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Kalle Blomquist [с иллюстрациями]

Электронная книга - «Kalle Blomquist [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:

Liebe junge Detektive!
Aufgepaßt: Dieses Buch enthält die gesammelten Erfahrungen des großen Meisterdetektivs Kalle Blomquist. Vollzählig. Das ist von unschätzbarem Wert für Euch. Denn ob Ihr nun auf der Suche nach einem verborgenen Schatz seid oder einen exakten Plan ausarbeiten müßt, wie man einen langgesuchten Juwelendieb endlich zur Strecke bringen kann, oder blitzschnell entscheiden müßt, wenn der eigene Blutsbruder plötzlich gekidnappt wird, egal also in welch verzwickte Situation Ihr kommt, Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv, wird Euch den richtigen Tip geben.
Und wer weiß, vielleicht spricht man dann eines Tages von Euch als dem großen Meisterdetektiv …

VERLAG FRIEDRICH OETINGER
HAMBURG

Deutsch von Cäcilie Heinig und Karl Kurt Peters
Bilder von Volker Heydorn
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Das war genau das, was Anders tun wollte. Nun trug ja Sixtus allerdings im Bett keinen Mantel. Aber er hatte Haare, einen großen, prächtigen Schopf roter Haare. Und eine Locke von diesem Schopf gedachte Anders zu kappen. Ha, wenn dann der Tag kam, an dem der Großmummrich wieder woanders in gutem Verwahr lag, sollten die Roten zu fühlen bekommen, daß sie noch lebten! Da sollten sie die bittere Wahrheit über den Großmummrich im Globus erfahren! Und dann sollten sie diese Haarlocke sehen, die der Chef der Weißen Rosen um Mitternacht, als der Vollmond schien, von der Stirn des Häuptlings der Roten Rosen geschnitten hatte. Welch ein gigantischer Doppeltriumph!

Der Vollmond schien indessen nicht auf Sixtus’ Bett. Das Bett stand hinten an der Wand, wo es vollständig dunkel war.

Aber Anders tastete sich mit einer Hand vorsichtig näher. In der anderen hatte er die Schere. Wehrlos lag er da, der Häuptling der Roten. Da lag sein Kopf auf dem Kissen. Anders nahm mit zärtlichem, aber doch festem Griff eine Locke und schnitt sie ab.

Da gellte ein wilder Schrei durch die Stille der Nacht. Und das war kein Schrei aus einer rauhen, unebenen Stimmbruch-kehle – das war ein heller Frauenschrei!

Anders fühlte das Blut in seinen Adern einfrieren. Ein nie ge-kanntes Entsetzen ergriff ihn, und er warf sich blindlings gegen die Tür. Er sprang auf das Treppengeländer, und wie ein Blitz rutschte er abwärts. Er riß die Küchentür auf und war mit zwei Riesenschritten am Fenster. Und er sprang ins Freie mit einem so rasenden Satz, als liefen alle zur Zeit vorhandenen bösen Geister und Gespenster hinter ihm her. Nicht eher stand er still, als bis er an der Brücke war. Da mußte er etwas Atem schöpfen.

Die Locke hatte er noch immer in seiner Faust. Er hatte nicht gewagt, sie fortzuwerfen.

Japsend stand er da im Mondlicht und sah verzweifelt auf das Entsetzliche, was er in der Hand hatte. Es war nicht eine, es waren viele blonde Locken, und sie hatten einst zweifellos einer Tante gehört, gleichviel welcher. Wahrscheinlich war nur eine mit dem Frühzug abgefahren. Wer konnte das auch ahnen! Hatte er es nicht gesagt: Es war lebensgefährlich, sich in ein Haus zu wagen, wo aus jeder Ecke eine kleine Tante hervorsah.

Welche Schmach! Welche Schande! Auf den Skalp des Roten Häuptlings aus zu sein und nach Hause zu kommen mit den Locken einer blonden Tante! Anders zitterte. Das war das Schlimmste, was ihm jemals passiert war. Und er beschloß, keinem lebenden Menschen ein Sterbenswort davon zu erzählen.

Bis an das Ende seiner Tage sollte dies sein fürchterliches Geheimnis bleiben, und dann wollte er es mit hinunter in sein Grab nehmen.

Die Locken aber mußte er sofort loswerden. Er streckte die Hand über das Brückengeländer und ließ die Haare los. Und das schwarze Wasser nahm sein Geschenk schweigend entgegen. Es brodelte nur ein wenig unter dem Brückenbogen, wie es immer tat.

In der Postdirektorsvilla herrschte unterdessen wilder Auf-ruhr. Ängstlich kamen der Postdirektor und seine Frau zu Tante Ada gelaufen. Auch Sixtus kam vom Boden, wo er während des Tantenbesuchs hausen mußte, angeschossen.

Warum in aller Welt schrie Tante Ada mitten in der Nacht so laut? wollte der Postdirektor wissen. Ja, weil ein Einbrecher hier gewesen war, behauptete Tante Ada. Der Postdirektor machte im ganzen Haus Licht, überall wurde gesucht, aber von einem Einbrecher fand sich keine Spur. Das Tischsilber war noch da. Nicht ein Stück fehlte. Ja, Beppo! Er war wohl ein bißchen in den Garten gegangen, wie er es ab und zu tat. Wäre wirklich ein Einbrecher hier gewesen, hätte Beppo bestimmt Lärm gemacht, das könnte Tante Ada schon glauben. Sicher hatte sie nur einen unangenehmen Traum oder Alpdrücken gehabt – das war wohl alles. Und sie streichelten sie tröstend und sagten, nun solle sie nur ruhig weiterschlafen. Es sei gewiß alles gut.

Als aber Tante Ada wieder allein war, konnte sie vor Unruhe nicht einschlafen. Keiner sollte sie Lügen strafen, keiner sagen, es sei niemand in ihrem Zimmer gewesen! Um sich zu beruhigen, zündete sie sich eine Zigarette an. Dann nahm sie ihren Spiegel hervor, um nachzusehen, ob der ausgestandene Schreck Spuren auf ihrem hübschen Gesicht hinterlassen hatte.

Da sah sie es! Der Besuch hatte Spuren hinterlassen! Sie hatte eine neue Frisur bekommen! Eine ganze Strähne von ihrem Haar war fortgeschnitten worden. Sie hatte plötzlich eine nette, pikante Ponyfrisur. Verstört sah sie auf ihr Spiegelbild. Langsam aber verklärte sich ihr Gesicht. Irgend jemand, wer es auch war, war so närrisch gewesen, sich mitten in der Nacht in das Haus zu schleichen, nur um eine Locke von ihrer Stirn zu erha-schen. Eine Weile dachte sie darüber nach, wer wohl der unbekannte Bewunderer sein könnte; aber es war und blieb ein Rätsel für sie. Tante Ada beschloß großmütig, dem »Wer-es-auch-war« zu verzeihen. Und verraten würde sie ihn auch nicht.

Mochten die anderen es nur weiter für einen Traum halten.

Tante Ada seufzte und kroch wieder in ihr Bett. Sie beschloß, morgen zum Friseur zu gehen und die Ponyfrisur noch ein Spürchen kürzer machen zu lassen.

ZWÖLFTES KAPITEL

Ein neuer Tag begann, und im Garten des Bäckermeisters warteten Kalle und Eva-Lotte schon seit dem frühen Morgen auf Anders und seinen Bericht über das nächtliche Unternehmen.

Aber die Stunden gingen, und von Anders hörten sie nichts.

»Eigenartig«, sagte Kalle. »Er ist doch wohl nicht wieder gefangen worden?«

Sie wollten sich gerade auf die Suche nach ihm begeben, als er endlich kam. Er lief nicht, wie er es sonst tat, sondern ging langsam und war seltsam blaß.

»Wie siehst du elend aus«, sagte Eva-Lotte. »Bist du auch so ein ›Opfer der Hitze‹, wie immer in der Zeitung steht?«

»Ich bin ein Opfer von gekochtem Schellfisch«, sagte Anders.

»Gekochten Schellfisch, das habe ich meiner Mutter schon wer weiß wie oft gesagt, vertrage ich nicht. Und jetzt ist es endlich bewiesen.«

»Wie denn?« wollte Kalle wissen.

»Raus aus dem Bett – rein ins Bett. Die ganze Nacht erbrochen.«

»Und der Großmummrich?« fragte Kalle. »Der liegt wohl immer noch in der Kommode, was?«

»Jungchen, das habe ich natürlich vorher erledigt! Ich erledige alles, was zu erledigen ist, mögen die Stürme auch in mir toben. Der Großmummrich liegt in Sixtus’ Globus!«

»Fein!« sagte Kalle. »Erzähle! Ist Sixtus aufgewacht?«

»Beruhigt euch! Ihr werdet schon hören!« sagte Anders.

Sie saßen zu dritt auf Eva-Lottes Steg. Hier unten am Fluß war es kühl, und die Erlen gaben einen behaglichen Schatten.

Mit den Beinen baumelten sie in dem lauen Wasser. Anders sagte, das habe eine beruhigende Wirkung auf den Schellfisch in seinem Magen.

»Vielleicht, wenn ich so darüber nachdenke, war es nicht nur der Schellfisch. Vielleicht waren es auch noch die Nerven. Denn heute nacht bin ich im Haus der Schrecken gewesen.«

»Erzähle alles von Anfang an«, sagte Eva-Lotte.

Das tat Anders. Sehr dramatisch schilderte er seine Begeg-nung mit Beppo und wie er ihn zum Schweigen gebracht hatte.

Kalle und Eva-Lotte waren ein paar ideale Zuhörer. Sie freuten sich über alles und brüllten vor Lachen, und Anders genoß es, ihnen seine Abenteuer zu erzählen.

»Ihr versteht doch, hätte ich Beppo nicht die Schokolade gegeben – ich wäre verloren gewesen!«

»Gut, daß die Leute mir so viel Schokolade schicken«, sagte Eva-Lotte.

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