Der Schatten des Magiers
- Автор: Гудкайнд Терри
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Переводчик: Caspar Holz
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Der Schatten des Magiers». Краткое содержание книги:
Richard und Kahlan erneuerten ihren Schwur mit einem Kopfnicken.
»Es ist schon spät«, gähnte Zedd. »Ich war lange unterwegs, um euch zu finden. Morgen reden wir weiter.«
Richard sprang auf. »Ich übernehme die erste Wache.« Er hatte noch etwas zu erledigen und wollte es hinter sich bringen, bevor irgend etwas geschah. »Nimm meine Decke, Zedd.«
»Schon erledigt. Ich übernehme die zweite Wache.« Die zweite von drei Wachen war die unangenehmste, denn sie teilte den Schlaf. Kahlan wollte protestieren und sich für die zweite Wache anbieten. »Ich habe mich zuerst gemeldet, meine Liebe.«
Richard zeigte auf die nackten Felsen, wo er sich aufhalten würde, nachdem er die Gegend abgesucht hätte, und zog los. Tausend Gedanken gingen ihm durch den Kopf, doch einer war wichtiger als alle anderen. Die Nacht war still und kalt, aber nicht unangenehm. Er ließ seinen Umhang offen und tastete sich zielbewußt zwischen den Bäumen hindurch. Die Geschöpfe der Nacht riefen einander, ihm fiel es kaum auf. An einer Stelle kletterte er auf einen Felsbrocken und blickte durch die Lücken zwischen den Bäumen zurück, beobachtete das Feuer und wartete, bis die beiden sich in ihre Decken gehüllt hatten. Dann ließ er sich vom Felsen hinuntergleiten und führte seinen Weg fort zu der Stelle, wo das Wasser rauschte.
Er suchte am Flußufer, bis er ein Stück Treibholz gefunden hatte, das für seine Zwecke groß genug war. Zedd hatte gesagt, er müßte immer den Mut haben, das zu tun, was für ihr Ziel erforderlich wäre, und bereit sein, einen der beiden zu töten, wenn es dazu käme. Richard kannte Zedd. Zedd wollte nicht einfach etwas klarstellen, er meinte, was er sagte. Zedd war fähig, ihn zu töten, und Kahlan auch, was noch wichtiger war.
Er holte den Zahn unter seinem Hemd hervor, zog die Lederschnur über seinen Kopf. Er wog den dreieckigen Zahn in der Hand, betrachtete ihn im Mondlicht und dachte an seinen Vater. Nur mit dem Zahn konnte Richard Zedd beweisen, daß sein Vater kein Dieb war, daß er das Buch an sich genommen hatte, um es vor Darken Rahl zu schützen. Wie gerne hätte Richard Zedd erzählt, daß sein Vater ein Held war, der sein Leben geopfert hatte, um Rahl aufzuhalten, und der als Held gestorben war, um sie alle zu schützen. Er wollte, daß sein Vater wegen seiner Taten in Erinnerung blieb. Er wollte es Zedd erzählen.
Aber er konnte es nicht.
Der Zauberer wollte, daß das Buch der Gezählten Schatten zerstört wurde. Aber das Buch war jetzt Richard. Shota hatte ihn gewarnt, Zedd würde das Zaubererfeuer gegen ihn einsetzen, aber er hätte eine Chance, ihn zu schlagen. Vielleicht war dies der Weg. Um das Buch zu zerstören, mußte Zedd Richard töten. Er selbst war sich egal, er hatte keine Ziele mehr, der Tod war ihm gleichgültig.
Kahlans Tod dagegen nicht. Wüßte Zedd, daß Richard das Buch in sich trug, würde er ihn zwingen, ihm den Inhalt zu verraten, und dann wäre ihm klar, daß Rahl, um die Richtigkeit des Buches zu überprüfen, einen Konfessor brauchte. Und es gab nur noch einen. Kahlan. Wüßte Zedd Bescheid, würde er auch sie umbringen, um Rahl das Wissen vorzuenthalten.
Richard durfte nicht zulassen, daß Zedd das alles erfuhr und Kahlan tötete.
Er wickelte die Schnur um ein Stück Treibholz und klemmte den Zahn in einen langen Spalt, so daß er nicht herausfallen konnte.
»Vergib mir, Vater«, flüsterte er.
Er schleuderte das Holz mit dem daran befestigten Zahn fort, so weit er konnte. Er beobachtete, wie es einen Bogen durch die Luft beschrieb und mit einem fernen Geräusch in den dunklen Fluten kurz versank und wieder auftauchte. Im Mondlicht sah er, wie es über die Wellen tanzte. Mit zugeschnürter Kehle verfolgte er, wie es den Fluß hinabtrieb. Ohne den Zahn fühlte er sich nackt.
Als es außer Sicht war, umkreiste er wie benommen das Lager. Er fühlte sich leer. Richard setzte sich auf den besagten Felsen und beobachtete das Lager unten. Er haßte das. Er haßte es, Zedd anlügen zu müssen, das Gefühl, ihm nicht trauen zu können. Wie weit war es mit ihm gekommen, daß er nicht mal mehr seinem ältesten Freund trauen konnte? Selbst auf diese Entfernung schien Rahl die Hand nach ihm auszustrecken und ihn zu zwingen, Dinge zu tun, die er nicht wollte.
Wenn dies vorbei und Kahlan sicher war, würde er nach Hause gehen — wenn er dann noch lebte.
Seine Wache war zur Hälfte vorüber, als er plötzlich wieder dieses Wesen spürte, das sie verfolgte. Mit den Augen konnte er es nirgends entdekken, aber er spürte es. Es befand sich auf dem Hügel auf der anderen Seite des Lagers. Ihn fröstelte bei dem Gedanken, beobachtet zu werden.
Ein fernes Geräusch ließ ihn auffahren. Ein Knurren, ein Brummen, gefolgt von einem unterdrückten Schrei. Dann wieder Stille. Etwas war gestorben. Richard hatte die Augen aufgerissen, er versuchte, etwas zu erkennen, sah aber nichts als Dunkelheit. Das Wesen, das ihnen gefolgt war, hatte etwas getötet. Oder war selbst getötet worden. Er machte sich seltsamerweise Sorgen. Solange es ihnen gefolgt war, hatte es nie versucht, ihnen etwas anzutun. Das mußte natürlich nichts heißen. Möglicherweise wartete es nur auf den richtigen Augenblick. Aus irgendeinem Grund jedoch glaubte Richard, daß es ihnen nicht böse gesinnt war.
Wieder spürte er die Augen. Richard mußte grinsen, es lebte noch. Er verspürte den Drang, es aufzuscheuchen, herauszufinden, um was es sich handelte, verwarf den Gedanken aber. Dies war nicht der richtige Moment. Es handelte sich um ein Wesen der Nacht, und es war besser, die Bedingungen eines Aufeinandertreffens selbst zu bestimmen.
Noch ein zweites Mal hörte er während seiner Wache, wie etwas starb. Ganz in der Nähe.
Zedd erschien zu seiner Wache, ohne daß Richard ihn wecken mußte. Er sah ausgeruht und erfrischt aus und aß gerade ein Stück Trockenfleisch. Er setzte sich neben ihn und bot ihm ein Stück an. Richard lehnte ab.
»Zedd, was ist mit Chase? Geht es ihm gut?«
»Ja, er ist wohlauf. Soweit ich weiß, ist er losgezogen, um deine Anweisungen auszuführen.«
»Gut. Freut mich zu hören.« Richard hüpfte vom Felsen. Er konnte etwas Schlaf gebrauchen.
»Richard, was hat Shota dir gesagt?«
Die Worte krallten ihn wie eine Klaue. Richard betrachtete das Gesicht seines Freundes im fahlen Licht des Mondes. »Was Shota mir gesagt hat, geht nur mich etwas an. Niemanden sonst.« Die Schärfe seiner Stimme überraschte ihn. »Und dabei bleibt es auch.«
Zedd nahm einen Bissen und beobachtete Richard. »Das Schwert enthält eine große Menge Zorn. Wie ich sehe, hast du Schwierigkeiten, ihn unter Kontrolle zu halten.«
»Schön. Also gut, ich werde dir eine Sache erzählen, die Shota mir gesagt hat. Sie meinte, ich sollte mich mit dir über Samuel unterhalten!«
»Samuel?«
Richard biß die Zähne zusammen und beugte sich vor. »Meinen Vorgänger!«
»Oh. Dieser Samuel.«
»Ja, dieser Samuel. Würdest du mir das vielleicht erklären? Werde ich vielleicht auch so enden? Oder hattest du vor, zu warten, bis ich fertig damit bin, die Arbeit eines Zauberers zu tun und das Schwert an den nächsten Narren weitergebe!« Zedd verfolgte in aller Ruhe, wie sich Richard immer mehr aufregte. Der packte Zedd am Kragen und zog ihn zu sich heran. »Das erste Gesetz der Magie! Ist das die Art, wie Zauberer jemanden finden, der das Schwert übernimmt? Irgend jemand, der dumm genug ist und es nicht besser weiß? Einen neuen Sucher! Hast du sonst noch ein paar Kleinigkeiten vergessen? Noch ein paar Unannehmlichkeiten, die ich vielleicht wissen sollte!«
Richard ließ den Umhang los und stieß Zedd von sich. Er mußte dem mächtigen Drang widerstehen, das Schwert zu ziehen. Seine Brust blähte sich vor Wut. Zedd beobachtete ihn ruhig.
»Es tut mir wirklich leid, mein Junge«, flüsterte er, »daß sie dich so verletzt hat.«
Richard starrte ihn an. Die Ereignisse überstürzten sich und erstickten seine Wut. Alles schien so hoffnungslos. Er brach in Tränen aus, sackte gegen Zedd und schlang die Arme um ihn. Sein Weinen erstickte in Schluchzen, er war unfähig, sich zu beherrschen.