Paganinis Fluch
- Автор: Кеплер Ларс
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Переводчик: Paul Berf
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Paganinis Fluch». Краткое содержание книги:
Svetlana bewegt sich schnell im Ring, ihre rechte Hand ist eifrig, ein bisschen übereifrig. Sie ist so scharf darauf, Saga zu besiegen, dass sie den Aktionen ihrer Gegnerin nicht mehr genügend Aufmerksamkeit schenkt, sondern die Sache mit einer oder mehreren rechten Geraden beenden will. Sie glaubt, Saga wäre so benommen, dass sie die Schläge problemlos durch ihre Deckung hämmern kann. Doch Saga Bauer ist nicht geschwächt, im Gegenteil, sie ist hoch konzentriert. Sie tänzelt ein wenig auf der Stelle, erwartet ihre vorpreschende Gegnerin und hält sich die Handschuhe vors Gesicht, als wollte sie sich nur verteidigen. Im richtigen Moment macht sie dann eine überraschende Schulter-Fuß-Kombination, sodass sie mit einem Ausfallschritt nach vorn aus der Schlaglinie der Angreiferin gleitet. Saga gelangt neben Svetlana und sammelt ihre gesamte Bewegungskraft in einem Körpertreffer direkt auf den Solarplexus der anderen Frau.
Sie spürt den Rand von Svetlanas Brustschutz durch ihren Handschuh, als der Körper der Frau einfach nach vorn klappt. Der nächste Schlag geht fast vorbei, Saga trifft gerade noch Svetlanas Scheitel, aber der dritte ist ein lupenreiner Volltreffer, von unten, direkt auf den Mund und sehr hart.
Svetlanas Kopf wird nach hinten geschleudert. Schweiß und Rotz spritzen in die Schlagrichtung. Der dunkelblaue Mundschutz flattert davon. Svetlanas Knie brechen ein, und sie plumpst hilflos zu Boden, rollt einmal herum und bleibt kurz liegen, ehe sie sich wieder bewegt.
Nach dem Kampf steht Saga Bauer in der Damenumkleide und spürt, dass sich ihr Körper allmählich beruhigt. Sie hat einen seltsamen Geschmack im Mund, eine Mischung aus Blut und Kleister. Sie musste die Zähne zur Hilfe nehmen, um das Textilklebeband um die Schnürung der Handschuhe zu entfernen. Die Tür des Blechschranks, in dem ihre Kleider hängen, steht offen, das Hängeschloss liegt auf der Bank. Sie sieht sich im Spiegel und wischt rasch einige Tränen fort. Als Folge des harten Treffers, den ihre Gegnerin landen konnte, brennt und pocht ihre Nase. Zu Beginn waren ihre Gedanken nicht beim Kampf, sondern bei dem Gespräch mit ihrem Chef und dem Leiter der Landeskriminalpolizei und bei der Entscheidung, dass sie und Joona Linna zusammenarbeiten sollen.
Auf der Schranktür klebt ein Sticker mit der Aufschrift »Södertälje Rockets« und dem Bild einer Rakete, die eher wie ein wütender Hai aussieht.
Sagas Hände zittern, als sie die Shorts, das Suspensorium und den Slip, das schwarze Hemd und den BH mit Brustschutz auszieht. Fröstelnd geht sie in die gekachelte Dusche und stellt sich in eine der Kabinen. Das Wasser läuft über Nacken und Rücken. Sie verdrängt den Gedanken an Joona und spuckt blutvermischten Speichel in den Bodenabfluss.
Als sie in die Umkleide zurückkehrt, halten sich dort etwa zwanzig Frauen auf. Sie sind nach einer Trainingseinheit Powergymnastik dorthin zurückgekehrt. Saga merkt nicht, dass die anderen Frauen innehalten und bei ihrem Anblick glänzende Augen bekommen. Saga Bauer ist sehr schön. Auf eine Art, die den Betrachter weich macht, innerlich schwach werden lässt. Vielleicht ist es ihre Verwandtschaft mit dem Märchenzeichner John Bauer, die an eine Elfe oder Fee erinnert. Ihr Gesicht ist fein geschnitten und symmetrisch, gänzlich ungeschminkt, die Augen sind groß und blau wie ein Sommerhimmel. Saga Bauer ist ein Meter siebzig groß und trotz strotzender Muskeln und blauer Flecken zart gebaut. Die meisten Menschen würden wohl eher auf eine Balletttänzerin tippen, wenn sie Saga so sehen würden, und nicht auf eine Spitzenboxerin und Kommissarin beim Staatsschutz.
Der berühmte Märchenzeichner und Künstler John Bauer hatte zwei Brüder, Hjalmar und Ernst, und Ernst, der jüngste Bruder, ist Sagas Urgroßvater. Sie erinnert sich noch, wie der Großvater ihr von seinem Vater und dessen Trauer erzählte, als der berühmte große Bruder John mit seiner Ehefrau Esther und dem kleinen Sohn in einer Novembernacht im See Vättern, nur ein paar Hundert Meter vom Hafen in Hästholmen entfernt, ertrank.
Drei Generationen später bekamen John Bauers Gemälde ein eigentümliches Spiegelbild in der Wirklichkeit. Saga erinnert alle an die schimmernde Prinzessin Tuvstarr, die ganz ohne Furcht vor den großen dunklen Trollen steht.
Saga weiß, dass sie eine kompetente Kommissarin ist, obwohl sie bisher noch nicht eine Ermittlung eigenständig zu Ende führen durfte. Sie ist daran gewöhnt, dass man ihr die Arbeit wegnimmt, sie ist daran gewöhnt, nach wochenlangem Engagement abgezogen zu werden, sie ist daran gewöhnt, überfürsorglich behandelt und bei Einsätzen übergangen zu werden.
Sie ist daran gewöhnt, aber das heißt noch lange nicht, dass es ihr auch gefällt.
Saga Bauer wurde zunächst an der Polizeihochschule ausgebildet und erreichte Bestnoten, erhielt anschließend beim Staatsschutz eine Spezialausbildung in Terrorbekämpfung, ist mittlerweile Kommissarin und widmet sich sowohl ermittelnden als auch operativen Aufgaben. Sie ist stets darauf bedacht gewesen, sich fortzubilden und gleichzeitig ein hartes körperliches Training zu absolvieren. Sie läuft täglich, zwei Mal in der Woche ist sie beim Sparring oder bestreitet Kämpfe und mit ihrer Glock 21 und dem Scharfschützengewehr 90 der Polizei macht sie jede Woche Schießübungen.
Saga wohnt mit Stefan Johansson zusammen, der in einer Jazzband spielt, die sich Red Bop Label nennt und auf dem Label ACT Music sieben Platten veröffentlicht hat. Für die wehmütige Improvisationsplatte »A Year Without Esbjörn« wurde die Gruppe mit einem Grammy ausgezeichnet. Wenn Saga von ihrer Arbeit oder vom Training nach Hause kommt, lümmelt sie meistens auf der Couch, isst Süßigkeiten und sieht sich einen Film ohne Ton an, während Stefan stundenlang Klavier spielt.
Saga kommt aus der Sporthalle und sieht ihre Gegnerin an den Betonpollern warten.
»Ich wollte mich für den Kampf bedanken und dir gratulieren«, sagt Svetlana.
Saga bleibt stehen.
»Danke gleichfalls.«
Svetlana errötet leicht.
»Du bist verdammt gut.«
»Genau wie du.«
Svetlana senkt den Blick und lächelt. Zwischen den kantig geschnittenen Sträuchern rund um den Parkplatz vor dem Eingang liegt Müll.
»Nimmst du den Zug?«, fragt Saga.
»Ja, ich muss jetzt wohl mal los.«
Svetlana nimmt ihre Tasche, bleibt dann aber stehen, hat noch etwas auf dem Herzen, zögert jedoch.
»Saga … Ich möchte mich bei dir für meinen Freund entschuldigen«, sagt sie schließlich. »Ich weiß nicht, ob du gehört hast, was er da so alles gerufen hat. Das war jedenfalls das letzte Mal, dass er mitkommen durfte.«
Svetlana räuspert sich und geht los.
»Warte mal«, ruft Saga ihr hinterher. »Wenn du willst, fahre ich dich schnell zum Bahnhof.«
Spende Boerse
39
Weiter weg
Penelope läuft den Anstieg hinauf, stolpert auf den losen Steinen, rutscht weg und stützt sich mit der Hand ab, sodass der Stoß ihr in Schulter und Rücken fährt, sie schürft sich die Haut auf und stöhnt. Schmerz strahlt von ihrem Handgelenk aus. Sie ist außer Atem, hustet und wirft einen Blick zurück, zwischen die Bäume unter ihr, in das Dunkel zwischen den Stämmen, voller Furcht, dort abermals ihren Verfolger zu sehen.