Das erste Gesetz der Magie
- Автор: Гудкайнд Терри
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Caspar Holz
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das erste Gesetz der Magie». Краткое содержание книги:
Gleich mit seinem ersten Roman hat Terry Goodkind einen großartigen internationalen Erfolg bei Lesern und Kritikern erzielt.
»Und nun verschwindet von hier, Männer! Geht!« schrie Zedd. Er drehte sich zu Richard und Kahlan, und ein schelmisches Grinsen kräuselte seine Nase. Er zwinkerte den beiden zu.
»Bitte, Zedd!« riefen ein paar der Männer. »Bitte laß uns nicht in diesem Zustand! Hilf uns, bitte!« Wehklagen ringsum. Zedd wartete ein paar Augenblicke, dann drehte er sich wieder zu ihnen um.
»Was soll das? Meint ihr, ich sei zu hart gewesen?« fragte er mit gespielter Verwunderung. Man war sich rasch einig, genauso sei es. »Und wieso glaubt ihr das? Habt ihr etwas gelernt?«
»Ja!« gellte John. »Jetzt sehen wir, daß Richard recht hatte. Du warst unser Freund. Nie hast du einem von uns Leid zugefügt.« Die Meute stimmte brüllend zu. »Du hast uns lediglich geholfen, und wir haben uns dumm benommen. Wir möchten dich um Verzeihung bitten. Es ist genau, wie Richard gesagt hat. Wir haben uns geirrt. Wir wissen, Zauberei ist nicht immer gleich schlecht. Bitte Zedd, sei auch weiterhin unser Freund. Laß uns jetzt nicht im Stich.« Auch andere flehten lautstark um Gnade.
Zedd tippte sich mit dem Finger gegen die Unterlippe. »Nun.« Er hob nachdenklich den Kopf. »Ich denke, ich könnte alles wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen.« Die Männer rückten näher. »Aber nur, wenn ihr alle mit meinen Bedingungen einverstanden seid. Ich halte sie allerdings für sehr gerecht.« Sie waren mit allem einverstanden. »Also gut. Wenn ihr einverstanden seid, von nun an jedem zu sagen, der die Stimme erhebt, daß Zauberei niemanden schlecht macht, daß nur zählt, was einer tut, und wenn ihr dann zu euren Familien nach Hause geht und ihnen erzählt, daß ihr heute beinahe einen fürchterlichen Fehler gemacht habt, und weshalb ihr euch geirrt habt, dann werdet ihr alle wiederhergestellt. Ist das gerecht?«
Alles nickte. »Mehr als gerecht«, meinte John. »Danke, Zedd.« Die Männer wandten sich um und eilten davon. Zedd wartete.
»Oh, Gentlemen, und noch etwas.« Sie erstarrten. »Bitte nehmt euer Werkzeug mit. Ich bin ein alter Mann. Ich könnte leicht stolpern und mich verletzen.« Ihn nicht aus den Augen lassend, schnappten sie sich hektisch ihre Waffen, machten kehrt und gingen ein Stück, bevor sie anfingen zu rennen.
Richard trat auf der einen Seite neben Zedd, Kahlan auf der anderen. Zedd stand da, die Hände in die knochigen Hüften gestemmt, und verfolgte, wie die Männer abzogen. »Narren«, murmelte er kaum hörbar. Es war dunkel. Das einzige Licht fiel aus dem vorderen Fenster des Hauses hinter ihnen. Richard konnte Zedds Gesicht kaum erkennen, aber immer noch gut genug, um zu sehen, daß er nicht lächelte. »Meine Freunde«, sagte der alte Mann, »diese Suppe wurde uns von verborgener Hand eingebrockt.«
»Zedd«, fragte Kahlan und wendete den Blick von seinem Gesicht, »hast du sie tatsächlich … du weißt schon, ihrer Manneskraft beraubt?«
Zedd lachte in sich hinein. »Das wäre echte Zauberei! Mir zu schwierig, fürchte ich. Nein, meine Liebe, ich habe sie nur dazu gebracht, das zu glauben. Ich habe sie einfach überzeugt, es sei wahr, und den Rest ihrer Phantasie überlassen.«
Richard drehte sich zu dem Zauberer um. »Ein Trick? Es war bloß ein Trick? Ich dachte, du hättest echte Zauberei vollbracht.« Er wirkte irgendwie enttäuscht.
Zedd zuckte mit den Achseln. »Wenn man einen Trick ordentlich ausführt, wirkt er manchmal besser als Zauberei. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, ein guter Trick ist echte Zauberei.«
»Trotzdem, es war bloß ein Trick.«
Der Zauberer hob den Finger. »Ergebnisse, Richard. Das ist es, was zählt. Auf deine Art hätten alle Männer ihre Köpfe verloren.«
Richard mußte grinsen. »Zedd, ich glaube, einigen wäre das lieber gewesen als das, was du ihnen angetan hast.« Zedd lachte. »Das war es also, was wir uns ansehen und von dem wir etwas lernen sollten? Daß ein Trick ebenso wirksam sein kann wie Zauberei?«
»Ja, aber auch noch etwas Wichtigeres. Wie gesagt, diese Suppe wurde uns von verborgener Hand eingebrockt, von Darken Rahls Hand. Aber er hat heute abend einen Fehler gemacht. Es ist falsch, Gewalt nur unzureichend anzuwenden. Damit gibt man seinem Feind eine zweite Chance. Das war die Lektion, die ihr lernen solltet. Lernt sie gut. Wenn eure Zeit kommt, bekommt ihr vielleicht keine zweite Chance.«
Richard runzelte die Stirn. »Dann frage ich mich, warum er es getan hat.«
Zedd zuckte mit den Achseln. »Ich weiß es nicht. Vielleicht verfügt er in diesem Land noch nicht über genügend Macht. Aber auch dann war der Versuch ein Fehler, denn er hat uns nur gewarnt.«
Sie wollten zur Tür. Es gab noch reichlich Arbeit, bevor sie schlafen konnten. Richard ging im Kopf die Liste durch, doch ein seltsames Gefühl lenkte ihn ab.
Die Erkenntnis überkam ihn wie ein kalter Guß. Ihm stockte der Atem. Er wirbelte herum, die Augen aufgerissen, und packte eine Handvoll von Zedds Gewand.
»Wir müssen fort von hier! Jetzt gleich!«
»Was?«
»Zedd! Darken Rahl ist nicht dumm! Er will, daß wir uns sicher fühlen, uns in Zuversicht wiegen! Er wußte, wir wären gerissen genug, um diese Männer auf die eine oder andere Art zu besiegen. Genau das wollte er sogar, damit wir anschließend herumsitzen, uns auf die Schulter klopfen, während er uns holt. Er hat keine Angst vor dir. Du hast selbst gesagt, er sei stärker als ein Zauberer, er habe keine Angst vor dem Schwert und auch vor Kahlan nicht. Er ist in diesem Augenblick auf dem Weg hierher! Er will uns alle, hier und jetzt, in dieser Nacht schnappen! Er hat einen Fehler gemacht, dies war sein Plan. Du hast es selber gesagt, ein Trick wirkt manchmal besser als Zauberei. Und genau das hat er getan. All dies war ein Trick, um uns abzulenken!«
Kahlan wurde bleich. »Zedd, Richard hat recht. Das ist genau seine Denkweise, daran erkennt man ihn. Er erledigt die Dinge gerne auf die Art, die man nicht erwartet. Wir müssen augenblicklich fort von hier.«
»Verdammt! Ich war ein alter Narr! Ihr habt recht. Wir müssen sofort aufbrechen, doch ohne meinen Felsen kann ich nicht fort.« Er schoß los, ums Haus herum.
»Zedd, wir haben keine Zeit!«
Der Alte lief bereits mit fliegendem Gewand und Haaren den Hügel hinauf, hinein in die Dunkelheit. Kahlan folgte Richard ins Haus. Sie hatten sich bis zur Trägheit einlullen lassen. Er konnte kaum glauben, wie dumm er gewesen war, Rahl zu unterschätzen. Er riß seinen Rucksack aus der Ecke neben dem Kamin, eilte ins Zimmer und tastete unter seinem Hemd nach dem Zahn. Er fand ihn und kehrte mit seinem Waldgewand zurück. Er warf es Kahlan um die Schultern und sah sich rasch um, ob er noch etwas anderes mitnehmen könnte. Doch es gab weder Zeit zum Nachdenken noch irgend etwas, für das es sich gelohnt hätte, das Leben zu riskieren. Er packte sie am Arm und schoß zur Tür. Zedd war bereits wieder da und stand keuchend draußen im Gras vor dem Haus.
»Und der Felsen?« wollte Richard wissen. Ausgeschlossen, daß Zedd ihn heben, geschweige denn tragen konnte.
»In meiner Tasche«, erwiderte der Zauberer mit einem Lächeln. Richard hatte keine Zeit, sich darüber zu wundern. Plötzlich war der Kater da. Irgendwie hatte er ihre Hektik mitbekommen und strich ihnen um die Beine. Zedd nahm ihn auf den Arm. »Ich kann dich nicht hierlassen, Kater. Uns steht Ärger ins Haus.« Zedd hob die Klappe von Richards Rucksack hoch und stopfte den Kater hinein.
Richard hatte ein ungutes Gefühl. Er sah sich um, ließ den Blick durch die Dunkelheit schweifen, auf der Suche nach etwas, das nicht an seinem Ort oder im Verborgenen war. Er entdeckte nichts, spürte jedoch, daß er beobachtet wurde.
Kahlan bemerkte, wie er die Gegend absuchte. »Was ist?«
Er konnte zwar nichts sehen, fühlte aber die Blicke. Es mußte die Angst sein. »Nichts. Gehen wir.«
Richard führte sie durch ein lichtes Waldgebiet, das er gut genug kannte, um es blind zu durchqueren, bis zu dem Pfad, den er suchte. Dort bogen sie nach Süden ab. Schweigend gingen sie rasch weiter, nur Zedd murmelte gelegentlich, wie dumm er gewesen war. Nach einer Weile sagte ihm Kahlan, er macht sich zu viele Vorwürfe. Sie alle seien getäuscht worden, und jeder einzelne spüre den Dorn der Schuld, aber sie wären sicher entkommen, und das sei alles, was zähle.