Feuer und Stein: 1 (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #1
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Feuer und Stein: 1 (German Edition)». Краткое содержание книги:
Um dem vorzubeugen, was eine Reihe zunehmend geschmackloser persönlicher Bemerkungen zu werden versprach, beschloss ich, dass es an der Zeit war, offiziell zu erwachen. Ich räkelte mich gähnend und setzte mich hin. Dabei rieb ich mir demonstrativ die Augen, um keinen der beiden ansehen zu müssen.
»Mmmm. Ich muss eingeschlafen sein«, sagte ich und blinzelte sie geziert an. Jamie, der ziemlich rot um die Ohren geworden war, widmete sich mit leidenschaftlicher Inbrunst dem Zusammenpacken der Picknickreste. Alec blickte auf mich hinunter, als bemerkte er mich erst jetzt.
»Interessiert Ihr Euch für Pferde, Kleine?«, wollte er wissen. Unter den Umständen konnte ich ja kaum nein sagen. Nachdem ich ihm zugestimmt hatte, dass Pferde wirklich sehr interessant waren, kam ich in den Genuss eines detaillierten Vortrags über die junge Stute auf der Koppel, die jetzt verschlafen dastand und hin und wieder mit dem Schweif nach einer Fliege schlug.
»Ihr dürft gern jederzeit kommen und sie Euch ansehen«, schloss Alec, »solange Ihr nicht so nah herangeht, dass Ihr die Pferde ablenkt. Sie müssen nämlich arbeiten.« Das war eindeutig als Verabschiedung gedacht, doch ich ließ mich nicht beirren, denn mir fiel wieder ein, warum ich eigentlich hergekommen war.
»Ja, ich werde aufpassen«, versprach ich. »Aber ehe ich zur Burg zurückgehe, wollte ich einen Blick auf Jamies Schulter werfen und die Verbände abnehmen.«
Alec nickte bedächtig, doch zu meiner Überraschung war es Jamie, der mich zurückwies und sich abwandte, um zur Koppel zurückzugehen.
»Ah, das kann etwas warten«, sagte er und wich meinem Blick aus. »Heute ist noch viel zu tun; vielleicht später nach dem Abendessen, aye?« Das kam mir seltsam vor; er hatte es doch vorhin nicht eilig gehabt, sich wieder an die Arbeit zu machen. Aber ich konnte ihn kaum zwingen, meine Zuwendungen über sich ergehen zu lassen. Achselzuckend erklärte ich mich bereit, ihn nach dem Essen zu sehen, und wandte mich bergauf, um zur Burg zurückzumarschieren.
Unterwegs dachte ich über die Form der Narbe an Jamies Hinterkopf nach. Es war keine gerade Linie, wie ein englisches Breitschwert sie hinterlassen hätte. Die Wunde war gekrümmt, als wäre sie durch eine abgerundete Klinge erzeugt worden. Eine Klinge wie die einer Lochaberaxt? Doch soweit ich wusste, hatten nur Highlandschotten diese mörderischen Äxte getragen – oder sie trugen sie, verbesserte ich mich.
Erst als ich ging, fiel es mir auf. Für einen jungen Mann, der auf der Flucht war und unbekannte Feinde hatte, hatte Jamie einer Fremden bemerkenswert viel anvertraut.
Nachdem ich den Picknickkorb in die Küche gebracht hatte, kehrte ich in das Sprechzimmer des verstorbenen Beaton zurück, das nach der Heimsuchung durch Mrs. Fitz’ energische Helferinnen jetzt makellos sauber war. Selbst die Dutzende von Glasflaschen im Schrank glänzten im dumpfen Licht des Fensterschlitzes.
Der Schrank schien mir ein guter Ausgangspunkt zu sein, da ich bereits über eine Liste der Kräuter und Medikamente verfügte. Ehe mich am Abend zuvor der Schlaf überwältigte, hatte ich einige Zeit damit verbracht, das blaue, in Leder gebundene Buch durchzublättern, das ich aus dem Sprechzimmer mitgenommen hatte. Es entpuppte sich als Des Arztes Leitfaden und Handbuch – eine Auflistung von Rezepten zur Behandlung diverser Symptome und Krankheiten, deren Zutaten ich offensichtlich hier finden würde.
Das Buch war in mehrere Rubriken unterteilt: »Bitterkräuter, Brechmittel und Electuarien«, »Pillen und Pastillen«, »Diverse Pflaster und ihre Tugenden«, »Tränke und Gegengifte« und ein ziemlich umfangreicher Teil, dessen Überschrift ominöserweise nur aus dem Wort »Purgiermittel« bestand.
Nachdem ich mir einige der Rezepte durchgelesen hatte, wurde mir der Grund für Davie Beatons Mangel an Heilerfolgen klar. »Bei Kopfschmerzen«, lautete ein Eintrag, »nehme man einen Pferdeapfel, der sorgfältig zu trocknen und dann zu Pulver zu zerstampfen ist. Das Ganze ist mit heißem Ale verrührt zu trinken.« Oder: »Gegen Krämpfe bei Kindern setze man fünf Blutegel hinter das Ohr.« Und ein paar Seiten weiter: »Ein Trank aus Schöllkrautwurzel, Gelbwurz und dem Saft von 200 Asseln verfehlt seine Wirkung bei Gelbsucht nicht.« Ich schloss das Buch und staunte über die große Anzahl von Patienten, die seine Behandlung den gewissenhaften Angaben in seinem Büchlein zufolge nicht nur überlebt hatten, sondern sich sogar von ihren ursprünglichen Beschwerden erholt hatten.
In der ersten Reihe des Schranks stand ein großes braunes Glas mit mehreren verdächtig aussehenden Kugeln, und angesichts von Beatons Rezepten schwante mir schon, was es wohl war. Ich drehte es um und las triumphierend das handgeschriebene Etikett: Pferdeapfel. Da ich mir dachte, dass eine solche Substanz durch längere Aufbewahrung vermutlich nicht gewann, stellte ich das Glas vorsichtig beiseite, ohne es zu öffnen.
Weitere Nachforschungen brachten zutage, dass Purles Ovis die lateinische Version einer ähnlichen Substanz war, diesmal vom Schaf. Mauseohr erwies sich ebenfalls – wie der Name schon sagte – als tierischen, nicht pflanzlichen Ursprungs; ich schob das Fläschchen mit den winzigen getrockneten rosa Öhrchen mit einem kleinen Schauder beiseite.
Außerdem hatte ich mich gefragt, was die »Asseln« wohl waren, die eine wichtige Zutat in einer ganzen Reihe von Arzneien waren, daher freute ich mich über den Anblick einer verkorkten Flasche mit diesem Namen auf dem Etikett. Die Flasche war etwa halb voll mit etwas, das kleine graue Pillen zu sein schienen. Diese hatten kaum mehr als einen Durchmesser von einem halben Zentimeter und waren so vollkommen gerundet, dass ich schon über Beatons Portionierungskünste staunte. Dann sah ich die feinen Einkerbungen, die über jede »Pille« hinwegliefen, und die mikroskopischen Beinchen, die in der Mitte zusammengefaltet waren. Hastig stellte ich die Flasche zur Seite, wischte mir die Hände an der Schürze ab und fügte der Liste in meinem Kopf einen weiteren Eintrag hinzu. »Asseln« gleich »Kellerasseln«.
Es fand sich auch eine Reihe mehr oder weniger harmloser Substanzen in Beatons Gläsern, und einige Gefäße enthielten sogar getrocknete Kräuter oder Extrakte, die möglicherweise tatsächlich helfen konnten. Ich entdeckte die in Essig eingelegte Iriswurzel, die Mrs. FitzGibbons zur Behandlung von Jamie MacTavishs Verletzungen benutzt hatte. Außerdem Engelwurz, Beifuß, Rosmarin und eine Flasche, die mit Stinkender Arag beschriftet war. Ich öffnete sie vorsichtig, doch es waren nur Fichtenknospen, die einen angenehmen Balsamduft ausströmten. Diese Flasche ließ ich offen und stellte sie auf den Tisch, um die Luft in der dunklen kleinen Kammer zu parfümieren, während ich mit meiner Inventur fortfuhr.
Ich entsorgte Gläser mit getrockneten Schnecken, Öl vom Regenwurm, was genau dies zu sein schien, Vinum Millepedatum, zerstampfte, in Wein eingelegte Tausendfüßler, Pulver der ägyptischen Mumie, das vermutlich eher von einem lehmigen Flussufer stammte als aus der Grabkammer eines Pharaos, Blut der Taube, Ameiseneier, einige sorgfältig in Moos eingepackte getrocknete Kröten und Totenschädel, zerstoßen. Wessen, bitte sehr?, fragte ich mich schaudernd.
Es dauerte fast den ganzen Nachmittag, die Schränke und die zahlreichen Schubladen zu durchforsten. Als ich fertig war, stand ein großer Berg aussortierter Gläser, Schachteln und Flaschen vor der Tür und harrte der Vernichtung, und eine deutlich kleinere Sammlung möglicherweise nützlicher Mittel war wieder im Schrank verstaut.
Über ein großes Paket mit Spinnweben hatte ich länger nachgedacht. Sowohl Beatons Leitfaden als auch meine eigenen vagen Erinnerungen an die Volksheilkunde besagten, dass sich Spinnenfäden als Wundverband eigneten. Ich hätte zwar spontan dazu tendiert, dies für extrem unhygienisch zu halten, doch meine Erfahrung mit Leinenbandagen am Straßenrand hatte mich gelehrt, wie wünschenswert es war, Verbandsmaterial zu haben, das sowohl haftfähig als auch saugkräftig war. Schließlich stellte ich die Spinnweben wieder in den Schrank und nahm mir vor, herauszufinden, ob sie sich wohl irgendwie sterilisieren ließen. Nicht durch Abkochen, dachte ich. Vielleicht konnte man sie mit Dampf reinigen, ohne dass ihre Haftfähigkeit verlorenging?