherweise haben sich bisher die Defensivstrategen durchsetzen können. Oser hat den Preis für einen Schlag durch uns unerschwinglich hoch angesetzt. Er ist nicht dumm. Er weiß, daß die Aslunder uns keine Rückendeckung geben könnten. Auch Vervain hat eine Söldnerflotte als Lückenbüßer angeheuert — tatsächlich sind dadurch die Aslunder erst auf die Idee gekommen, uns anzuheuern. Sie werden Randall’s Rangers genannt, doch ich habe gehört, daß Randall nicht mehr lebt.«
»Wir werden ihnen aus dem Weg gehen«, erklärte Miles nachdrücklich.
»Ich habe gehört, ihr neuer zweiter Offizier sei ein Barrayaraner. Du könntest dort vielleicht etwas Hilfe kriegen.«
Gregor runzelte nachdenklich die Stirn: »Einer von Illyans Geheimagenten? Klingt wie sein Werk.«
War Ungari dorthin gegangen? »Jedenfalls nähern wir uns ihm nur mit Vorsicht«, meinte Miles.
»Es wird Zeit dafür«, kommentierte Gregor leise.
»Der Name des Kommandanten der Rangers ist Cavilo …«
»Was?«, schrie Miles auf.
Elena hob ihre geschwungenen Augenbrauen. »Nur Cavilo. Niemand scheint zu wissen, ob das der Vorname oder der Nachname ist.«
»Cavilo ist die Person, die versuchte, mich — oder Victor Rotha — auf der Station des Konsortiums zu kaufen. Für zwanzigtausend betanische Dollar.«
Elenas Augenbrauen blieben oben. »Warum?«
»Ich weiß nicht, warum.« Miles überdachte nochmals ihr Ziel. Pol, das Konsortium, Aslund … Nein, es lief immer noch auf Vervain hinaus.
»Aber wir gehen entschieden den Söldnern der Vervani aus dem Weg. Wir steigen aus dem Schiff aus und gehen direkt zum Konsul, tauchen dort unter und machen keinen Muckser, bis Illyans Männer ankommen, um uns nach Hause zu nehmen, Punkt. Klar?«
Gregor seufzte: »Klar.«
Jetzt würde er nicht mehr Geheimagent spielen. Seine besten Bemühungen hatten nur dazu geführt, daß Gregor beinahe ermordet worden wäre. Es war Zeit, sich weniger Mühe zu geben, entschied Miles.
»Seltsam«, sagte Gregor und blickte Elena an — die neue Elena, vermutete Miles —, »zu denken, daß du mehr Kampferfahrung gehabt hast als jeder von uns beiden.«
»Als ihr beide zusammen«, korrigierte Elena trocken. »Ja, nun gut … wirklicher Kampf … ist viel stupider, als ich mir vorgestellt hatte. Wenn zwei Gruppen in dem unglaublichen Ausmaß kooperieren können, das nötig ist für eine Kampfbegegnung, warum investieren sie nicht ein Zehntel dieser Anstrengungen in Gespräche? Das trifft allerdings nicht auf Guerillakriege zu«, fuhr Elena nachdenklich fort. »Ein Guerilla ist ein Feind, der sich nicht an die Spielregeln halt. Das erscheint mir sinnvoller. Wenn man schon gemein wird, warum dann nicht total gemein? Dieser dritte Kontrakt — wenn ich je in einen weiteren Guerillakrieg verwickelt werde, dann möchte ich auf der Seite der Guerillas sein.«
»Es ist schwerer, Frieden zu schließen zwischen total gemeinen Feinden«, überlegte Miles. »Krieg ist kein Selbstzweck, ausgenommen bei einem katastrophalen Abrutschen in absolute Verdammnis. Der Zweck, der gewünscht wird, ist der Frieden. Ein besserer Frieden als der, mit dem begonnen wurde.«
»Wer am längsten am gemeinsten sein kann, der gewinnt?«, spekulierte Gregor.
»Das trifft historisch nicht zu, glaube ich. Wenn das, was man während des Kriegs tut, einen so korrumpiert, daß der nächste Frieden schlimmer ist …«
Stimmen aus der Ladebucht ließen Miles mitten im Satz verstummen, aber es waren Tung und Mayhew, die zurückkehrten.