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Ferien auf Saltkrokan

Электронная книга - «Ferien auf Saltkrokan». Краткое содержание книги:

Ferien auf Saltkrokan! Pelle, seine große Schwester Malin und seine beiden Brüder entdecken auf der kleinen Insel die unberührte Natur der schwedischen Schären. Sie baden im Meer, fangen Fische, sammeln Pfifferlinge und feiern Mittsommer. Nichts aber ist schöner für Pelle, als gemeinsam mit Tjorven, dem Inselmädchen, und ihrem großen Bernhardinerhund Bootsmann über die Felsen und durch den Wald zu streifen und dabei von einem Abenteuer ins nächste zu stolpern.
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»Oh, ist der aber niedlich«, rief Tjorven. »Darf ich ihn streicheln?«

»Meinetwegen gern«, sagte Vesterman. Und dann sagte er etwas Unglaubliches. »Du kannst ihn behalten, wenn du willst.«

Tjorven starrte ihn an.

»Was sagst du da?«

»Du kannst ihn haben. Natürlich nur, wenn deine Mama und dein Papa es erlauben. Ich bin froh, wenn ich ihn loswerde. Du kannst ihn ja aufziehen und behalten, bis er so groß ist, daß man 'nen Nutzen von ihm hat.«

Tjorven schnappte nach Luft. Vesterman gehörte im allgemeinen nicht zu ihren Lieblingen, aber im Augenblick fühlte sie, daß sie ihn anbetete. »Oh«, machte sie und dachte fieberhaft nach – wie konnte man sich für ein so einzigartiges Geschenk nur bedanken? »Ich stick dir auch etwas in Kreuzstich! Möchtest du das?«

Vesterman verstand nicht, daß Tjorvens Angebot das Gewaltigste war, was sie zustande bringen konnte, und er sagte: »N-ja, ich will nicht behaupten, daß ich unbedingt Sehnsucht danach hab, aber – nimm du den Seehund, man traut sich ohnehin nicht, mit einem jungen Seehund zur Frau nach Haus zu kommen.« Dann ging Vesterman seiner Wege und ließ eine völlig verwirrte Tjorven zurück.

»Bootsmann, das kann nicht wahr sein«, sagte sie. »Wir haben einen Seehund gekriegt!«

Bootsmann schnupperte an dem Seehund. Er hatte noch nie ein Wesen gesehen, das diesem ähnelte; wenn Tjorven es aber durchaus wollte, dann würde er sich auch mit diesem komischen kleinen Vieh anfreunden, das hier lag und ihn anzischte.

»Nein, erschreck ihn nicht«, sagte Tjorven und jagte Bootsmann weg. Dann schrie sie, so laut sie nur konnte: »Kommt mal her! Kommt mal alle her! Das kann ja nicht wahr sein – ich habe einen Seehund gekriegt!«

Pelle kam als erster angelaufen, und er freute sich so sehr, daß er anfing zu zittern, als er den Seehund sah und das Unfaßbare erfuhr: Tjorven hatte dieses phantastische, graugesprenkelte kleine Knäuel geschenkt bekommen, das zischte und schrie und mit knubbeligen, seltsamen kurzen Vorderpfoten auf der Brücke herumkrabbelte. War es wirklich möglich, daß jemand einfach einen Seehund geschenkt bekam?

»Oh, hast du aber Glück«, sagte Pelle aus tiefstem Herzen. Und Tjorven gab ihm recht.

»Ja, es ist nicht zu glauben, ich hab doch andauernd so'n Glück.«

Aber jetzt blieb nichts anderes übrig, als Mama und Papa davon zu überzeugen, wie schön es war, einen Seehund zu haben.

Nach und nach hatten sich alle auf dem Anlegesteg versammelt und betrachteten erstaunt den Seehund.

»Wir können bald einen Tierpark auf Saltkrokan aufmachen«, sagte Melcher. »Ich muß nur mal sehen, ob ich nicht irgendwo noch ein paar billige kleine Flußpferde auftreiben kann.«

Aber Märta hob abwehrend die Hände. Sie wollte keinen Seehund im Haus haben, unter gar keinen Umständen. Nisse hatte ebenfalls Bedenken. Er versuchte Tjorven klarzumachen, welche Mühe sie haben werde, ihn aufzuziehen. Er brauche soviel Milch wie ein Kalb und kiloweise Strömlinge, wenn er erst etwas größer wurde.

»Strömlinge kann er von uns kriegen«, sagte Stina. »Nicht wahr, Großvater?«

Tjorven guckte ihre Eltern vorwurfsvoll an.

»Ich habe ihn doch bekommen«, sagte sie. »Es ist genau, wie wenn man ein Kind bekommt, versteht ihr das nicht?«

Teddy und Freddy gaben ihr recht.

»Und wenn man ein Kind bekommt, dann redet man doch nicht gleich davon, wieviel Milch es braucht und wie schwer es ist, es großzuziehen«, sagte Teddy.

Sie bestürmten Märta mit Bitten. Johann und Niklas und Pelle halfen mit. Sie versprachen, einen Teich für das Seehundjunge zu machen, wo es sich tagsüber aufhalten konnte. In der Felsböschung hinter dem Bootsschuppen war ein tiefer Einschnitt, wenn man den mit frischem Salzwasser füllte, hatte der Seehund das feinste Schwimmbassin, das er sich nur wünschen konnte. Und nachts könne er im Bootsschuppen sein, meinte Freddy. Er werde überhaupt keine Mühe machen, versicherten sie alle hoch und heilig.

Der junge Seehund stieß hin und wieder kleine hilflose Schreie aus, und Stina sagte triumphierend: »Hört ihr, er ruft ›Mama‹!«

»Und das bin ich«, sagte Tjorven und nahm den Seehund auf den Arm. Es sah so aus, als fühlte er sich da wohl. Er schnupperte in ihrem Gesicht herum, und seine Barthaare kitzelten sie, so daß sie lachen mußte.

»Ich weiß, wie er heißen soll«, sagte Tjorven. »Moses! Vesterman hat ihn genauso gefunden wie die, die Moses im Schilf fand – das weißt du doch noch, Freddy?«

»Ich hatte mir Pharaos Tochter nicht ganz so vorgestellt wie Vesterman«, sagte Melcher. »Aber Moses ist ja ein schöner Name.«

Da alle es für selbstverständlich hielten, daß Moses bleiben durfte, willigte Märta schließlich ein.

»Du darfst ihn dann behalten, bis er so groß ist, daß er allein zurechtkommt«, sagte sie. Und alle Kinder jubelten.

»Wißt ihr, was ich glaube?« fragte Stina. »Ich glaube, Moses ist ein verwunschener Prinz, der aus dem Meer raufgestiegen ist.«

»Du mit deinen verwunschenen Prinzen«, sagte Pelle. »Prinz Moses, was?«

Tjorven saß auf dem Anleger, und Moses lag auf ihrem Schoß. Sie streichelte ihn, und er schnupperte an ihren Händen, so daß sie seine Barthaare spürte, und da lachte sie von neuem, daß sie nur so quietschte. Bootsmann stand daneben und sah zu. Lange stand er still und sah Tjorven mit seinen traurigen Augen an. Plötzlich aber machte er kehrt und trottete davon.

Tjorven bekam in diesem Frühjahr alle Hände voll zu tun, denn sie mußte sich ja um Jocke und Moses kümmern. Pelle schrieb aus der Stadt einen Brief nach dem anderen und ermahnte sie, ordentlich nach seinem Kaninchen zu schauen.

»GIB IHM VIL LÖWENZANBLÄTTER«, schrieb er, und Tjorven klagte Stina ihr Leid.

»Viele Löwenzahnblätter, der hat gut reden! Ich hab noch nie ein Kaninchen gesehen, das andauernd so'n Hunger hat!«

Aber Jocke war jedenfalls ein friedliches Tier, das nur Löwenzahnblätter und Wasser brauchte, um sich wohl zu fühlen. Er schrie nicht, wenn man ihn allein ließ. Er kroch nicht überall herum und zerrte Tischtücher herunter oder holte Kochtöpfe heraus oder zerriß Papas Zeitungen. Das alles tat Moses, derselbe Moses, der tagsüber in seinem Teich sein sollte und nachts im Bootsschuppen. Moses wollte weder im Teich sein noch im Bootsschuppen. Er folgte Tjorven überall auf den Fersen, wo sie ging. War sie denn nicht seine Mama? War sie es nicht, die ihm die köstliche Flasche gab mit warmer Milch und Öl darin? Dann durfte er wohl auch bei ihr sein. Er schrie und protestierte, wenn Tjorven ihn abends im Bootsschuppen einsperrte, und als er einmal noch lauter tobte als sonst, nahm sie ihn einfach mit in ihr Zimmer – Mama war bei Frau Jansson zum Handarbeitskränzchen, sie konnte es also nicht verbieten.

Bootsmanns Schlafplatz war auf einem Stück Bettvorleger neben Tjorvens Bett. Hier hatte er, seit er ein Welpe gewesen war, jede Nacht gelegen. Als jetzt aber Moses kam und auf dem Fußboden herumzukrabbeln begann, sagte Tjorven:

»Bootsmann, du mußt heute bei Teddy und Freddy schlafen.«

Es dauerte ein Weilchen, bis Bootsmann begriff, was sie meinte. Erst als sie ihn beim Halsband nahm und aus dem Zimmer führte, verstand er es. »Es ist ja nur für diese eine Nacht, verstehst du«, sagte Tjorven.

Aber als Moses gemerkt hatte, wie gemütlich es war, in Tjorvens Zimmer zu schlafen, wollte er sich nicht mehr mit einem alten Bootsschuppen begnügen.

Am nächsten Abend, als Tjorven ihn einsperren wollte, schrie er so laut, daß er über ganz Saltkrokan zu hören war.

»Die Leute müssen ja denken, wir quälen ihn zu Tode«, sagte Teddy. »Es wird das beste sein, wenn er drinnen bei Tjorven schläft.«

Märta zögerte ein bißchen, aber sie gab nach. Es war schwierig, einem kleinen Seehund zu widerstehen, der so anhänglich war und einen mit seinen klugen, schönen Augen ansah, als verstünde er alles.

An diesem Abend ging Bootsmann unaufgefordert zu Freddy und Teddy hinein und legte sich hier zum Schlafen hin. Und das tat er auch weiterhin. Er hörte auf, Tjorven auf den Fersen zu folgen, wohin sie auch ging. Vielleicht fürchtete er, Moses zu treten. Von nun an lag er fast den ganzen Tag neben der Treppe zum Kaufmannsladen. Mit dem Kopf zwischen den Pfoten lag er hier, als ob er schliefe, und schaute nur jedesmal hoch, wenn jemand in den Laden wollte.

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