Vergiss nie, dass ich dich liebe
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet
- ISBN: 3-7645-0148-0
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Vergiss nie, dass ich dich liebe». Краткое содержание книги:
Charlie sah die Frau fassungslos an. Sie konnte das, was sie soeben gehört hatte, nicht schnell genug verarbeiten, um eine vernünftige Antwort zu geben.
»Ich sehe Ihnen an, dass er Ihnen nichts von alledem gesagt hat. Er wollte Sie sicher schützen. Ich bewundere das. Es war anständig von ihm und typisch für ihn. Er war ein großartiger Mensch. Aber ich wünschte doch, er hätte mit Ihnen über alles gesprochen, dann wüssten wir jetzt wenigstens, woran wir sind, und könnten eventuell etwas tun. So aber - entweder liegt das Zeug irgendwo lose herum, und wir können darauf warten, dass es den ganzen Staat Kalifornien in Angst und Schrecken versetzt, oder es liegt sicher im Zentrum für Seuchenkontrolle. Aber ganz gleich, wo es sich befindet, ich muss es wissen.«
Das Zentrum für Seuchenkontrolle. »Was ist das für ein Mittel?«, fragte Charlie, und die Worte klangen dumpf in ihren Ohren und brannten in ihrer Kehle. »Ich dachte, Biosyn stellt Pharmaka her - Krebsmittel, Medikamente gegen Asthma und Arthritis, vielleicht auch Schlaftabletten und Antidepressiva.«
»Sicher, ja, das ist ein Teil davon. Das ist Abteilung eins. Aber das große Geld steckt in Abteilung zwei, wo Eric gearbeitet hat, wo ich arbeite. Wo Exantrum hergestellt wird.«
»Was ist das für ein Mittel?«, wiederholte Charlie, der der Schrecken hochkam wie Galle.
Sharon schaute sich um. »Wir müssen etwas zu essen und zu trinken bestellen«, sagte sie. »Sonst fallen wir vielleicht auf. Wir müssen sehen, dass wir eine Kellnerin erwischen.«
Als ihnen das gelungen war, bestellten sie beide Tee und Scones und wussten, dass sie nichts davon anrühren würden. Sharon schenkte Tee ein, als die Bedienung das Bestellte gebracht hatte, und sagte: »Exantrum ist Cabots Schlüssel zur Unsterblichkeit. Es ist ein Virus, der in stehendem Wasser in einer Höhle entdeckt wurde - vor ungefähr zwei Jahren. Ein Wanderer wollte eine Höhle in den Blue Ridge Mountains erforschen. Es war ein heißer Tag. Er stieß auf eine Wasserpfütze und benetzte sich das Gesicht. Einundzwanzig Tage später war er tot: hämorrhagisches Fieber. Die Ärzte in Nord-Carolina wussten nicht, woher der Virus stammte, aber er hatte genug Ähnlichkeit mit dem Ebola-Erreger, um die Leute in höchste Alarmbereitschaft zu versetzen. Atlanta schaltete sich ein, und alle versuchten verzweifelt, die letzten Tage dieses Mannes zu rekonstruieren. Wo er gewesen war, was er getan hatte, mit wem er zusammen gewesen war. Man nahm alle seine Bekannten genauestens unter die Lupe, prüfte seinen Pass, um festzustellen, ob er außer Landes gewesen war, und knöpfte sich seine Verwandtschaft vor, um zu sehen, ob nicht einer den anderen angesteckt hatte. Aber sie kamen zu keinem Ergebnis. Cabot verfolgte die Ereignisse und stellte gleichzeitig seine eigenen Nachforschungen an, weil er überzeugt war, dass es sichnicht um den Ebola-Erreger handelte, und weil er seit dem Tag seiner Abschlussprüfung an der Uni nichts anderes wollte, als eine weltbewegende Entdeckung zu machen, um seinen Namen in einem Atemzug mit Jonas Salk, Louis Pasteur und Alexander Fleming genannt zu hören. Vermutlich dachte er anfangs an ein Heilmittel, aber als sich dann, nachdem es ihm gelungen war, das Zeug zu isolieren, die Regierung bei ihm meldete, wurde aus dem Heilmittel eine Seuche. Onkel Sam zahlt hervorragend für eine Waffe wie Exantrum. Man kann es ins Wasser kippen und trinken, man kann es sich ins Gesicht und in die Augen spritzen, man kann es in die Nase bekommen, in eine offene Wunde am Körper, es braucht nur ein kleiner Kratzer zu sein, man kann hineintreten, es einatmen - alles ist möglich. Wie man damit in Kontakt kommt, spielt keine Rolle, weil der Krankheitsverlauf immer derselbe ist und man letztendlich stirbt. Es ist gut zur biologischen Kriegsführung. Zum Einsatz gegen die Iraker, wenn sie nicht spuren, oder gegen die Chinesen, wenn sie mit dem Säbel rasseln, oder gegen die Nordkoreaner. Cabot kann mit dem Zeug ein Vermögen verdienen, und Eric wollte dies an die Öffentlichkeit bringen.«
Sharon starrte auf ihre Teetasse und drehte sie auf der Untertasse. »Er war wirklich ein guter Mensch, ein anständiger und guter Mensch. Ich wünschte, ich hätte seine Courage. Aber sie fehlt mir leider. Darum muss ich das Exantrum umgehend ins Labor zurückbringen, wenn Eric noch nicht mit dem Journalisten Verbindung aufgenommen hatte.«
»Er - aber er hatte das Gift doch bestimmt nicht zu Hause aufgehoben«, sagte Charlie, weil sie das unbedingt glauben wollte. »Ich meine, wenn es so gefährlich ist, wie Sie sagen, dann hätte er es doch nicht mit nach Hause genommen, oder?«
»Nein, nie im Leben. Darum habe ich, als ich bei Ihnen war, auch nur nach dem Namen des Journalisten gesucht und nicht nach der Probe. Die hätte er irgendwo in Sicherheit gebracht, bis ein Treffpunkt und ein Datum vereinbart gewesen wären. Undwenn er sie an irgendeinem sicheren Ort aufbewahrt hat, dann muss ich wissen, wo. Oder aber ich muss die Bestätigung haben, dass sie in Atlanta ist, und die kann ich mir nur holen, indem ich mit dem Journalisten spreche, mit dem Eric in Verhandlung stand.«
Charlie hörte die Worte, aber sie dachte an etwas anderes: an das, was Terry über die Midlife-Krise gesagt und Linda ihr über Erics letzten Besuch in der Bank berichtet hatte. Sie dachte an das viele Geld im Tresor, an den Einbruch in ihrem Haus und den Ausdruck im Gesicht ihres Mannes, als sie ihm zerknirscht ihren Verdacht bezüglich der Geliebten gestanden hatte, die er nie gehabt hatte. Vor allem Letzteres hielt Charlie sich vor Augen, und dazu die grauenvollen Möglichkeiten, die es beinhaltete.
»Wie haben Sie das Exantrum bei Biosyn hinausgeschmuggelt?«, fragte sie Sharon Pasternak, sich innerlich wappnend.
»Ich habe den Schutzanzug übergezogen und das Zeug in eine Hustensaftflasche gegossen«, antwortete Sharon. »Es war verdammt riskant, aber wenn man irgendwas anderes als diese harmlose Flasche bei mir entdeckt hätte, als ich abends ging, war's aus gewesen mit mir.«
»Ja«, sagte Charlie. »Das verstehe ich.« Und nicht nur das verstand sie. Sie verstand jetzt auch ganz klar, dass für Charlie Lawton das Ende bevorstand.
Charlie wollte in die alte Missionsstation gehen. Zu Sharon sagte sie: »Ich fahre zu unserer Bank und sehe im Schließfach nach. Vielleicht hat Eric die Flasche dort aufbewahrt.«
Sharon war dankbar. »Das wäre eine ungeheure Erleichterung«, sagte sie. »Aber wenn sie wirklich dort ist, dann öffnen Sie sie auf keinen Fall. Am besten versuchen Sie, die Flasche überhaupt nicht zu berühren. Rufen Sie mich einfach an. Hier, ich schreibe Ihnen meine Privatnummer auf. Und hinterlassen Sie eine Nachricht, okay? Sagen Sie, Sie rufen vom Sav-on Drugstore an, nur für den Fall, dass Cabot mein Telefon angezapft hat. Sagen Sie: >Wir haben Ihr Medikament jetzt da<, dann weiß ich, was los ist, und komme zu Ihnen. Okay? Ist alles klar?«
»Ja«, antwortete Charlie schwach. »Sav-on. Alles klar.«
»Gut.«
Und damit trennten sie sich. Sharon brauste in Richtung Dana Point davon, und Charlie ging nicht zu ihrem Wagen im öffentlichen Parkhaus, sondern bog um die Ecke und folgte der Straße zur Missionsstation San Juan Capistrano.
Sie ging langsam den unebenen Fußweg hinter den Missionsmauern entlang, an dem ungestaltete Kakteen und durstiger Mohn standen. Sie schlenderte einfach so dahin, ohne Ziel, weil ihr Ziel keine Bedeutung mehr hatte. Schließlich gelangte sie in die schmale Kapelle, die drei Jahrhunderte zuvor von den kalifornischen Indianern unter Anleitung des gestrengen Zuchtmeisters Junipero Serra erbaut worden war.