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Signum - Die verratenen Adler

Электронная книга - «Signum - Die verratenen Adler». Краткое содержание книги:

Der junge Römer Caius wird an der Seite eines engen Vertrauten des Kaisers Augustus mit einem Sonderauftrag zur Armee des Legaten Publius Quinctilius Varus nach Germanien geschickt. Dabei kommt er hinter ein ungeheuerliches Geheimnis: Varus führt etwas mit sich, das auf keinen Fall in die falschen Hände geraten darf. Als Varus trotz eindringlicher Warnungen mit seiner Armee aufbricht, um einen Aufstand abtrünniger Stämme niederzuschlagen, nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Drei Legionen sehen sich plötzlich von Feinden umgeben. Caius ist mitten im Geschehen. Und auf einmal liegt das Wohl des gesamten Römischen Reichs in seinen Händen. Die Lage scheint aussichtslos - doch da kommt Hilfe von ganz unerwarteter Seite ...
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Mit letzter Kraft hatte er sich ins Zeltlager zu Lucius geschleppt. Jemand musste ihn von hinten niedergeschlagen haben.

Lucius saß neben ihm im Wagen und starrte die meiste Zeit über wütend vor sich hin. Am liebsten hätte er einen Zusammenhang zwischen Rullianus und dem Überfall der letzten Nacht hergestellt. »Überleg mal«, sagte er. »Wenn schon Silanus über deine kleinen nächtlichen Ausflüge Bescheid wusste, warum dann nicht auch Rullianus? Vielleicht haben sie sich im Stab das Maul darüber zerrissen. Was für eine glänzende Gelegenheit, uns einen Denkzettel zu verpassen! Er setzt einen seiner Leute auf dich an, unter Umständen denselben, der Placidus den Stein über den Schädel gezogen hat, und schon ist der erste seiner Mitwisser ausgeschaltet.«

Caius grinste schief. »Dann fehlst ja nur noch du.«

»Vielleicht sollte ich das Zelt nicht mehr ohne Helm verlassen?«

»Könnte komisch aussehen, Herr Geschäftsführer!«

Lucius verrannte sich mehr und mehr in die Idee, dass der Legat, den sie in den letzten Wochen nur selten aus der Nähe gesehen hatten, in die Sache verwickelt war. »Rullianus will uns warnen«, sagte er. Es klang, als müsste er sich selbst davon überzeugen.

»Das macht überhaupt keinen Sinn«, widersprach Caius. »Wir sind ihm seit Wochen nicht mehr in die Quere gekommen. Warum sollte er etwas riskieren, was die Sache nur wieder hochkochen lässt? Nein, es war einer von Fastradas Verwandten. Die wollen, dass ich die Finger von ihr lasse.«

»Na, dann haben sie ihr Ziel ja erreicht«, brummte Lucius.

»Danke, dass du mich daran erinnerst«, gab Caius matt zurück. Die Bemerkung hatte ihm erneut bewusst gemacht, dass er Fastrada aller Wahrscheinlichkeit nach nie mehr wiedersehen würde. Traurigkeit überfiel ihn, vermischt mit Wut über seine Unfähigkeit, an der Situation etwas zu ändern.

»Tut mir leid«, sagte Lucius leise und streichelte seinem Freund ungeschickt über den Arm. »Dich hat’s wirklich schlimm erwischt.«

»Du meinst nicht den Schädel, nehme ich an.« Caius rang sich ein Lächeln ab.

»Natürlich nicht. Da war ja ohnehin nicht viel kaputt zu machen.«

»Hohlkopf.«

Sie ratterten eine Weile schweigend dahin. Der Zug mit Varus an der Spitze kehrte ins Sommerlager zurück, um die letzten Vorbereitungen zu treffen und sich anschließend auf den Rückmarsch nach Castra Lupiana und von dort aus an den Rhein zu machen. Sie sollten allerdings nicht den direkten Weg nehmen, sondern einen Bogen in Richtung Norden schlagen, wo unruhige Amsivarier der römischen Herrschaft durch Provokationen kleine Nadelstiche versetzten und den Verbündeten das Leben schwer machten: hier ein Überfall auf ein römisches Kastell, dort ein geplündertes Gehöft der mit den Römern befreundeten Cherusker. Die Vorfälle hatten sich in den letzten Wochen gehäuft. Das jedenfalls berichteten die Kundschafter von Arminius, der Varus davon überzeugt hatte, dass eine Machtdemonstration an der nördlichen Grenze ihres Stammesgebietes wahrscheinlich Abhilfe schaffen würde. Dem Statthalter und seinen Legaten war der Aufmarsch von drei Legionen samt Hilfstruppen zwar übertrieben erschienen, aber weil sie es vorzogen, den Rückweg in die Winterquartiere geschlossen anzutreten, hatten sie entschieden, die zehn Tage Verzögerung mit dem ganzen Heer auf sich zu nehmen.

Wahrscheinlich würden sich die eigentlich mit Rom verbündeten Amsivarier beim Herannahen der Legionen unterwerfen, die Verträge erneuern und anschließend für einige Zeit Ruhe geben.

Als sie im Lager ankamen, fühlte sich Caius trotz der unruhigen Fahrt schon wieder besser. Die Schmerzen waren einer bleiernen Müdigkeit gewichen. Er ging, von Lucius gestützt, ins Zelt und schlief den Rest des Tages und die ganze Nacht. Durch seine Träume geisterte Fastrada, einmal lag sie unter einem weißen Tuch und atmete nicht, sodass er schon befürchtete, sie sei tot. Dann erhob sie sich plötzlich und rief ihm etwas zu, was er nicht verstand. Sie sah verzweifelt aus, zeigte auf etwas hinter ihm, aber jedes Mal, wenn Caius sich umdrehen wollte, drehte der Raum sich mit, sodass er einfach nicht hinter sich blicken konnte. Mehrmals wachte Caius auf.

Am nächsten Morgen fühlte er sich wie gerädert. Die Erinnerungen an die Nächte mit Fastrada waren allgegenwärtig, ständig und überall sah er ihr Gesicht vor sich, fühlte den sanften Druck ihrer Hände in seinem Nacken und fragte sich, was aus ihr geworden war. Mehrmals spielte er mit dem Gedanken, sich abzusetzen und zurückzureiten, um sie zu suchen. Aber er wusste, dass das ein geradezu wahnwitziges Unterfangen war. Er konnte ja schlecht die Dörfer in der Umgebung der Elstersteine abklappern und sich nach ihr durchfragen. Selbst wenn ihre Familie tatsächlich nichts ahnte und es jemand anders gewesen war, der ihn dort im Wald zu Boden geschlagen hatte – spätestens wenn er auftauchte und Fragen stellte, würden sie misstrauisch werden und Fastrada wahrscheinlich irgendwo einschließen. So blieb zumindest eine schwache Hoffnung, dass irgendein Zufall sie abermals zusammenführte. Immerhin würde das Heer die meiste Zeit über durch Cheruskerland marschieren.

Das Lager wimmelte in diesen Tagen vor Geschäftigkeit. Wieder erschienen Transportkähne wie aus dem Nichts, um Gepäck und überschüssige Vorräte an Bord zu nehmen, die bis zur Flussmündung der Visurgis transportiert werden sollten und von da aus weiter über das Meer, vorbei am Land der Chauken, Friesen und Bataver und schließlich über den Rhein zu den Legionslagern von Castra Vetera und Novaesium. Dennoch war der Tross ziemlich groß. Und so wurden am Morgen des Aufbruchs erneut Maultiere und Wagen bepackt, Planen verschnürt, Schanzpfähle aus dem Boden gezogen und Gräben zugeschüttet.

Caius, der sich zumindest körperlich einigermaßen erholt hatte, saß vor dem Zelt und beobachtete teilnahmslos die Bediensteten, die Stoffbahnen aufwickelten, Heringe aus dem Boden pflückten und Seile aufrollten. Plötzlich stand unvermittelt Silanus neben ihm.

»Was macht der Kopf?«

»Besser«, sagte Caius, der keine große Lust auf ein Gespräch mit seinem Onkel hatte. Er konnte sich schon denken, was dieser für Weisheiten an den Mann zu bringen hatte, und Silanus enttäuschte ihn nicht.

»Glaub mir, es ist besser so. Alles andere hätte nur Ärger gegeben.«

»Aha. Es ist also besser, dass man mich fast totgeschlagen hätte«, gab Caius gereizt zurück.

»Wenn sie dich hätten totschlagen wollen, dann hätten sie’s getan.«

»Vielleicht sollte ich mich bedanken?«

Silanus lachte freudlos auf, dann wechselte er das Thema. »Hast du schon gehört, was es bei der Stabsbesprechung für einen Wirbel gegeben hat?«, fragte er.

Caius blickte auf. »Was denn?«

»Wir hatten wieder mal hohen Besuch«, sagte Silanus mit der unverwechselbaren belehrenden Hochnäsigkeit, die er so genüsslich kultivierte, wann immer die Rede auf die germanischen Verbündeten kam.

»Arminius?«

»Nein. Der Herr Hilfstruppenpräfekt beabsichtigt erst morgen mit seinen Reitern dazuzustoßen. Gestern war sein Schwiegervater bei uns. Schwiegervater wider Willen, müsste man wohl besser sagen.«

»Wieso?«

»Ach, du weißt gar nichts von der Tragödie bei den Cheruskern? Erstaunlich. Also dann. Unser geschätzter Präfekt wandelt auf Freiersfüßen. Sollte man gar nicht glauben, was?« Silanus seufzte gekünstelt. »Da meint man, sein Herz, wenn er denn eins hat, gehört der römischen Armee, und stattdessen verschenkt er es heimlich an eine gewisse Thusnelda. Ja, mein Lieber, solche Namen geben sie ihren Frauen. Trotzdem soll sie eine ganz erlesene Schönheit sein. Ein bisschen wie deine … Wie heißt sie noch mal?«

»Geht dich nichts an«, fauchte Caius.

»Na, wie auch immer. Also, erster Auftritt: Thusneldeia wird von ihrem Vater Segestios dem Sohn eines anderen cheruskischen Stammesführers versprochen. Zweiter Auftritt: Unser Arminios begegnet Thusneldeia, und Amor schießt seinen Pfeil ab. Heimliche Treffen im Wald.« Silanus machte eine Pause und blickte Caius belustigt an. »Ist wirklich ein bisschen wie bei dir.«

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