Kanonenfutter - Leutnant Bolithos Handstreich in Rio
- Автор: Кент Александер
- Год: 1998
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-548-24311-8
- Переводчик: Wentzel Fritz
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Kanonenfutter - Leutnant Bolithos Handstreich in Rio». Краткое содержание книги:
Macmillan war eigentlich schon zu alt für seine Arbeit. Er diente seinem Kapitän wie ein angesehenes Faktotum der Familie. Von der Spannung im Raum schien er nichts zu merken, auch nicht die Gezwungenheit, mit der sie heiser erwiderte:»Es wird mir eine Ehre sein. «Noch sah er die Verzweiflung im Gesicht des Leutnants, als Aurora zum abgetrennten Teil der Kajüte ging, in dem sich ihre Zofe die meiste Zeit des Tages aufhielt.
Unterwegs sagte sie:»Dem Leutnant geht es schon besser. Er wird es schaffen. «Sie wandte sich endgültig ab, und ihre Worte waren kaum noch zu verstehen:»Aus eigener Kraft.»
Mit Hilfe von Bulkley, der ihn am Ellbogen stützte, wagte sich Bo-litho aufs Achterdeck und schaute von dort über die ganze Länge des Schiffes nach vorn zum Land.
Die brennende Mittagssonne brachte ihm zu Bewußtsein, wie schwach er noch war. Er sah die Matrosen mit nacktem Oberkörper geschäftig an Deck hin und her eilen; andere standen breitbeinig auf den Fußpferden der Rahen und machten Segel fest, die kurz vor dem Ankern nicht mehr benötigt wurden. Er fühlte sich verloren, nicht mehr dazugehörig in einer Weise, wie er es noch nie erlebt hatte.
Bulkley sagte:»Ich bin schon einmal in Saint Christopher gewesen. «Er zeigte auf die nächstgelegene Landzunge mit ihrem weiten weißen Strandbogen.»Das ist Bluff Point. Dahinter liegt Basseterre mit dem Hauptankerplatz, dort wird es eine Menge englischer Kriegsschiffe geben. Und bestimmt irgendeinen unbedarften Flaggoffizier, der darauf bestehen wird, unserem Kommandanten zu sagen, was er tun soll.»
Einige Seesoldaten marschierten heftig schnaufend nach achtern.
Bolitho hielt sich an den Netzen fest und betrachtete das Land. Es war nur eine kleine Insel, aber ein wichtiges Glied in der Kette des britischen Herrschaftsbereichs. Zu anderer Zeit wäre er über seinen ersten Besuch hier begeistert gewesen, aber jetzt starrte er auf die nickenden Palmen, auf die Eingeborenenboote, und sah nur das darin, was es für ihn bedeutete: daß sie sich hier trennen mußten. Was ihm die Zukunft auch bringen würde, hier endete die Beziehung zwischen Aurora und ihm. An der Art, wie Rhodes und die anderen das Thema gemieden hatten, erkannte er, daß sie meinten, er habe dankbar zu sein. Dankbar dafür, daß er den mörderischen Angriff überlebt hatte und danach von einer so schönen Frau gepflegt worden war. Mehr dürfe ein Mann nicht verlangen. Aber er tat es dennoch.
Dumaresq kam an Deck und warf einen kurzen Blick auf Kompaß und Segelstand.
Gulliver grüßte durch Handbewegung zum Hut.»Befohlener Kurs Nordnordost liegt an, Sir.»
«Gut. Mr. Palliser, bereiten Sie den Salut vor. Wir werden in einer Stunde querab von Fort Londonderry stehen. «Er bemerkte Bolitho und hob die Hand.»Bleiben Sie da, wenn Sie mögen. «Er überquerte das Deck und trat zu ihm. Mit einem Blick erfaßte er den schmerzgetrübten Ausdruck von Bolithos Augen und sagte:»Sie leben. Seien Sie dankbar.»
Er nickte dem Fähnrich der Wache zu.»Entern Sie auf, Mr. Lovela-ce, und kundschaften Sie Fleet Anchorage aus. Melden Sie mir die Anzahl der Schiffe. «Er beobachtete den Jungen, wie er die Webeleinen hinaufkletterte, und sagte:»Er ist erwachsener geworden auf dieser Reise, wie auch unsere übrigen jungen Herren. «Er warf Bolitho einen Blick zu.»Auf Sie trifft das noch mehr zu als auf alle anderen.»
Bolitho sagte:»Ich komme mir vor, als wäre ich hundert Jahre, Sir.»
«Das kann ich mir denken. «Dumaresq grinste.»Wenn Sie erst selbst ein Schiff führen, werden Sie sich auch der Rückschläge erinnern, hoffe ich. Aber ich bezweifle, daß Sie Ihre jungen Leutnants mehr bemitleiden werden, als ich es tue.»
Der Kommandant wandte den Kopf nach achtern, und Bolitho sah seine Augen interessiert aufleuchten. Ohne hinzuschauen, wußte er, daß sie an Deck gekommen war, um das Eiland zu betrachten. Als was sah sie es an — als zeitweisen Zufluchtsort oder als Gefängnis?
Egmont schien trotz seiner Niederlage unverändert. Er trat an die Reling und bemerkte:»Die Insel hat sich wenig verändert.»
Dumaresq fragte sachlich:»Sind Sie sicher, daß Garrick hier sein wird?»
«So sicher, wie man nur sein kann. «Er bemerkte Bolitho und nickte ihm kurz zu.»Ich sehe, Sie sind wieder genesen, Leutnant.»
Bolitho zwang sich zu einem Lächeln.»Vielen Dank, Sir. Es tut zwar noch weh, aber ich bin ganz geblieben.»
Aurora trat zu ihrem Mann und sagte ruhig:»Wir beide danken Ihnen, Leutnant. Sie haben uns das Leben gerettet, und das ist mehr, als wir Ihnen vergelten können.»
Dumaresq beobachtete beide abwechselnd wie ein Jäger.»Das ist unsere Aufgabe. Aber einige Dienstleistungen sind lohnender als andere. «Er wandte sich ab.»Ich erwarte, daß Garrick gefangengesetzt wird. Zu viele Männer sind seiner Habgier wegen gestorben, zu viele Frauen sind für seine ehrgeizigen Ziele zu Witwen geworden.»
Palliser formte einen Trichter mit seinen Händen:»Breitfock bergen!»
Dumaresqs Ruhe war plötzlich verflogen, als er rief:»Verdammt noch eins, Mr. Palliser, was macht Lovelace da oben?»
Palliser blinzelte zur Saling des Großmasts hinauf, wo Midshipman Lovelace wie ein Affe auf einem Baumast schaukelte.
Egmont vergaß Bolitho und seine Frau, als er Dumaresqs Stimmungsumschlag auszunutzen suchte.»Was beunruhigt Sie?»
Dumaresq verschränkte die kräftigen Finger hinter den Rockschößen und öffnete sie wieder.
«Ich bin nicht beunruhigt, Sir. Nur interessiert.»
Midshipman Lovelace glitt an einem Backstag hinunter und landete mit einem Plumps an Deck. Unter ihren vereinten Blicken schrumpfte er sichtlich zusammen und schluckte heftig.
Dumaresq fragte milde:»Müssen wir noch lange warten, Mr. Love-lace? Oder ist es so ungeheuerlich, was Sie sahen, daß Sie es nicht herunterrufen konnten?»
Lovelace stotterte:»Aber, Sir, Sie hatten mir befohlen, die Schiffe dort drüben zu zählen. «Er versuchte es noch einmal.»Da… da ist nur ein Kriegsschiff, Sir, eine große Fregatte.»
Dumaresq ging ein paar Schritte auf und ab, um nachzudenken.»Nur eines, sagen Sie?«Er blickte Palliser an.»Das Geschwader muß anderswohin gerufen worden sein. Ostwärts nach Antigua vielleicht, als Verstärkung für den Admiral.»
Palliser sagte:»Es könnte ein höherer Offizier hier sein, Sir. Auf der Fregatte vielleicht. «Sein Gesicht blieb unbewegt. Dumaresq war bestimmt nicht entzückt, wenn es hier einen ranghöheren Offizier gab.
Bolitho war es gleichgültig. Er näherte sich der Achterdecksreling und sah, daß sie die Hand daraufgelegt hatte.
Dumaresq schimpfte:»Wo ist dieser verdammte Federfuchser? Lassen Sie Spillane holen. Sofort!»
Zu Egmont sagte er:»Bevor wir ankern, muß ich noch einige weniger wichtige Dinge mit Ihnen besprechen. Bitte kommen Sie mit hinunter.»
Bolitho stand neben Aurora und berührte kurz ihre Hand. Er spürte ihre innere Spannung und sagte leise:»Meine Geliebte. Es ist die Hölle für uns.»
Sie wandte sich nicht um, sah ihn auch nicht an, sagte aber:»Sie haben versprochen, mir zu helfen. Bitte… Ich werde uns beiden noch Schande machen, wenn Sie weiterhin so reden. «Dann sah sie ihn gerade, aber mit verschwimmendem Blick an.»Was soll das alles? Sie werden unglücklich werden und zerstören Ihr Leben für etwas, das wir beide hochschätzen.»
Palliser schrie:»Mr. Vallance! Klar zum Salutschießen!»
Männer rannten auf ihre Stationen, während das Schiff ungerührt seine Fahrt in die Bucht fortsetzte.
Bolitho nahm ihren Arm und geleitete sie zum Niedergang.»Hier gibt es gleich eine Menge Qualm und Dreck. Sie gehen besser nach unten, bis wir näher am Land sind. «Wie war es möglich, daß er so ruhig über banale Dinge sprechen konnte? Er fügte hinzu:»Ich muß Sie unbedingt noch sprechen.»
Aber sie war schon gegangen.
Bolitho wandte sich ab und sah, daß Stockdale ihn von der Steuerbord-Laufbrücke aus beobachtete. Seine Kanone wurde für den Salut nicht gebraucht, aber er war wachsam wie stets.