Die Piratenstadt von Gor
- Автор: Норман Джон
- Год: 1975
- Язык: немецкий
- Переводчик: Thomas Schluck
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «Die Piratenstadt von Gor». Краткое содержание книги:
Als Bosk wird er der gefürchtetste Kaperkapitän und schließlich der mächtigste Mann in Port Kar, das er vor dem Untergang bewahrt und dem er einen Heimstein schenkt. Aber was ist Berühmtheit und Macht gegen Ehre und Selbstachtung? Bis Tarl Cabot erfährt, daß seine Erniedrigung eine abgekartete Sache war, die seinen Stolz brechen sollte und ihm seine Grenzen zeigen – nur ein weiterer Schritt seiner jahrelangen Ausbildung für die Mission, die er eines Tages im Dienst der Priesterkönige erfüllen soll.
»Ich denke, zum Rat der Kapitäne«, sagte einer der Vorbeieilenden. »Es heißt, wir haben jetzt einen Heimstein in Port Kar.«
Und Männer hinter ihm riefen: »Ja, es gibt einen Heimstein in Port Kar!« Dieser Ruf wurde von Tausenden aufgenommen, und überall hielten Menschen in ihrer Flucht inne, Boote kamen ins Stocken, Menschen stürzten aus den Eingängen ihrer Häuser. Ich sah, wie Waffen gezogen wurden und hinter uns, zu Tausenden jetzt, kamen die Bürger Port Kars, folgten uns zum großen Platz vor dem Ratsgebäude der Kapitäne.
Noch ehe der Mann im Bug meines Boots das Seil ans Ufer geworfen hatte, war ich hinübergesprungen und eilte mit fliegender Robe auf das große Ratsportal zu.
Vier Mitglieder der Ratswache salutierten, indem sie ihre Lanzenschäfte gegen den Boden schlugen.
Ich hastete an ihnen vorbei in den Ratssaal.
Auf mehreren Tischen flackerten Kerzen. Papiere lagen herum. Nur wenige Schreiber oder Pagen waren zu sehen. Von den siebzig oder achtzig Kapitänen, die sonst die Versammlungen besuchten, waren höchstens vierzig anwesend. Als ich eintrat, verließen eben wieder zwei die Halle.
Der Schreiber, der mit ernstem Gesicht hinter dem großen Tisch saß, blickte mich sorgenvoll an. Ich sah mich um.
Die Kapitäne schwiegen. Samos saß auf seinem Platz. Das kurze weiße Haar schimmerte zwischen seinen Fingern hindurch; er hatte den Kopf in die Hände gestützt. Zwei weitere Kapitäne standen auf und verließen die Versammlung.
Einer blieb neben Samos stehen. »Mach deine Schiffe bereit«, drängte er. »Wir haben nicht mehr viel Zeit.«
Samos schüttelte den Kopf.
Ich nahm meinen Sitz ein. »Ich bitte ums Wort«, sagte ich zu dem Schriftgelehrten, als handele es sich um eine ganz gewöhnliche Sitzung.
Die Kapitäne blickten auf.
»Sprich«, sagte der Schreiber.
»Wie viele von euch«, wandte ich mich an die Kapitäne, »sind bereit, die Stadt zu verteidigen?«
Bejar, der große langhaarige Kapitän, saß auf seinem Platz. »Spotte nicht, Kapitän«, sagte er aufgebracht. »Die meisten Schiffseigner sind bereits geflohen. Hunderte von kleinen Schiffen, Rundschiffe und Langschiffe, verlassen den Hafen. Das Volk flieht. Panik hat die Stadt gepackt. Wir finden keine Schiffe für den Kampf.«
»Das Volk flieht«, fiel Antisthenes ein. »Es wird nicht kämpfen – wie es von den Bürgern Port Kars auch nicht anders zu erwarten ist.«
»Wer will wissen, wie das Volk von Port Kar wirklich ist?« fragte ich.
Samos hob den Kopf und sah mich an.
»Hört doch!« rief ich. »Hört das Volk! Es wartet draußen!«
Die Männer des Rats hoben lauschend die Köpfe. Durch die dicken Wände, durch die schmalen Fenster des Ratssaals ertönten laute, fordernde Rufe.
Bejar riß sein Schwert aus der Scheide. »Sie wollen uns töten!« sagte er.
Samos hob die Hand. »Nein«, sagte er, »hört doch!«
»Was schreien sie?« fragte ein Mann.
Ein Page hastete in den Saal. »Das Volk!« rief er. »Es drängt sich auf dem Platz! Fackeln! Tausende!«
»Was rufen sie?« fragte Bejar.
»Sie rufen«, sagte der Junge, »daß es in Port Kar einen Heimstein gibt.«
»Das stimmt nicht«, sagte Antisthenes.
»Doch«, sagte ich.
Die Kapitäne starrten mich verständnislos an.
Samos warf den Kopf in den Nacken und lachte dröhnend, schlug mit den Fäusten auf die Armlehnen seines Ratssessels. Nach und nach fielen die Kapitäne ein.
»Es gibt keinen Heimstein in Port Kar!« lachte Samos atemlos.
»Ich habe ihn gesehen!« sagte da eine Stimme neben mir. Verblüfft drehte ich mich um. Der Sklavenjunge Fisch war mir gefolgt. Sklaven dürfen nicht in die Ratshalle der Kapitäne.
»Fesselt den Sklaven und peitscht ihn aus!« rief der Schreiber.
»Aber ich habe den Heimstein von Port Kar gesehen.«
»Es gibt keinen solchen Stein«, sagte Samos.
Langsam zog ich den Stein aus meiner Robe. Niemand sagte ein Wort. Alle Blicke waren auf mich gerichtet.
»Das ist der Heimstein der Stadt«, sagte Fisch.
Die Männer schwiegen.
»Kapitäne«, sagte ich, »begleitet mich auf die Treppe vor dem Gebäude.«
Als ich den Ratssaal verließ, folgten sie mir, und Sekunden später stand ich oben auf der breiten Marmortreppe, die zum Ratsplatz hinabführt.
»Bosk!« riefen die Leute. »Bosk kommt, unser Admiral!«
Ich schaute über die vieltausendköpfige Menge, über der Hunderte von Fackeln flackerten. Ich sah Kanäle im Hintergrund, die voller Boote waren, gefüllt mit Menschen, die ebenfalls Fackeln hielten, deren Feuer sich an den Wänden und im Wasser spiegelte.
Ich schwieg eine Zeitlang, starrte die Menge an. Dann, abrupt, hob ich beide Arme und hielt den Stein hoch.
»Ich habe ihn gesehen!« rief ein Mann ergriffen. »Ich habe den Heimstein von Port Kar gesehen!«
»Der Heimstein von Port Kar!« riefen Tausende. »Der Stein!«
Jubelgeschrei brandete auf, Schreie, Pfiffe, Waffen und Fackeln wurden geschwenkt. Ich sah Männer und Frauen weinen. Ich sah, wie Väter ihre Söhne auf die Schultern hoben, damit sie den Stein sehen konnten.
»Ich verstehe dich jetzt«, sagte Samos, der neben mir stand und dessen Stimme bei dem Lärm kaum zu hören war. »Es gibt ja wirklich einen Heimstein in Port Kar.«
»Du bist nicht geflohen«, sagte ich, »ebensowenig wie die anderen Kapitäne und diese Menschen.«
Er starrte mich an.
»Ich glaube«, fuhr ich fort, »es hat immer einen Heimstein in Port Kar gegeben. Er ist nur erst heute gefunden worden.«
Samos lächelte. »Ich glaube, du hast recht«, sagte er und blickte über die tobende Menge. »Ich glaube, du hast recht.«
17
Ich stand im schwankenden Korb am Mast der Dorna, das Fernglas in den Händen.
Es war ein herrlicher Anblick, die gewaltigen Reihen der Schiffe in der Ferne, die den ganzen Horizont ausfüllten, ihre Segel viele tausend gelbe und purpurne Flaggen in der Sonne der neunten goreanischen Stunde, eine Ahn vor der Mittagswende. Tyros und Cos hatten ihr gesamtes Schiffspotential aufgeboten.
Bei der Eile, mit der wir unsere Formationen gebildet und Schlachtpläne geschmiedet hatten, war ich mir gar nicht einmal sicher, wie viele Schiffe auf unserer Seite zum Einsatz kamen. Meiner Schätzung nach führten wir etwa zweitausendfünfhundert Schiffe, freilich vierzehnhundert davon nur Rundschiffe, gegen die vereinte Flotte von Cos und Tyros in die Schlacht, die etwa viertausendzweihundert Einheiten zählte – und zwar ausschließlich Tarnschiffe. Wir hatten alle verfügbaren Arsenalschiffe aufgebracht, etwa siebenhundert von tausend. Es waren so viele Schiffe im Arsenal gewesen, weil das Jahr bereits weit fortgeschritten war und in den Wintermonaten die Seefahrt mit Rammschiffen fast zum Erliegen kam. Von den rund siebenhundert Arsenalschiffen waren etwa dreihundertundvierzig Tarnschiffe und dreihundertundsechzig Rundschiffe. Unsere Flotte wurde weiterhin durch etwa vierzehnhundert Schiffe privater Eigner ergänzt, zumeist Rundschiffe. Außerdem verfügten wir über dreihundertundfünfzig Schiffe von den Kapitänen des Rats, die noch nicht aus der Stadt geflohen waren. Von diesen dreihundertundfünfzig Schiffen gehörten zum Glück etwa zweihundert der Tarnklasse an. Zu dieser Gruppe zählten auch meine Einheiten. Schließlich hatte ich zu meiner Überraschung und Freude auch fünfunddreißig Schiffe von zwei Ubars aus Port Kar in Dienst nehmen können, zwanzig von Chung und fünfzehn von Nigel. Mehr Schiffe besaßen diese beiden Ubars nach den Bränden im En’Kara nicht. Einheiten von Eteocles oder Sullius Maximus waren der Flotte nicht überschrieben worden, auch hatte sich Henrius Sevarius nicht an der Aktion beteiligt, dessen Regent Claudius natürlich andere Pläne hatte.
Ohne das »Auffinden« des Heimsteins wäre es uns wahrscheinlich nicht gelungen, mehr als vier- oder fünfhundert Schiffe gegen Cos und Tyros ins Gefecht zu schicken.
Ich ließ das Fernglas zuschnappen und kletterte über die schmale Strickleiter zum Deck der Dorna hinab. Kaum hatte ich einen Fuß auf das Holz gesetzt, als ich in der Nähe meinen Sklaven Fisch erblickte.