Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1964
- Язык: немецкий
- Год: Verlag Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]». Краткое содержание книги:
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
Die Bäume sind in der vorhergehenden Nacht gefällt und ins Wasser geworfen worden. Sie sind bei Tage stromabwärts getrieben und von dem eigens dazu bestimmten Wehr aufgehalten worden. In der nächsten Nacht hat man sie herausgeholt und gestapelt. Das ist vor Sonnenaufgang geschehen. Heute. Man darf annehmen, daß in der nächsten Nacht, die in fünf Erdentagen anbricht, das gestapelte Holz abtransportiert und an seiner Stelle anderes gestapelt werden wird.“ „Wenn sich alles tatsächlich so verhält“, sagte Korzewski, „dann müssen wir nachts hierherkommen, um die Venusbewohner zu sehen.“ „Das werden wir auch tun“, antwortete ihm Belopolski. „Unser Arbeitsprogramm verlangt, daß wir uns auf der Nachtseite des Planeten aufhalten. Sobald es Abend wird, fliegen wir zum Kontinent und landen in der Nähe der Stromschnellen.“ „Werden wir innerhalb von fünf Tagen eine Startbahn geschaffen haben?“ fragte Saizew. „Damit unser Raumschiff starten kann, müßten wir einen Teil der Korallenbäume an der Westküste vernichten und die Steilküste selbst erheblich abtragen.“ „Das erübrigt sich. Heute sind die ersten Anzeichen der nahenden Flut beobachtet worden. Gegen Abend wird der Wasserstand um achtzig Meter gestiegen, werden die Korallenbäume mehr als bis zur Hälfte überspült sein. Übrigens, Boris Nikolajewitsch, wird die Flut bis zu den Stromschnellen reichen?“ „Ich glaube kaum.“ Melnikow schüttelte den Kopf. „Sinowi Serapionowitsch und ich haben auf der Rückfahrt die Strömungsgeschwindigkeit und die Entfernung von der Seeküste gemessen.
Das Ergebnis beweist, daß das Wehr zweihundert Meter über dem Meeresspiegel liegt.“ „Und“ — wir werden am Flußufer landen können?“ „Auf dem südlichen Ufer bestimmt. Der Wiesen streifen zwischen Wald und Fluß genügt völlig.“ „Also wird das Schiff am 22. Juni, in fünf Tagen, die Insel verlassen“, sagte Belopolski. „Wir werden so nahe wie möglich an das Wehr heranfliegen. Hoffen wir, daß wir dort das Rätsel der vernunftbegabten Geschöpfe auf der Venus lösen.“
Der Flug zum Festland
In der zweiten Hälfte des langen Venustages erstarb das Leben am Ufer der Insel. Die „Aktinien“, die „Bänder“ und „Lianen“ schienen wie tot. Man konnte sie berühren, sooft man wollte, mit den Händen greifen und umbiegen — sie reagierten nicht.
Auch die längsten Regengusse erregten keine Bewegung bei ihnen.
„Der Vorgang der Anabiose ist auch auf der Erde oft zu beobachten“, erklärte Korzewski. „Allerdings hängt er dort von der Jahreszeit, hier jedoch von der Tageszeit ab. Viele Gewächse der Erde ersterben für die Dauer des Winters und feiern im Frühling Wiederauferstehung. Auch einige Tiere halten Winterschlaf. Auf der Venus aber ist der Tag die für Lebensprozesse ungünstige Zeit. Natürlich spielen hier auf der Insel Ebbe und Flut eine entscheidende Rolle. Die Meeresorganismen sind eingeschlafen, weil ihnen das Wasser fehlt. Auf dem Meeresgrund brodelt das Leben, wie wir gesehen haben, auch bei „Tage“. Die Inselbewohner haben sich an das besondere Leben auf einem Korallenriff, das bald im Wasser versinkt, bald wieder daraus emporsteigt, gewöhnt. Das ist sehr interessant, für einen Biologen tut sich hier ein weites Schaffensfeld auf.“ Er lächelte und rieb sich vor Freude die Hände.
„Leider werden wir nur anderthalb Monate auf der Venus bleiben“, entgegnete Balandin.
„Wir müssen darauf dringen, daß so schnell wie möglich eine zweite Expedition vorbereitet wird, und zwar für eine längere Zeit. Sie wollen das doch auch. Das Leben in den Meeren dieses Planeten ist für Sie doch ebenso interessant wie für mich.“ „Was kann man schon studieren, wenn man aus dem Boot nicht herauskommt?“ Der Professor seufzte tief.
Melnikows Vorhersage hatte sich bewahrheitet. Belopolski untersagte kategorisch, daß die Taucheranzüge benutzt würden.
Er ließ sie sogar wieder aus dem Boot ausladen und im Lagerraum verschließen, weil er Grund hatte zu befürchten, die Gelehrten würden im Eifer ihres Forscherdranges die Gefahr vergessen.
Der überraschende Tierreichtum im Ozean der Venus hatte den ganzen, von Balandin und Korzewski auf der Erde sorgfältig aufgestellten Arbeitsplan zunichte gemacht. Darauf war die Expedition nicht vorbereitet. Ihr fehlten die Mittel, Muster der Fauna und Flora des Meeresgrundes einzufangen. Das Unterseeboot war nicht mit Spezialfanggeräten ausgerüstet. Die leichten und bequemen Taucheranzüge, die vor allem für größte Bewegungsfreiheit gearbeitet waren, boten keinen Schutz gegen die Angriffe der gefährlichen Raubtiere, von deren Existenz man ebensowenig etwas geahnt hatte wie von der anderer hochorganisierter Organismen.
„Sie haben ja recht!“ sagte Balandin. „Aber wir sind da in eine dumme Lage geraten.“ „Und daran sind zum nicht geringen Teil Sie selbst schuld“, erklärte Belopolski. „Sie haben die Vorbereitungen für die Arbeit in der Tiefsee geleitet. Ich entsinne mich genau, daß die Konstrukteure vorschlugen, das Boot mit mechanischen Fanggeräten auszurüsten, aber Sie sagten, Sie brauchten keine. Wer — wenn nicht Sie — hat denn behauptet, daß es im Venusmeer kein organisches Leben gäbe? Es ist also kein Wunder, wenn beschlossen wurde, das Boot nicht mit einer überflüssigen Anlage zu belasten.“ „Ich habe mich auf die Taucheranzüge verlassen. Ich konnte nicht voraussehen, daß Sie uns verbieten würden, sie anzuziehen.“ Die Umstehenden lachten unwillkürlich.
„Was wollen Sie eigentlich?“ Belopolski wurde wütend. „Die Erlaubnis, einem Haifisch geradewegs in den Rachen zu steigen?“ So blieb Balandin und Korzewski infolge der Fehlentscheidung, die sie auf der Erde getroffen hatten, nichts anderes übrig, als sich damit zu begnügen, die Tiefsee der Venus durchs Schauglas des Unterseebootes zu beobachten.
Saizew hielt sein Versprechen und fuhr Balandin und Korzewski schon am Tage nach ihrer Rückkehr von den Stromschnellen wieder zu jener Stelle, an der sie den rätselhaften roten Schildkröten begegnet waren.
Aber diese ließen sich zum großen Kummer der Wissenschaftler nicht mehr blicken. Ungeheure Mengen von Schildkröten lagen und krochen auf dem Meeresgrund umher, nur ellipsoide Panzer waren nirgends zu entdecken. Sie waren spurlos verschwunden.
Diese besonderen Schildkröten fanden die Männer auch am zweiten und dritten Tage nicht.
„Wo sind die Tiere nur geblieben?“ fragte Balandin verständnislos. „Es waren doch mehrere von der Sorte zu sehen. Warum haben sie sich verzogen, während die anderen geblieben sind?“ „Wirklich schade!“ klagte Korzewski. „Ihren Schilderungen nach sind es ganz besondere Lebewesen.“ „Also — wieder ein Rätsel.“ Saizew seufzte.
Der Tag ging zur Neige. Am westlichen Horizont verglomm die unsichtbare Sonne. Die Flut stieg von Stunde zu Stunde.
Langsam schien die Koralleninsel in den Wellen zu versinken.
Der Laufsteg mußte an der unteren Luftschleuse neu installiert werden, dann wurde er ganz überflüssig, und schließlich brauchte man schon eine Treppe, um an Land zu gelangen. Am 21. Juli war die Insel vollends vom Meer verschlungen. Kaum ein Drittel der Korallenstämme ragte noch aus dem Wasser.
Das Motorboot konnte mühelos zwischen ihnen hin und her fahren.
Der Wind kam immer häufiger aus dem Osten. Von den Felsenklippen am Ausgang der Bucht nicht mehr geschützt, schlingerte das Raumschiff in der Dünung. Schließlich mußten die Fahrten mit dem Unterseeboot eingestellt werden. Es wurde gefährlich, von der Luftschleuse in das Boot hinüberzusteigen.