Rialla - Die Sklavin
- Автор: Бриггз Патриция
- Серия: sianim #2
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 9783838754161
- Переводчик: Christina Neuhaus
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Rialla - Die Sklavin». Краткое содержание книги:
»Was wisst Ihr über diesen Zauberer im Osten?«, wollte Ren wissen.
Lord Kisrah schüttelte den Kopf. »Nur wenig. Er hat sich wohl zum Sprachrohr eines dieser alten Götter erhoben und benutzt die Religion, um sein Ziel zu verwirklichen.«
»Nun, ich glaube, ich könnte mich in dieser Sache als dienlich erweisen«, bot Ren an.
Lord Kisrah lehnte sich in seinem Stuhl zurück. »Und wie viel wird das kosten?«
»Nichts«, sagte Ren in leicht gekränktem Ton. »Wenn Ihr Euch um diesen Zauberer kümmert, werde ich Euch alle Hilfe zuteilwerden lassen, die ich geben kann.«
In einer Mischung aus Erstaunen und Skepsis hob der Erzmagier die Brauen. »Mir scheint, hier wird gerade einer neuen Politik der Weg bereitet, und wir werden Sianim auch für die nächsten fünfundzwanzig Jahre dafür bezahlen, dass es die Burg des ae’Magi von den Uriah säubert.«
Ren zuckte die Achseln. »Das war etwas anderes. Aber die Stimme von Altis ist eine Bedrohung für uns alle.«
»Und die Uriah nicht?«, murmelte der Erzmagier, aber dann lächelte er wieder. »Also, was wisst Ihr denn über diesen Mann?«
»Er kommt von diesseits des Sumpfes«, sagte Ren. »Das haben mir meine Informanten im Osten bestätigt. Ich habe mich mit Euch, als ich es erfuhr, noch nicht in Verbindung gesetzt, weil ich noch nicht wusste, wer er genau ist. Gestern jedoch kehrte einer meiner Leute von einer Mission in Darran zurück. Während seines Aufenthaltes dort gelangte er unfreiwillig an Informationen, die besagen, dass es sich bei dem gesuchten Zauberer um Lord Winterseine handelt.«
»Isslic?«, fragte Lord Kisrah ungläubig, dann nickte er nachdenklich. »Er ist mächtig genug, ja, und ich hörte Gerüchte darüber, dass er sich mit verbotener Magie beschäftigen soll. Was im Übrigen auch der Grund dafür war, warum er kein Mitglied im Rat geworden ist.«
»Ich habe gehört«, Ren hüstelte diskret; der Magierrat war bekannt für seine obsessiv betriebene Geheimhaltung –, »dass Ihr als Erzmagier einen abtrünnigen Zauberer, nun, kontrollieren könntet.«
»Ich frage mich wirklich, wo Ihr das gehört habt«, bemerkte Kisrah, doch er wirkte nicht wirklich indigniert. »Es tut mir allerdings leid, Euch sagen zu müssen, dass Eure Informationen in diesem Punkt falsch sind. Die Meisterzauber hätten es mir vielleicht erlaubt, ihn zu kontrollieren, aber sie … gingen verloren.«
Erschrocken sog Ren die Luft ein. »Was?« Schon lange hatte es niemand mehr geschafft, den Meisterspion aus der Fassung zu bringen.
Lord Kisrah zuckte die Achseln, lehnte sich wieder in seinem Stuhl zurück und schloss halb die Augen. »Im Zauberbuch der ae’Magi gibt es Symbole, die kein weiteres Mal zu Papier gebracht werden können. Die sind aber nötig, um gewisse Zauber zu wirken. Nachdem Geoffrey, mein Vorgänger, tot war«, Kisrahs Stimme bebte leicht in Erinnerung an das traurige Ereignis, »fanden wir das Zauberbuch des Erzmagiers, aber jemand hatte die Seiten mit den Meisterzaubern herausgerissen.«
Der Erzmagier sah Ren nun direkt an. »Es ist möglich, dass Isslic, Lord Winterseine, sich der Seiten bemächtigt hat. Er war mit dem letzten Erzmagier befreundet und hätte wissen können, wo er suchen musste.«
Ren trommelte mit den Fingern auf der Armlehne seines Stuhls herum und fluchte leise. »Was Ihr also damit sagen wollt, ist, dass irgendjemand, möglicherweise Winterseine, diese Meisterzauber wirken und damit alle anderen Magier unter seine Kontrolle zwingen könnte?«
»Nein.« Kisrah schüttelte den Kopf. »Zumindest noch nicht zu diesem Zeitpunkt. Der Rat ist im Besitz der schriftlich niedergelegten Methode, nach der man diese Zauber wirken muss. Sie steht geschrieben in einem anderen Grimoire, und wir haben es an einem sicheren Ort verborgen, nachdem wir feststellten, dass die Seiten mit den Meisterzaubersymbolen fehlten. Niemand könnte das Grimoire in seinen Besitz bringen, ohne den Rat in Alarmbereitschaft zu versetzen. Zehn Jahre sind seitdem nun vergangen, und in der ganzen Zeit hat keine Person Hand an den Folianten zu legen versucht.«
»Und warum zerstört man nicht einfach dieses Buch?«, fragte Ren leise.
»Die Zauber wurden entwickelt, damit sich die Magier nicht gegenseitig an die Kehle gehen. Ohne diese Kontrolle gäbe es für die Zauberkundigen keinen Grund mehr, sich zu benehmen. Ich schätze, wir brauchen keine weitere Glaswüste, oder?«
Ren schnaubte verächtlich auf. »Ich denke, ihr Magier übertreibt es mit den Auswirkungen dieser Magierkriege. Es kann weitaus gefährlicher sein, wenn die falsche Person die absolute Kontrolle über alle Zauberkundigen hat, als wenn ein Scharmützel zwischen verfeindeten Zauberern stattfindet.«
»›Ihr Magier‹, sagt Ihr?«, fragte der Erzmagier mit weicher Stimme. »Meint Ihr nicht eher ›wir Magier‹?«
Ren starrte sein Gegenüber eine Weile an, dann lächelte er zögernd. »Darum also habt Ihr beschlossen, mir so viel zu erzählen. Wie habt Ihr es rausgefunden?«
Lord Kisrah schmunzelte. »Die alte Aurock hat schwer mit Euch angegeben. Sie sagte, Ihr wärt einer der wenigen Lehrlinge gewesen, die gewusst hätten, wann man aufhören muss. Wie dem auch sei, ich werde sehen, was ich tun kann, um Winterseines Beteiligung an dieser Krise zu bestätigen. Der Rat wird dann entscheiden, was wegen ihm zu unternehmen ist. Ich halte Euch auf dem Laufenden.«
Er verschwand, und die Luft wurde durch eine leichte Verzerrung in Bewegung versetzt, die stets die magische Teleportation begleitete.
Wieder allein starrte Ren noch lange in die Schatten seines Arbeitszimmers, bevor er es verließ und leise die Tür hinter sich schloss.
Rialla lag flach auf dem Rücken und wirkte atemloser, als sie war. Niemand würde sie ansprechen, wenn sie vorgab, eine Pause einzulegen. Und so konnte sie nach den sie umgebenden Emotionen greifen, ohne eine Störung fürchten zu müssen.
Sie war nun lang genug hier, dass einige der anderen Sklavinnen inzwischen freundschaftlicher auf sie zugingen, wenngleich nie so, dass es dem Tanzmeister auffallen könnte: hier ein Zwinkern, wenn der Lehrer ungeduldig schimpfte, dort eine helfende Hand, wenn Rialla im Badehaus nach ihrem Handtuch suchte. Sie hatte fast vergessen, wie herzerwärmend solch kleine Sympathiebekundungen sein konnten; kein Wunder, denn sie hatte nach ihrer Flucht alle Erinnerungen an das Sklavenleben aus ihrem Gedächtnis zu tilgen versucht.
In mancher Hinsicht war das Tanztraining nicht halb so schlimm wie erwartet, in anderer Hinsicht erwies es sich als schlimmer. Die übelste Erfahrung, die Rialla in der Sklaverei hatte machen müssen, war nicht die fehlende Freiheit gewesen, sondern der schwindende Drang nach Freiheit.
Nachdem sich Rialla ein Jahr lang in Sklaverei befunden hatte, hatte sie nur noch für den Tanz gelebt und bis spät in die Nacht hinein geübt. Sie hatte gewusst, dass sie jedem freien Mann zu Gehorsam verpflichtet war, aber unter ihresgleichen hatte sie bald eine besondere Stellung innegehabt. Sie hatte zu Isslics besten Tänzerinnen gezählt, und sie war stolz darauf gewesen.
Wie sie so dalag, während auf ihrer Haut der Schweiß in der Sommerhitze langsam trocknete, nahm Rialla an, dass sie Lord Jarroh wohl zu Dank verpflichtet war. Hätte sie in der Nacht vor ihrer Flucht nicht den grauenhaften Tod seiner Sklavin mitbekommen, würde sie wohl noch immer in einem von Winterseines Etablissements tanzen. Ein Lächeln umkräuselte ihre Lippen: Und jetzt tanzte sie als Kundschafterin auf Winterseines Stammsitz. Der Tanzmeister klatschte in die Hände, und sie sprang auf, noch bevor sie die Augen wieder aufschlug.