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Xenozid [Xenocide - de]

Электронная книга - «Xenozid [Xenocide - de]». Краткое содержание книги:

Als Kind hat Ender Wiggin durch ein furchtbares Versehen eine fremde Rasse ausgelöscht. Um seine Schuld zu tilgen, wird er zum Sprecher für die Toten, zum Vermittler zwischen den Menschen und anderen vernunftbegabten Rassen. Auf dem Planeten Lusitania spricht er für die geheimnisvollen Piggies. Doch die Piggies sind bedroht: Da sie einen gefährlichen Virus übertragen können, plant der allmächtige Sternenkongreß den Xenozid – die Vernichtung der Fremden. Mit Hilfe eines galaktischen Computerprogrammes beginnt Ender um seinen Planeten zu kämpfen, als plötzlich eine seltsame Gegenspielerin auftaucht: Ein Mädchen aus einer fernen chinesischen Kultur versucht, Enders Pläne zu durchkreuzen.
Der neue Roman vom erfolgreichsten Science-Fiction-Autor der achtziger Jahre. Fast alle neuen Werke von ORSON SCOTT CARD wurden mit dem begehrten NEBULA und HUGO AWARD ausgezeichnet.
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Qing-jao nickte, taub vor Enttäuschung, daß ihre Aufgabe noch nicht beendet war.

»Klinge ich herzlos?« fragte Vater. »Bin ich unehrlich? Bin ich dem Ungläubigen gegenüber grausam?«

»Hat eine Tochter über ihren Vater zu urteilen?« flüsterte Qing-jao.

»Natürlich nicht«, sagte Vater. »Tag für Tag urteilen Menschen über alle anderen Menschen. Die Frage ist nur, ob wir klug urteilen.«

»Dann urteile ich, daß es keine Sünde ist, zu den Ungläubigen in der Sprache ihres Unglaubens zu sprechen«, sagte Qing-jao.

Umspielte ein Lächeln seine Mundwinkel? »Du verstehst es«, sagte Vater. »Falls sich der Kongreß jemals an uns wenden sollte, um bescheiden die Wahrheit zu suchen, werden wir seine Mitglieder den Weg lehren, und sie werden Teil des Weges werden. Bis dahin dienen wir den Göttern, indem wir den Ungläubigen helfen, sich selbst zu belügen und einzureden, für alle Dinge, die geschehen, gäbe es natürliche Erklärungen.«

Qing-jao verbeugte sich, bis ihr Kopf fast den Boden berührte. »Du hast viele Male versucht, mich das zu lehren, doch bis jetzt hatte ich noch keine Aufgabe, auf die dieses Prinzip anzuwenden war. Vergib deiner unwürdigen Tochter ihre Torheit.«

»Ich habe keine unwürdige Tochter«, sagte Vater. »Ich habe nur meine Tochter, die ›Strahlend Hell‹ ist. Das Prinzip, das du heute gelernt hast, wird nur von wenigen auf Weg wirklich verstanden. Deshalb sind nur ein paar von uns imstande, sich direkt mit Menschen von anderen Welten abzugeben, ohne sie zu verblüffen oder zu verwirren. Du hast mich heute überrascht, Tochter, nicht, weil du es noch nicht verstanden hattest, sondern weil du es mit so jungen Jahren verstehst. Ich war fast zehn Jahre älter, bevor ich dieses Prinzip begriff.«

»Wie kann ich etwas vor dir lernen, Vater?« Die Vorstellung, eine seiner Leistungen zu übertreffen, war fast undenkbar.

»Weil du mich hattest, der es dir beibrachte«, sagte Vater, »während ich es selbst herausfinden mußte. Aber ich sehe ein, daß dich der Gedanke erschreckt, etwas vielleicht in jüngerem Alter gelernt zu haben als ich. Glaubst du, es würde mir Schande bereiten, wenn meine Tochter mich übertrifft? Ganz im Gegenteil – es kann keine größere Ehre für Eltern geben, als ein Kind zu haben, das größer ist als sie.«

»Ich kann niemals größer als du sein, Vater.«

»In gewisser Hinsicht stimmt das, Qing-jao. Denn da du mein Kind bist, sind all deine Werke als eine Untermenge in meinen enthalten, genau wie wir alle eine Untermenge unserer Vorfahren sind. Doch du hast so viel Potential zur Größe in dir, daß ich glaube, es wird eine Zeit kommen, da ich wegen deiner Werke größer eingeschätzt werde als wegen meiner eigenen. Wenn das Volk von Weg mich je einer herausragenden Ehre für würdig befinden sollte, dann zumindest in gleichem Maße wegen deiner Errungenschaften wie wegen meiner.«

Mit diesen Worten verbeugte sich Vater vor ihr, keine höfliche Geste der Entlassung, sondern ein tiefes Verneigen aus Ehrfurcht, bei dem sein Kopf fast den Boden berührte. Nicht ganz, denn das wäre lächerlich gewesen, fast eine Verhöhnung, als berühre er wirklich zu Ehren seiner eigenen Tochter mit dem Kopf den Boden. Aber er vollzog die Geste, soweit die Würde es ihm erlaubte.

Es verwirrte sie einen Augenblick lang, erschreckte sie; dann begriff sie. Als er andeutete, seine Chance, zum Gott von Weg gewählt zu werden, hinge von ihrer Größe ab, hatte er nicht von irgendeinem vagen zukünftigen Ereignis gesprochen. Er sprach vom Hier und Jetzt. Er sprach von ihrer Aufgabe. Wenn sie die Tarnung der Götter finden könnte, die natürliche Erklärung für das Verschwinden der Lusitania-Flotte, war seine Wahl zum Gott von Weg sichergestellt. So sehr vertraute er ihr. So wichtig war ihre Aufgabe. Was war ihr Erwachsenwerden, verglichen mit dem Gottsein ihres Vaters? Sie mußte härter arbeiten, besser denken und Erfolg haben, wo sämtliche Unternehmungen des Militärs und des Kongresses gescheitert waren. Nicht für sich selbst, aber für Mutter, für die Götter und für Vaters Chance, einer von ihnen zu werden.

Qing-jao zog sich aus Vaters Zimmer zurück. Sie blieb auf der Schwelle stehen und sah zu Wang-mu hinüber. Ein Blick der Gottberührten genügte, um dem Mädchen zu sagen, daß es ihr folgen solle.

Als Qing-jao ihr Zimmer erreichte, zitterte sie vor dem unterdrückten Drang, sich zu reinigen. Alles, was sie heute falsch gemacht hatte – ihre Aufsässigkeit gegen die Götter, die Weigerung, die Reinigung früher zu akzeptieren, die Dummheit, ihre wahre Aufgabe nicht verstanden zu haben –, kam nun zusammen. Nicht, daß sie sich schmutzig fühlte; sie wollte sich nicht waschen, und sie verspürte auch keinen Abscheu vor sich selbst. Schließlich war ihre Unwürdigkeit durch Vaters Lob gemildert worden, durch den Gott, der ihr zeigte, wie man durch die Tür gehen mußte. Und Wang-mu hatte sich als gute Wahl erwiesen – das war eine Prüfung, die Qing-jao bestanden hatte, und zwar mit wehenden Fahnen. Also ließ nicht die Minderwertigkeit sie zittern. Sie war versessen auf Reinigung. Sie sehnte sich danach, daß die Götter bei ihr waren, während sie ihnen diente. Doch keine Buße, die sie kannte, reichte aus, ihre Versessenheit zu stillen.

Dann wußte sie: Sie mußte eine Linie auf jedem Brett im Raum verfolgen.

Sofort wählte sie ihren Ausgangspunkt, die südöstliche Ecke. Sie würde an der östlichen Wand beginnen, die Linien zu verfolgen, damit sie sich in ihrem Ritual gen Westen bewegte, den Göttern entgegen. Das letzte würde auch das kürzeste Brett im Raum sein, kaum einen Meter lang, in der nördlichen Ecke. Es sollte ihre Belohnung sein, daß das Aufspüren der letzten Linie so kurz und leicht geriet.

Sie hörte, wie Wang-mu hinter ihr leise den Raum betrat, doch sie hatte nun keine Zeit für Sterbliche. Die Götter warteten. Sie kniete in der Ecke nieder und musterte die Linien der Maserung, um diejenige zu finden, der sie dem Wunsch der Götter zufolge nachspüren sollte. Normalerweise blieb die Wahl ihr überlassen, und dann entschied sie sich immer für die schwierigste, damit die Götter sie nicht verachteten. Doch heute war sie von der augenblicklichen Zuversicht erfüllt, daß die Götter die Wahl für sie übernehmen würden. Die erste Linie war ziemlich dick; sie verlief wellenförmig, ließ sich aber leicht verfolgen. Die Götter waren bereits gnädig gestimmt! Das heutige Ritual würde fast zu einem Gespräch zwischen ihr und den Göttern werden. Sie hatte heute eine unsichtbare Barriere durchbrochen; sie war dem klaren Verständnis ihres Vaters nähergekommen. Vielleicht würden eines Tages die Götter mit jener Deutlichkeit zu ihr sprechen, von denen das normale Volk vermutete, alle Gottberührten würden sie vernehmen.

»Heilige«, sagte Wang-mu.

Es war, als bestünde Qing-jaos Freude aus Glas, das Wang-mu absichtlich zertrümmerte. Wußte sie nicht, daß man ein Ritual von vorn beginnen mußte, wenn es einmal unterbrochen worden war? Quing-jao richtete sie auf die Knie auf und drehte sich zu dem Mädchen um.

Wang-mu mußte den Zorn auf Qing-jaos Gesicht gesehen haben, verstand ihn aber falsch. »Oh, es tut mir leid«, sagte sie sofort, fiel auf die Knie und verbeugte sich. »Ich habe vergessen, daß ich dich nicht ›Heilige‹ nennen soll. Ich wollte dich nur fragen, wonach du suchst, damit ich dir bei der Suche helfen kann.«

Qing-jao hätte fast laut aufgelacht, daß Wang-mu sich so sehr irrte. Natürlich hatte Wang-mu keine Ahnung, daß die Götter gerade zu Qing-jao sprachen. Und nun, nachdem ihr Ärger verflogen war, schämte sich Qing-jao, als sie sah, wie sehr Wang-mu ihren Zorn fürchtete; es war nicht rechtens, daß das Mädchen mit der Stirn den Boden berührte. Qing-jao gefiel es nicht, daß sich ein anderer Mensch so erniedrigte.

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