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SCHKID. Die republik der strolche

Электронная книга - «SCHKID. Die republik der strolche». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: Республика ШКИД.
Übersetzung aus dem Russischen von Lieselotte Remane.
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'Ich gebe sie raus.'

'Wie soll sie denn heißen?'

'Clown!'

'Warum?'

Aber Pierre war von seinen Auskünften schon zu erschöpft, um auf diese und die folgenden Fragen noch antworten zu können. Die dritte Zeitung, der 'Technische Bote', verblüffte allgemein. Alle möglichen Gerüchte gingen durch die Schkid. 'Was ist das für ein 'Technischer Bote'?'

'Wer braucht so was?'

'Wir beschäftigen uns doch gar nicht mit Technik.'

'Was sollen wir damit?'

Kaum einer konnte das verstehen, und das erstaunlichste war, daß Ljonka Pantelejew, der doch keinerlei Beziehung zur Technik besaß, den 'Technischen Boten' herausgab. Man hielt das für einen Scherz, für eine Finte, und man vermutete hinter dem merkwürdigen Titel einen neuen Konkurrenten der 'Mücke'. Die Schkider waren durchaus bereit, über die neuen Versschöpfungen des namhaften Satirikers zu lachen. Außerdem erwarteten sie neue Knüttelverse. Aber das Komische war, daß sich die Zeitung von Anfang bis Ende tatsächlich mit technischen Dingen beschäftigte. Schnell wurde sie bei den Lesern populär, obgleich sie weder Knüttelverse noch Gedichte, Erzählungen oder gelehrte Artikel über die Gerichtsbarkeit im alten Rußland enthielt. Der Redakteur des 'Technischen Boten' war nämlich kein schlechter Journalist. Er hatte begriffen, daß der Zeitungsmarkt in der Schkid mit literarisch-künstlerischen. Erzeugnissen gesättigt war, daß man mit Belletristik keinen Leser mehr hinter dem Ofen hervorlocken konnte, und sich deshalb entschlossen, einen neuen Zeitungstyp ausfindig zu machen. Seine eigenen technischen Kenntnisse beschränkten sich zwar auf die Fähigkeit, in anderer Leute Treppenhäusern Glühbirnen herauszudrehen, aber dafür verstand er es, die Jungen, die sich für technische und wissenschaftliche Fragen interessierten, die in Physik gute Zeugnisse bekamen, zur Mitarbeit heranzuziehen. Die erste Nummer des 'Boten' enthielt die Artikel 'Wie man eine elektrische Leitung legt', 'Die Technik des Großen Stummen' und 'Radio der Zukunft'.

In der Rubrik 'Vermischtes' brachte der Herausgeber alle möglichen fesselnden Meldungen aus alten und neuen Zeitschriften. Die letzten Seiten wurden von der Rubrik 'Wissenschaft und Technik in der Schkid' gefüllt. Dort stand unter anderem eine bescheidene Notiz folgenden Inhalts:

'Holzklischees. G. Tschornych und L. Pantelejew erfanden ein neues, leichtes Mittel, um Holzklischees für Titelköpfe und Vignetten herzustellen. Das Mittel ist jedem zugänglich. Man nimmt ein glattes Holzbrett, schnitzt mit dem Messer die betreffende Figur hinein, bestreicht das Brett mit Tinte und drückt es auf das Papier. Die neuen Klischees werden bereits mit Erfolg für Titel im Verlag 'Die Mücke' und für Ankündigungen in unserer Zeitschrift verwendet.'

Die Anzahl der Zeitschriften erhöhte sich ruckartig von sechs auf neun, aber die journalistische Epidemie war noch nicht zu Ende. Im Gegenteil — sie hatte erst begonnen.

Die Herausgebersucht griff von der vierten Abteilung auf die dritte über. Die Jüngeren taten es den 'Großen' nach. Ustinowitsch gab den 'Jungen Bären', die erste große Zeitung der dritten Abteilung, heraus. Dann wurden seine Klassenkameraden vom Schreibfieber gepackt. Bald hatte die dritte Abteilung eine ganze Reihe von Zeitschriften, von denen der 'Stern', der 'Rote Morgen', der. 'Nebel' und der 'Bote' besonders erwähnenswert waren.

Nun kam die zweite Abteilung an die Reihe. Auch dort breitete sich die Epidemie aus. Den Jungen gefiel der Einfall der Älteren, und bald saßen sämtliche unverdrossenen Skandalbrüder und Raufbolde der zweiten Klasse über der Herausgabe von Zeitungen. Die lange Liste der Presseerzeugnisse wurde erweitert. Es erschienen der 'Leuchtturm', der 'Rote Schüler' und die 'Chronik'. Als das in der vierten Abteilung bekannt wurde, scherzte einer: 'Jetzt fehlt bloß noch, daß auch die erste Abteilung eigene Zeitungen herausgibt.'

Das war ein prophetischer Scherz. Wenige Tage später zeigte der kleine Kusja den Großen seine Zeitung 'Pilz' und berichtete, in seiner Klasse erschienen die Blätter 'Sonne', 'Fliegenpilz' und 'Rote Fahne'. Zusätzlich faßte der Pädagogische Rat den Beschluß, in jeder Klasse ein offizielles Klassentagebuch herauszugeben.

Die Republik Schkid tat alles spontan, nervös, ungestüm. Periodisch wurde randaliert oder gelernt, und ebenso periodisch beschäftigte man sich mit der Veröffentlichung von Zeitungen. Anfangs ging alles gut. Die Erzieher waren zufrieden. Nach Unterrichtsschluß lärmten die Zöglinge nicht mehr, niemand rannte im Saal herum, niemand schaukelte an den Türen, niemand rutschte das Treppengeländer hinunter, und niemand prügelte sich oder randalierte.

Wenn es geklingelt hatte, blieben die Jungen auf den Bänken sitzen, nur die Pultdeckel klappten, und die ausgeschnitzten schwarzen Brettchen bumsten.

Gesprochen wurde nur in gesittetem Flüsterton.

In den Klassen herrschte Stille. Die Federhalter kratzten, die Papierbogen raschelten.

Viele Dutzend Köpfe neigten sich über die Bänke. Sie dichteten und druckten, sie malten und schrieben.

Sie verfaßten samt und sonders Zeitungen. Die Epidemie hatte sich bis in den letzten Winkel verbreitet.

Es waren so viele Zeitungen geworden, daß es keine Leser mehr dafür gab.

Jedermann schrieb — zum Lesen blieb keine Zeit. Jeder bildete sich ein, seine Zeitung würde gelesen, jeder bemühte sich, seine Zeitung möglichst auffallend und fesselnd zu machen. Dazu brauchte man nicht nur Talent, sondern auch Zeit. Doch die Zeit reichte nicht aus. Daher wurde die Herausgebertätigkeit auch während des Unterrichts nicht eingestellt…

Es klingelt. Alnikpop kommt in die vierte Klasse, aber sein Erscheinen bleibt unbemerkt. Alnikpop wird böse. Er mag es nicht, wenn man in seinem Fach — der Geschichte — nichts lernt. 'Aufstehen!' donnert er.

Die Klasse klappert mit den Pultdeckeln und erhebt sich. Die Jungen machen Gesichter, als habe er sie aus dem Schlaf geweckt. 'Setzen! Nehmt das Papier und die übrigen Dinge, die nicht zum Unterricht gehören, vom Tisch.'

Alnikpop setzt sich an den Tisch, legt seine Bücher aus, hebt den Kopf, fährt sich über die beginnende Glatze und blickt die bewegungslos dasitzenden Schüler prüfend an.

Wir wollen uns heute das bisher Durchgenommene noch einmal kurz ins Gedächtnis zurückrufen. Tschornych soll uns erzählen, was er von Iwan dem Schrecklichen weiß.“

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