Die Tennisspielerin
- Автор: Браун Рита Мэй
- Год: 1988
- Язык: немецкий
- Год: Rowohlt
- ISBN: 3 499 12394 0
- Переводчик: Gerlinde Kowitske
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Die Tennisspielerin». Краткое содержание книги:
Carmen und Harriet hatten sich in einem kleinen Hotel nicht weit vomSofitel verkrochen. Sich in der Lobby durch die Menge der Spieler und Spielerinnen, Trainer, Reporter und Groupies zu schlagen, war schon normalerweise schlimm genug. In ihrer Situation mieden sie die Massen lieber, als sich hineinzustürzen.
Keine der beiden Frauen erwartete, daß die Presse sie in Ruhe ließe. Überraschenderweise war die französische Presse zurückhaltender als die englische. Harriet fürchtete England so sehr wie die Bewohner von London die Pest von 1666. Dort würde es kein Entrinnen geben. Sie verdrängte den Gedanken daran. Sie waren für zwei Wochen in Paris, also sollten sie das Beste daraus machen.
Für Harriet begann das Turnier, als sie unter einem dicken Kastanienbaum bei den Tennisplätzen saß. Auf ihrem Weg zum Training beobachteten zwei Spieler Carmens fließende Bewegung beim Ballwechsel mit Schmettie Kittridge. Der große amerikanische Spieler sagte: «Wer steht auf Mädchen, aber kriegt keinen stehen?» Sein Trainingspartner zuckte die Achseln. «Carmen Semana». Lachend gingen sie weiter.
Großartig, dachte Harriet, Asche ist ihr schlimmster Belag. Dies hat ihr gerade noch gefehlt. Harriet klappte ihr Buch zu, stand auf und winkte zu Carmen hinüber. Vielleicht sollte sie sich einmal nach Jane und Ricky umsehen.
Das Roland Garros Stadion war 1927 erbaut und nach einem Flieger benannt, der im Ersten Weltkrieg gefallen war. Die Rennbahn Longchamps lag nicht weit entfernt. Harriet stellte sich die Menschen vor, die im edwardschen Zeitalter dort umherschlenderten, eine Menge, die sich von den heutigen Besuchern der Rennbahnen oder Tennisturniere sehr unterschied. Von der berühmten französischen Eleganz war im Roland Garros Stadion nichts zu sehen, schon gar nicht auf dem Westflügel. Die Stammgäste des Ostflügels mit der Sonne im Rücken und dicker Brieftasche, entsprachen ihrem modischen Ruf schon eher.
Das French Open erinnerte Harriet an Forest Hills. Forest Hills war mittlerweile nicht mehr in Betrieb, aber zu seiner Zeit hatte es die Besucher genauso physisch umschlossen wie das Garros. Beide waren efeuberankt, von humaner Größe, so daß die Architektur niemanden erschlug, und beide lagen am Stadtrand - gut erreichbar, doch nicht erstickt von dem Polypen Beton. Harriet hoffte, daß die Franzosen nie eine solche Bauwut durchmachen würden wie die Amerikaner. Noch immer vermißte sie Forest Hills als Austragungsstätte der U. S. Open. Was machte es schon aus, daß die Umkleideräume dort unmöglich waren. Das Stadion war schön.
Auf dem Gelände gab es ein Gewächshaus, und Harriet schlenderte hinein. Hinter einer Kübelpalme verborgen saß ]ane Fulton.
«Palmige Tage, Jane.»
«Hallo, wir sind gestern abend angekommen. Seit wann seid ihr hier?»
«Seit zwei Tagen. Sie will ein Gefühl für diesen Aschebelag kriegen, und Miguel will ein Gefühl für etwas anderes.»
Jane küßte Harriet auf die Wange. «Wie läuft es?»
«Mit alarmierender Regelmäßigkeit treffen haßerfüllte Briefe ein. Ich spurte zum Briefkasten, bevor sie es tut. Sie hat schon genug Aufregung gehabt, vor so einem Turnier. Wo ist Ricky?»
«Bringt seine Enten auf Vordermann.»
«Was?»
«Schaut, daß er alles in den Griff kriegt. Bei einem amerikanischen Turnier ist er schon schlecht genug. Schick ihn ins Ausland, und er ist ungeschickter als seine Großmutter.»
«Und wie geht es dir? Bevor ich meine Manieren ganz vergesse.» Harriet berührte eine pfirsichfarbene Rose.
«Einigermaßen. Immer noch lästige Kopfschmerzen.»
«Meine Nebenhöhlen sind angegriffen, aber deine sind ja anscheinend noch ramponierter. Geh zum Arzt.»
«Sie werden mich mit irgendeinem Medikament vollpumpen, das mich wachhalten soll, und ich schlafe auf der Stelle ein. Das ist bei mir immer so.»
Die beiden traten in den grauen Tag hinaus. «Hast du die Auslosung gesehen?»
«Noch bevor ich ausgepackt habe», antwortete Jane.
«Bei den Männern sind eine ausgemachte Sache.» Im Gegensatz zu den meisten Tennisbeobachtern war Harriet nicht ausschließlich Anhängerin des Spiels der Damen. Wahrscheinlich genoß sie das Spiel der Herren sogar mehr, weil sie da nicht für irgendwen zitterte; sie konnte sich entspannen.
«Von deiner Parteilichkeit mal abgesehen, würdest du nicht auch sagen, daß dies hier ganz nach einem Turnier für Page Bartlett Campbell aussieht?»
«Und Rainey Rogers, die Thronfolgerin, wartet schon im Hintergrund.» Harriet spürte einen Tropfen und hoffte, er käme von einem Vogel und nicht von einem Regenguß.
Jane schirmte die Augen ab und sah nach oben. «Wie könnte es auch anders sein - Regen.»
«Die Freuden eines Freiluftturniers.» Und sie rannten nach einem Unterschlupf.
Soviel Regen ergoß sich in diesen zwei Wochen auf das Roland Garros Stadion, daß es an das evakuierte Dünkirchen erinnerte. Die Menge blieb zu Hause. Ein annehmbarer Tag brachte sie zurück, doch den Spielerinnen und Spielern war keine Ruhe gegönnt. Wenn der Regen vorbei und der Platz bespielbar war, gingen sie hinaus, rot bis an die Knie stolperten sie zurück. Die Innenschenkelmuskeln schmerzten vom Ausgleiten. Auf der Asche war es so verführerisch, in einen Ball hineinzurutschen, statt die Füße zu bewegen. Nach jedem dieser Wolkenbrüche gingen die Platzwarte hinaus und kümmerten sich ums Spielfeld.
So was wie ein leichtes Match gab es nicht, es sei denn, man wäre gegen einen Querschnittgelähmten angetreten. Selbst einen untalentierten Spieler zu besiegen dauerte seine Zeit. Ein Spieler, der sich auf Rasen oder Kunstrasen gnadenlos abservieren ließ, hielt im French Open zäh durch. Diese drittklassigen Spieler wurden förmlich zu Giftzwergen. Es war so erschöpfend, sie zu schlagen, daß sogar die Spitzenspieler sich halbtot fühlten.
Carmen war da keine Ausnahme. Ihr Temperament, das sich auf Langsames oder Langsame nicht einstellen konnte, lag mit ihrem Körper im Kampf. Ihr Knie schmerzte, ihr Körper, so stark er auch war, ächzte nach jedem Match. Sie schwitzte kaum, doch der Wechsel von Regen und Hitze trieb ihr die Schweißperlen auf die Stirn. Sie haßte Stirnbänder, trug aber eines.
Die ersten Spiele gingen an sie. Probleme - in Gestalt von Susan Reilly - erwarteten sie möglicherweise erst im Halbfinale. Nicht daß Carmens Viertelfinalmatch ein Spaziergang gewesen wäre. Justine Haverford, die englische Spielerin, war auf dieser Schmiere gut. Carmen hatte bei der Auslosung Pech, aber Page Bartlett Campbell traf im Halbfinale auf Rainey Rogers, beide gingen davon aus, daß sie das Finale erreichten, und daran bestand anscheinend wenig Zweifel. Harriet und Carmen waren erleichtert, daß sich Rainey auf der anderen Seite befand, denn ewig mit Rainey konfrontiert zu sein, hätte Carmen für Page im Finale mürbe machen können. Carmen würde all ihre Kraft für Page brauchen, gegen deren Kaltblütigkeit genauso schwer anzukämpfen war wie gegen ihr Spiel.
Page und Jeffrey Campbell, Lieblinge der europäischen wie der amerikanischen Medien, ertrugen dies gern. Page genoß die öffentliche Aufmerksamkeit mehr, als sie zugab - freilich gab Page nie etwas zu. Die Vorzüge der Taktik, allgemein daherzuplaudern, ohne etwas von sich preiszugeben, waren Page wohlvertraut. Mit 27 blickte sie über ihre Schulter und beobachtete ein Heer von jungen Mädchen mit beidhändiger Rückhand, Zöpfen oder Pagenschnitt und fragwürdigen Umgangsformen. Page hielt auf Umgangsformen. Wenn diese Küken sie schon sklavisch imitierten, konnten sie ruhig auch ihre Umgangsformen imitieren.
Page blieb für Jeffrey immer ein Geheimnis, denn er hatte Mühe, unter die Oberfläche zu sehen. Doch Page hatte bereits im ersten Jahr ihrer Ehe begriffen, daß sie sich an einen ungewöhnlich aussehenden Mann mit gewöhnlichem Geist gebunden hatte. Sie war ehrgeiziger und intelligenter, zynischer. Zwar verbarg sie den Zynismus, hatte aber genug beobachtet, um zu wissen, daß das, was man sieht, nicht das ist, was man bekommt. leffrey machte sich ständig Sorgen: über sie, über seine Footballkarriere, über Geld. Page war kein Mensch, der vor dem Leben davonlief oder Verantwortung ablehnte, aber sie amüsierte sich gern. Sie konnte kaum jemanden kennenlernen, der nicht über Tennis redete. Sie sehnte sich nach der Gesellschaft aufregender Menschen. Kurz, sie heiratete einen Mann, der ihr nicht ebenbürtig war. Er war ehrlich, solide und anständig. Sie hatte es besser getroffen als 80 Prozent der Leute auf dieser Welt. Doch das war noch kein Ersatz für den Mangel an geistiger Stimulanz und Spontaneität. Page war ein bißchen einsam. Da ihre Ehe überall als die Liebe des Jahrhunderts gefeiert worden war, konnte sie natürlich mit niemandem über ihre Zweifel reden. Isoliert, wie man sowohl in der Welt des Tennis als auch m der des Football lebte, war sie nicht in der Lage, enge Freundschaften mit Menschen außerhalb des Sports zu schließen. Gerade jetzt wäre Jeffrey sehr verletzt gewesen, hätte sie Energien von ihm abgezogen. Ihre Terminpläne waren bereits vollgepackt genug, auch ohne daß sie neue Freundschaften, neue Verpflichtungen eingingen. Also konzentrierte sie sich auf ihr Spiel. Das French Open bedeutete für sie den Wiedereintritt in die Turnierrunde, und sie war entschlossen, es zu gewinnen.