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Электронная книга - «Jenseits von Mitternacht». Краткое содержание книги:

Ein sensationeller Mordprozess lockt Heerscharen von Journalisten und Prominenten aus aller Welt nach Athen. Was dort vor den Schranken des Hohen Gerichts aufgerollt wird, ist die Lebens- und Liebesgeschichte zweier attraktiver Frauen, die demselben Mann heillos verfallen sind. Und aus dem Hintergrund schlägt als selbstherrlicher Rachegott ein Industriemagnat zu, wenn die Stunde jenseits von Mitternacht beginnt.
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Zwei Wochen nach ihrer Begegnung mit Israel Katz erschien auf der Titelseite der Zeitungen groß die Nachricht, dass die Gestapo eine von Le Cafard geleitete Gruppe von Saboteuren geschnappt hatte. Noelle las alle diese Nachrichten sorgfältig, aber es wurde nicht erwähnt, ob Le Cafard selbst erwischt worden war. Sie dachte an Israel Katz' Gesichtsausdruck, als die Deutschen auf ihn zutraten, und sie wusste, dass er sich niemals lebend ergeben würde. Natürlich, sagte sich Noelle, bilde ich mir das alles vielleicht nur ein. Er ist wahrscheinlich ein harmloser Zimmermann, wie er gesagt hat. Aber wenn er harmlos war, warum war dann die Gestapo so hinter ihm her? War er Le Cafard? Und hatten sie ihn erwischt, oder war er entkommen? Noelle trat ans Fenster ihrer Wohnung, das auf die Avenue Martigny hinausging. Zwei Figuren in schwarzen Regenmänteln standen unter einer Straßenlaterne, warteten. Worauf? Noelle fing an, die gleiche Beunruhigung wie Gautier zu verspüren, aber gleichzeitig wurde sie zornig. Sie entsann sich der Worte des Obersten Müller: Sie haben mich zu fürchten. Es war eine Herausforderung. Noelle hatte das Gefühl, dass sie wieder von Israel Katz hören würde.

Die Nachricht kam am nächsten Morgen von völlig unerwarteter Seite – von ihrem Concierge. Er war ein kleiner Mann in den Siebzigern, mit wässrigen Augen und einem verhutzelten, ledernen Gesicht; außerdem fehlten ihm die unteren Zähne, so dass er schwer zu verstehen war. Als Noelle den Liftknopf drückte, wartete er im Fahrstuhl auf sie. Sie fuhren zusammen abwärts, und als sie sich dem Erdgeschoß näherten, murmelte er: »Die Geburtstagstorte, die Sie beim Bäcker in der Rue de Passy bestellt haben, ist fertig.«

Noelle starrte ihn einen Moment lang an, unsicher, ob sie richtig verstanden hatte, und sagte dann: »Ich habe keine Torte bestellt.«

»Rue de Passy«, wiederholte er hartnäckig.

Und plötzlich begriff Noelle. Selbst dann hätte sie nichts weiter unternommen, wenn ihr Blick nicht auf die beiden Gestapo-Agenten gefallen wäre, die auf der Straße auf sie warteten. Wie ein Verbrecher wurde man verfolgt! Die beiden Männer unterhielten sich miteinander. Sie hatten sie noch nicht bemerkt. Wütend wandte sich Noelle an den Concierge: »Wo ist der Lieferanteneingang?«

»Kommen Sie mit, Mademoiselle.«

Noelle folgte ihm durch einen rückwärtigen Korridor, eine Treppe hinunter zum Souterrain und dann auf eine Gasse hinaus. Drei Minuten später saß sie in einem Taxi, auf dem Weg zu ihrer Verabredung mit Israel Katz.

Die Bäckerei war ein ganz gewöhnliches Geschäft in einer verwahrlosten Kleinbürgergegend. Die Aufschrift auf dem Fenster lautete BOULANGERIE, und die Buchstaben waren abgeblättert und zerbrochen. Noelle öffnete die Tür und ging hinein. Sie wurde von einer kleinen dicklichen Frau in einer makellos weißen Schürze begrüßt.

»Ja, Mademoiselle?«

Noelle zögerte. Sie konnte immer noch weglaufen, sich einfach umdrehen und nicht in etwas Gefährliches verwickelt werden, das sie nichts anging.

Die Frau wartete.

»Sie – Sie haben eine Geburtstagstorte für mich«, sagte Noelle und kam sich bei diesem Spiel albern vor, als ob die kindischen Tricks, die man anzuwenden gezwungen war, nicht dem Ernst der Lage entsprächen.

Die Frau nickte. »Sie ist fertig, Mademoiselle Page.« Sie hängte ein GESCHLOSSEN-Schild an die Tür, schloss sie ab und sagte: »Hier entlang.«

Er lag auf einer Pritsche in einem kleinen Hinterraum der

Bäckerei, sein Gesicht war maskenhaft starr vor Schmerz, und er war in Schweiß gebadet. Das um ihn gewundene Leinentuch war blutgetränkt, und um sein linkes Knie war eine große Aderpresse geschnallt.

»Israel.«

Er drehte sein Gesicht zur Tür, das Leinentuch fiel herunter und gab plötzlich einen blutigen Brei von zerschmetterten Knochen und Fleisch frei, wo sein Knie gewesen war.

»Was ist passiert?« fragte Noelle.

Er versuchte zu lächeln, aber es gelang ihm nicht ganz. Seine Stimme klang vor Schmerz heiser und gezwungen. »Sie sind auf >die Schabe< getreten, aber so leicht bringt man uns nicht um.«

Sie hatte sich also nicht getäuscht. »Ich habe davon gelesen«, sagte Noelle. »Werden Sie wieder in Ordnung kommen?«

Israel holte tief Atem, was für ihn überaus schmerzlich war, und nickte. Mühsam keuchend sagte er:

»Die Gestapo stellt auf der Suche nach mir ganz Paris auf den Kopf. Meine einzige Chance ist, irgendwie aus der Stadt herauszukommen ... Wenn ich Le Havre erreichen könnte, dort habe ich Freunde, die helfen würden, mich auf einem Schiff außer Landes zu bringen.«

»Haben Sie keinen Freund, der Sie aus Paris hinausschmuggeln kann?« fragte Noelle. »Sie könnten sich hinten in einem Lastwagen verstecken.«

Israel schüttelte schwach den Kopf. »Straßensperren. Keine Maus kommt aus Paris heraus.«

Nicht einmal eine »Schabe«, dachte Noelle. »Können Sie denn mit diesem Bein reisen?« fragte sie, um Zeit zu gewinnen und zu einem Entschluss zu kommen.

Seine Lippen verzogen sich zu einer Art Lächeln.

»Ich werde nicht mit diesem Bein reisen«, sagte Israel.

Noelle blickte ihn verständnislos an; in diesem Augenblick ging die Tür auf, und ein großer breitschultriger, bärtiger Mann

kam herein. Er trug eine Axt in der Hand. Er ging auf das Bett zu, schlug das Leintuch zurück, und Noelle spürte, wie alles Blut aus ihrem Gesicht wich. Sie dachte an General Scheider und an den haarlosen Albino von der Gestapo und was die mit ihr tun würden, wenn sie sie erwischten. »Ich werde Ihnen helfen«, sagte Noelle.

Catherine

Washington-Hollywood 1941

Es schien Catherine Alexander, dass eine neue Phase in ihrem Leben begonnen hatte, als ob sie irgendwie eine höhere Gefühlsebene erklommen hätte, einen berauschenden und euphorischen Gipfel. Wenn Bill Fräser in der Stadt war, aßen sie jeden Abend zusammen und gingen anschließend in Konzerte, ins Theater oder in die Oper. Er fand eine kleine bezaubernde Wohnung für sie in der Nähe von Arlington. Er wollte für ihre Miete aufkommen, aber Catherine bestand darauf, sie selbst zu bezahlen. Er kaufte ihr Kleider und Schmuck. Zuerst wehrte sie sich, denn die tief in ihr verwurzelten Prinzipien der protestantischen Ethik sträubten sich dagegen, aber es machte Fräser solche Freude, dass sie ihren Widerstand aufgab.

Ob du willst oder nicht, dachte sie, du bist eine Mätresse. Es war für sie stets ein anrüchiges Wort gewesen, verbunden mit der Idee von billigen Flittchen in Hinterhofwohnungen, die dort ein frustriertes Gefühlsleben führten. Aber jetzt, da es ihr selbst geschah, war es eigentlich gar nicht so, fand Catherine. Es bedeutete einfach, dass sie mit dem Mann schlief, den sie liebte. Es war nicht schmutzig oder niedrig, es war völlig natürlich. Es ist interessant, dachte sie, wie die Dinge, die andere Leute tun, einem schrecklich vorkommen, und doch, wenn man sie selbst tut, erscheinen sie einem richtig. Wenn man über die sexuellen Erlebnisse anderer liest, so wirkt das wie aus einem Sensationsblättchen, aber wenn es sich um einen selbst handelt, scheint es einem erstklassigen Damenjournal entnommen.

Fräser war ein aufmerksamer und verständnisvoller Partner, und es war, als ob sie stets zusammen gewesen wären.

Catherine wusste im voraus, wie er in jeder Situation reagieren würde, sie kannte alle seine Stimmungen. Im Gegensatz zu dem, was Fräser gesagt hatte, wurde ihre erotische Beziehung nicht aufregender, aber Catherine sagte sich, dass die Erotik nur einen kleinen Teil einer Verbindung ausmachte. Sie war kein Schulmädchen, das dauernd einen neuen Kitzel brauchte, sie war eine reife Frau. Man kann nicht alles haben, dachte sie ironisch.

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