Zwielichtige Pfade
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #10
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Zwielichtige Pfade». Краткое содержание книги:
»Pferde«, knurrte Luca fast, bevor Mat stehenblieb. Seine düstere Miene schien sie alle mit einzuschließen, aber dann konzentrierte er seine ganze Wut auf Mat. Luca war etwas größer als Mat, und er richtete sich zu seiner vollen Größe auf, um auf ihn hinunterzustarren.
»Das wollte er. Ich habe ihm das Dokument gezeigt, das mich von der Pferdelotterie befreit, unterschrieben von Hochlady Suroth höchstpersönlich, aber war er beeindruckt? Ihm war es egal, dass ich eine hochrangige Seanchanerin gerettet habe.« Die Frau war alles andere als hochrangig gewesen, und er hatte sie auch weniger gerettet als ihr vielmehr die Möglichkeit gegeben, als Artistin mitzureisen, aber Luca übertrieb immer zu seinem Vorteil. »Ich weiß sowieso nicht, wie lange diese Ausnahmeverfügung noch gültig sein wird. Die Seanchaner suchen verzweifelt nach Pferden. Sie könnten sie jeden Tag beschlagnahmen!« Sein Gesicht nahm langsam die Farbe seines Mantels an, und er stieß mehrmals mit dem Finger nach Mat. »Ihr werdet noch dafür sorgen, dass man mir die Pferde wegnimmt! Wie soll ich meinen Zirkus ohne Pferde transportieren? Beantwortet mir das, wenn ihr könnt. Ich wollte aufbrechen, als ich diesen Wahnsinn im Hafen sah, bis Ihr mich gezwungen habt, es nicht zu tun. Ihr werdet es noch schaffen, dass sie mir den Kopf abschlagen! Ohne Euch könnte ich schon hundert Meilen weit weg sein, aber nein, Ihr musstet in der Nacht angeritten kommen und mich in einen Eurer verrückten Pläne verstricken!
Ich verdiene hier keine Münze! In den letzten drei Tagen waren nicht einmal genügend Zuschauer da, um das Tierfutter für einen Tag zu bezahlen! Für einen halben Tag! Ich hätte vor einem Monat aufbrechen sollen!
Noch früher! Das hätte ich tun sollen!«
Beinahe hätte Mat gelacht, als Luca die Worte ausgingen. Pferde. Das war alles; bloß Pferde. Davon abgesehen war die Annahme, die schwerbeladenen Zirkuswagen könnten in fünf Tagen hundert Meilen zurücklegen, genauso lächerlich wie Lucas Wagen. Der Mann hätte schon vor einem, nein, vor zwei Monaten aufbrechen können, aber er hatte aus Ebou Dar und seinen seanchanischen Eroberern jedes Kupferstück herauspressen wollen, das möglich war. Und ihn vor sechs Nächten zum Bleiben zu überreden war so einfach gewesen, wie aus dem Bett zu fallen.
Aber statt zu lachen, legte Mat ihm die Hand auf die Schulter. Der Bursche war so eitel wie ein Pfau, darüber hinaus auch gierig, aber es brachte nichts, ihn noch wütender zu machen, als er ohnehin schon war.
»Wärt Ihr in dieser Nacht aufgebrochen, glaubt Ihr nicht, dass sie misstrauisch geworden wären? Die Seanchaner hätten Euch die Wagen auseinandergerissen, bevor Ihr zwei Meilen weit gekommen wärt. Man könnte sagen, ich habe Euch das erspart.« Luca starrte ihn finster an. Manche Leute konnten einfach nicht weiter als bis zur eigenen Nasenspitze sehen. »Aber egal, Ihr könnt aufhören, Euch Sorgen zu machen. Sobald Thom aus der Stadt zurückgekehrt ist, können wir so viele Meilen hinter uns legen, wie Ihr wollt.«
Luca sprang so plötzlich hoch, dass Mat alarmiert zurücktrat, aber der Mann tanzte bloß in einem kleinen Kreis herum und lachte. Domon starrte ihn an, und selbst Blaeric riss die Augen auf. Manchmal schien Luca nichts weiter als ein alberner Narr zu sein.
Der Zirkusbesitzer hatte kaum mit seinem Tanz angefangen, als Egeanin Mat von sich stieß. »Sobald Merrilin zurückkehrt? Ich habe den Befehl gegeben, dass hier keiner geht!« Ihr Blick schwenkte zwischen ihm und Luca in kalter Wut hin und her. »Ich erwarte, dass meine Befehle befolgt werden!«
Luca blieb wie angewurzelt stehen und musterte sie aus den Augenwinkeln, dann machte er eine Verbeugung, die so anmutig war, dass man förmlich den nicht vorhandenen, ausgebreiteten Umhang sehen konnte. Man konnte förmlich die Stickerei auf dem Umhang sehen! Luca glaubte allen Ernstes, mit Frauen umgehen zu können. »Ihr befehlt, süße Lady, und ich springe, um zu gehorchen.« Er richtete sich wieder auf und zuckte entschuldigend mit den Schultern. »Aber Meister Cauthon hat Gold, und ich fürchte, Gold ist ein gewichtigeres Argument, um mir zu befehlen.« Mats mit Goldstücken gefüllte Truhe in seinem Wagen war der einzige Zwang gewesen, den man gebraucht hatte, um ihn zu überzeugen. Vielleicht hatte es geholfen, dass Mat Ta'veren war, aber für genug Gold würde Valan Luca dabei helfen, den Dunklen König zu entführen.
Egeanin holte zischend Luft, bereit, Luca weiter anzubrüllen, aber er wandte ihr den Rücken zu und tänzelte die Stufen zu seinem Wagen hinauf. Dabei rief er: »Latelle! Latelle! Wir müssen sofort jeden wecken! Wir brechen endlich auf, in dem Augenblick, in dem Merrilin zurückkehrt! Das Licht sei gesegnet!«
Einen Augenblick später war er wieder da und kam die kurze Treppe hinuntergeschossen, gefolgt von seiner Frau, die einen schwarzen, mit funkelndem Flitter bestickten Samtumhang um sich zog. Sie hatte ein ernstes Gesicht, und sie rümpfte die Nase, als würde Mat streng riechen. Egeanin warf sie einen Blick zu, der ihre dressierten Bären vermutlich die Bäume hochgejagt hätte. Latelle missfiel die Vorstellung, dass eine Frau ihrem Mann fortlief, obwohl sie wusste, dass es eine Lüge war. Glücklicherweise schien sie Luca aus unerfindlichen Gründen anzubeten, und sie liebte das Gold fast genauso sehr wie er. Luca rannte zum nächsten Wagen und trommelte gegen die Tür, und Latelle tat das gleiche beim übernächsten.
Mat blieb nicht stehen, um zuzusehen, sondern eilte in eine der Seitenstraßen. Mehr eine Gasse, die von der Hauptstraße abzweigte, wand sie sich um die gleiche Art von Wagen und Zelten, die alle hermetisch gegen die Kälte verschlossen waren und aus deren eisernen Schornsteinen Rauch emporstieg. Hier gab es keine Plattformen für Artisten, sondern Wäscheleinen zwischen den Wagen und hier und da auf dem Boden liegendes Holzspielzeug. Diese Straße war nur zum Leben gedacht, ihre Enge sollte Fremde abschrecken.
Er bewegte sich trotz seiner schmerzenden Hüfte schnell, aber er hatte noch keine zehn Schritte zurückgelegt, als Egeanin und Domon ihn eingeholt hatten. Blaeric war verschwunden, vermutlich um die Schwestern zu benachrichtigen, dass sie noch immer in Sicherheit waren und endlich aufbrechen konnten. Die Aes Sedai, die sich als Dienerinnen verkleidet hatten, die krank vor Sorge waren, dass der Ehemann ihrer Herrin sie finden würde, hatten genug davon, in ihrem Wagen eingesperrt zu sein, davon abgesehen reichte es ihnen, ihn auch noch mit den Sul'dam teilen zu müssen. Mat hatte sie dazu gebracht, sich den Wagen zu teilen, damit die Aes Sedai die Sul'dam unter Kontrolle halten konnten, während die Sul'dam ihm die Aes Sedai vom Hals hielten. Dennoch war Mat froh, dass Blaeric ihm abgenommen hatte, diesen Wagen noch einmal aufsuchen zu müssen. Seit ihrer Flucht aus der Stadt hatte jede der Schwestern ihn vier oder fünf Mal am Tag zu sich befohlen, und er ging, wenn es sich nicht vermeiden ließ, aber es war niemals eine erfreuliche Erfahrung.
Diesmal legte Egeanin nicht den Arm um ihn. Sie ging an seiner Seite, schaute stur geradeaus und ließ es ausnahmsweise einmal sein, die Perücke zu überprüfen. Domon stapfte wie ein Bär hinter ihnen her und murmelte dabei etwas Unverständliches vor sich hin.
Die Mütze verriet die Tatsache, dass sein Bart abrupt auf der halben Höhe eines jeden Ohrs aufhörte und darüber nur Stoppeln zu sehen waren. Es ließ ihn ... irgendwie unfertig aussehen.
»Zwei Kapitäne auf einem Schiff steuern es nur in die Katastrophe«, sagte Egeanin in überbetrieben geduldigem Tonfall. Ihr verständnisvolles Lächeln sah aus, als würde es ihr Schmerzen bereiten.