Wen die Götter lieben
- Автор: Waters Paul
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Wen die Götter lieben». Краткое содержание книги:
Über den Autor:
Paul Waters ist in England geboren und riss mit siebzehn von zu Hause aus, um zur See zu fahren. Irgendwo auf dem Indischen Ozean fiel ihm ein Exemplar von Herodots Historien in die Hände, was seine Faszination für die Antike weckte. Später studierte er Latein und Griechisch am University College London. Danach lebte und lehrte er in Frankreich, Griechenland, Amerika und im südlichen Afrika. Er wohnt heute in Cambridge, England.
Titel der Originalausgabe: »The Philosopher Prince«
Sie ging an den leeren Borden entlang und blieb am Fenster stehen. Dann drehte sie sich um.
In demselben entschlossenen Tonfall sagte sie: »Dies wird immer dein Zuhause sein … ein Zuhause für euch beide.«
Das Licht flackerte und beschien ihr Gesicht, und ich bemerkte erschrocken, dass sie mir in die Augen schaute. Kurz hielt sie meinen Blick fest. Als sie sah, dass ich begriffen hatte, nickte sie und wandte sich ab.
Ich schluckte. Weitere Überraschungen hatte ich nicht von ihr erwartet. Doch jetzt war mir, als wollte mein Herz zerspringen, und plötzlich hatte ich Tränen in den Augen. Das war ihr Friedensangebot; ich wusste, welche Überwindung es sie gekostet hatte. Endlich, nach vielen Jahren und schmerzhaften Veränderungen, war ich akzeptiert.
Es blieb noch eine weitere Aufgabe.
Bevor wir uns verabschiedeten, hatte Marcellus’ Mutter gesagt, das Haus in London sei vermietet worden, da sie es selbst nicht benötigte. Aber die Miete sei lange nicht gezahlt worden, und der Agent antworte nicht auf ihre Forderungen.
»Ich werde mich darum kümmern«, versprach Marcellus.
Wieder in London nahmen wir die vertraute Straße westlich des Forums, die ins Viertel am Walbrook führt und die ich als Jüngling so oft entlangspaziert war, um Marcellus oder seinen Großvater zu besuchen. Nach einer Weile gelangten wir zu dem vornehmen alten Haus mit seiner schweren Eichentür und den rosa getünchten Mauern.
Marcellus klopfte an und wartete. Eine Zeit lang rührte sich nichts; dann erklangen Schritte. Der Riegel wurde beiseitegeschoben, und die Tür öffnete sich einen Spaltbreit.
»Ja?«, fragte ein misstrauischer, schwarzhaariger Diener.
»Ich möchte mit deinem Herrn sprechen«, sagte Marcellus.
»Er ist noch nicht aufgestanden. Komm später wieder.«
Er wollte die Tür zuschlagen, aber Marcellus hatte bereits den Fuß dazwischengeschoben.
Das wutverzerrte Gesicht des Dieners erschien im Türspalt.
»Dann geh ihn wecken«, sagte Marcellus bedächtig und drückte mit der flachen Hand die Tür auf. »Wir werden solange drinnen warten.«
Noch ehe wir in den Innenhof mit seinen Kräutertöpfen und geriefelten Säulen gelangten, hörten wir aus dem oberen Stock einen Mann rufen: »Lollius! Lollius! Wer war da an der Tür? Wo bist du, verflucht noch eins?«
Der Diener, der entschieden hatte, wo die größere Gefahr lag, eilte davon. Wir standen wartend da und wurden Zeuge eines Austauschs hastig geflüsterter Worte, denen ungeduldiges Brummen folgte. Schließlich hörten wir nackte Füße auf der Treppe.
Ein hagerer, zermürbt aussehender Mann kam zum Vorschein, der seinen Umhang vor dem Körper zuhielt. Er war verschlafen, seine Haare fettig und zerzaust. Er begann eine lautstarke, wütende Tirade. Doch als er mich sah, stockte er.
Auch ich starrte ihn an, denn ich kannte ihn. Es war Faustus, der Diakon des Bischofs.
Sein hageres Gesicht erbleichte. Er straffte die Schultern, doch in seiner Bestürzung vergaß er, seinen Umhang zuzuhalten. Der öffnete sich und enthüllte einen weißen, ausgezehrten Körper. Hastig raffte Faustus die Säume zusammen, doch der würdevolle Auftritt war verdorben.
Ganz offensichtlich wusste er, wer wir waren. »Das Haus gehört jetzt mir!«, rief er. »Es ist Eigentum der Kirche.«
Marcellus musterte ihn mit aristokratischer Verachtung.
Der Diakon jedoch kannte keine Scham. Er redete weiter, dreist bis zuletzt. »Hast du das nicht gewusst? Nun, das ist verzeihlich; schließlich bist du fort gewesen.« Er drehte den Kopf und rief nach oben: »Lollius! Geh und bring mir die Urkunde aus meinem Arbeitszimmer.«
Ehe er sich uns wieder zuwandte, packte Marcellus ihn an Mantel und Haaren und drängte ihn zur Haustür und auf die Straße.
Ich hörte einen spitzen Schrei und einen dumpfen Aufprall, dann schlug die Tür zu. Marcellus kam allein zurück und wischte sich die Hände ab.
»Lollius«, sagte er zu dem ängstlich gaffenden Sklaven, »nimm die Sachen deines Herrn und wirf sie in die Gosse. Ihn selbst wirst du auch dort finden.«
Damit nahm er ihm die Urkunde aus der Hand und zerriss sie.
NEUNTES KAPITEL
Wir kehrten nach Paris zurück und trafen Eutherius an, der seine diplomatische Mission beim Kaiser erfüllt hatte. Auf seiner Reise nach Osten war er in jeder Stadt auf lustlose, mürrische Beamte gestoßen, die ihn behinderten. Selbst die kleinsten Gasthäuser waren voll belegt, die kräftigsten Pferde auf unerklärliche Weise lahm; Wagen, die gestern noch verfügbar gewesen waren, hatten plötzlich gebrochene Achsen oder waren zu dringenden Fahrten bestellt worden.
Als er endlich nach Konstantinopel gelangte, stellte er fest, dass Florentius ihm zuvorgekommen war, und reiste weiter nach Cäsarea in Kappadokien, wo zurzeit der Hof residierte.
Ich war nicht dabei, als Eutherius die Einzelheiten seiner Mission vor Julian ausbreitete. Doch kurze Zeit später in den Bädern des Palastes – ich ging gerade vom Dampfbad zum Wasserbecken – entdeckte ich Eutherius, der mit dem Gesicht nach unten auf einer Bank lag und seinen breiten Rücken vom Masseur bearbeiten ließ.
Um ihn nicht zu stören, ging ich weiter, denn inzwischen hatte sich herumgesprochen, dass seine Mission fehlgeschlagen war. Doch im Vorbeigehen hörte ich seine melodische Stimme hinter mir sagen: »Obwohl ich liege, schlafe ich nicht, Drusus.«
Lachend drehte ich mich um. »Ich dachte, du wärst mit Sophron beschäftigt.«
»Sophron ist mit mir beschäftigt«, erwiderte er und hob den Kopf so weit, dass er seinem Masseur einen grimmigen Blick zuwerfen konnte. »Ich selbst habe nichts zu tun. Komm und setz dich hierher, wo ich dich sehen kann.«
Ich ging zu ihm in die Nische und setzte mich auf die gegenüberliegende Bank. Nach der schwülen Hitze im Dampfbad war der feuchtkalte Stein angenehm auf der Haut. Von den vergitterten Fenstern unter dem Kuppeldach fielen Sonnenstrahlen schräg durch die feuchte Luft. In einer Ecke tröpfelte Wasser aus einem Löwenkopf in ein Marmorbecken. »Ich habe mit Oribasius geplaudert«, sagte ich. »Er erwähnte, dass deine Reise beschwerlich gewesen ist.«
Er stöhnte. »Beschwerlich? Sie war scheußlich.«
Ich lächelte und beobachtete ein paar Augenblicke die geschäftigen Hände des Sklaven. Ich hatte Eutherius noch nicht unbekleidet gesehen. Er war stattlich und unbehaart, aber nicht fett. Selbst im Bad trug er ein Tuch um die Lenden – was unter Eunuchen üblich war. Vermutlich waren sie die vulgäre Neugier anderer Männer leid.
»Oribasius sagt, Constantius habe einen Wutanfall bekommen.«
»In der Tat, und der war selbst für ihn ungewöhnlich. Ich hatte Glück, mit dem Leben davonzukommen.«
Wie erhofft erzählte er mir, was sich zugetragen hatte.
Er und Pentadius waren in den Audienzsaal gelassen worden. Auf dem erhöhten, vergoldeten und juwelenbesetzten Thron, umgeben von seinem Gefolge, saß Constantius mit versteinerter Miene und blickte zornig zu ihnen herab.
»Sowie ich Florentius neben dem Thron lächeln sah wie eine Katze vor der Butter, wusste ich, was kommen würde. Doch wer den Mut verliert, verliert alles. Ich handelte wie geplant und las Julians Brief vor.«
In diesem Brief drängte Julian den Kaiser, nicht auf den Klatsch der Unheilstifter zu hören, und führte aus, es gebe Männer am Hof, die sich zum Ziel gesetzt hätten, zwischen ihnen beiden Zwietracht zu säen. Deshalb sollten sie klug handeln und sich nicht von Feinden in eine Katastrophe treiben lassen. Julian erinnerte den Kaiser, dass er seine Verpflichtungen treu erfüllt habe, und erklärte, er habe den Notar Decentius vor den Gefahren gewarnt, als dieser Truppen von ihm verlangt habe. Wenn Decentius auf ihn gehört hätte, gäbe es jetzt keine Krise. Er habe es auf eine Akklamation nicht angelegt, doch nun, da sie erfolgt sei, werde es zur Meuterei kommen, wenn er sich vom Titel des Augustus distanzieren wollte, nachdem die Soldaten ihm diesen aufgezwungen hätten. Sollte er es trotzdem versuchen, werde wahrscheinlich ein anderer ausgerufen, der dem Kaiser weniger genehm sei, denn die Männer seien in der entsprechenden Stimmung.