Der Dagon-Zyklus, Band 2
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Год: Weltbild Verlag
- ISBN: 3-86047-343-3
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Der Dagon-Zyklus, Band 2». Краткое содержание книги:
»Tor?« McGillycaddy glotzte mich blöde an. »Was soll das heißen?«
Ich wollte antworten, aber ich kam nicht dazu, denn in diesem Moment wurde die Tür aufgestoßen, und eine weitere Gestalt betrat den Raum. Ich glaube, ich war der einzige, der nicht überrascht war. Im Gegenteil - etwas hätte gefehlt, wäre er nicht gekommen.
»Etwas, das Sie niemals begreifen würden, McGillycaddy, selbst wenn wir es Ihnen erklärten«, sagte Bannermann ruhig. McGillycaddy ächzte. Sein Unterkiefer klappte herunter. Von einer Sekunde auf die andere verlor sein Gesicht alle Farbe. Er sah plötzlich aus wie ein Mann, der einem leibhaftigen Gespenst gegenübersteht.
»Bannermann!« keuchte er. »Aber das.., das ist doch völlig... das ist...« Er wimmerte, riß schützend die Arme vor das Gesicht und taumelte zurück, als hätte er einen Schlag bekommen. »Das ist unmöglich!« wimmerte er. »Sie sind tot! Tot! Ich weiß das! Sie... Sie sind...«
»Das ist nicht Bannermann, McGillycaddy«, sagte ich ruhig. Bannermann - das Wesen, das aussah wie Bannermann - lächelte. »Nein«, sagte er ruhig. »Den Menschen Bannermann gibt es nicht mehr. Er hat ihn getötet.« Er deutete auf McGillycaddy, der sich abermals wie unter einem Hieb krümmte und den vermeintlichen Bannermann aus hervorquellenden Augen anstarrte. »Schon vor Tagen, Robert. Wie lange wissen Sie es schon?«
»Daß Sie nicht Bannermann sind?« Ich zuckte mit den Achseln. »Nicht so lange, wie ich es müßte«, gestand ich. »Ich hätte es im ersten Moment bemerken müssen. Sie haben Fehler gemacht.«
»Ich weiß«, gestand das Bannermann-Ding. »Ich hätte Ihnen den Toten nicht zeigen dürfen. Aber ich wollte Sie warnen.«
»Sie konnten nicht wissen, daß diese Männer im Auftrag Necrons hier sind«, bestätigte ich. »Der echte Bannermann weiß nicht einmal, daß es einen Mann dieses Namens gibt. Wer sind Sie?«
»Ein Freund«, antwortete Bannermann. »Wenn das, was Sie mir über das Wort ›Freundschaft‹ erzählt haben, die Wahrheit ist.«
»Ein Freund?« wiederholte ich. »Oder ein Feind meiner Feinde? Das ist ein Unterschied.«
Bannermann schien einen Moment über die Bedeutung meiner Worte nachzudenken, dann machte er eine wegwerfende Geste und deutete zuerst auf das Pentagramm, dann auf den grünen Stein in meiner Hand. »Sie wissen, was Sie dort haben«, sagte er.
Ich nickte. »Den Schlüssel zu diesem Tor«, sagte ich.
»Und das SIEGEL«, fügte Bannermann hinzu. »Die Männer, die Necron gesandt hat, werden wissen, wo es ist, im selben Moment, in dem Sie das Tor öffnen. Sie werden kommen und es holen. Das darf nicht sein.«
Er sprach nicht weiter, aber ich hörte das, was er sagen wollte, so deutlich, als hätte er es gesagt: »Ich werde es verhindern.«
Mit einer fast trotzigen Bewegung schloß ich die Faust um das SIEGEL. »Was erwarten Sie?« fragte ich. »Daß ich zusehe, wie zweihundert Menschen sterben, nur wegen dieses Steines?«
»Es ist weit mehr als nur ein Stein«, sagte Bannermann sanft. »Sie wissen das, Robert.«
»Ich weiß überhaupt nichts«, sagte ich. »Ich weiß nicht einmal, was diese SIEBEN SIEGEL sind, geschweige denn, was sie bewirken. Ich weiß nur, daß dieses Ding die einzige Möglichkeit darstellt, das Leben der Menschen hier an Bord zu retten. Erwarten Sie, daß ich zusehe, wie sie sterben?«
Bannermann starrte mich an, und für einen Moment - einen winzigen, zeitlosen Moment nur, aber mit fast übernatürlicher Klarheit - glaubte ich ihn zu sehen, wie er wirklich war: ein Gigant, drei Yards groß und mit weit gespannten, ledernen Flügeln, dämonenköpfig und mit Augen, die die Ewigkeit geschaut hatten. Eine Bestie. Das Ungeheuer, das den Drachenkrieger getötet hatte.
Aber ich sah noch mehr. Im selben Moment, in dem ich seine wahre körperliche Erscheinungsform sah, spürte ich seine Macht. Eine Macht, die die Grenzen des Vorstellbaren sprengte. Dieselbe unbeschreibliche Macht, die mir geholfen hatte, mehr als zweihundert Menschen gleichzeitig geistig zu beeinflussen. »Sie können es«, behauptete ich. »Sie können das Tor öffnen, ohne den Stein zu benutzen.«
»Das kann ich nicht«, behauptete Bannermann, aber ich fegte seinen Einwand mit der Hand beiseite und sagte noch einmaclass="underline" »Sie können es. Selbst ich habe einmal ein Tor aufgestoßen, und ich bin nichts gegen Sie. Ich habe Ihre Macht gespürt, vergessen Sie das nicht.«
Lange blickte mich das Wesen mit Bannermanns Körper an, und ich spürte die Verwirrung, die meine Worte hinter seiner Stirn hervorriefen.
»Sie haben recht«, sagte er plötzlich. »Ich könnte es. Aber sie würden trotzdem spüren, daß ich es tue. Sie würden kommen.«
»Dann halte ich sie auf«, sagte ich impulsiv.
Bannermann lachte. »Sie? Ein einzelner Mann gegen fünf von ihnen!«
»Ich und McGillycaddy und vier seiner Freunde«, bestätigte ich.
McGillycaddy ächzte. »Hören Sie mal, Craven!« keuchte er. »Wenn Sie glauben, daß meine Männer und ich...«
»Ich glaube«, unterbrach ich ihn scharf, »daß Sie daran interessiert sind, von hier wegzukommen.« Ich musterte ihn kalt. »Sie haben die Wahl, McGillycaddy«, sagte ich. »Sie können mir helfen und den anderen und sich selbst so zumindest eine Chance geben, zu überleben. Oder Sie können hierbleiben und die Minuten zählen, bis das Schiff in den Strudel stürzt. Oder Shannon auftaucht und Ihnen die Kehle durchschneidet.« McGillycaddy erbleichte noch mehr. »Das... das ist Erpressung«, stammelte er. »Sie wissen, daß wir keine Chance haben. Nicht gegen diese Männer.«
»Ich will nicht behaupten, daß sie sehr groß ist«, sagte ich. »Aber wir haben eine Chance. Damit.« Ich hob die Faust, in der ich das SIEGEL trug, und sah Bannermann an. Er nickte.
»Ihr seid ein sonderbares Volk«, sagte er plötzlich. »Du hast gegen Götter gekämpft, um dein Leben zu retten. Und jetzt bist du bereit, es wegzuwerfen, um das anderer willen, die du nicht einmal kennst.«
»Vielleicht ist das der Unterschied zwischen uns«, murmelte ich. »Nun - werden Sie es tun?«
Das Bannermann-Wesen seufzte. »Ja«, sagte es schließlich. »Aber du weißt, daß du nicht nur gegen menschliche Feinde kämpfst? Die Macht, die dieses Schiff vernichten wird, kennt kein Erbarmen. Nicht einmal ich bin in der Lage, sie aufzuhalten.«
»Das verlange ich nicht«, antwortete ich. »Wir haben zwei Stunden. Mehr als genug Zeit, die Leute durch das Tor in Sicherheit zu bringen. Was danach geschieht, werden wir sehen.«
»Das werden wir«, sagte Bannermann. Aber was er damit wirklich sagen wollte, das verstand wohl nur ich.
»Er hat es gefunden«, sagte Shannon.
Er und die vier Krieger, die ihm geblieben waren, befanden sich in einem kleinen, fensterlosen Raum weit vorne am Bug des Schiffes. Sie saßen auf dem Boden, mit untergeschlagenen Beinen und nach vorn geneigt, die Hände ineinander verschränkt, so daß sie einen unregelmäßigen Kreis mit fünf Eckpunkten bildeten. Aber stärker als ihre Körper berührten sich ihre Geister, bildeten ein Zentrum pulsierender Kraft und sandten unsichtbare, tastende Finger hinaus in die Tiefe des Schiffes. Shannon sah das, was in der kleinen Kammer am anderen Ende der Dagon vorging, so deutlich, als stünde er daneben.
Mit ihm sahen es die vier anderen Krieger. Und er spürte ihr Erschrecken, als sie die Dämonengestalt durch Robert Cravens Augen erblickten.
»Scheijtan!« entfuhr es einem der Männer.
Shannon sah den Krieger strafend an. »Schweig!« schnappte er. »Dies ist nichts, was uns anginge!«
Der Mann sah auf. Ein trotziger Funke erwachte in seinem Blick. »Sie haben das SIEGEL!« sagte er zornig. »Worauf warten wir noch? Holen wir es!«
Shannon wollte widersprechen, aber dann fühlte er, daß jedes weitere Wort das Mißtrauen der Krieger nur weiter schüren würde, nickte statt dessen und löste seine Finger aus denen seiner beiden Nachbarmänner, um aufzustehen. Lautlos wie Schatten erhoben sich auch die vier anderen Krieger.