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Centurio der XIX Legion

Электронная книга - «Centurio der XIX Legion». Краткое содержание книги:

Als Lucius von dem Angebot an seinen Vater hört, ihn als Centurio zur Legion zu schicken, ist er begeistert und als sein Vater Pertinax einen Exgladiator einstellt, der ihn im Schwertkampf unterrichten soll, kennt sein Glück keine Grenzen. Bei einer Geschäftsreise in Massilia (Marseille), verläuft er sich eines Tages im Hafenviertel und wird von Straßenkindern verprügelt und ausgeraubt. Sein Vater ist über diese Schwäche seines Sohnes und die öffentliche Demütigung der Familie so wütend, dass er Lucius auf das Weingut in der Nähe von Arausio verbannt, welches er als Entlassungsgeld aus der Armee erhalten hat. Dort soll er von Saxum, einem ehemaligen Legionär und Pertinax abgehärtet und auf die Legion vorbereitet werden. Wenn Lucius versagt und den Rang eines Centurio nicht erhält, muss er für den Rest seines Lebens auf dem Weingut bleiben und dort als Verwalter arbeiten. Zwei Jahre quält sich Lucius bei Wind und Wetter durch die Ausbildung und wird endlich als Rekrut angenommen. Seine Schwierigkeiten fangen damit aber erst an. Bald ist er sich nicht mehr sicher, ob die Feinde innerhalb oder außerhalb des Legionslager gefährlicher sind. Neben den Kämpfen gegen die Raeter, Vindelicer und Germanen ist da auch noch der undurchsichtige Centurio Titus Valens. Er macht Lucius das Leben zur Hölle.
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Draußen herrschte reges Treiben. Die Rekruten hatten unter den Vordächern ihre Tische aufgebaut. Dort saßen sie in angeregte Unterhaltung vertieft und ließen sich das Essen schmecken. Unter einem Zeltdach war eine Küche aufgebaut, in der ein Schaf und eine Ziege gegrillt wurden. Hier wurde auch das Gemüse zubereitet. Als Lucius die Tür seiner Unterkunft öffnete und mit dem Essgeschirr in der Hand unter das Vordach trat, verstummten nach und nach die Gespräche, und alle Augen wandten sich ihm zu. Er ließ seinen Blick über die Runde schweifen und ging mit unsicheren Schritten langsam zum Grill hinüber. Über hundert Augenpaare folgten ihm, als er an den Grill trat und sich einige Fleischstücke abschnitt. Es war es so still geworden, dass man eine Nadel hätte fallen hören. Offensichtlich wusste jeder, was er heute hatte durchmachen müssen, und keiner hatte erwartet, ihn hier zu sehen. Vermutlich hatten sie schon Wetten abgeschlossen, ob er aufgeben würde oder ob man ihn rauswerfen würde wie Mellonius!

Wie gut, dass man Schmerzen nicht sehen kann, dachte Lucius und schaufelte sich Gemüse und Puls in seine Schüssel. Alle Glieder schmerzten und er konnte sich nur mit Mühe aufrecht halten. Er füllte sich demonstrativ einen Becher mit Wein und trank einen Schluck. Dabei ließ er verstohlen seinen Blick wandern. Vulso war dunkelrot angelaufen und erstickte fast an seiner Wut, Vitellius sah ihn hasserfüllt an. Antinius kaute wütend auf seiner Lippe. Die Rekruten jedoch starrten ihn mit Bewunderung und Respekt an, was die Ausbilder offenbar innerlich zum Toben brachte.

Er ging zu seiner Unterkunft zurück und ließ sich an seinem Tisch nieder, wo er allein anfing, zu essen. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als ein Rekrut vom Nebentisch, an dem auch Servanus saß, ihm einen Teller herüberreichte, auf dem Eier lagen. Lucius zögerte einen Moment, dann griff er nach den Eiern. Ehe er zubeißen konnte, sprang Vulso auf und stürmte auf ihn zu.

„Bevor du nicht deine Waffen und dein Zimmer gereinigt hast, gibt es auch nichts zu essen!“, sagte er schneidend.

Lucius biss in aller Seelenruhe in sein Ei. „Deswegen speise ich ja“, mampfte er mit vollem Mund.

„Gut, dann machen wir jetzt sofort eine Inspektion!“, befahl Vulso und stieß die Tür auf. „Meinetwegen!“, sagte Lucius mit einem Gleichmut, der Vulso fast um den Verstand brachte. Vulso stürmte in das Zimmer und man hörte ihn drinnen rumoren. Die Rekruten, die die Szene gespannt beobachtet hatten, begannen aufgeregt zu tuscheln.

„Marcellus!“, brüllte Vulso von drinnen. Lucius erhob sich und trat in den Vorraum. Vulso stand im Schlafraum. „Licht!“, brüllte er. „Mehr Licht!“

Lucius zündete in aller Ruhe eine Laterne an. In ihrem Schein sah sich Vulso suchend um. Nichts, kein Dreck, kein Schlamm, gar nichts deutete auf die Tortur des Nachmittags hin.

„Wo sind deine Waffen?“, herrschte ihn Vulso an.

Lucius präsentierte sein Kettenhemd, seinen Gladius und die übrige Ausrüstung. Alles glänzte wie frisch aus der Schmiede. Vulso sah fassungslos auf die blinkenden Waffen. Er starrte Lucius ins Gesicht, als würden darin Antworten stehen, doch Lucius hielt seinem Blick mit gleichmütiger Miene stand. Wortlos drehte Vulso sich um und stürmte aus dem Zimmer.

Lucius kehrte an seinen Tisch zurück und nahm sein Essen wieder auf. Er zuckte zusammen, als sich plötzlich Servanus und zwei weitere Rekruten an seinen Tisch setzten. Servanus grinste anerkennend. Sie hoben stumm ihre Becher und prosteten ihm zu.

CENTURIO • MARCELLUS

LUGDUNUM, • IM • HAUSE • DES • AUGUSTUS

Tiberius Nero ließ seine Begleitung im Atrium zurück und ging in sein Arbeitszimmer. Dort suchte er in den Regalen nach einer bestimmten Schriftrolle. Er hörte hinter sich ein Geräusch, drehte sich um und ein warmes Gefühl durchflutete ihn, als er seine Frau Vipsania sah.

„Hallo, Liebes!“ Er stand auf. Sie trat näher und er gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Ich habe leider nicht viel Zeit, da ich zu Augustus in die Stadt muss. Wie benimmt sich unser Sohn?“, fragte er lächelnd mit einem Blick auf ihren gerundeten Bauch.

Sie lächelte zurück. „Ganz manierlich. Wir wollten dich aber nicht bei der Arbeit stören. Gaius Asinius war hier und hat dich gesucht. Dringend und dienstlich, mehr hat er nicht gesagt. Er tut wie immer schrecklich wichtig und schrecklich geheim“, sagte sie.

„Nun, du kannst von einem Militärtribun nicht erwarten, dass er Kriegsgeheimnisse mit Frauen teilt!“, antwortete Tiberius lächelnd.

Sie verdrehte die Augen: „Männer! Immer diese fadenscheinige Geheimniskrämerei! Ganz Lugdunum weiß, dass ein Feldzug gegen die Vindelicer bevorsteht.“

Er lachte und senkte dann die Stimme. „Wenn du schwörst, nicht sofort zu den Galliern überzulaufen, werde ich dich einen Blick in meine streng geheimen Dokumente werfen lassen!“, flüsterte er geheimnisvoll und hielt ihr die Wachstafel vors Gesicht.

„Hm, da muss ich mal überlegen. Mein Vater war genauso schlimm, immer wichtige Staatsgeschäfte und nur wenig Zeit für mich!“, sagte sie mit ergebener Miene. „Mit zehn war ich in Iullus Antonius verliebt und habe furchtbar geweint, als er mit Octavia verlobt wurde!“, erzählte Vipsania. „Aber Vater hat gesagt, er findet einen viel besseren Mann für mich.“

„Und hat er Wort gehalten?“, fragte Tiberius.

Vipsania schüttelte mit gespielter Traurigkeit den Kopf. „Leider nicht. Er hat mich mit einem Mann verheiratet, der entweder über Akten brütet oder Soldat spielt. Furchtbar. Nie ist er da!“

Tiberius nahm Vipsania in den Arm. „Was für ein Narr! Aber sein Pech, wenn er dich vernachlässigt, ich werde mich heute Nacht heimlich in dein Schlafzimmer schleichen.“

Sie küssten sich zärtlich. Dann löste sich Vipsania aus seinen Armen und gab ihm einen Klaps auf die Schulter. „So, und jetzt überlasse ich dich deinen geheimen Kriegsvorbereitungen.“

Während seines Vortrages beobachtete Tiberius den schmächtigen Mann, der in seinen Mantel gewickelt auf einem Stuhl hockte und ihm zuhörte. Kaum zu glauben, dass diese unscheinbare Gestalt mit den schlechten Zähnen der mächtigste Mann des Imperiums war. Wer ihn so sah, in seiner schlichten Kleidung, immer kränklich, mochte glauben, dass er ein kleiner Beamter, ein Quästor, war. Vielleicht auch ein schrulliger, harmloser ältlicher Römer, der den Sitten der Vorfahren nacheiferte und sich auf das schlichte Leben beschränkte. Wer ihm aber in die Augen sah, spürte die Kraft und die Intelligenz, die in diesem Mann steckten, und konnte sich nur schwer seiner Ausstrahlung entziehen. Doch wer seinen Unwillen erregte und sich von den hellen grauen Augen durchbohrt fühlte, den fröstelte es und dem fiel wieder ein, wie Augustus sich an die Spitze gekämpft, intrigiert und gemordet und die Republik endgültig zerstört hatte.

Und er, Tiberius Claudius Nero, Mitglied einer der ältesten Patrizierfamilien Roms, war hier, um ihm Bericht zu erstatten. Die meisten Informationen referierte Tiberius aus dem Kopf, nur ab und zu zog er seine Listen zu Rate. Am Ende seines Vortrages nickte Augustus anerkennend: „Gute Arbeit. Deine Legionen sind in bestem Zustand! Wie ist der Ausbildungsstand?“

Tiberius rieb sich müde die Augen. „Die XIX Augusta steht hier in Lugdunum und hat alle Rekruten zugeteilt bekommen. Eigentlich besteht sie zur Hälfte aus Rekruten. Die Grundausbildung ist aber jetzt abgeschlossen und wir werden die Rekruten auf die anderen Kohorten verteilen. Die XVI Gallica ist unterdessen in Basilia. Sie bessert Straßen aus, baut Brücken und schlägt Holz.“

„Du siehst müde aus!“, stellte Augustus fest. „Wann hast du das letzte Mal eine Pause gemacht?“

„Eine Pause?“, brummte Tiberius nachdenklich. „Zum Mittagsimbiss habe ich die Arbeit kurz unterbrochen!“

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