Die Kinder der Nibelungen
- Автор: Пеш Гельмут
- Год: 2002
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20433-6
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Kinder der Nibelungen». Краткое содержание книги:
Ihre Finger krampften sich noch immer um das Seil, und sie konnte sie nicht davon lösen.
Sie blickte in die Runde. Sie sah Wali, der ihr zu trinken gegeben hatte, und auch die anderen Späher, Widar, Modi und Magni, waren anwesend. Siggi lag noch auf dem Boden; seine Brust hob und senkte sich in keuchende Atemzügen. Laurion saß nehmen ihm und hatte das Gesicht abgewandt. Und Yngwe ...
»Wo ist Yngwe?«
Der Blasenbrodler stieß eine letzte Feuerlanze aus der Tiefe hervor.
Da kam ihr zu Bewusstsein, was geschehen war, und sie weinte, weinte bittere Tränen, die nicht aus Rauch und Feuer geboren waren, sondern aus Kummer um einen Freund, der so voller Hass gewesen war und so voller Heldenmut.
»Er hat mit seinem letzten Blick das Halsband der Göttin gesehen«, sagte Laurion mit einer Stimme rau wie Asche. »Und er hat dich gerettet. Er war sich dessen bewusst, dass dies ein gefährliches Spiel ist, aber als Krieger ist er das Risiko eingegangen. Ehre sein Andenken, aber lass dich nicht vom Kummer überwältigen.«
Der Lios-alf hatte den Arm um sie gelegt. Sie vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter.
Die Lios-alfar sahen die Kinder an. Siggi, der sich ebenfalls wieder aufgerafft hatte, konnte keinen Vorwurf in den Augen der Lichtalben finden, nur Trauer um den Kameraden und Sorge um ihre Gäste.
»Wir müssen nun weiter«, erklärte Laurion schließlich. »Es liegt noch ein gutes Stück Weg vor uns, der gegangen sein will.«
»Ich kann nicht«, schluchzte Gunhild.
»Du musst«, entgegnete Laurion. »Damit sein Opfer nicht vergebens war.«
»Von hier aus führt nur noch ein Weg«, sagte Magni. »Wir haben die anderen Tunnel erkundet, aber sie sind hier alle durch Geröll oder Felsblöcke versperrt. Es scheint, dass die dunkle Brut doch noch ganze Arbeit geleistet hat, bevor sie sich zur Heerschau sammelte. Es muss einen genauen Plan gegeben haben, was jeder in diesem Fall zu tun hatte; anders ist das nicht zu erklären.«
»Und welcher Weg ist das?«, fragte Laurion.
»Der Weg durch den lichtlosen Tunnel«, antwortete Magni.
Trotz der herrschenden Düsternis konnte Siggi sehen, wie Laurion erblasste.
»Ich hatte gehofft, diesen Weg vermeiden zu können«, sagte der Lios-alf langsam. »Aber wenn das Schicksal es nicht anders gewollt hat, werden wir ihn gehen - oder besser kriechen. Zumindest dürften wir dann aus einer Richtung in das Schwarzalbenheim eindringen, die keiner von ihnen vermutet.«
Sie standen auf, und Magni übernahm die Führung. Laurion wollte Gunhilds Hand nehmen, aber sie schüttelte ihn ab; sie wollte lieber allein sein, allein mit ihren Gedanken. Siggi konnte sich ungefähr denken, was in ihr vorging. Jemand hatte sich für sie aufgeopfert, hatte sein Leben für sie gegeben. Wenn das alles bislang wie ein Spiel erschienen war, jetzt war es blutiger Ernst.
Er warf einen Blick auf Magni, Widar und die anderen, die ihnen folgten. Sie nahmen ein ähnliches Risiko auf sich wie Yngwe, und alles nur, um ihnen zu helfen, Hagen aus der Hand der Schwarzalben zu befreien. Obwohl die Lios-alfar zur gleichen Zeit zu einem Krieg gegen die Swart-alfar rüsteten, standen sie ihnen bei. Er konnte ihnen und ihrer Königin gar nicht dankbar genug sein.
Nach einem Marsch von ungefähr fünf Minuten, bei dem es über eine geneigte Felsfläche ging, in einer Höhle, deren Größe nicht abzuschätzen war, bis auf die Decke, die man fast mit ausgestrecktem Arm berühren konnte, kamen sie an eine Felswand. Dieser folgten sie ein kurzes Stück, bis sich darin eine weitere Öffnung auftat, gesäumt von spitzen Felszacken.
»Wir haben die Falle hier bereits ausgelöst«, sagte Magni, ohne genau zu erklären, wie das geschehen war, »und das Geröll beiseite geräumt. Soweit wir erkennen konnten, ist der Weg hier frei.«
»Es hat keinen Sinn«, ließ sich Laurion vernehmen, »wenn ihr vier uns dabei begleitet. Je weniger diesen Weg beschreiten, umso geringer ist die Gefahr. Ich muss gehen, um die Menschenkinder zu führen, und sie müssen ans Ziel gelangen; denn ich denke, dass sie beide noch eine Rolle zu spielen haben - sonst wären sie nicht hier, und sonst wären wir nicht so weit gekommen. Darum lebt wohl, und mögen die Nornen euch hold sein!«
Magni nickte nur, und die anderen hoben grüßend die Hand, dann verschwanden sie so lautlos, wie es nur die Lios-alfar vermochten. Und Siggi nahm zum ersten Mal bewusst wahr, wie gut das Silbergrau ihrer Kleidung als Tarnung vor dem grauen Fels wirkte. Im fahlen Licht musste man schon genau hinsehen und dazu wissen, wo jemand war, um ihn erkennen zu können.
»Auf geht's«, sagte Laurion und übernahm wieder die Führung. Siggi und Gunhild folgten ihm im Gänsemarsch.
Siggis Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Er ertappte sich mehrfach dabei, wie seine Rechte nach dem Hammer oder dem Ring tastete, um wieder das Gefühl der Sicherheit zu bekommen. Gunhild blieb immer noch stumm.
Schritt für Schritt drangen sie tiefer in den Gang ein. Trotz der Aussage des Spähers, dass keine Fallen mehr drohten, hüteten sich alle, die Wände des immer enger werdenden Ganges auch nur zu berühren.
Siggi stellte fest, dass es wieder ein Stück bergauf ging. Die Steigung war sanft und strengte kaum an. Seine innere Anspannung löste sich ein wenig, und er begann, sich sicherer zu fühlen.
»Kein Grund, sorglos zu werden«, sagte Laurion, als spürte er, was in Siggi vorging, obwohl der junge Lichtalbe seinen Blick weiterhin nach vorn gerichtet hielt.
»Ja, Laurion«, stimmte Siggi ihm völlig überrascht zu.
Siggi fragte sich, woher ihr Führer gewusst hatte, dass er unaufmerksam zu werden drohte. Es musste der Instinkt sein, der sich bei Laurion entwickelt hatte. Fast sein ganzes Leben hatte er im Krieg gegen die Schwarzalben verbracht. Er hatte nie die Sicherheit des Friedens kennen gelernt. Er schien zu spüren, wenn seine Leute unachtsam wurden.
Weiter ging es, und Siggi dachte darüber nach, was passieren würde, wenn ihrem Führer etwas zustieße, sodass seine Schwester und er auf sich allein gestellt wären. Allein der Gedanke ließ ihn schaudern. Sie würden keine Chance haben; entweder würden sie in die Hände der Swart-alfar fallen, sich verirren - denn er hatte keine Ahnung, wo sie waren - oder in einer der zahllosen Fallen verenden.
Siggi tastete fast automatisch nach dem Kriegshammer an seiner Seite, der ihm immer wieder Sicherheit gab. Auch jetzt durchströmte ihn gleich darauf eine wilde Entschlossenheit und Zuversicht. Es machte keinen Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was sein könnte. Er musste sich auf den Augenblick konzentrieren. Das Hier und Jetzt zählte; nicht irgendwelche Möglichkeiten, die sich vielleicht ergeben würden.
Sie erreichten eine Halle von wohl zwanzig mal zwanzig Metern. Die Decke der Halle war im fahlen Licht kaum auszumachen, sie mochte acht oder zehn Meter hoch sein. Abrupt blieb Laurion stehen, und der Lichtalbe richtete seinen Blick nach oben, als suche er etwas ganz Bestimmtes.
»Hier«, stellte er schließlich fest, nachdem er die Felswand eingehend untersucht hatte, »müssen wir nach oben klettern. Achtet darauf, was ich mache. Dort«, sagte er und deutete auf Vertiefungen und Vorsprünge im Fels, »müsst ihr entlang. Da ist eine künstlich angelegte Leiter, die uns dort hinauf führt.«
Siggi und Gunhild nickten. Unter der Höhlendecke konnten sie schwach ein schwarzes Loch entdecken, das wie das Maul eines riesigen Ungeheuers wirkte. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch eine Reihe von Felsnadeln, die wie riesige, verfaulte Zähne aussahen.
Laurion kletterte schnell und sicher. Siggi folgte ihm, und er wunderte sich, dass diese Vertiefungen künstlich sein sollten; denn sie wirkten, als wären es völlig natürliche Felsformationen. Es war einfacher als erwartet, den Weg nach oben zu finden. Die ›Leiter‹ beschrieb einen kleinen Bogen im Fels, aber sie waren recht schnell oben. Der Eingang in den Stollen war nur etwa einen Meter hoch, und Laurion zog die Geschwister über die Kante hinweg in den Gang hinein, der glücklicherweise recht breit war.