Der Funke Leben
- Автор: Ремарк Эрих Мария
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Der Funke Leben». Краткое содержание книги:
»Wasser«, sagte ein Mann heiser neben ihm. »Wasser! Gebt uns um Christi willen Wasser!«
Jemand brachte einen Blecheimer heran, der halb voll Wasser war. Die Neuen stürzten sich darüber und warfen ihn um; sie hatten nichts, womit sie trinken konnten, als ihre hohlen Hände. Sie warfen sich auf den Boden und versuch» ten, das Wasser damit aufzuschöpfen. Sie stöhnten. Ihre Lippen waren schwarz und schmutzig. Sie leckten den Boden ab.
Berger hatte gesehen, daß Sulzbacher und Rosen nicht bei der Attacke mitgemacht hatten. »Wir haben eine Wasserleitung neben der Latrine«, sagte er. »Sie rinnt nur; aber es wird mit der Zeit genug sein zum Trinken. Nehmt Eimer und holt es.«
Einer der Neuen fletschte die Zähne. »Damit ihr uns inzwischen das Essen wegfreßt, was?«
»Ich werde gehen«, sagte Rosen und nahm den Eimer.
»Ich auch.« Sulzbacher faßte die andere Seite des Henkels.
»Bleib du hier«, sagte Berger »Bucher kann mitgehen und es ihm zeigen.«
Die beiden gingen. »Ich bin hier Stubenältester«, sagte Berger zu den Neuen. »Wir haben Ordnung hier. Ich rate euch, mitzumachen. Ihr habt sonst ein kurzes Leben.«
Niemand antwortete. Berger wußte nicht, ob ihm überhaupt jemand zugehört hatte.
»Ist Platz in den Baracken?« fragte Sulzbacher nach einer Weile noch einmal.
»Nein. Wir müssen abwechselnd schlafen. Ein Teil muß draußen bleiben.«
»Gibt es noch etwas zu essen? Wir sind den ganzen Tag marschiert und haben nichts bekommen.«
»Die Essenholer sind zur Küche gegangen.« Berger sagte nicht, daß er glaubte, für die Neuen würde kein Essen ausgegeben werden.
»Ich heiße Sulzbacher. Ist dies ein Vernichtungslager?«
»Nein.«
»Sicher nicht?«
»Nein.«
»Oh, Gott sei Dank! Habt ihr keine Gaskammern?«
»Nein.«
»Gott sei Dank«, wiederholte Sulzbacher.
»Du redest, als wärst du im Hotel«, sagte Ahasver. »Warte nur erst ab. Woher kommt ihr?«
»Wir sind seit fünf Tagen unterwegs. Zu Fuß. Wir waren dreitausend. Unser Lager ist aufgelöst worden. Wer nicht weiterkonnte, wurde erschossen.«
»Woher kommt ihr?«
»Von Lohme.«
Ein Teil der Neuen lag noch auf dem Boden. »Wasser!« krächzte einer. »Wo bleibt der mit dem Wasser? Säuft sich selber voll – das Schwein!«
»Würdest du das nicht auch machen?« fragte Lebenthal.
Der Mann starrte ihn mit leeren Augen an. »Wasser!« sagte er ruhiger. "Wasser, bitte!«
»Ihr kommt von Lohme?« fragte Ahasver.
»Ja.«
»Kanntet ihr dort einen Martin Schimmel?«
»Nein.«
»Oder Moritz Gewürz? Einen mit einer eingeschlagenen Nase und ohne Haar.«
Sulzbacher dachte müde nach. »Nein.«
»Oder vielleicht Gedalje Gold? Er hatte nur ein Ohr«, fragte Ahasver hoffnungsvoll.
»Das fällt doch auf. Er war im Block 12.«
»Zwölf?«
»Ja. Vor vier Jahren.«
»O Gott!« Sulzbacher wandte sich ab. Die Frage war zu idiotisch. Vor vier Jahren!
Warum nicht vor hundert?
»Laß ihn in Ruhe, Alter«, sagte 509. »Er ist müde.«
»Wir waren Freunde«, murmelte Ahasver. »Man fragt nach Freunden.«
Bucher und Rosen kamen mit dem Wassereimer. Rosen blutete. Sein Chorhemd war an der Schulter zerrissen; seine Jacke stand offen. »Die Neuen schlagen sich um das Wasser«, sagte Bucher. »Mahner hat uns gerettet. Er hat drüben Ordnung gemacht. Sie stehen jetzt an, um Wasser zu empfangen. Wir müssen es hier auch tun, sonst schmeißen sie den Eimer wieder um.«
Die Neuen hatten sich erhoben. »Anstellen«, rief Berger. »Jeder kriegt was. Wir haben für alle.
Wer sich nicht anstellt, kriegt nichts!«
Sie gehorchten bis auf zwei, die vorstürzten. Sie schlugen sie mit Knüppeln nieder.
Dann holten Ahasver und 509 ihre Becher, und einer nach dem anderen trank. »Laß uns sehen, ob wir noch was kriegen können«, sagte Bucher zu Rosen und Sulzbacher, als der Eimer leer war.
»Jetzt wird es nicht mehr gefährlich sein.«
»Wir waren dreitausend«, sagte Sulzbacher mechanisch und ohne Sinn.
Die Essenholer kamen zurück. Sie hatten für die Neuen nichts erhalten. Es entstand sofort Krach.
Vor Sektion A und B prügelten sich die Leute. Die Stubenältesten dort konnten wenig ausrichten.
Sie hatten fast nur Muselmänner, und die Neuen waren geschickter und noch nicht so ergeben.
»Wir müssen etwas abgeben«, sagte Berger leise zu 509.
»Höchstens Suppe. Kein Brot. Wir brauchen es mehr als sie. Wir sind schwächer.«
»Deshalb müssen wir ihnen etwas abgeben. Sie nehmen es sich sonst selbst. Du siehst es drüben.«
»Ja, aber nur Suppe. Das Brot brauchen wir selbst. Laß uns mit dem sprechen, der Sulzbacher heißt.«
Sie holten ihn. »Hör zu«, sagte Berger. »Wir haben nichts für euch bekommen heute abend. Aber wir werden unsere Suppe mit euch teilen.« »Danke«, erwiderte Sulzbacher.
»Was?«
»Danke.«
Sie sahen ihn verwundert an. Es war im Lager nicht üblich, zu danken. »Kannst du uns dabei helfen?« fragte Berger. »Sonst schmeißen eure Leute wieder alles um, und diesmal gibt es nichts Neues. Ist noch jemand da, der zuverlässig ist?«
»Rosen. Und die zwei neben ihm.«
Die Veteranen und die vier Neuen gingen den Essenholern entgegen und scharten sich um sie.
Berger hatte vorher dafür gesorgt, daß alle anderen in Reihe anstanden. Erst dann brachten sie das Essen heran.
Sie stellten sich zusammen und begannen zu verteilen. Die Neuen hatten keine Näpfe.
Sie mußten ihre Portionen stehend essen und dann die Näpfe zurückgeben. Rosen paßte auf, daß niemand zweimal kam. Einige der alten Insassen schimpften. »Ihr bekommt die Suppe morgen zurück«, sagte Berger. »Sie ist nur geliehen.« Dann wandte er sich an Sulzbacher. »Wir brauchen das Brot selbst. Unsere Leute sind schwächer als ihr. Vielleicht wird morgen früh etwas für euch ausgegeben.«
»Ja. Danke für die Suppe. Wir geben sie morgen zurück. Wie sollen wir schlafen?«
»Wir werden einige von unseren Betten frei machen. Ihr müßt sitzend schlafen. Für alle ist auch dann kein Platz.« »Und ihr?«
»Wir bleiben hier draußen. Später wecken wir euch und wechseln ab.« Sulzbacher schüttelte den Kopf. »Ihr werdet sie nicht mehr herauskriegen, wenn sie einmal schlafen.«
Ein Teil der Neuen schlief bereits mit offenen Mündern vor der Baracke. »Laßt sie liegen«, sagte Berger und sah sich um. »Wo sind die anderen?«
»Sie haben sich drinnen schon selbst Plätze gesucht«, sagte 509. »Im Dunkeln kriegen wir sie nicht wieder heraus. Wir müssen es diese Nacht lassen wie es ist.«
Berger blickte zum Himmel. »Vielleicht wird es nicht zu kalt. Wir können der Wand dicht zusammen sitzen. Wir haben drei Decken.«
»Morgen muß das anders werden«, erklärte 509. »Gewalt gibt es in dies Sektion nicht.«
Sie hockten sich zusammen. Fast alle Veteranen waren draußen; selbst Ahasver, Karel und der Schäferhund. Rosen und Sulzbacher und ungefähr zehn mehr von den Neuen saßen bei ihnen. »Es tut mir leid«, sagte Sulzbacher.
»Unsinn. Ihr seid nicht verantwortlich füreinander.«
»Ich kann aufpassen«, sagte Karel zu Berger. »Es werden mindestens sechs von den Unseren diese Nacht sterben. Sie liegen rechts unten neben der Tür. Wenn sie tot sind, können wir sie hinaustragen und dann abwechselnd in ihren Betten schlafen.«
»Wie willst du im Dunkeln herausfinden, ob sie tot sind?«
»Das ist einfach. Ich beuge mich dicht über ihre Gesichter. Man merkt, wenn sie nicht mehr atmen.«
»Bis wir sie draußen haben, liegt schon einer von drinnen an ihrer Stelle«, sagte 509.
»Das meine ich«, erwiderte Karel eifrig. »Ich komme und melde es. Und dann legt sich gleich einer hinein, wenn wir einen Toten herausnehmen.«
»Gut, Karel«, sagte Berger. »Paß auf.«
Es wurde kühler. Aus den Baracken kamen Stöhnen und Schreckensschreie im Schlaf.