Gold - Pirate Latitudes
- Автор: Крайтон Майкл
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Karl Blessing Verlag
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Gold - Pirate Latitudes». Краткое содержание книги:
Auf die Frage, wie er denn solch ein vollendetes Meisterwerk wie den David habe schaffen können, soll Michelangelo geantwortet haben, er habe lediglich all den überflüssigen Marmor entfernen müssen. Die Frage nach Gründen für den immensen Erfolg, den Michael Crichton mit seinem Schaffen von Fiktionen hatte, lässt an diese Pointe denken. Seinen Geschichten haftet nichts an, was nicht dazu dient, die Vorstellungskraft des Publikums zu befeuern. Sein Roman GOLD bleibt dieser Maxime wieder kompromisslos treu; die markanten Figuren, die haargenau umrissenen Schauplätze, die stürmische Handlung – alles steht in dem Dienst, dem Leser ein fulminantes Abenteuer vor Augen zu führen. Dabei hält Crichton sich nicht damit auf, seinen Protagonisten Captain Charles Hunter die romantische Verwegenheit verströmen zu lasen, die von Erol Flynn bis Johnny Depp sämtlichen karibischen Piratengestalten obligatorisch um die Lippen spielt. In GOLD ist keine Zeit für Kostümgeraschel oder Edelmanntümelei, auf ihrem Weg zum fast unmöglich hochgesteckten Ziel bleibt Hunter und seiner Crew nicht mehr Luft zum Atmen als dem Leser. Der Sturmwind über der Karibik sekundiert bei einem packenden Seefahrerduell, und nur er mag wissen, wer dabei Jäger und wer Gejagter ist.
Als es ganz nah war, sah sie das ganze Tier deutlich. Die Haut war totengrau. Es hatte einen spitzen Kopf, einen bauchigen, wenigstens zwanzig Fuß langen Körper und zog ein Gewirr von Tentakeln hinter sich her wie ein Medusakopf. Es schwamm unter dem Schiff hindurch, ohne den Rumpf zu berühren, doch die Wellen, die es erzeugte, brachten die Galeone ins Schaukeln. Dann sah sie es auf der anderen Seite wieder zum Vorschein kommen und in die blauen Tiefen des Ozeans verschwinden. Sie wischte sich die schweißnasse Stirn.
Lady Sarah Almont kam an Deck und sah Hunter über die Reling nach unten spähen. »Einen guten Tag, Captain«, sagte sie. Er drehte sich zu ihr um und verbeugte sich leicht. »Madam.«
»Captain, Ihr seid ja kreidebleich. Fehlt Euch etwas?«
Ohne eine Antwort zu geben, eilte Hunter auf die andere Seite des Achterdecks und spähte erneut über die Reling nach unten.
Enders am Ruder sagte: »Seht Ihr es?«
»Was denn?«, fragte Lady Sarah.
»Nein«, sagte Hunter. »Es ist abgetaucht.«
»Wir müssten dreißig Faden unter uns haben«, sagte Enders. »Das ist flach für das Ding.«
»Was für ein Ding?«, fragte Lady Sarah und schmollte kokett.
Hunter kam zu ihr zurück.
Enders sagte: »Es kommt vielleicht wieder.«
»Aye«, sagte Hunter.
Lady Sarah blickte von Hunter zu Enders. Beiden Männern stand kalter Schweiß auf der Stirn. Beide waren totenblass.
»Captain, ich bin kein Seemann. Was hat das zu bedeuten?«
Enders’ Anspannung löste sich explosionsartig. »Gott im Himmel, Frau, wir haben da eben –«
»– ein Omen gesehen«, führte Hunter den Satz nahtlos weiter und warf Enders einen eindringlichen Blick zu. »Ein Omen, Mylady.«
»Ein Omen? Seid Ihr abergläubisch, Captain?«
»Aye, er ist sehr abergläubisch, wahrhaftig«, sagte Enders und blickte zum Horizont.
»Offensichtlich«, sagte Lady Sarah und stampfte mit einem Fuß auf, »wollt Ihr mir nicht verraten, was hier im Argen liegt?«
»Sehr richtig«, sagte Hunter lächelnd. Er hatte ein bezauberndes Lächeln, trotz seiner Blässe. Er konnte einen zur Verzweiflung bringen, dachte sie.
»Ich weiß, ich bin eine Frau«, setzte sie an, »aber ich muss wirklich darauf bestehen –«
Doch genau in diesem Moment rief Lazue: »Segel in Sicht.«
Hunter hob sofort das Fernrohr ans Auge und sah genau achtern quadratische Segel über der Horizontlinie auftauchen. Er drehte sich wieder zu Enders um, doch der Meereskünstler brüllte bereits die Anweisung, sämtliche Segel zu setzen, die die El Trinidad besaß. Die Bramsegel wurden entrollt und die Fock gehisst, und die Galeone nahm Fahrt auf.
Ein Warnschuss alarmierte die Cassandra, die eine Viertelmeile voraus war. Gleich darauf hatte auch die kleine Schaluppe alle Segel gesetzt.
Hunter blickte wieder durchs Fernrohr. Die Segel am Horizont waren nicht größer geworden – aber auch nicht kleiner.
»Allmächtiger, von einem Ungeheuer zum nächsten«, sagte Enders. »Wie halten wir uns?«
»Ganz gut«, sagte Hunter.
»Wir müssen bald von diesem Kurs runter«, sagte Enders.
Hunter nickte. Die El Trinidad segelte vor einem östlichen Wind, doch ihr Kurs brachte sie zu weit nach Westen, auf die rechter Hand liegende Inselkette zu. Schon bald würde das Wasser zu flach sein, und sie würden den Kurs ändern müssen. Für jedes Schiff bedeutete eine Kursänderung wenigstens eine vorübergehende Geschwindigkeitseinbuße. So unterbesetzt wie die Galeone war, würde sie besonders langsam werden.
Hunter sagte: »Könnt Ihr sie vor dem Wind wenden?«
Enders schüttelte den Kopf. »Zu riskant, Captain. Wir haben zu wenig Mann.«
Lady Sarah sagte: »Was habt Ihr denn?«
»Still«, sagte Hunter. »Geht nach unten.«
»Ich werde nicht –«
»Geht nach unten!«, brüllte er.
Sie wich zurück, aber sie ging nicht unter Deck. Aus einiger Entfernung schaute sie sich das, wie sie fand, seltsame Spektakel an, das sich ihr darbot. Dieser Lazue kam mit katzenhafter Geschmeidigkeit und fast weiblichen Bewegungen die Takelage herabgeklettert. Dann bemerkte Lady Sarah schockiert, dass der Wind gegen Lazues Hemd drückte und unzweifelhaft die Umrisse von Brüsten erkennen ließ. Der Gentleman war also eine Frau! Ihr blieb jedoch keine Zeit, darüber nachzugrübeln, denn Hunter stand jetzt mit Lazue und Enders zusammen und alle redeten aufgeregt miteinander. Hunter deutete auf das Verfolgerschiff und dann auf die Inselkette rechter Hand. Er wies zum wolkenlosen Himmel und zur Sonne, die inzwischen bereits auf dem Weg nach unten war. Lazue hatte die Stirn in Falten gelegt.
»Zu welcher Insel wollt Ihr?«, fragte sie.
»Cat Island«, sagte Enders und deutete auf eine große Insel in der Kette.
»Monkey Bay?«, fragte sie.
»Aye«, sagte Enders. »Monkey Bay.«
»Kennst du sie?«, wollte Hunter von Lazue wissen.
»Ja, aber das ist zehn Jahre her, und es ist eine Luvbucht. Was für einen Mond haben wir?«
»Dreiviertel«, sagte Hunter.
»Und der Himmel ist klar«, sagte Lazue. »Ein Jammer.«
Woraufhin alle nickten und sehr bedrückt den Kopf schüttelten. Dann fragte Lazue: »Bist du ein Spieler?«
»Das weißt du doch«, sagte Hunter.
»Dann lass uns jetzt den Kurs ändern und sehen, ob wir dem Schiff davonfahren können. Falls ja, schön und gut. Falls nicht, sehen wir weiter.«
»Ich verlass mich auf deine Augen«, sagte Hunter.
»Kannst du«, sagte Lazue und kletterte wieder die Takelage hoch zu ihrem Ausguck.
Lady Sarah konnte sich keinen Reim auf das Gespräch machen, doch die Anspannung und die Besorgnis entgingen ihr nicht. Sie blieb an der Reling stehen und blickte zum Horizont, wo sie die Segel des Verfolgerschiffs jetzt mit bloßem Auge deutlich erkennen konnte. Schließlich trat Hunter neben sie. Jetzt, wo die Entscheidung gefällt war, wirkte er entspannter.
»Ich habe kein Wort von der Unterhaltung vorhin verstanden«, sagte sie.
»Das ist ganz einfach«, sagte Hunter. »Seht Ihr das Schiff, das uns folgt?«
»Ja.«
»Und seht Ihr die Insel in Windrichtung, Cat Island?«
»Ja.«
»Dort ist eine Ankerstelle namens Monkey Bay. Sie ist unsere erste Zuflucht, falls wir es schaffen.«
Sie blickte von dem Verfolgerschiff zu der Insel. »Aber Ihr seid doch ganz nah an der Insel, also dürfte das wohl kaum eine Schwierigkeit sein.«
»Seht Ihr die Sonne?«
»Ja …«
»Die Sonne geht im Westen unter. In einer Stunde wird sie sich mit einer Helligkeit im Wasser spiegeln, dass es in den Augen wehtut. Und dann können wir auf dem Weg in die Bucht die Hindernisse unter Wasser nicht mehr erkennen. In diesen Gewässern kann ein Schiff, das gegen die Sonne fährt, sich leicht den Rumpf an Korallen aufreißen.«
»Aber Lazue ist doch schon einmal in diese Bucht gefahren.«
»Aye, aber es ist eine Luvbucht. Luvbuchten sind Stürmen und starken Strömungen vom offenen Ozean ausgesetzt, und sie verändern sich. Eine Sandbank kann sich binnen Tagen oder Wochen verschieben. Monkey Bay ist vielleicht nicht mehr so, wie Lazue sie in Erinnerung hat.«
»Oh.« Sie schwieg einen Augenblick. »Warum wollt Ihr dann dorthin? Ihr habt die letzten drei Tage keinmal haltgemacht. Segelt doch in die Nacht hinein und hängt das Schiff in der Dunkelheit ab.« Sie wirkte überaus zufrieden mit dieser Lösung.