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Der Asteroidenkrieg [The Precipice - de]

Электронная книга - «Der Asteroidenkrieg [The Precipice - de]». Краткое содержание книги:

Die nicht allzu ferne Zukunft: Während die letzten Rohstoffe dahinschwinden, steht die Erde vor einer gigantischen Klimakatastrophe. Da fasst Dan Randolph, ein privater Raumfahrtunternehmer, einen so atemberaubenden wie riskanten Plan: Er will eine Expedition in den Asteroidengürtel des Sonnensystems schicken, um die ungeheuren Ressourcen zwischen Mars und Jupiter für die Erde und ihre Bewohner zu erschließen und damit die Zukunft der Menschheit zu sichern. Seinem Gegenspieler Martin Humphries, Erbe des milliardenschweren Humphries Trust, ist das Schicksal der Erde allerdings völlig gleichgültig. Er lebt in einer luxuriösen Idylle auf dem Mond und sein einziges Ziel ist es, sein Vermögen zu mehren und seine Macht auszubauen. So beabsichtigt er, Randolphs Raumfahrtunternehmen seinem Trust einzuverleiben, um das Know-how zu übernehmen und zu gegebener Zeit selbst Ansprüche im Asteroidengürtel zu erheben. Und aus diesem Grund setzt er alles daran, Randolphs Expedition scheitern zu lassen — und er geht dabei buchstäblich über Leichen…
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Er schluckte die Pillen, verzichtete dafür auf den Sport und machte die Bar in seiner Privatunterkunft als heimlichen Treffpunkt für seine Zechkumpane auf. Über die Jahre hatte er sich einen ordentlichen Bierbauch angetrunken. Seine Glatze glänzte unter den Deckenleuchten, und im teigigen, tätowierten Gesicht lag ein permanentes Grinsen, das seine Zahnlücken zur Geltung brachte. Er pflegte den Gästen zu erzählen, dass er seine wahre Berufung als Schankwirt gefunden habe: ›Ein Spender von guter Laune und gutem Rat‹, wie er sich ausdrückte.

Die Bar befand sich ein paar Ebenen unterhalb der Grand Plaza. Das aus dem Mondgestein gefräste Etablissement hatte die Ausmaße zweier normaler Wohnquartiere. Und es war ruhig. Es gab keine Musik, es sei denn, jemand setzte sich an den kaum benutzten Synthesizer, der im hintersten und dunkelsten Winkel des Raums verstaubte. Das einzige Hintergrundgeräusch war das Summen vieler Gespräche.

Und es wimmelte nur so von Pelikanen. Ein holografisches Video zeigte sie, wie sie wenige Zentimeter über die stillen Wasser des Golfs von Mexiko flogen, vor einem Hintergrund mit Hochhäusern und Strandhotels, die längst unter Wasser standen. Die Wände waren mit Fotos von Pelikanen förmlich tapeziert. Peikan-Statuen standen an beiden Enden der Bar, und Pelikan-Mobiles hingen von der glasierten Gesteinsdecke. Ein lebensgroßer Stoff-Pelikan stand am Tresencomputer — der Vogel war mit einem schrillen Touristen-Outfit bekleidet und schaute die Zecher durch eine funky Sonnenbrille an.

Pancho gefiel es in der Pelican Bar. Sie zog sie dem netten kleinen Bistro oben auf der Grand Plaza vor, die von Touristen und Geschäftsleuten frequentiert wurde. Im Pelican fühlte sie sich irgendwie zuhause; sie kam oft genug her, um als Stammgast durchzugehen und schmiss üblicherweise genauso viele Runden wie die anderen Gäste, die an der Bar saßen.

Sie begrüßte die anderen Stammgäste. Der Inhaber, der wie immer am Tresen stand, unterbrach ein intensives Gespräch mit einer verhascht wirkenden kleinen Rothaarigen und watschelte zu Pancho. Dann mixte er ihr Lieblingsgetränk, einen Margarita mit echter Limone aus Selenes hydroponischem Obstgarten.

Die Wand wurde von separeeartigen Sitzgelegenheiten gesäumt, aber Barhocker gab es nicht. Man trank im Stehen, und wenn man nicht mehr zu stehen vermochte, brachten die Kumpels einen heim. Regel des Hauses.

Pancho hatte sich zwischen die Leute an der Bar gezwängt. Sie stand zwischen einem Fremden und einem pensionierten Ingenieur, den sie nur vom Sehen kannte und dem seine Eltern den krassen Namen Isaac Walton angehängt hatten. Es hieß, er sei nur deshalb auf den Mond gekommen, um vor den ständigen Hänseleien zu fliehen.

Waltons Gesicht wirkte irgendwie schief und asymmetrisch. Sogar das graumelierte Haar schien an einer Seite dichter zu sein als an der anderen. Der sonst fröhliche Zecher machte diesmal einen morbiden Eindruck, wie er beide Ellbogen auf den Tresen gestützt hatte und ins große, mit Reif überzogene Glas starrte.

»Hi, Ike«, sagte Pancho gutgelaunt. »Wieso machst du so ein langes Gesicht?«

»Jahrestag«, nuschelte Walton.

»Und wo ist deine Frau?«

Er warf Pancho einen trüben Blick zu. »Es ist nicht mein Hochzeitstag.«

»Was dann?«

Walton straffte sich etwas. Er hatte in etwa Panchos Größe und war sehnig und schlaksig. »Der Tag jährt sich zum achten Mal, als man mir den Selene-Leistungspreis verliehen hat.«

»Leistungspreis?«, fragte sie. »Was ist denn das?«

Der Wirt unterbrach ihre Unterhaltung. »He, Ike, glaubst du nicht, du hättest genug für heute?«

Walton nickte feierlich. »Ja. Du hast Recht.«

»Wieso gehst du dann nicht nach Hause zu deiner Frau«, schlug der Barkeeper vor. Pancho hörte aber, dass etwas mehr als nur Freundlichkeit in seiner Stimme mitschwang — Teufel, sagte sie sich, er klingt ja fast wie ein Bulle.

»Du hast Recht, Kumpel. Absolut. Ich werde nach Hause gehen. Was bin ich 'n dir schuldig?«

Der Wirt fuchtelte mit der fleischigen Hand. »Vergiss es. Du bist eingeladen.«

»Danke vielmals.« Er drehte sich zu Pancho um und fragte: »Willst du mich nach Hause begleiten?«

Sie schaute auf den Barkeeper, der noch immer ungewöhnlich grimmig wirkte. Dann zuckte sie die Achseln und sagte: »Klar, Ike. Ich werde dich nach Hause bringen.«

Er war doch nicht so wacklig auf den Beinen, wie Pancho vermutet hatte. Nachdem sie die Bar verlassen hatten, wirkte Walton eher deprimiert als betrunken. Trotzdem nickte er den Passanten zu oder grüßte sie.

»Was ist denn der Leistungspreis?«, fragte Pancho, während sie durch den Korridor gingen.

»Ist ein Geheimnis.«

»Aha.«

»Ich habe das Unmögliche für sie möglich gemacht, weißte, aber es kam zu spät, um noch von Nutzen zu sein, und weil sie nicht wollten, dass jeder davon erfährt, haben sie mir den Preis als Schweigegeld gegeben und sagten mir, ich dürfe keinem was davon erzählen.«

»Wovon?«, fragte Pancho verwirrt.

Zum ersten Mal an diesem Abend erschien ein Lächeln in Waltons Gesicht. »Von meinem Tarnmantel«, sagte er.

Wort für Wort zog Pancho ihm die Geschichte aus der Nase. Walton hatte mit Professor Zimmerman, dem Nanotech-Genie, zusammengearbeitet, als die alten UN-Friedenstruppen entsendet hatten, um die Mondbasis zu erobern.

»Stavenger stand unter Zeitdruck, spezielle Waffen zu entwickeln, mit denen wir die Invasion der UN-Soldaten abzuwehren vermocht hätten, ohne sie zu töten«, sagte Walton und wurde mit jedem Schritt nüchterner und grimmiger. »Zimmerman versprach Stavenger, eine Möglichkeit zu finden, um unsere Leute unsichtbar zu machen, aber die Bastarde haben ihn bei ihrem Angriff getötet. Ein Selbstmordattentäter ist in sein Labor eingedrungen und hat den alten Mann in Stücke gerissen.«

»Sich selbst auch?«, fragte Pancho.

»Ich sagte doch ›Selbstmord‹, oder? Auf jeden Fall ging der so genannte Krieg ziemlich schnell zu Ende, und wir erhielten die Unabhängigkeit. Damals änderten wir den Namen von Mondbasis in Selene.«

»Ich weiß.«

»Eine Zeit lang hatte ich nichts zu tun. Ich war Zimmermans Assistent, und nun war der alte Mann tot.«

Walton hatte Zimmermans Erbe angetreten und mit Feuereifer nach einer Möglichkeit gesucht, wie man Menschen unsichtbar machte. Und schließlich hatte er Erfolg gehabt.

»Aber wer will überhaupt unsichtbar sein?«, fragte Walton. »Doch nur jemand, der etwas Böses im Schilde führt«, sagte er, bevor Pancho zu antworten vermochte. »Spione. Mörder. Gangster. Diebe.«

Selenes Regierungsrat beschloss, Waltons Erfindung auf Eis zu legen. Sie so tief zu begraben, dass niemand auch nur von ihrer Existenz erfuhr.

Also verliehen sie mir den Ersten Preis, um mich ruhig zu stellen. Es handelt sich dabei eigentlich um eine Pension. Ich kann mir ein schönes Leben machen — solang ich in Selene bleibe und den Mund halte.

»Klingt doch nicht schlecht«, sagte Pancho, um ihn aufzumuntern.

Walton schüttelte den Kopf. »Du verstehst nicht, Pancho. Ich bin ein Genie, und keiner weiß es. Ich habe eine tolle Erfindung gemacht, und sie ist nutzlos. Ich darf nicht einmal darüber sprechen.«

»Gehst du denn kein Risiko ein, wenn du mit mir darüber sprichst?«, fragte Pancho.

Er schaute sie von der Seite an. »Ach, zum Teufel, Pancho. Ich musste endlich mal mit jemandem drüber reden. Sonst wäre ich noch geplatzt. Und ich kann dir doch vertrauen, nicht wahr? Du wirst meine Erfindung nicht stehlen, auf Tour gehen und jemanden umbringen, oder?«

»'türlich nicht«, beeilte Pancho sich zu sagen. Aber sie fand trotzdem, dass es ganz lustig wäre, sich hin und wieder unsichtbar zu machen.

»Willste es mal sehen?«, fragte Walton.

»Das Unsichtbarkeits-Dingens?«

»Ja.«

»Wie soll ich es aber sehen, wenn's unsichtbar ist?«

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