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Sprengstoff

Электронная книга - «Sprengstoff». Краткое содержание книги:

Smalltown, USA, 1973. Die erste Energiekrise. Aber der Highway 784 wird trotzdem gebaut. Und die Planierraupe nähert sich unaufhaltsam dem Haus, in dem Barton Dawes 20 Jahre gelebt hat.
Ist es da ein Wunder, wenn Dawes alle tut, um das zu verhindern?

Titel der amerikanischen Originalausgabe ROADWORK.
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Er rappelte sich von der Couch auf, schlurfte zum Apparat hinüber und nahm den Hörer ab. Sein Auge tat nicht mehr weh, aber im Spiegel konnte er immer noch das Veilchen erkennen.

»Hallo?«

»Hallo Bart, hier ist Tom.«

»Oh, Tom. Wie geht es dir?«

»Ganz gut. Hör mal, Bart, ich dachte, du würdest es gern wissen. Sie reißen morgen das Blue Ribbon ab.«

Er riß die Augen weit auf. »Morgen? Das kann doch nicht sein. Sie … Himmel, es ist doch bald Weihnachten.«

»Gerade darum.«

»Aber sie sind doch noch gar nicht soweit.«

»Es ist das letzte Geschäftsgebäude, das ihnen noch im Weg steht. Sie wollen es noch wegräumen, bevor sie in die Weihnachtsferien gehen.«

»Bist du sicher?«

»Ja, sie habe es heute morgen in den lokalen Nachrichten gebracht.«

»Wirst du dir das ansehen?«

»Sicher. Ich hab’ zu viele Jahre meines Lebens in den alten Mauern verbracht, um mir das entgehen zu lassen.«

»Dann sehe ich dich wohl morgen.«

»Das nehme ich an.«

Er zögerte einen Augenblick. »Hör mal, Tom, ich möchte mich bei dir entschuldigen. Ich glaube nicht, daß sie das Blue Ribbon wieder aufmachen werden, weder in Waterford noch sonstwo. Wenn ich dein Leben völlig durcheinandergewor-fen habe …«

»Nein, nein, mir geht es gut. Ich bin jetzt Techniker bei den Brite-Kleen-Leuten. Kürzere Arbeitszeit, bessere Bezahlung. Ich hab’ wohl die Rose auf dem Misthaufen gefunden.«

»Wie ist es da?«

Tom seufzte durch die Leitung. »Nicht sehr schön. Aber ich bin schon über fünfzig, da ist es schwierig, sich umzugewöhnen. In Waterford wäre es wohl dasselbe gewesen.«

»Tom, was ich getan habe …«

»Ich will nichts davon hören, Bart. Das ist eine Sache zwischen dir und Mary und geht mich nichts an.«

»In Ordnung.«

»Eh … kommst du zurecht?«

»Klar. Ich hab’ da so einiges in Aussicht.«

»Freut mich zu hören.« Tom schwieg, bis die Stille belastend wurde, und er wollte ihm schon für den Anruf danken und auflegen, als Tom plötzlich weitersprach: »Steve Ordner hat mich deinetwegen angerufen. Direkt hier bei mir zu Hause.«

»Oh, tatsächlich? Wann?«

»Letzte Woche. Er ist verdammt sauer auf dich, Bart. Er hat immer wieder gefragt, ob einer von uns etwas davon gewußt hat, daß du das Waterford-Geschäft platzen lassen wolltest.

Aber das war nicht alles. Er wollte alles mögliche wissen.«

»Was denn zum Beispiel?«

»Ob du mal was aus dem Geschäft mit nach Hause genommen hättest, Büromaterial oder was weiß ich. Ob du jemals Geld aus der Kasse genommen hast, ohne einen Beleg hin-einzutun, oder ob du deine Privatwäsche auf Geschäftskosten gewaschen hast. Er hat mich sogar gefragt, ob du mit einigen Motels vielleicht Extra vertrage gehabt hast.«

»Dieser Hurensohn«, sagte er nachdenklich.

»Wie ich schon sagte, dieser Mistkerl sucht nach einem dicken Kolben, mit dem er dir das Maul stopfen kann, Bart.

Ich glaube, er hofft, dir was Kriminelles anhängen zu können, um dich dranzukriegen.«

»Das wird ihm nicht gelingen. Es bleibt alles in der Familie. Und die ist auseinandergebrochen.«

»Sie ist schon vor langer Zeit kaputtgegangen«, sagte Tom gelassen. »Als Ray Tarkington gestorben ist. Ich kenne sonst niemanden, der sauer auf dich ist, außer eben Ordner. Diese Kerle in der Verwaltung … für die zählen nur Dollars und Cents. Sie haben keinen blassen Schimmer vom Wäschereigeschäft, und sie wollen auch gar nichts davon wissen.«

Darauf fiel ihm nichts zu sagen ein.

»Also …« Tom seufzte. »Ich dachte, das solltest du wissen. Sag mal, hast du das von Johnny Walkers Bruder gehört?«

»Arnie? Nein, was ist mit ihm?«

»Er hat sich umgebracht.«

»Was?«

Tom machte ein Geräusch, als würde er Luft durch seine Vorderzähne saugen. »Er hat einen Schlauch vom Auspuffrohr durch das Fenster seines Wagens geführt und alles dichtgemacht. Der Zeitungsjunge hat ihn gefunden.«

»Heiliger Jesus«, flüsterte er und dachte an Arnie, wie er auf dem Krankenhausstuhl gekauert und gezittert hatte.

»Das ist ja schrecklich.«

»Ja …« Tom machte wieder dieses saugende Geräusch.

»Wir sehen uns dann morgen, Bart.«

»Klar. Danke, daß du angerufen hast.«

»Bitte, bitte. Wiedersehen.«

Er legte langsam den Hörer auf und dachte immer noch an Arnie und an das hohe, wimmernde Weinen, in das Arnie ausgebrochen war, als er den Priester gesehen hatte.

Jesus, er hat seine Hostien dabei, haben Sie das gesehen?

»Das ist eine Schande«, sagte er ins leere Wohnzimmer, und die Worte hallten tot von den Wänden zurück. Dann ging er in die Küche und mixte sich einen Drink.

Selbstmord.

Das Wort hatte einen zischenden, bedrängenden Klang wie eine Schlange, die sich durch einen engen Spalt windet.

Es schlüpfte wie ein entfliehender Sträfling zwischen der Zunge und dem Gaumen hervor.

Selbstmord.

Seine Hand zitterte, als er den Southern Comfort ins Glas schüttete, und der Flaschenhals klapperte gegen den Glasrand. Warum hat er das getan, Freddy? Sie waren doch nur zwei alte Kumpel, die eine gemeinsame Wohnung hatten. Jesus Christus, warum tut jemand so was?

Aber er glaubte, daß er den Grund kannte.

18.-19. Dezember 1973

Er kam schon morgens um acht zur Wäscherei. Obwohl die Abbrucharbeiten nicht vor neun beginnen würden, stand schon eine ansehnliche Menschengruppe herum, die Hände tief in den Manteltaschen vergraben und den Atem in weißen Wölkchen vor den Mündern wie Sprechblasen. Tom Granger, Ron Stone, Ethel Diment, die Hemdenbüglerin, die sich während der Mittagspause meistens betrank und dann den ganzen Nachmittag über sämtliche Hemdenkrägen verbrannte, Gracie Floyd und ihre Cousine Maureen, die beide an den Heißmangeln gearbeitet hatten, und noch zehn oder fünfzehn andere.

Die Straßenbaubehörde hatte gelbe Sägeböcke und Warnblinker sowie große orangefarbene Schilder mit schwarzer Schrift aufstellen lassen:

UMLEITUNG

Die Schilder lenkten den Verkehr um den Block herum. Auch der Bürgersteig gegenüber der Wäscherei war abgesperrt.

Tom Granger grüßte ihn kurz mit einem Kopfnicken, kam aber nicht zu ihm herüber. Die anderen von der Wäscherei warfen ihm neugierige Blicke zu und steckten die Köpfe zusammen.

Verfolgungswahn, Freddy. Wer wird der erste sein, der auf mich zugeht und mir j’accuse ins Gesicht brüllt?

Aber Freddy sagte heute wieder nichts.

Um Viertel vor neun fuhr ein brandneuer Toyota Corolla vor, der das Zehn-Tage-Probefahrt-Schild noch im Rückfenster kleben hatte, und Vinnie Mason stieg aus. Er war elegant gekleidet, wirkte aber noch etwas unsicher in dem teuren Ka-melhaarmantel und mit den Lederhandschuhen. Er warf ihm einen wütenden Blick zu, der selbst Stahlnägel verbogen hätte, und ging auf die Gruppe zu, in der Ron Stone, Dave und Pollack zusammenstanden.

Um zehn vor neun kam der Kran die Straße herauf. Die große Stahlkugel baumelte wie eine riesige, vom Körper losgetrennte äthiopische Titte vom Kranhals herab. Der Kran rollte langsam und betulich auf seinen schweren, brusthohen Rädern daher, und das Dröhnen des Dieselmotors hämmerte wie der Meißel eines Bildhauers, der eine Skulptur aus einem unförmigen Block herausschlägt, in die kühle, silbrige Morgenluft.

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