Lichtenstein
- Автор: Гауф Вильгельм
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Gondrom-Verlag
- ISBN: 978-3-8112-0267-2
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Lichtenstein». Краткое содержание книги:
Dieser erste bedeutende historische Roman der deutschen Literatur erschien 1826, in der Biedermeierzeit, und handelt vor allem von der Herrschaft des Herzogs Ulrich von Württemberg, die Hauff nicht ohne romantische Verklärung beschreibt. Der historische Roman ist schon als Gattung, von Walter Scott herkommend, konservativ ausgerichtet; darin trifft er sich mit der Restaurationszeit.
Nachdem die Rechnung in dem niederen Münzfuß der guten, alten Zeiten berichtigt war, entließ die Wirtin zum Goldenen Hirsch ihren Gast; sie war ihm zwar nicht mehr so gewogen wie heute mittag, als er herrlich wie der junge Tag in ihre Trinkstube getreten war, aber dennoch konnte sie sich nicht verhehlen, als er beim Schein der Kienfackeln sich aufs Pferd schwang, daß sie nicht leicht einen schöneren Mann gesehen habe, und sie schärfte daher ihrem Knecht, der ihn begleitete, um so sorgfältiger ein, recht genau auf ihn achtzuhaben, weil es bei diesem Herrn »doch nicht ganz richtig im Kopfe sei«.
Vor dem Tor von Pfullingen fragte der Knecht den nächtlichen Reiter, wohin er reiten wolle; und auf seine Antwort »Nach Lichtenstein!« schlug er einen Weg rechts ein, der zum Gebirge führte. Der junge Mann ritt schweigend durch die Nacht hin; er sah nicht rechts, er sah nicht links, er sah nicht auf nach den Sternen, nicht hinaus in die Weite, seine gesenkten Blicke hafteten am Boden. Es war ihm wie damals, als ihn die Mörder am Wege niedergeschlagen hatten, seine Gedanken standen stille, er hoffte nicht mehr, er hatte zu leben, zu lieben und zu wünschen aufgehört. Und doch war ihm damals wohler gewesen, als ihm auf dem kühlen Teppich des Wiesentales, die Besinnung schwand, er war ja entschlummert mit dem erhebenden Gedanken an sie, und die erstarrenden Lippen hatten noch einmal einen süßen Namen ausgesprochen.
Aber jetzt war die Leuchte verlöscht, die seinen Pfad durchs Leben erhellt hatte. Es war ihm, als habe er nur noch einen kurzen Weg im Dunkeln hinzugehen, und dann in lichteren Höhen als auf dem Lichtenstein seine Ruhe zu finden; und unwillkürlich zuckte seine Rechte hie und da ans Schwert, als wolle er sich versichern, daß ihm dieser Gefährte wenigstens treu geblieben sei, als sei dies der gewichtige Schlüssel, der die Pforte sprengen sollte, die aus dem Dunkel zum Lichte führt.
Der Wald hatte längst die Wanderer aufgenommen, steiler wurden die Pfade, und das Roß strebte mühsam unter der Last des Reiters und seiner Rüstung bergan; doch der Reiter bemerkte es nicht. Die Nachtluft wehte kühler, und spielte mit den langen Haaren des Jünglings, er fühlte es nicht; der Mond kam herauf und beleuchtete seinen Pfad, beleuchtete kühne Felsenmassen und die hohen, gewaltigen Eichen, unter welchen er hinzog, er sah es nicht; unbemerkt von ihm, rauschte der Strom der Zeit an ihnen vorüber, Stunde um Stunde verging, ohne daß ihm der Weg lang bedünkte.
Es war Mitternacht, als sie auf der höchsten Höhe ankamen. Sie traten heraus aus dem Wald, und getrennt durch eine weite Kluft von der übrigen Erde lag auf einem einzelnen, senkrecht aus der nächtlichen Tiefe aufsteigenden Felsen der Lichtenstein.
Seine weißen Mauern, seine zackigten Felsen schimmerten im Mondlicht, es war, als schlummere das Schlößchen, abgeschieden von der Welt im tiefen Frieden der Einsamkeit.
Der Ritter warf einen düsteren Blick dorthin und sprang ab. Er band das Pferd an einen Baum, und setzte sich auf einen bemoosten Stein, gegenüber von der Burg. Der Knecht stand erwartend, was sich weiter begeben werde, und fragte mehreremal vergeblich, ob er seines Dienstes jetzt entlassen sei?
»Wie weit ist's noch bis zum ersten Hahnenschrei?« fragte endlich der stumme Mann auf dem Steine.
»Zwei Stunden, Herr!« war die Antwort des Knechtes.
Der Ritter reichte ihm reichlichen Lohn für sein Geleite, und winkte ihm zu gehen. Er zögerte, als scheue er sich, den jungen Mann in diesem unglücklichen Zustand zu verlassen; als aber jener ungeduldig seinen Wink wiederholte, entfernte er sich stille nur einmal noch sah er sich um, ehe er in den Wald eintrat, der schweigende Gast saß noch immer, die Stirne in die Hand gestützt, im Schatten einer Eiche, auf dem bemoosten Stein. –
V
Durch diese hohle Gasse muß er kommen, es führt kein andrer Weg nach Küßnacht – Hier Vollend ich's – die Gelegenheit ist günstig.